Jan 01 2015

Neujahrsgruß!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein

Winterliche Impression - Grashalme im geoldenen Licht

„Ich grüße Dich als Freund, und tief ist meine Liebe für Dich. Nichts kann ich Dir geben, das Du nicht schon hättest. Du aber kannst vieles, sehr vieles nehmen, was ich nicht geben kann.

Es gibt für uns erst einen Himmel, wenn unser Herz im Hier und Jetzt zur Ruhe kommt. Nimm also den Himmel! Es gibt keinen künftigen Frieden, der nicht schon jetzt in diesem Augenblick verborgen läge. Nimm also den Frieden!

Die Schwermut der Welt ist nur ein Schatten. Dahinter, und doch zum Greifen nahe, liegt Freude. Mitten in der Finsternis strahlen Glanz und Herrlichkeit, wenn wir nur sehen können. Und um zu sehen, müssen wir nur schauen. Ich beschwöre Dich also, mach’ Deine Augen auf!

Das Leben schenkt so großzügig. Wir aber urteilen nach der äußeren Hülle der Gaben und verwerfen es als hässlich, schwer oder hart. Schaue unter die Hülle und Du wirst eine lebendige Pracht finden, von Liebe gewoben in Weisheit und mit Kraft. Nimm’ dieses Geschenk dankbar in Empfang und Du wirst die Hand des Engels fühlen, die es Dir bringt. Alles, was wir Heimsuchung, Leid oder Verpflichtung nennen, kommt, glaube mir, aus des Engels Hand; es ist Geschenk und Wunder einer überschattenden Gegenwart.

So auch Deine Freuden. Sei nicht zufrieden mit ihnen als bloße Freuden; auch sie verbergen göttlichere Gaben. Das Leben ist so voller Sinn und Bedeutung, so voll verschleierter Schönheit, dass Du entdecken wirst: Die Welt verhüllt nur Deinen Himmel. Habe also Mut, ihn zu beanspruchen! Darauf allein kommt es an. Aber Mut hast Du ja, und die Gewissheit, dass wir gemeinsam als Pilger auf dem Weg sind durch fremdes Land heimwärts.
Und so grüße ich Dich denn zu dieser Jahreszeit, nicht wie die Welt Grüße sendet, sondern mit tiefer Ehrfurcht und bete, dass für Dich der Tag anbrechen möge und die Schatten weichen, jetzt und für immer.“ Weihnachten, anno Domini 1513.

Fra Giovanni Giocondo (1435 -1515)

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Dez 28 2014

Die weihnachtliche Revolution

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

Kardinal Marx
An Weihnachten erinnern wir uns an eine wirkliche Revolution, sagt der Münchner Bischof, Kardinal Reinhard Marx (Bild oben).

