Feb 21 2018

Schweigen (5)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Fasten-Tagebuch

Schweigen
Reden ist Silber, schweigen ist Gold, lautet ein bekanntes Sprichwort.
Nun ja, Reden ist ein wichtiges Medium der menschlichen Kommunikation, Sprache eng mit der Fähigkeit des abstrakten Denkens verbunden, wie die Wissenschaft festgestellt hat. Die differenzierte Sprache ist also etwas, was den Menschen ganz wesentlich ausmacht.
Aber Sprache kann auch negative Wirkungen entfalten, sie kann verletzten, verschleiern, verführen, täuschen. Sie kann vom Wesentlichen ablenken, kann zur sinnentleerten Plapperei ausarten, kann dazu verführen, oberflächlich zu bleiben.
Wenn wir Gott begegnen wollen, müssen wir anfangen zu schweigen und still werden, anfangen, mehr zu hören als zu reden, sagen geistig begabte Menschen. Gott kann Resonanz in unserer inneren Stille finden, in der Stille können wir – vielleicht – Gottes Gegenwart erspüren. Daher sollten wir die Fastenzeit auch dazu nutzen, stiller zu werden, weniger zu reden, vor allem, Schluß zu machen mit der oberflächlichen Plapperei, mit der wir uns ablenken und aufplustern. Schluß, mit dem sinnlosen Gerede. Nach Möglichkeit.

Gott, hilf mir, wesentlicher zu werden!

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Feb 17 2018

Mut, die eigenen Fehler einzugestehen (4)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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“Schuld” ist ein Wort, dass heute nicht sehr hoch im Kurs steht. Und die eigene Schuld zu bekennen, schon gar nicht. Wahrscheinlich stand das noch nie hoch sehr hoch im Kurs. Aber gerade heute passt vielen das Christentum auch deswegen nicht mehr, weil es da immer irgendwie um Schuld geht. Ich wollte davon früher auch nichts wissen.
Schuld kann entstehen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Aber wer gesteht schon gern die eigenen Fehler ein? Der spontane Reflex, wenn irgendetwas schief gelaufen ist, bei der Arbeit zum Beispiel, besteht eher darin, erstmal jede Schuld von sich zu weisen. Schuld sind immer die anderen. Das ist auch verständlich, denn Fehler zu machen und sich dazu zu bekennen, wird in der Regel wenig goutiert. Im Arbeitsleben – oder auch in anderen sozialen Zusammenhängen – kann man damit schnell auf die Abschußliste geraten. Wer zu viele Fehler macht, gefährdet seine berufliche Existenz. Und damit ist im Kapitalismus meistens auch die Angst verbunden, seine bürgerliche Existenz – zumindest seinen sozialen Status – zu gefährden. Manchmal bedarf es auch gar keiner Fehler, um Probleme zu kriegen, da reicht es schon, wenn man etwas in der Leistung nachlässt.
Kein Wunder also, dass niemand gern einen Fehler zugibt. Mir geht es da nicht anders. Wenn etwas daneben gegangen ist, schiebe ich es gern anderen in die Schuhe, um selbst gut da zu stehen. Diese Angst vor Fehlern, die sich uns bürgerlichen Subjekten so tief in die Psyche gesenkt hat, wirkt sich natürlich auch in anderen Lebensbereichen aus. Viele Ehen kranken daran, oder scheitern gar, weil man die Fehler immer beim Partner sucht und die eigenen gern unter den Teppich kehrt. Ich bin da leider keine Ausnahme.
Die Crux bei der Sache ist: kein Mensch ist ohne Fehler, kein Mensch ist ohne Schuld. Auch wenn wir es gar nicht beabsichtigen, laden wir Schuld auf uns. Manchmal beispielsweise verletzen wir andere Menschen, weil wir ihnen zu wenig Beachtung schenken oder sie nicht ernst genug nehmen, uns nicht genug um jene kümmern, die uns gerade brauchen.
Wie auch immer. Niemand ist ohne Schuld. Und solange wir die nicht irgendwie loswerden, tragen wir sie mit uns herum, und die Packung wird im Laufe des Lebens eher größer. Um sie loszuwerden, muss man sie sich erstmal eingestehen.
Der Grund, warum das Christentum heute (scheinbar) nicht nur an Einfluß verliert, sondern geradezu angefeindet wird, besteht unter anderem darin, dass es sich der kapitalistischen Logik, Fehler von sich weg und anderen in die Schuhe zu schieben, diametral entgegen stellt. Damit wir. die von Fehlern (und Schuld) gebeugten Menschen aufrecht, aufrecht vor Gott, stehen können, hat Christus alle Schuld auf sich genommen. Dieser Zusammenhang kommt insbesondere in der orthodoxen Liturgie zum Ausdruck. “Man steht aufrecht vor Gott, geistig und körperlich. Deshalb gibt es im Tempel keine Stühle”, heißt es etwa auf der Website des Heiligen Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeitskloster Buchhagen. Wir können unsere Schuld loswerden, wenn wir uns – vor Christus – zu ihr und zu unseren Fehlern bekennen. Dann haben wir teil an seinem Befreiungswerk, das uns durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung gegeben ist. Das hört sich einfach an, ist es im wirklichen Leben aber nicht. Wie wir wissen. Wir haben uns angewöhnt, Schuld und Fehler zu verleugnen, zu vertuschen und zu verschleiern. Das ist uns bürgerlichen Subjekten quasi in Fleisch und Blut über gegangen. Und jetzt sollen wir uns dazu bekennen. Das empfinden viele als Zumutung. Einfacher sind Umkehr und Neuanfang aber leider nicht zu haben!

