Notizblaettchen: Katholisch-orthodox + Altkirchlich + Recht Gläubig

25. März 2018
von schorsi
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Palmsonntag (37): “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen”

palmsonntag

Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Passion Christi. Die Menge, die ihm heute noch jubelnd den Einzug bereit, wird schon fünf Tage später rufen: “kreuzige ihn”. Wie schnell lassen sich die Menschen doch aufwiegeln, wie schnell kann ein Hype umschlagen in sein Gegenteil. Das erleben wir oft genug.

“Mein Gott, warum hast Du mich verlassen”, ruft Christus aus, als er unter schrecklichen Qualen den Kreuzestod stirbt.
Die Fastenzeit, die Zeit, in der wir uns besonders prüfen sollten, versuchen sollten, uns neu auf Gott hin auszurichten, geht zu Ende. Begreifen wir diese Zeit nicht als etwas Vergangenes, sondern als die Vergegenwärtigung des Heilsgeschehen , worin uns die Gnade Gottes und die Auferstehung zugesagt wird.
Vor diesem Hintergrund muss ich mich fragen: wo habe ich selbst Christus, der für mich diesen Kreuzestod gestorben ist, verlassen. Viele Jahre lang habe ich mich weit von ihm entfernt. Er hat mich wieder zu sich zurück gerufen. Christus ist an meiner Seite geblieben und war in vielen sehr schwierigen Situationen da. Und trotzdem verlasse ich ihn auch heute immer wieder, ungewollt, unabsichtlich, und muss mich immer wieder von ihm zurückrufen lassen: Etwa, wenn ich nur an mich selbst denke, mich mein alter Egoismus wieder einholt, ich nicht genug von jener Liebe aufbringe, die nötig wäre, zu anderen mir nahen Menschen so zu stehen, wie Christus zu mir stand.

Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner. Ich danke Dir, das Du mich bewahrt hast, als ich selbst verschuldet in Gefahr für Leib, Leben und Seele geraten bin.
Hilf mir, zu der Kraft der Liebe zu finden, damit ich dir nachfolgen kann. Ich bin ein verwirrter und sündiger Mensch. Ich kann nur mit Deiner Hilfe bestehen.

22. März 2018
von schorsi
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Gottvertrauen (34)

Cella-St-Benedikt-Hannover-01
Gestern Abend in unserem Stadtkloster. Ich setze mich auf eine der Steinbänke, die rechts und links die Kapelle bis zum Altarraum säumen. An mehreren Stellen trennen kleine, kaum auffallende Spalten die Bänke voneinander.
Meistens gehen ich abends gleich von der Arbeit zur Vesper. Meine Schlüssel zum Aufschließen von Diensträumen trage ich an einer Schlüsselkette, die ich an einer Schlaufe an der Hose befestige. Gestern hat sich diese Kette von mir unbemerkt in der Spalte zwischen den Bänken verklemmt. Als ich zum Eröffnungsruf, “O Gott komm mir zur Hilfe”, aufstehen will, reißt es mich zurück. Vor Schreck weiß ich erstmal nicht, was ich machen soll und muss auch zum Nomini Patris auf der Bank sitzen bleiben. Peinlich. Meine Nachbarin linst irritiert auf mich herab.
Nachdem sich alle gesetzt haben, gewinne ich erstmal wieder etwas Zeit, um darüber nachzudenken, was ich jetzt tue, denn zum Hymnus wird ja wieder aufgestanden. Auf die Vesper kann ich mich wenig konzentrieren, obwohl ich natürlich die Psalmen mitsinge, die Psalmodie hat sich nach rund 10 Jahren schon ziemlich verselbständigt.
Es ist ja irgendwie eher eine skurrile Situation, trotzdem wird mir heiß und kalt. Ich möchte mich vor Scham fast selbst in diese kleine Spalte verkriechen, in der meine Schlüsselkette festgeklemmt ist.
Nach einer gewissen Zeit komme ich immerhin auf die Idee, die Kette möglichst beiläufig von der Hose zu lösen und den Schlüssel aus der Tasche zu ziehen. So kann ich zum Hymnus auch wieder aufstehen.
Am Schluß warte ich, bis alle gegangen sind, ziehe einmal kräftig an der Kette, und siehe da, sie ist wieder frei, wenn nun auch in zwei Teile gerissen. Sei’s drum. Wo war eigentlich das Problem?

Herr Jesus Christus, stärke mich im Glauben und in meinem Gottvertrauen, auch in schwierigen Situationen!