Gott ist vom Himmel gekommen und für unser Heil Mensch geworden. „Weihnachten feiern wir aus guten Gründen als beglückendes und fröhliches und hell erstrahlendes Fest, weil wir mitten im Winter auf den hinweisen wollen, der Licht in unser Leben bringt.“ Die Revolution der Bibel liege darin, sagt Marx, dass der Mensch als Person geschaffen ist „und in verantwortlicher Freiheit das eigene Leben führt. Darin gründet die gleiche Würde aller Menschen, die niemandem zuerkannt und niemandem abgesprochen werden kann.”
Der Kardinal hat recht: Weihnachten erinnert uns daran, das Gott selbst Mensch geworden ist und alle Freude und alle Not des Menschseins auf sich genommen hat. Er hat das getan, um den Menschen nahe zu sein, um den Menschen die Botschaft seiner Liebe zu bringen und alle Menschen, die ihn annehmen, zu retten und vom Tod zu erlösen.
Andere Völker in früheren Zeiten haben ihre Könige und Kaiser zu Göttern erhoben. Das Revolutionäre an Weihnachten ist, dass Christus völlig nackt und schutzlos in einem Stall geboren wird und sich in die Hände der einfachen Menschen begeben hat. Das Revolutionäre an Weihnachten ist, dass er sich zu den Niedrigen hinab gebeugt hat, indem er sich selbst erniedrigte. Christus ist in die Welt gekommen, um die Elenden, Erniedrigten, die, die ganz unten sind, herauf ans Licht zu holen. Er hat sich selbst erniedrigt und die Erniedrigten zu den Subjekten seiner Botschaft und der ganzen Menschheitsgeschichte gemacht.
Das ist wirklich revolutionär. Und von dieser Revolution gehen alle Veränderungen aus, die auf Gerechtigkeit zielen, die Würde des Menschen stärken und auf Vervollkommnung des Menschen und des menschlichen Miteinanders gerichtet sind: von der mystischen Gotteserfahrung über die Verteidigung der Menschenrechte bis hin zur Idee einer gerechten Gesellschaft in sozialen Utopien. (Dieses revolutionäre Wesen des Christentums mit seiner besonderen Hinwendung zu den Armen und Erniedrigten übrigens, findet eine spezielle Betonung im lateinamerikanischen Katholizismus, wie er von Papst Franziskus repräsentiert wird. Den europäischen Katholiken mit ihren teils im Feudalismus verhafteten Traditionen geht das häufig eher ab.)
Die Ankunft Christi in der Welt ist eine Revolution, die an Weihnachten beginnt und mit Ostern vollendet wird.

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Dez 24 2014

Über das Schenken zu Weihnachten mit ein bisschen Kapitalismuskritik

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Religion und Alltag

Weihnachtsgeschenke
Weinachten ist da. Nur noch weinige Stunden bis Heiligabend. Die zur Zeit meistgestellte Frage lautet wahrscheinlich: „Habe ich auch alle Geschenke beisammen?“ Und vor allem: „Habe ich das Richtige gekauft, werden sich die Beschenkten auch über meine Gaben freuen?“
„Okay“, denken Sie jetzt: „Das läuft hier wohl wieder auf die obligatorische Kritik an der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes hinaus“. Stimmt, ich gebe es zu. Aber meine Kritik ist origineller als andere. Behaupte ich. Also ruhig weiter lesen!
Was ist denn eigentlich gegen das sich Beschenken einzuwenden?. Es belebt die Wirtschaft: Das Weihnachtsgeschäft macht zwischen 25 und 50 Prozent des Umsatzes im Einzelhandel aus. „Ohne Weihnachten würde das für uns so lebenswichtige kapitalistische System zusammenbrechen und Deutschland müsste Geld von Griechenland ausleihen“, meint Eric T. Hansen von Zeit-Online.

Außerdem bereitet das Schenken neben dem ganzen Einkaufsstress viel Freude. Und nebenher wächst zu Weihnachten mit oder trotz dem ganzen Einkaufsrummel sogar noch die Sensibilität für unsere Mitmenschen und für soziale Missstände hier und anderswo. In der Vorweihnachtszeit wird nicht nur gekauft und konsumiert, was das Zeug hält, sondern auch gespendet und geholfen wie zu keiner anderen Zeit im Jahr. Was soll also das ewige Lamento über die Kommerzialisierung des Festes, das alle Jahre wieder an prominenter Stelle aufgesagt werden muss.
In diesem Jahr war es zum Beispiel der Reggae-Musiker Gentleman, der in der Süddeutschen zu Protokoll gab, dass er immer mehr versuche, diesem „Trubel und dem Rummel zu entkommen“. Eigentlich komisch für jemanden, der doch von Trubel und Rummel lebt. Nun ja, vielleicht ja gerade deshalb. Das, was draus gemacht werde, fände er ziemlich grausam, diesen ganzen „Hardcore-Konsum-Flash“, meint Gentleman. Eigentlich solle man doch jemanden feiern, der da mal geboren wurde und den „Durchblick gehabt hat“. Okay, das ist vielleicht etwas unorthodox formuliert, zielt aber tendenziell in die richtige Richtung. Aber: warum denn nicht die Ankunft Christi, das größten Geschenk, dass die Menschen je erhalten haben, mit dem gegenseitigen sich Beschenken feiern. Um damit zumindest symbolisch etwas von der Freude zu teilen, die Christus durch seine Ankunft den Menschen bereitet hat.
Historisch betrachtet ist die Tradition der Weihnachtsgeschenke ein Erbe der Reformation. Ursprünglich war der 6. Dezember der Tag des Schenkens, denn an diesem Datum wird dem Heiligen Nikolaus von Myra gedacht. Und diesen Heilige hält man insbesondere wegen seiner generösen Art gegenüber Armen und Bedürftigen in Ehren. Daher bekanntlich der Brauch des Schenkens. Weil Luther die Heiligenverehrung ablehnte, wurde der Heilige “durch einen dubiosen Weihnachtsmann ersetzt, der Tag des Schenkens vom 6. Dezember auf den 24. Dezember verlegt. Seitdem ist Weihnachten zwei Feiertage in einem: Der Tag Christi Geburt und eben der Tag des Schenkens“. Luther war hier auf der ganzen Linie erfolgreich.