Gütiger Gott, es fällt mir nicht leicht, meine Fehler einzugestehen und meine Schuld zu bekennen. Zu oft sehe ich den Splitter im Auge meines Nächsten, aber den Balken in meinem eigenen erkenne ich nicht. Manchmal erhöhe ich mich selbst, indem ich andere erniedrige. Schenke mir den Mut und die Kraft, mit der Veränderung, die ich mir von anderen wünsche, bei mir selbst anzufangen und mich zu meinen Fehlern, Schwächen und meiner Schuld zu stellen.

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Feb 17 2018

Mut zur Askese! (3)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Mut zur Askese
Warum fasten wir, die katholischen und orthodoxen Christen, eigentlich? Von unserer kirchenfernen Umwelt wird man, wie mir scheint, in der Regel dafür eher bemitleidet. Der Ärmste, jetzt darf er schon wieder kein Fleisch und keine Süßigkeiten essen und nicht mal ein Gläschen Bier oder Wein trinken.
Irgendwie sind wir an dieser Sichtweise auch selber schuld: Manche/r Katholik/in, der oder die aus Kirchendisziplin fastet, mag sich vielleicht manchmal selbst etwas bemitleiden. “Okay, verzichten wir halt ein paar Wochen mal auf das eine oder andere, wenn es Vorschrift ist und Gott es so will”. Im Mittelalter hat man gern auch mal zu faulen Tricks gegriffen, damit man um das Fasten herum kommt: Biberfleisch gegessen, zum Beispiel, weil Biber kommen aus dem Wasser und was Wasser aus dem Wasser kommt, Fisch, ist erlaubt. Zu Recht haben die Reformatoren dieses Spektakel dann schließlich als Farce angeprangert. So eine Art Fasten machte und macht wirklich keinen Sinn.
Man sollte das Ganze mal aus einer anderen Perspektive betrachten: Jetzt beginnt die schönste und optimistischte Zeit des Jahres, pflegt unser Pfarrer anläßlich der Eucharistiefeier zu Aschermittwoch sinngemäß immer zu sagen: denn in dieser Zeit soll uns bewusst werden, dass Gott uns für fähig hält, umzukehren, uns neu zu finden und wieder aufs Neue seine, Gottes Gnade zu erfahren.
Ja, wir fasten nicht, weil wir uns irgendetwas verbieten sollen, sondern um uns neu auf Seine Gegenwart hin ausrichten, uns zu fragen, wie es um unsere Beziehung zu Gott denn aktuell steht und wenn nötig, auch etwas in unserem Leben zu verändern. Gott traut uns das zu: wir können das!
Der orthodoxe Priester und Leiter eines geistlichen Zentrums im Elsaß, Alphonse Goettmann, sagt: Das Fasten “macht reinen Tisch, und stellt uns plötzlich unsere Neigungen vor Augen. Indem wir sie nicht länger von außen ernähren, erfahren wir die alten Offenbarungen im Innern: All unsere Wünsche sind nichts als Lärm und Lügen; in Wirklichkeit hungern wir nicht nach Brot, sondern nach Gott. In all unserem Sehnen steckt das einzige Sehen nach Gott. (…) Durch das Fasten öffnen wir uns zum Leben im Geist, zur immerwährenden Danksagung, denn alles ist ein Geschenk von Gott.”
Wir sollten das Fasten daher weniger als Verzicht und vielmehr als Chance begreifen. Nur dann macht das Fasten wirklich Sinn, wenn es uns hilft, unsere Beziehung zu Gott zu stärken und uns auch auf die Kraft Gottes in uns selbst zu konzentrieren.

