Archiv für die Kategorie 'Transzendenz und Alltag'

Dez 28 2014

Die weihnachtliche Revolution

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Kardinal Marx
An Weihnachten erinnern wir uns an eine wirkliche Revolution, sagt der Münchner Bischof, Kardinal Reinhard Marx (Bild oben).

Gott ist vom Himmel gekommen und für unser Heil Mensch geworden. „Weihnachten feiern wir aus guten Gründen als beglückendes und fröhliches und hell erstrahlendes Fest, weil wir mitten im Winter auf den hinweisen wollen, der Licht in unser Leben bringt.“ Die Revolution der Bibel liege darin, sagt Marx, dass der Mensch als Person geschaffen ist „und in verantwortlicher Freiheit das eigene Leben führt. Darin gründet die gleiche Würde aller Menschen, die niemandem zuerkannt und niemandem abgesprochen werden kann.”
Der Kardinal hat recht: Weihnachten erinnert uns daran, das Gott selbst Mensch geworden ist und alle Freude und alle Not des Menschseins auf sich genommen hat. Er hat das getan, um den Menschen nahe zu sein, um den Menschen die Botschaft seiner Liebe zu bringen und alle Menschen, die ihn annehmen, zu retten und vom Tod zu erlösen.
Andere Völker in früheren Zeiten haben ihre Könige und Kaiser zu Göttern erhoben. Das Revolutionäre an Weihnachten ist, dass Christus völlig nackt und schutzlos in einem Stall geboren wird und sich in die Hände der einfachen Menschen begeben hat. Das Revolutionäre an Weihnachten ist, dass er sich zu den Niedrigen hinab gebeugt hat, indem er sich selbst erniedrigte. Christus ist in die Welt gekommen, um die Elenden, Erniedrigten, die, die ganz unten sind, herauf ans Licht zu holen. Er hat sich selbst erniedrigt und die Erniedrigten zu den Subjekten seiner Botschaft und der ganzen Menschheitsgeschichte gemacht.
Das ist wirklich revolutionär. Und von dieser Revolution gehen alle Veränderungen aus, die auf Gerechtigkeit zielen, die Würde des Menschen stärken und auf Vervollkommnung des Menschen und des menschlichen Miteinanders gerichtet sind: von der mystischen Gotteserfahrung über die Verteidigung der Menschenrechte bis hin zur Idee einer gerechten Gesellschaft in sozialen Utopien. (Dieses revolutionäre Wesen des Christentums mit seiner besonderen Hinwendung zu den Armen und Erniedrigten übrigens, findet eine spezielle Betonung im lateinamerikanischen Katholizismus, wie er von Papst Franziskus repräsentiert wird. Den europäischen Katholiken mit ihren teils im Feudalismus verhafteten Traditionen geht das häufig eher ab.)
Die Ankunft Christi in der Welt ist eine Revolution, die an Weihnachten beginnt und mit Ostern vollendet wird.

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Mai 31 2014

Gottsuche

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SonnenaufgangWeder die Nichtexistenz noch die Existenz Gottes seien beweisbar, sagt der Theologe Hans Küng. (Existiert Gott? Küng 2004: 593.)
Gegenstand der Anschauung könne nur sein, meint Küng, was in der erfahrbaren Zeit und im erfahrbaren Raum ist. Wissenschaftliche Urteile seien auf Anschauung angewiesen, ein wissenschaftlicher Gottesbeweis daher nicht möglich. Küng begründet die Existenz Gottes mit dem ethischen Prinzip, auf dem unsere Werthaltungen beruhen und das sich, so Küng, aus dem Glauben an Gott speise. Das ethische Wertesystem sei gleichsam von einer göttlichen Wahrheit durchwirkt und könne ohne diese letztlich gar nicht sein. Über andere Möglichkeiten der Gotteserfahrung spricht Küng leider nicht. Weiterlesen »

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Mai 17 2014

Erleuchtung

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Sonnenlicht zwischen dunklen Wolken

“(…) du hast es gut: du kannst den HERRN um erleuchtung bitten, aber ich …?;-)”