An Weihnachten feiern wir die Ankunft Christi auf der Erde. Gott hat sich uns damit gewissermaßen selbst geschenkt. Dieses Geschenk ist niemals zu toppen. Daher ist das symbolische Teilen der Freude darüber durch das gegenseitige sich Beschenken zu Weihnachten auch gar kein Problem. Wohl aber, dass sich das Schenken gegenüber seinem Anlass in weiten Teilen vollständig verselbstständigt hat.

Die Verselbstständigung des rein quantifizierbaren Aspekts eines Phänomens gegenüber seiner ursprünglich sozialen und/oder spirituellen Bedeutung ist eine typische Erscheinung des Kapitalismus. Wie sich der Tausch(wert) gegenüber den Gebrauchs(wert)eigenschaften eines Produkts im Kapitalismus fast vollständig verselbstständigt, bis hin zum Warentausch von stofflich gar nicht mehr vorhandenen Werten beispielsweise im Kapitalhandel, so tendiert diese Wirtschaftsform dazu, alles Soziale, Spirituelle und Höhere auf ein rein Dingliches herunter zu brechen. Christen müssten aus diesem Grund eigentlich fundamentale Kapitalismuskritiker sein. Das sie es weitgehend nicht sind, ist nicht nur die Schuld des leidigen Bündnisses von Repräsentanten der Kirche mit den Mächtigen dieser Welt, sondern auch des fatalen und destruktiven Atheismus der Linken. Von den Verbrechen, die im Namen linker Weltanschauungen begangen wurden, ganz zu schweigen.
Auf jeden Fall brauchen wir uns über die Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes nicht zu wundern. Sie ist ein Resultat der Herrschaft des Tauschwerts. Aber diese Herrschaft ist nicht absolut. Wenn die Menschen zu Weihnachten in großer Zahl in die Kirchen gehen, dann tun sie das, weil sie einen Verlust erahnen. Es ist der Verlust des Heiligen, das man noch am Heiligen Abend im wahrsten Sinne des Wortes gegen das Profane getauscht hat. Die Menschen sind auf der Suche. Das zeigt nicht zuletzt, dass die Herrschaft des (Tausch)Werts niemals absolut ist. Es bestimmt eben nicht nur das Sein das Bewusstsein. Es ist ebenso die Herrlichkeit Gottes, die (fast) jeder Menschen zumindest als eine Ahnung und ein Sehnen in sich spürt. Insofern auch kratzt jede Kritik an der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes ein wenig an der Tünche des Kapitalismus, der dazu tendiert, alles Heilige zu profanisieren. Nicht das sich Beschenken ist dabei problematisch, sondern dass es sich gegenüber seinem eigentlichen Sinn, der Freude über das Geschenk Gottes an die Menschen, verselbstständigt hat. Dieses Geschenk ist uns gemacht worden und wir müssen es nur annehmen, indem wir unsere Herzen dafür öffnen. Indem wir zulassen, das Christus gleichsam auch in uns selbst geboren wird: „Wir feiern Weihnachten, auf dass diese Geburt auch in uns Menschen geschieht. Wenn sie aber nicht in mir geschieht, was hilft sie mir dann? Gerade, dass sie auch in mir geschehe, darin liegt alles“, sagt Meister Eckhart
Eric T. Hansen von Zeit-Online meint übrigens, Schenken käme „sehr gut auch ohne Religion aus“. Nee: eben nicht!