Großer Gott, wir sind zu oft gefangen in unseren falschen Leidenschaften, die uns von Dir trennen. Hilf uns, sie zu überwinden und in der Fastenzeit einen neuen Anfang in Dir und mit Dir zu finden. Gib uns die Kraft, die Fastenzeit zu einer wirklichen Zeit der Erneuerung werden zu lassen. Hilf uns, zu den Menschen zu werden, die wir nach Deinem Willen sein sollen. Lass uns die Fastenzeit nicht als eine Zeit der Versagung , sondern als eine Zeit der Freude erfahren, in der wir uns Dir und Du Dich uns neu schenkst.

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Feb 16 2018

Die Welt retten (2)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Fasten-Tagebuch

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Wir können doch nicht immer die ganze Welt retten, sondern müssen auch mal an uns denken, sagte vor einiger Zeit ein Familienmitglied zu mir, als es um das Engagement für die Betreuung meiner schwer kranken und pflegebedürftigen Mutter ging.
Nein, wir können nicht die Welt retten, weil wir zu kleinmütig, selbstbezogen und bequem sind. Christus hat die Welt gerettet, er hat sich hingegeben und schweres Leid auf sich genommen. Wenn wir ihm nachfolgen wollen, dann müssen wir wenigstens versuchen, die kleine Welt um uns herum zu retten, so gut wir es eben können. Meine Mutter ist im letzten Dezember gestorben. Mir fallen ganz viele Dinge und Situationen ein, in denen ich mehr für sie hätte tun müssen. Vieles ist unterblieben, manchmal aus Angst, manchmal auch aus Bequemlichkeit.

Wir möchten gern so leben, wie du es uns gesagt und vorgelebt hast, Jesus Christus. Doch aus eigener Kraft gelingt uns das nicht. Unser guter Wille ist zu wenig. Stärke Du uns auf dem Weg in Deiner Nachfolge. Gib uns die Mut und die Kraft, mit Dir die Welt zu retten, und wenn auch nur im Kleinen um uns herum.

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Feb 14 2018

Aschermittwoch (1)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Denkzettel,Fasten-Tagebuch