Diesen Satz mit leicht ironischem Unterton schrieb mir vor Kurzem ein Freund, bei dem ein Projekt gerade nicht so rund läuft, wie er sich das wünscht. Der Betreffende war in seiner Jugend Messdiener und hat der Kirche dann irgendwann den Rücken gekehrt.
“Erleuchtung” ist meistens ein Weg und kein einfach vorfindlicher Zustand, schrieb ich ganz unironisch zurück: Und dieser Weg verweist uns darauf, an die Verbundenheit von allem und von uns allen mit Gott und der ganzen Schöpfung nicht nur zu glauben, sondern sie auch zu erfahren, und wenn auch nur partiell. Das ist es, wonach ausnahmslos jeder Mensch im Grunde sucht, nur, dass viele ein Leben lang suchen, ohne das Ziel ihrer Suche benennen zu können (an dieser Stelle ist vielleicht eine Relativierung angebracht: möglicherweise gibt es welche, die sich bewusst für die Gegenseite, für das Böse, entschieden haben. Die gehören wohl nicht mehr zu den Suchenden). Jede Suche nach Wahrheit ist letztlich immer die Suche nach Gott, denn in ihm ist die ganze Wahrheit aufgehoben. Je näher wir der Wahrheit kommen, desto näher kommen wir Gott und damit der sogenannten “Erleuchtung”. Und letztlich gilt das auch für jeden Akt der Solidarität, den wir anderen Menschen (wahrscheinlich auch Tieren) erweisen. Denn damit machen wir die Verbundenheit mit allen und allem zum Maß unseres Handelns. Das kann immer auch schon ein kleiner Schritt in Richtung Erleuchtung sein, glaube ich.

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Mai 02 2014

Jesus rettet (2)

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Hutkrempe
Erster Mai 2014. Hannover, Trammplatz. „Guck mal, der da” sagt Hanno, (Hanno der Straßenmusiker, Entertainer, „Bunter Hund“,) und weist auf den Mann, der jetzt am Rand der Kundgebung steht und sein Schild mit der Aufschrift „Jesus rettet“ in die Höhe hält. „Muss sich hier eigentlich jeder produzieren?“ fügt Hanno mißmutig fragend hinzu.
Mann mit Schild in einer Menschenmenge. Aufschrift: Jesus rettet!
„Ich finde, das ist eigentlich eine ganz witzige Idee“, lautet meine Antwort. Hanno abfällig: “Jesus rettet. Wen soll der denn retten?“
„Na dich – zum Beispiel!“
Hanno schweigt, in seinem Gesicht gefriert ein sarkastisches Grinsen.
Ich hätt’s ihm erklären müssen, denke ich später!

Zum Weiterlesen: “Jahrzehnte lang hat sie das Bild von Dortmund geprägt: Maria Schmidt, die grauhaarige Dame mit dem „Jesus rettet“-Schild”.

Und hier, noch mehr zum Thema. Für uns Katholiken vielleicht etwas zu sola fide, aber ich finde, im Großen und Ganzen kann man es so stehen lassen.

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Apr 13 2014

Nach Auschwitz. Ein Gedanke zum Palmsonntag

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Gleißendes Licht das die Dunkelheit erleuchtet
Wie man nach Auschwitz den Gott loben könne, der alles so herrlich regiert, das
wisse sie nicht, hat die evangelische Theologin Dorothee Sölle gesagt.
Drehen wir das Ganze doch mal um.
Müssen wir nicht gerade nach Auschwitz Gott loben: weil er uns nach allem, was Menschen auf dieser Welt – in Auschwitz und anderswo – angerichtet haben, durch und in Jesus Christus noch immer seine Gnade schenkt?!
Na klar!

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Apr 09 2014

“Wo ist deine Sünde?”

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“(…) deine Sünde ist dort: am Kreuz. Geh und suche sie dort, in den Wunden des Herrn, und deine Sünde wird geheilt werden, deine Wunden werden geheilt werden, deine Sünde wird vergeben werden.”
Papst Franziskus

Papst Franziskus

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Mrz 05 2014

Fasten

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“Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht,
18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.”