21. März 2018
von schorsi
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Fasten. Ein orthodoxer Beitrag. (33)

Hören: die grundlegende Haltung des Schülers: Im Herzen seines vierzigtägigen Fastens enthüllt Christus uns das Geheimnis seiner Umkehr: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ (Matt. 4:4) Das ist die fundamentale Haltung des Schülers. Sein ganzes Sein ist Gehör, so wie es Gehorsam ist. (obeissance, aus dem Lateinischen ob audire = zuhören). „Höre, Israel“ ist das zugrunde liegende Gerüst der ganzen Bibel, durch die Gott sich selbst hingibt und uns gleichzeitig mit einer Weise ausstattet, sich diesem Geschenk zu öffnen. Tatsächlich erkennt derjenige, der gelernt hat zuzuhören, in welchem Ausmaß er in diesem Augenblick von allem Schädlichen befreit wird, denn alles ist gestillt, selbst Ablenkungen und die vielen Gedanken.
Zu gleicher Zeit ist er eingetaucht in das abgrundtiefe Schweigen, das ihn in Berührung bringt mit dem Geheimnis einer Gegenwart. Darum ist das Gehör der am häufigsten geübte Sinn auf dem Weg zur Verwandlung (Transformation).
Wir sollen permanent lauschen, denn Gott spricht in jedem Augenblick zu uns durch Erfahrungen, Begegnungen und allem, was wir äußerlich oder innerlich erleben. Aber um Seine Stimme im Draußen zu hören, müssen wir erst lernen, sie im Innern wahrzunehmen: Dies geschieht durch das Hören auf die Worte der Bibel. Hier ist Er verkündet durch die Worte der Propheten und Fleisch geworden in Jesus Christus. Indem wir Christus betrachten, uns von seiner Gegenwart und seinem Wort durchdringen lassen, werden wir gleichzeitig von dem Wesen Gottes durchdrungen.
Die ganze Bibel ist die wirkliche Gegenwart Jesu Christi. Sie ist kein alter Text, der nur mit dem Verstand gelesen werden will, sondern das Wort will als Kommunion empfangen werden. Das Wort nimmt uns auf, während wir es aufnehmen. Wie Origenes (2. Jhdt.) bemerkt, ist das Lesen der Bibel keine beliebige Zutat zum Leben, sondern es verändert das tägliche Leben, so dass es ein Ort wird, wo das Wort unaufhörlich spricht. Hören ist deshalb eine Übung in ständiger Aufmerksamkeit, die rechte Haltung, um mit dem gegenwärtigen Augenblick zu kommunizieren, eins zu werden mit dem, was hier und jetzt ist, weil darin der Wille Gottes ausgedrückt wird. Und was Gott will, ist immer das Beste für uns. Da „alles Gnade ist“, selbst das Gegenteil zu unseren Wünschen, können wir „zu allen Zeiten und an allen Orten danksagen“. Das immerwährende Hören auf das Leben innen und außen schafft in uns eine wunderbare Stille, einen Hintergrund von Frieden, Freude und Liebe. Eine unaufhörliche Offenbarung Gottes, die Freude von Verliebten. (Aus: WEISHEIT und WEGE
der CHRISTENHEIT von Alphonse und Rachel Goettmann

Zuhören, das scheint einfach zu sein, gehört aber wahrscheinlich zu den Fähigkeiten, die wir immer mehr verlernen.
Einem eineinhalbstündigen Vortrag eines orthodoxen Mönchs über das Fasten zuzuhören? Viele viele mögen es sein, die das durchhalten?

Gütiger Gott, schenke mir Geduld, zuzuhören und lenke meinen Blick auf das Wesentliche. Stärke mich in der Mäßigung.

20. März 2018
von schorsi
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Das Passah-Licht der Liebe (32)

Frühling

Die Tage werden länger. Die Welt wird lichter. In einigen Tagen, von Samstag auf Palmsonntag, werden die Uhren auf Sommerzeit gestellt.

In zwei Wochen feiern wir das Licht, das die Welt erleuchtet. Jenes Licht, das Weihnachten in die Welt kam, wird nun zum strahlenden Glanz. Ostern. Passah.

Gütiger Gott, entzünde in uns das Passah-Licht der Liebe.

19. März 2018
von schorsi
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Dienen (31)

liturgie

In der Feier der heiligen Eucharistie geht es nicht um ausgefallene Inszenierungen, nicht um Show und nicht um irgendwelche Attraktionen. Es geht darum, mit jener Wirklichkeit in Beziehung zu treten, die wir Gott nennen. Es geht um die Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens, das uns mit Christus, seiner Verkündigung, seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung geschenkt wurde. Und gerade darum geht es in der Liturgie um die Wiederholung des Immergleichen (…),

schreibt die katholishe Jouranistin Christina Rietz. Ich sehe das auch so.

In unserer Gemeinde gibt es indes immer mal wieder Initiativen, um die Liturgie (um)zugestalten. Diesmal für das Pfingstfest.
Ich wurde gebeten, dort mitzuwirken. In der Regel pflege ich auf so ein Ansinnen zu sagen: “Wozu Liturgie-AG(?), wir haben doch ein Messbuch.” Diesmal war die Bitte jedoch eindringlicher – und ich fühlte mich auch ein bißchen geschmeichelt. Aber: je näher dieses Treffen rückt, umso mehr merke ich, dass mir das nicht passt.
Ich werde also immer unleidlicher und gebe meinem Mißmut auch in Wort und Schrift Ausdruck.
Ich wünsche mir bei so etwas mehr Gleichmut, mehr Duldsamkeit.