Aschermittwoch

Mittwochs ist ein Tag, an dem wir in unserer Dienststelle Liegengebliebenes aufarbeiten können, weil das Haus für Besucher geschlossen ist. Es sei denn, wir haben mit unseren Klienten – beziehungsweise Kunden, wie es mittlerweile auch in Behörden heißt – Termine vereinbart. Ich hatte mich heute Morgen trotz schwerer Erkältung zur Arbeit gequält, weil noch einiges aus den letzten Tagen nachzuarbeiten war und ich heute Abend ohnehin zur Aschermittwochs-Eucharistiefeier gehen wollte. Ich saß also am späten Vormittag in meine Akten vertieft am Schreibtisch, als plötzlich ein Kunde den Kopf zur Tür hereinsteckte und mir einen Zettel entgegen hielt. Ich schreckte auf und fühlte mich genervt. Auf dem Zettel war der Name eines Kollegen notiert, mit dem der Kunde verabredet war. Brüsk gab ich ihm einen Wink, mir zu folgen und öffnete jäh die Bürotür des Kollegen. “Hast du heute Leute einbestellt (?)”, fragte ich kurz angebunden und grußlos. Später kam der Kollege in mein Büro und erkundigte sich, was denn mit mir los sei. Ich brachte es nicht einmal fertig, mich zu entschuldigen.

Ich bekenne: Ich war kalt, hart und selbstsüchtig. Ich habe den Frieden gestört und mich um die Not und Befindlichkeit anderer nicht gekümmert.
Gott, allmächtiger Vater, schenke mir Dein Erbarmen, Vergebung und die Kraft zu einem neuen Anfang. Gib mir den Mut, auch meine Mitmenschen und Kollegen um Vergebung zu bitten und einzugestehen, das ich ungerecht war. Amen

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Okt 31 2017

Übertritt eines römischen Priester in die orthodoxe Kirche

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Will ein Priester der römisch-katholischen Kirche orthodox werden und in der orthodoxen Kirche ein Priesteramt bekleiden, muss er dem Glauben abschwören, der römische Papst sei das Oberhaupt der universellen Kirche anstatt Jesus Christus.

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Okt 31 2017

Reformation: Vom Glauben zum Gutsein

Autor: . Abgelegt unter Die Kirche

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Guten Morgen! Es ist Reformationstag! Im Moment dürften überall in den evangelischen Kirchen die Gottesdienste zu diesem Anlass stattfinden – oder bereits stattgefunden haben. Ob die Reformation für altkirchlich orientierte Christen (Katholiken, Orthodoxe, Altkatholiken) ein Grund zu feiern ist, halte ich zumindest für fraglich. Kirchenspaltung, Religionskriege und inzwischen eine zunehmende Säkularisierung nicht nur der Gesellschaft, sondern der Theologie und der Konfessionen selbst, zumindest in der evangelischen und den mit ihr verbundenen Kirchen (meiner eigenen altkatholischen eingeschlossen), dass alles ist eher keine gute Bilanz. Andererseits: Eine Reform der Westkirche war im ausgehenden Mittelalter wohl dringend nötig.
Ich persönlich habe also überlegt, ob ich heute zu einem Reformationsgottesdienst gehe: Und mich dagegen entschieden.
Ich hatte überthaupt keine Lust auf diese eupheministischen Schönreden.
Hier nun, aus gegebenem Anlass ein Text zum Thema Reformation, der mittlerweise schon 10 Jahre alt ist, den ich aber immer noch für sehr dem Thema dienlich halte.

Vom Glauben zum Gutsein

Evangelische Christen in aller Welt feiern am 31. Oktober den Reformationstag, der als Beginn des Protestantismus gilt. Heute genau vor nunmehr genau 500 (inder ersten Fassung dieses Textes, 498) Jahren soll der Augustinermönch Martin Luther seine 95 Thesen an das Portal der Schlosskirche von Wittenberg geschlagen haben. Gleichzeitig versandte er sie in einem Brief an zahlreiche geistliche Würdenträger des Reiches. Luther prangerte darin insbesondere die religiöse Machtanmaßung des Papstes an und wandte sich gegen den damals verbreiteten Ablasshandel der Kirche.