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Nov 23 2014

„Mystische Tiefe einer aus dem Herzen kommenden Spiritualität!“ Was ist altkatholisch? 4

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Vinzenz_von_Lerins Saint-Athanasius-of-Alexandria-icon-Sozopol-Bulgaria-17century

Modern, jung, dynamisch, aufgeklärt – so wird die alt-katholische Kirche von vielen Ihrer Protagonisten beschrieben. Das Präfix „alt“ in der Konfessionsbezeichnung ist inzwischen vielen eher peinlich: Für einen großen Teil der Alt-Katholiken ist der Name zu einem Problem geworden. „Alt-katholisch? Das klingt doch echt verstaubt und unzeitgemäß.“
Bei diesem Streben nach Modernität bleibt Katholizität und Spiritualität immer mehr auf der Strecke. Die alt-katholische Kirche ist längst auf dem Weg zum Neo-Protestantismus, und vielerorts ist sie da wahrscheinlich schon angekommen.

An vielen Orten – aber nicht überall. Auf der Website der Altkatholiken in Klagenfurt findet man eine Beschreibung und Definition des Altkatholizismus, wie ich sie mir wünsche. Die Seite ist in Design und Aufmachung völlig old-fashioned. Echt alt eben. Und daher wird, wie ich befürchte, dem in nicht allzu ferner Zeit bevorstehenden Relaunch der Seite wohl auch ihr Inhalt zum Opfer fallen und der Zeitgeist Einzug halten.
Daher wird die Seite im Folgenden ausführlich dokumentiert. Was hier aufscheint, ist ein Altkatholizismus, der ausdrücklich Bezug nimmt auf seine altkirchlichen Quellen.