Gütiger Gott, schenke mir mir Gleichmut und Duldsamkeit. Laß mich lieben und verstehen, dass andere Menschen Dir auf auf eine andere Art und Weise dienen wollen, als es mir persönlich gefällt.

18. März 2018
von schorsi
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Heiliger Gott (30)

Erhalte in mir die Sehnsucht nach Dir, heiliger Gott. Führe mich auf den Weg, auf dem ich zu Dir ins Licht gelange. Lass mich mit gereinigtem Herzen das Pascha Christi feiern, damit in mir erstirbt, was mich von Deiner Gnade trennt und ich mit und in Christus auferstehen kann. AMEN

17. März 2018
von schorsi
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Osten Westen Westen Osten (29)

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Gestern habe ich über das Verhältnis von Westkirche und Kirche des Ostens nachgedacht. Mein Gedanke dazu: Obwohl der katholischen Kirche, der Westkirche mithin, seit der Aufklärung immer wieder Wissenschaftsfeindlichkeit vorgeworfen wurde, verkörpert sie doch letztlich in einer historischen Perspektive den Vernunftaspekt des Christentums. In der Kirche des Ostens hingegen hat sich das mystische Christentum bewahrt.
Ich sollte mich damit demnächst einmal etwas intensiver befassen.

In mir selbst möchte ich gern beides bewahren, Westliches wie Östliches in mir lebendig halten.

Gütiger Gott, hilf mir, das, was in Deiner Kirche gegensätzlich sich ausdrückt, in mir selbst im Kleinen zu versöhnen.

16. März 2018
von schorsi
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Der Weg zu dir selbst (28)

Collage mit Text: Der Weg, der dir gezeigt wird, ist nicht weit. Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegen gehen.

Cella Sankt Benedikt, Logion März 2018: Der Weg, der dir gezeigt wird, ist nicht weit. Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegen gehen.

Ich fürchte, der Weg zum eigenen Selbst ist manchmal der längste und steinigste, den man sich vorstellen kann. Mir selbst kommt es jedenfalls so vor, wenn ich auf mein Leben blicke. Aber vielleicht ist er für andere Menschen ja auch kürzer.

Gütiger Gott, führe mich auf den Weg zu Dir in mir selbst.

15. März 2018
von schorsi
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Gier (27)

Collage: Gier

Sehnsucht kann sich in Gier verwandeln, wenn sie sich mit dem Gift der Angst mischt. Hat die Gier erst einmal Macht, kann sie alle ethischen Maßstäbe sprengen.

Die Gier wird nur geheilt, wenn sie in Sehnsucht verwandelt wird. Es ist letztlich ein spiritueller Weg, der mich von meiner Gier befreien kann. Nicht indem ich sie mir verbiete, wird sie sich wandeln, sondern indem ich sie zu Ende denke und sie wieder in Sehnsucht verwandle.

Danke, das Du mir die Kraft und die Einsicht gibst, die Gier zurückzuverwandeln in Sehnsucht.

14. März 2018
von schorsi
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Trägheit (Akedia) (26)

Schwer. Leicht. Bewegung. Starre. Aus der Haut fahren. Ist unmöglich.

Schwer.
Leicht.
Bewegung.
Starre.
Aus der Haut fahren.
Ist unmöglich.

Der Mönch Evagrius Ponticus (4. Jahrhundert) schildert die Akedia recht humorvoll. Da ist ein Mönch in seiner Zelle und liest Bibel. Dann schimpft er, dass das Licht nicht hell genug ist. Außerdem ist er schläfrig. Er nimmt die Bibel als Kissen. Aber er schläft nicht gut darauf, weil es hart ist. Er steht auf, schaut zum Fenster heraus, ob nicht ein Mitbruder kommt, um ihn zu besuchen. Dann beschwert er sich über die hartherzigen Mitbrüder.

Er geht wieder in seine Zelle, doch dann regt er sich auf, dass sie überall feucht ist. Schließlich juckt ihn sein Mönchskleid, das er anhat. Er möchte am liebsten aus der Haut fahren. Schuld sind immer die andern.
(…)

Akedia ist die Unfähigkeit, im Augenblick zu sein. Immer möchte man woanders sein. Man hat weder Lust zum Beten noch zum Arbeiten, ja nicht einmal zum Nichtstun. Das, was gerade ist, ist immer schlecht. Aber wenn man etwas anderes tut, ist man auch nicht zufrieden.

Die Mönche sagen, dass der Dämon der Akedia die Seele des Menschen auseinanderreißt. Er hat keine Mitte mehr. Er ist nicht bei sich. Die Mönche nennen diesen Dämon auch den Mittagsdämon, weil er gerade um die Essenszeit auftaucht. Quelle: Erzdiözese Wien. 7 Todsünden. Trägheit

Gütiger Gott, schenke mir die Kraft und den Willen, meine Trägheit zu überwinden. Lass mich immer mehr zu Deiner Nähe in meiner Mitte finden!