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Okt 15 2016

“Mein Reich ist nicht von dieser Welt”

Autor: . Abgelegt unter Die Kirche

Sonnenuntergang am Meer
(…) immer bleibt auch das Wort wahr, das Jesus zu Pilatus gesagt hat”‘Mein Reich ist nicht von dieser Welt’ (Joh 18,36). Manchmal in der Geschichte ziehen es die Mächtigen dieser Welt an sich. Aber gerade dann ist es bedroht: Sie wollen ihre Macht mit der Macht Jesu verknüpfen, und gerade so entstellen sie sein Reich, bedrohen sie es. Oder aber es ist der beständigen Verfolgung durch die Herrscher ausgesetzt, die kein anderes Reich dulden und den machtlosen König vernichten möchten, dessen geheimnisvolle Macht sie dennoch fürchten.”
(Papst Benedikt XVI. Jesus von Nazareht.Prolog. Die Kindheitsgeschichten. S. 43)

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Okt 05 2016

Fatal synodal?

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

In Mainz leitete die 60. Ordentliche Synode des Katholischen Bistum der Alt-Katholiken die Abschaffung des Ehesakraments ein

Synodalabgeordnete

Die Synode hat getagt. Am letzten Sonntag dem 2. Oktober 2016 ging in Mainz die 60. Bistumssynode der Alt-Katholiken zu Ende. Obwohl ich persönlich nicht teilgenommen habe, konnte ich mich in den letzten Tagen dank der sozialen Medien einigermaßen auf dem Laufenden halten.

Synode und Demokratie

Auf unsere Synodalität sind wir Alt-Katholiken besonders stolz. Gern wird Synodalität als Beleg für die eigene Fortschrittlichkeit und Modernität gegen den rückständigen römischen Zentralismus in Stellung gebracht. Synodalität, das bedeute: nicht Papst und Kurie gebieten darüber, was in der Kirche passiert, sondern das Kirchenvolk selbst bestimme, wo es lang geht. Dabei wird oft betont, dass Synodalität keineswegs vergleichbar mit politischer Demokratie sei. Synodalität beruhe auf dem Prinzip der Konsensbildung, am Ende sollte sich jeder und jede irgendwie in dem Ergebnis wiederfinden können. Doch das ist, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, oft nicht mehr als ein frommer Wunsch. Wenn es drauf ankommt, wird abgestimmt. Und dann zählt, was ausgezählt wird. Wer die meisten Stimmen bekommt, setzt sich durch. Jeder, der oder die schon einmal an so einer alt-katholischen Synode teilgenommen hat, wird das bestätigen können. Und auch, dass es dort mitunter nicht viel freundlicher zugeht, als beispielsweise im deutschen Bundestag.

Synodalität in der Kirchentradition

Die synodale Kirchenverfassung der Alt-Katholiken wird unter anderem mit der Synodalität in der alten Kirche begründet. So wird etwa darauf verwiesen, dass es bereits im ersten christlichen Jahrtausend mancherorts eine direkte Mitbestimmung des einfachen Kirchenvolkes gegebenen habe.
Der emeritierte Lehrstuhlinhaber am alt-katholischen Seminar der Universität Bonn, Günter Eßer, hat in einer Diskussionsrunde nach einem seiner Vorträge über die alt-katholische Kirche bestritten, dass die alt-kirchliche Synodalität vergleichbar sei mit der heute üblichen Form der synodal-demokratischen Kirchenstruktur bei den Alt-Katholiken. Und doch hat es wohl noch im Frühmittelalter Formen beispielsweise der direkten Bischofswahl durch das Volk gegeben, die später zugunsten einer Ernennung durch Domkapitel oder Papst beseitigt wurden. Der Historiker Rainald Becker von der Universität München schreibt:

Grundsätzlich war die Bischofserhebung eine innerkirchliche, staatsfreie” Angelegenheit. Unter dem Einfluss der Gregorianischen Kirchenreform (Papst Gregor VII., reg. 1073-1085) bildete sich das Prinzip der freien kanonischen Wahl (electio canonica libera) durch die Gemeinde (“Klerus und Volk”) als maßgebliche kirchenrechtliche Norm aus. Im Hoch- und Spätmittelalter – insbesondere mit den konkordatären Vereinbarungen des 12. und 15. Jahrhunderts, aber auch in der kirchenrechtlichen Entwicklung (etwa auf dem IV. Laterankonzil von 1215) – gestaltete sich das Verfahren weiter aus. Die Domkapitel sicherten sich – bei Zurückdrängung von Klerus und Volk – das alleinige Bischofswahlrecht (eligendi potestas).