Matthäus 6,17-18

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Apr 03 2013

Individualität und die Sehnsucht nach dem ganz Anderen

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Transzendenz und Alltag

Baum
Am Rand des Weges neigt sich eine krumm gewachsene Kiefer windschief über ein frühjahrgrünes Kornfeld. Es sieht aus, als strecke sie ihre Baumkrone dem Wald jenseits des Feldes entgegen, als wolle sie zu ihm hinüber wachsen, sich mit ihm vereinen.
Mich erinnert das Bild an das Dilemma unserer Individualität, unserer Persönlichkeit, die nur um den Preis des Getrenntseins zu haben ist? Einerseits wollen wir unsere individuelle Autonomie bewahren und akzentuieren. Wir konstruieren uns einen sozialen Kosmos, in dem wir im Mittelpunkt stehen. Wir streben nach sozialer Anerkennung, nach Einfluss, manchmal nach Macht. Dabei geht es insbesondere um die Verfügungsgewalt über materielle, soziale und emotionale Ressourcen, um Geld, das heißt um dinglichen Reichtum, um Anerkennung, aber auch um Liebe. Andererseits aber streben wir immanent einer Auflösung dessen zu, was uns von dem und den Anderen trennt: von unseren Mitmenschen, von der Natur, von dem großen Ganzen an sich.
Unser Leben resultiert nicht zuletzt aus der Dynamik, die sich in der Bewegung zwischen diesen beiden Polen entfaltet. Wenn es uns nicht gelingt, hier eine Balance zu finden, kann schnell ein Leiden an uns selbst entstehen. Dies ist wohl der Hintergrund vielfältigster psychischer Probleme, als da sind: Sucht, das sich selbst fremd werden, auch als Depersonalisierung bezeichnet, aber auch Kriminalität, der Verlust eines ethischen Wertesystems und andere Störungen der Persönlichkeit. Die Sehnsucht nach dem Einswerden mit dem Ganzen, mit dem ganz Anderen, ist letztlich immer die Sehnsucht nach Gott. In einer verdinglichten Welt aber ist diese Sehnsucht immer schwerer erkennbar und vielen fällt es schwer, sie überhaupt für sich zuzulassen. Denn das bedeutet loszulassen, wo wir doch alltäglich dazu aufgefordert werden, festzuhalten: Dinge, Einfluss, Deutungssysteme. Da, wo suggeriert wird, alles sei quantifizierbar, beherrsch- und erklärbar, da ist die Verdinglichung zum beherrschenden Lebensprinzip geworden. Demgegenüber müssen wir der Sehnsucht nach dem ganz Anderen, der Sehnsucht nach Gott, Raum geben. So wir diese Räume einfordern, für andere und für uns selbst, so wenden wir uns auch gegen die Verdinglichung. Vielleicht kann Kapitalismuskritik und Gottsuche auf diese Weise (wieder) zusammen kommen.

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Mrz 21 2013

Beten

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Josef Bordat hat sich auf JoBo72’s Weblog einige interessante Gedanken zum Beten gemacht.

Beten ist ein zentraler Akt der Gottesbegegnung. Beten ist der Draht zu Gott, jedes einzelnen Christen und der Gemeinde der Christen, die sich Kirche nennt. Und die christliche Spiritualität ist reich in ihrem Bemühen, diesen Draht glühend zu halten.

Das nehme ich einmal zum Anlass, dieses Thema hier um einen (beeindruckenden) Text von Angelus Silesius zu ergänzen.

Wann du dich willst in Gott
und seinen Abgrund senken,
so mußt du nicht an ihn,
auch nicht an dich gedenken.

Die Gottheit ist ein Brunn,
aus ihr kommt alles her,
und Iäuft auch wieder hin.
Drum ist sie auch ein Meer.

Gott wohnt in einem Licht,
zu dem die Bahn gebricht.
Wer es nicht selber wird,
der sieht ihn ewig nicht,

Wenn ich in Gott vergeh,
so komm ich wieder hin,
wo ich in Ewigkeit
vor mir gewesen bin.