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Okt 19 2014

Was ist altkatholisch 3

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Vinzenz von Lerins
Ich bin vor einigen Jahren Katholik in der alt-katholischen Kirche in Deutschland geworden. Katholisch zu sein, das bedeutet für mich das Bekenntnis zu den katholischen Traditionen in Liturgie und Spiritualität, zur apostolischen Sukzession, zum dreifachen Amt in der Kirche und zu den Kirchenvätern, Heiligen und Märtyrern, die vor uns in der einen katholischen und apostolischen Kirche gewirkt und uns ein Vorbild gegeben haben. Mein Verständnis von Altkatholizismus gründet sich insbesondere auf das Prinzip des Heiligen Vinzenz von Lérins, dass nichts eingeführt werde, „was nicht überall, immer, von allen geglaubt worden ist.“
Wie die Väter der alt-katholischen Bewegung meine ich, dass es der fundamentale Auftrag des Petrusdienstes ist, „dem Heil der übrigen Diener Gottes zu dienen, die Herde Gottes auf gute Weide zu führen“ und als Pontifex Maximus der (katholischen) Christen zu wirken. Insofern bekenne ich mich zum Primat des Bischofs von Rom in der Gemeinschaft der Bischöfe, wie er der gemeinsamen Tradition der Kirche des Ostens und des Westens entspricht. Meinem altkirchlichen Verständnis nach steht der Bischof von Rom nicht über, sondern in der Tradition der Kirche. Grundsätzlich teile ich also die altkatholische Position zu den Problemen des Jurisdiktionsprimats, des Lehramts und der päpstlichen Unfehlbarkeit in Fragen der Glaubens- und der Sittenlehre.
Ich habe indes das Gefühl, dass sich die alt-katholische Kirche entgegen ihrer altkirchlichen Verantwortung, die sie selbst am Ende des 19. Jahrhunderts für sich beansprucht hat, zu oft die Zustimmung von der falschen Seite sucht. Vielleicht liegt der Grund in der geringen Mitgliederzahl und dem Bedürfnis nach mehr Bedeutung
Die alt-katholisch Kirche neigt nicht erst heute dazu, sich dem jeweils herrschenden Zeitgeist anzupassen. Zur Zeit ist Liberalität und Toleranz en vogue. Jene in der Kirche, für die erkannte Wahrheiten und als richtig erachtete Prinzipien etwas auch gegen den Strom Verteidigungswertes sind, haben es schwer, gelten als konservativ, dogmatisch, „römisch“, als wäre das etwas Verwerfliches.
Die alt-katholische Kirche misst sich selbst inzwischen mehr und mehr an einer fragwürdigen Modernität: „Kirche für Menschen heute“, lautet ihr Slogan. Gibt es auch eine Kirche für die Menschen von gestern? Können wir uns aussuchen, was wir am Evangelium noch für zeitgemäß halten und was nicht? Christsein bedeutet manchmal auch Anstrengung und Schmerz. Das dürfen wir nicht vergessen
Die Aufgabe der Kirche ist es doch, dass Evangelium zu verkünden, im Sinne des Evangeliums zu wirken, die Heiligen Sakramente zu spenden, die in 2000 Jahren Kirchengeschichte gewachsenen katholischen Traditionen als Schatz zu bewahren und einen Raum zu öffnen, in dem die Menschen sich zu dem ganz Anderen, dem Dreieinigen Gott in Beziehung setzen können. Die Kirche darf sich jedenfalls nicht an irgendwelchen Moden orientieren, sie hat die Moderne vielmehr kritisch zu begleiten und als ihr Korrektiv zu wirken.
Alt-Katholiken sollten darauf hinwirken, die schmerzlichen Trennungen und Spaltungen in den Gliedern der Einen Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche zu überwinden. Das geht nur, wenn wir mit unseren Brüdern und Schwestern in der römisch-katholischen Kirche und in anderen Gliedern der Kirche in apostolischer Tradition, insbesondere in den orthodoxen Kirchen, über einzelne unterschiedliche Auffassungen hinweg auch als Teil der einen Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche in Erscheinung treten.
Die Frauenordination ist vor diesem Hintergrund meines Erachtens nach sehr kritisch zu sehen. Frauenordination spaltet die katholischen Kirchen. Das gemeinsame Band der apostolischen Sukzession ist ein hohes Gut, das im Selbstverständnis der katholischen Kirchen verbleibende gemeinsame Element, durch das in der Zukunft vielleicht wieder eine gemeinsamer Eucharistiefeier möglich werden kann. Darf dies durch einseitige Neuerungen aufs Spiel gesetzt werden?. Über so grundsätzliche Veränderungen wie die Weihe von Frauen zu Priesterinnen kann eigentlich nur ein gesamtkirchliches Konzil entscheiden. Die alt-katholische Kirche sollte daher zunächst ein Moratorium verhängen, dass die Frauenordination solange aussetzt, bis mit den anderen katholischen Kirchengliedern, insbesondere mit der römisch-katholischen Kirche und mit den orthodoxen Kirchen, hierüber ein Verständigungsprozess herbeigeführt worden ist. Mir ist schon klar, dass ich damit derzeit auf recht einsamen Posten stehe. Aber nichts Menschengemachtes ist für immer. In einigen traditionell orientierten lutherischen Kirchen hat es hier übrigens bereits eine Kehrtwende gegeben.
Grundsätzlich ist es gut, dass dem fundamentalen christlichen Prinzip der Barmherzigkeit in der alt-katholischen Kirche eine große Bedeutung eingeräumt wird, das wir offen sind und nicht ausgrenzen wollen, und auch, das wir die eucharistische Gastfreundschaft gegenüber Christen anderer Konfessionen pflegen. Das darf aber nicht zu Beliebigkeit in den katholischen Traditionen und Überzeugungen führen.
Insofern halte ich es auch für richtig, evangelische und andere getaufte Christen, die an die wirkliche Anwesenheit von Jesus Christus unter den Gestalten von Brot und Wein in der Eucharistie glauben, zur Teilnehme an der Eucharistie einzuladen. Aber, die evangelisch-alt-katholische Konzelebration ist im Grunde solange unmöglich, wie die evangelische Kirche sich in ihrer speziellen und kompromisslosen Auslegung des Laienpriestertums nicht bewegen will.
Wenn wir alles um einer vermeintlichen Toleranz und Liberalität willen hinnehmen, stellen wir uns und unsere Katholizität letztlich selbst infrage. Wir machen uns unglaubwürdig vor uns selbst und anderen und geben am Ende unseren Kritikern recht. Ich vermute mal, dass das nicht wenige Altkatholiken in Gewissenkonflikte stürzt. Es darf nicht alles, was sich dem offiziellen Toleranzedikt entzieht von vorn herein mit einem allgemein internalisiertem Sprechverbot belegt und vom Diskurs ausgeschlossen sein.
Die Kirche und die in ihr Wirkenden sind einzig ihrem Auftrag und der Wahrheit verpflichtet. Anstatt den römisch-katholischen Christen und ihrer Kirche, wie es manchmal geschieht, mangelnde Reformfähigkeit zu attestieren und gute Ratschläge zu erteilen, sollten sich die Alt-Katholiken bewusst machen, das ihre, respektive unsere Kirche, selbst einer Reform bedarf, einer erneuerten Ausrichtung an den christlichen Mysterien, „an der radikalen Unbegreiflichkeit, Tiefe, Absolutheit des Daseins auf Gott hin in Freiheit“, wie Karl Rahner es formuliert hat.
Zu diesen Fragen werde ich mich sicher auch zukünftig an dieser Stelle noch äußern. Dabei bitte ich Gott um Demut, um die Gabe, anderen gegenüber auch im Streit immer barmherzig und liebend zu sein, um die Gnade, die Wahrheit zu erkennen und um die Kraft, sie auch überzeugend zu vertreten.
Übrigens: Sollten sich andere Altkatholiken finden, die meine Positionen teilen, so würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen: schorsi.vonbeck(at)web.de