Vor dem Hintergrund der mancherorts praktizierten direkten Bischofswahl noch im Frühmittelalter lässt sich Synodalität durchaus mit einiger Berechtigung auch aus der Tradition der Kirche heraus begründen. Und schließlich, so wird von alt-katholischer Seite betont, herrsche auch in der orthodoxen Kirche das Prinzip der Synodalität.
Das ist ein gewichtiges Argument, hat sich doch in der Orthodoxie die Struktur und der Glaube der alten Kirche wahrscheinlich am ursprünglichsten erhalten. Doch die Synodalität in der orthodoxen Kirche ist eine episkopale, auch wenn bei der Ernennung der Bischöfe bestimmte plebiszitäre Berufungszeremonien noch auf die altkirchlichen Mitwirkungsrechte des Kirchenvolkes hindeuten. Allerdings würde es in der orthodoxen Kirche niemandem einfallen, einem kirchenrechtlichen Laiengremium die Abstimmung über zentrale Glaubensfragen, wie etwa die Ordination von Frauen zu “Priesterinnen” oder die Frage der Sakramentalität kirchlicher Handlungen, zu überlassen, wie es bei den Alt-Katholiken üblich (geworden) ist.

Synodenentscheidung zur Frauenordination? Null, nada, nichtig!

Die Entscheidung über Glaubensfragen durch ein Laiengremium kann niemals katholisch sein. Hat doch Christus nach katholischer Auffassung seinen Aposteln selbst den Auftrag zur Verkündigung und Bewahrung des Evangeliums und zur Spendung von Heilszeichen – wie der Sündenvergebung – gegeben. Und die haben ihn seither durch Gebete und Handauflegung an die Ältesten (bald schon Bischöfe und Priester), an speziell berufene Nachfolger mithin, weitergegeben. Nur wenn dieser spezielle Auftrag abgestritten wird, wie im Protestantismus, kann das Befinden über Glaubensfragen zur Sache der Allgemeinheit werden
Dafür gibt es möglicherweise einige Argumente (die ich allerdings nicht teile), nur katholisch ist das dann nicht mehr. Aber man zwingt ja auch niemanden, katholisch zu sein. Nur sollten nicht die Ergebnisse solcher protestantischer Gepflogenheiten als katholisch ausgegeben werden. Aus katholischer Perspektive ist beispielsweise der alt-katholische Synodenbeschluß aus den 1990er Jahre zur Frauenordination gar nicht gültig: Null, nada, nichtig!