Was man von Gott gesagt,
das g’nüget mir noch nicht:
Die Übergottheit ist
mein Leben und mein Licht,

Gott ist lauter Nichts,
ihn rührt kein Nun noch Hier,
je mehr du nach ihm greifst,
je mehr entwird er dir,

Die Gottheit ist mein Saft:
Was aus mir grünt und blüht,
das ist sein heiliger Geist,
durch den der Trieb geschieht.

Der Weis’ ist nie allein:
Geht er gleich ohne dich,
so hat er doch den Herrn
der Dinge (Gott) mit sich.

Gott kann sich nicht entziehn,
er wirket für und für,
fühlst du nicht seine Kraft,
so gib die Schuld nur dir.

Du darfst zu Gott nicht schrein,
der Brunnquell ist in dir:
Stopfst du den Ausgang nicht,
er flösse für und für.

Halt an, wo läufst du hin?
Der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo,
du fehlst ihn für und für.

Mensch, so du wissen willst,
was redlich beten heißt,
so geh in dich hinein
und frage Gottes Geist.

Wer in sich über sich
in Gott verreisen kann,
der betet Gott lm Geist
und in der Wahrheit an.

Gott ist so über all’s,
daß man nichts sprechen kann,
drum betest du ihn auch
mit Schweigen besser an.

Angelus Silesius

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Mrz 19 2013

Das holographische Universum und der Atheismus

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

Ist das Universum nur ein Hologramm? In einem Beitrag auf fokus.de wird der neusten Theorie in der physikalischen Grundlagenforschung nachgegangen:

“Hologramme sind Aufnahmen eines Objekts, die meist mittels Laserlicht erzeugt werden. Der Laserstrahl tastet das Objekt ab, die gewonnene Information wird in Form eines Beugungsgitters auf einer zweidimensionalen Fläche gespeichert, etwa einer fotochemisch behandelten Glasplatte. Wird ein zweiter, gleichartiger Laserstrahl auf dieses Gitter gerichtet, entsteht ein dreidimensionales Abbild des Ursprungsgegenstandes.
Die Theorie vom holografischen Universum überträgt dieses Prinzip auf den ganzen Kosmos. Sie wurde unter anderem von dem gelähmten britischen Physiker Stephen Hawking entwickelt. Lassen sich Informationen aus höheren Dimensionen in Gebilden niedrigerer Dimension kodieren, argumentiert er, könnten auch wir Menschen vierdimensionale holografische Schatten sein, erzeugt durch das Geschehen in einer höherdimensionalen Welt.”

Einige Wissenschaftler meinen, hier einen Ansatz gefunden zu haben, mit dem sich die Relativitätstheorie und die Quantentheorie endlich vereinbaren ließen. Das ist der modernen Physik nämlich bisher trotz intensiver Bemühungen noch nicht gelungen. Dann aber stellt sich die Frage, wer „dieses ganze kosmische Schattenspiel“ eigentlich veranstaltet, wie es in einem Artikel auf focus.de formuliert wird.
Auf jeden Fall zeigen uns diese Fragestellungen, dass die Vorstellung, die Welt lasse sich auch ohne Rückgriff auf die Annahme einer außerhalb der Naturwissenschaften liegenden Dimension, Kraft oder Einflussnahme beschreiben, inzwischen so gut wie obsolet ist. Damit ist letztlich auch der Atheismus des 18. und 19. Jahrhunderts, der sich allein dieser Grundannahme verdankt, obsolet. Einige ihrer unbelehrbaren Anhänger, wie beispielsweise Richard Dawkins, wollen das nicht wahrhaben. Sie halten nach wie vor verzweifelt an einem positivistischen Wissenschaftsbegriff fest, in dem Vermessung und Beschreibung schlicht mit Erklärung verwechselt wird. Damit ist der Neo-Atheismus eigentlich nichts anderes als eine vulgär- beziehungsweise pseudowissenschaftliche Ideologie.

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