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Aug 10 2014

Was sollen wir tun?

Autor: . Abgelegt unter Politik & Christentum

Christus am Kreuz

Der Geistbraus-Blogger findet die richtigen Worte, wo es uns allen angesichts dieses Wahnsinns im Irak und anderswo doch die Sprache verschlägt.
Was sollen wir tun,

angesichts dieser unendlichen Woge von Hass und Grausamkeit?? Was könnten wir dem unaussprechlichen Leid entgegensetzen, das in diesen Tagen tausenden, zehntausenden, ja hunderttausenden Menschen aus den ältesten Christengemeinden der Welt angetan wird? Es mutet so schal, so vollkommen banal und sinnlos an, hier im Berliner Sommer zu sitzen, während anderswo Menschenleben, Gemeinden und Kulturen von diesen Schlächtern, die ihren Lohn bereits gehabt haben, kaputtgehauen werden. Wir können beten, wir können bloggen, wir können unsere Avatare gegen Nuns vertauschen, wir können Geld spenden (hier gibt Andreas dankenswerterweise Hinweise dazu). Und doch bleibt das alles dem Elend so ganz und gar inkommensurabel. Mehr lässt sich nicht sagen. Mehr lässt sich nicht sagen

Müssen jetzt die Kurden gestärkt werden?, Ja, vielleicht auch mit Waffen? Weil sie scheinbar die einzigen sind, die sich diesen Schlächtern noch in den Weg stellen können?