Homosexuelle Partnerschaften und Ehesakrament

Womit wir endlich bei der am letzten Sonntag zu Ende gegangenen 60. Bistumssynode in Mainz angekommen wären Dort sollte es diesmal unter anderem um die Frage nach dem Sakrament der Ehe für homosexuelle Partnerschaften gehen. Bereits bei der vorletzten Synode stand dieses Thema zur Debatte. Bischof Matthias Ring hatte seinerzeit eine Abstimmung darüber verhindern können, das Ganze sollte auf der nächsten Synode wieder auf die Tagesordnung kommen.
Und so stand das Thema Ehesakrament für homosexuelle Paare auf dieser 60. Bistumssysnode am letzten Samstag im Mittelpunkt der Diskussion. Es mag sich ja für andere Katholiken absurd anhören – aber es gibt, nennen wir es mal: einflussreiche Kräfte bei den Alt-Katholiken, die das über kurz oder lang durchsetzen wollen. Zu ihnen gehört unter anderem der neue Lehrstuhlinhaber des Alt-Katholischen Seminars der Universität Bonn, Andreas Krebs. Für ihn sind Sakramente, wie es in einer Pressemitteilung des Bistums heißt, “ein Beziehungsgeschehen, das seinen Ausgangspunkt in der grundlegenden Beziehungshaftigkeit des Menschen hat”. Sakramente seien Beziehungsereignisse, ein Handeln der Kirche und zugleich ein dynamisches Geschehen.
Ein Beziehungsereignis!?
In meiner katholischen Vorstellung galten Sakramente bisher immer als von Christus ausgehende Gnadenzeichen, worin sich, wie die Kirche sagt, durch Worte und Handeln Jesus Christus selber ausdrückt und gegenwärtig wird. In einer von dem serbisch-orthodoxen Erzpriester Milan Pejic aus Hannover redigierten Schrift über den Glauben der orthodoxen Christen heißt es: “Als ein heiliges Mysterium oder Sakrament bezeichnet man einen sichtbaren rituellen Vorgang, durch den die unsichtbare rettende Kraft – genannt Gottes Gnade (göttliche ungeschaffene Energie) – den Gläubigen wundervolle Gnadengaben schenkt. (…) Gottes Gnade sind Gottes Gaben, die der Vater den Menschen durch den Heiligen Geist um der Verdienste des Sohnes Willen spendet”. Und das heilige Mysterium der Ehe ist “das Mysterium, durch das der Heilige Geist einen christlichen Mann und eine christliche Frau, die vor einem Priester geloben, lebenslang in wechselseitiger Liebe und Treue verbunden zu bleiben, zu einem vereint”.
Andreas Krebs definiert das Sakrament indes neu, indem er es auf ein Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Kirche herunter bricht, bei dem es um “göttliche Wirklichkeit” gehe, “die auf Gleichheit, Einvernehmlichkeit und Verbindlichkeit beruht”. Damit kann er im Prinzip alles, was einvernehmlich ist, zum “Sakrament” erklären. Um denen, die da noch nicht ganz mitkommen, ein kleines Zückerchen zu geben, kam zwischenzeitlich der Vorschlag auf, man könne ja das Ehesakrament so belassen und dem noch ein “Sakrament des Lebensbundes” hinzufügen. Es war wiederum der Bischof, der hier davor warnte, vorschnelle Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig betonte, das homosexuelle Partnerschaften eben nicht das gleiche seien, wie der Ehebund. Das Ganze ist daher wieder vertagt und einer Arbeitsgruppe übergeben worden. Aber die Angelegenheit ist damit nicht vom Tisch. Es gibt bei den Alt-Katholiken eine einflussreiche Fraktion von Modernisten, die das über kurz oder lang durchbringen will – und, allen bisherigen Erfahrungen gemäß, auch wird. Dann allerdings wäre es, wie ich meine, endgültig um die Katholizität der Alt-Katholiken geschehen. Da ist leider kein (päpstliches) Ex Cathedra vor.

No, never, Nein und Amen!

Es gibt in der Schrift mehrere recht eindeutige Textstellen, in der homosexuelle Handlungen verurteilt werden. Man kann jetzt darüber streiten, wie das gemeint ist: ob diese Schriftstellen allein eine zeitgenössische Bedeutung hatten, ob sie lediglich auf ein Verbot homosexueller Promiskuität oder auf den in der griechischen Antike praktizierten Sex mit “Lustknaben” zielten. Am Ende muss das jeder für sich allein entscheiden und seinem Gewissen folgen. Und selbstverständlich ist jede Herabsetzung von Menschen mit homosexuellen Neigungen zu verurteilen. Nur eins geht absolut nicht: Aus von der Schrift verurteilten homosexuellen Verbindungen eine sakramentale Gnadengabe zu machen. No! Never! Nein und Amen! Damit würde sich die alt-katholische Kirche endgültig ihrer Katholizität begeben. Wird es soweit kommen? Derzeit sieht es danach aus. Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.

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Okt 02 2016

Licht vom Lichte

Jesus Christus Du Licht vom Lichte lass Dein Licht leuchten in mir erfülle mich mit Deiner Gegenwart nimm alles von mir weg, was mich von Dir trennt, stille Du, Christus, mein Verlangen und vergib mir meine Sünden!

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