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Aug 02 2014

Denkzettel: Liturgie

Die Liturgie muss uns nicht Christus vom Himmel holen. Sie ist die Manifestation seiner Gegenwart und Macht auf Erden.    Sie muss unsere Herzen nicht auf ein künftiges Himmelreich vorbereiten, denn sie sagt uns, dass sein Reich schon gekommen ist!  Thomas Merton

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Jul 21 2014

Denkzettel: Solidarität mit Israel!

Autor: . Abgelegt unter Denkzettel

Es geht nicht in erster Linie darum, solidarisch mit Israel zu sein, weil wir aufgrund des deutschen Massenmords an Juden dazu verpflichtet wären. Es geht vielmehr darum, den nächsten Massenmord an Juden zu verhindern. Wir Christen müssen uns endlich konsequent und eindeutig an die Seite unserer jüdischen Brüder und Schwestern in Israel stellen!

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Jul 19 2014

Falsche Lehren – Geistbraus erinnert an die Barmer Erklärung

Autor: . Abgelegt unter Wir Christen

Dunkle Wolken
Der Geistbraus-Blogger, Martin Johannes Grannenfeld, hat in seinem letzten Beitrag dankenswerter Weise der Barmer Erklärung der Evangelischen Kirche aus dem Jahr 1934 gedacht, die heute vor 80 Jahren unterzeichnet wurde. Damit leisteten evangelische Christen seinerzeit Widerstand gehen den Zeitgeist, damals also gegen ihre Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten.
In der Erklärung hieß es unter anderem:

Wir verwerfen die falsche Lehre, als dürfe die Kirche die Gestalt ihrer Botschaft und ihrer Ordnung ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden weltanschaulichen und politischen Überzeugungen überlassen.

Für diese Überzeugung ist Dietrich Bonhoeffer in den Tod, sind Martin Niemöller und viele andere ins KZ gegangen.
Martin Johannes Grannenfeld spricht mir aus dem Herzen (zumindest, wenn wir einmal den Abschnitt über die Demokratie beiseite lassen) wenn er schreibt:

Die Zeiten ändern sich, die Versuchungen bleiben dieselben. Opportunisten gibt es gestern wie heute. Es gibt keine KZs mehr, und niemand wird in Deutschland für seinen Glauben hingerichtet. Das ist schön – doch es sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Repression subtiler geworden ist. Vor achtzig Jahren trat der Teufel laut und polternd auf. Die “Deutschen Gottesworte” eines Ludwig Müller waren in ihrer zeitgeistigen Häresie so offensichtlich, dass es den Verteidigern des Glaubens nicht schwerfiel, sie zu entlarven. Die “Wir haben ein weites Herz”-Rhetorik von heute ist subtiler. Der Teufel ist ein netter Kerl geworden. Doch er bleibt der Teufel – gestern, heute und allezeit. Folgen wir ihm nicht – nicht ein Stückchen!

Leider will in der alt-katholischen Kirche davon keiner mehr etwas wissen. Hier will man lieber modern sein. Alt-Katholiken, die vergleichbare Positionen vertreten, werden zunehmend isoliert, wenn sie denn nicht schon völlig isoliert sind.
Dabei gäbe es doch Grund genug, angesicht der unrühmlichen Vergangenheit der alt-katholischen Kirche während des Nationalsozialismus, dem Zeitgeist etwas kritischer zu begegnen.

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Jul 12 2014

Charlie Haden ist tot

Autor: . Abgelegt unter Klang und Alltag

Der Jazz-Bassist Charlie Haden ist tot. Er starb am Freitag nach langer Krankheit im Alter von 76 Jahren.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=EqT7LhlVr8A&w=459&h=315]

Danke Charlie!

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