Notizblaettchen: Katholisch-orthodox + Altkirchlich + Recht Gläubig

13. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Glaubens-Bild (25)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Wir scheinen einen Hang dazu zu haben, das Göttliche von uns abzutrennen (..)

schreibt Stefan, der Seelengrund-Blogger. Ja, wir veräußerlichen Christus im Glauben. Wir schaffen ein Glaubenskonstrukt, indem wir das Göttliche in ein Glaubens-Bild von Gott verlagern. An dieses Glaubensbild kann man eben glauben oder nicht glauben. Seine deutlichste Ausprägung hat diese Form der Glaubenskonstruktion im lutherischen Protestantismus gefunden. Sola Fide.
Aber in diesem Fastentagebuch soll es um mich gehen. Wo schaffe ich mir ein von mir abgespaltenes Glaubensbild. Oder brauche ich vielleicht sogar ein solches Bild? Brauche ich einen Ort, an dem ich dieses Bild platziere, die Kirche/den Tempel, den Himmel, das Jenseits? Damit ich es von dort aus wieder in mich hineinholen kann?

Christus, hilf mir, zu Deinem Tempel zu werden.

12. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

“Jesustum” (24)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Zu den Websites, die mich interessieren, gehört der Blog Seeelengrund. Der Autor ist ein Mensch, der wohl, wenn ich es an meinem Erfahrungshorizont messe, tiefergehende mystische Erfahrungen macht. In einem seiner letzten Beiträge schreibt er: ”

In den vergangenen zweitausend Jahren Kirchengeschichte hat man kein Christentum entwickelt, sondern ein Jesustum erschaffen. Man hat einen Menschen vergottet, statt Gott im Menschen zu erkennen.
Wir scheinen einen Hang dazu zu haben, das Göttliche von uns abzutrennen. Verstehen wir wirklich nicht, was es bedeutet, „mit dem heiligen Geist getauft“ zu sein (Mk 1,8; Apg 19,2 ff.)?

Meine erste Reaktion, als jemand, dem Kirche etwas bedeutet und der im Dogma ein Gerüst sieht, an dem die eigene Beziehung zu Gott wachsen kann, ist Abwehr. Aber das ist schlecht.
Etwas abwehren muss ich, wenn ich mich bedroht sehe. Was ist an diesem Text für mich bedrohlich. Vielleicht die Infragestellung des eigenen Erfahrungs- und Reflexionshorizonts? Trenne ich das Göttliche von mir ab, obwohl ich der Meinung bin, nach diesem Göttlichen zu suchen. Bedeutet es schon eine Abtrennung, wenn ich Christus – auch – als ein Gegenüber sehe, weil ich noch weit weit von der Vergöttlichung entfernt bin, nach der ich mich sehne.
Vielleicht fühle ich mich auch ein bisschen klein gemacht, durch diese Sätze des Seelengrund-Bloggers. Aber wichtig ist, dass sie überhaupt eine Wirkung in mir entfalten. Das ist weit mehr, als ich von Vielem, was sich sonst so findet im weltweiten Netz, sagen kann. Und vielleicht gelingt es mir ja, diese und ähnliche Texte nicht mehr als Bedrohung sondern als Herausforderungen zu sehen. An denen ich mich abarbeiten (vielleicht wachsen?) kann. Nicht auszuschließen, dass mich das dem Göttlichen auch ein Stück näher bringt.

Her Jesus Christus,
Du Licht vom Lichte.
Lass Dein Licht leuchten in mir.
Erfülle mich mit Deiner Gegenwart,
Nimm alles weg, was mich von Dir trennt.
Stille Du, Christus, mein Verlangen.
Und vergib mir meine Sünden.

8. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Zwanzigster Fastentag: Halbzeit (20)

Wurzeln schlagen

Heute ist der zwanzigste Tag der Fastenzeit, das heißt gewissermaßen: Halbzeit bis zur Karwoche. Am Palmsonntag beginnen dann die Osterfeierlichkeiten und die Liturgie vom Gründonnerstag markiert den Anfang der eigentlichen Osterfeier mit den drei heiligen Tagen, dem Triduum Sacrum.
Gestern wurde hier mit dem orthodoxen Hymnus “Komm Wahres Licht” (nach dem ostkirchlichen Theologen Vladimir Losskij) bereits Ausschau auf das heilige Osterfest gehalten. Für viele Fastende – na ja, so viele sind es insgesamt heutzutage wohl nicht mehr – bedeutet das Ende der Fastenzeit: jetzt darf man sich endlich wieder seinen kleinen Genüssen, dem Bierchen oder dem Gläschen Wein, den Süßigkeiten und den (nicht nur) kulinarischen fleischlichen Genüssen hingeben.
Aber sollte das dann schon alles gewesen sein? Ich finde nicht. Ich möchte etwas mitnehmen aus dieser Zeit des Fastens. Ich hoffe, dass all das, worum ich mich in dieser Zeit aus eigener Kraft bemühe und worum ich Gott bitte, Wurzeln schlägt in meinem Leben.

Herr Jesus Christus, hilf mir, mich in der dieser Zeit des Fastens zu erneuern und laß alles das, was ich von Dir erbeten und worum ich mich aus eigener Kraft bemüht habe, Wurzeln schlagen in meinem weiteren Leben.
Amen.

7. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Vorausschau mit dem Hymnus (orthodox): Komm wahres Licht ( 19)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Komm wahres Licht; komm, ewiges Leben;
Komm verborgenes Mysterium,
komm Du Schatz sonder Namen;
komm Du unerkennbare Person,
komm Du unendliche Freude!
Komm, Licht, das keine Dämmerung kennt;
komm Hoffnung, die alle retten will.
Komm Auferstehung der Toten;
komm, o Gewaltiger, der Du alles durch Dein bloßes Wollen vollendest,
umgestaltest und verwandelst;
komm Unsichtbarer, Du ganz Unberührbarer un Unfassbarer.
Komm Du allzeit Unveränderlicher, der Du Dich dennoch in jeder Stunde bewegst und zu uns kommst, die wir in der Unterwelt liegen.
Du wohnst höher als die Himmel.
Wie Dein so ersehnter und allzeit verkündeter Name lautet,
keiner vermag es zu sagen.
Keiner vermag zu wissen, wie Du bist, von welcher Art oder Gattung,
denn dies ist unmöglich.
Komm unverwelklichge Krone.
Komm, Du, den meine elende Seele geliebt hat und liebt!
Komm allein zu mir, dem Einsamen.
Komm, der Du mich von allem getrennt und zum Fremdling in dieser Welt gemacht hast und in mir zum Verlangen wurdest;
Du wolltest ja, dass ich -Dich will, Du völlig Unerreichbarer.
Komm mein Atem und mein Leben, Trost meines armen Herzens.

(Thomas Carich. Über die mystische Theologie der Ostkirche nach Vladimir Losskij.100)

Sehnsüchtig blicken wir voraus auf Ostern und warten auf die Vergegenwärtigung der Aufserstehung unseres Heilands Jesus Christus, damit auch wir mit ihm auferstehen!

Gütiger Gott, laß uns den Übergang bestehen und schenke uns die Gnade der Auferstehung in und mit unserem Heiland, Jesus Christus. Amen.

6. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Sein wollen (18)

sein wollen

Wahrlich, wir sind und wollen und wollten stets etwas sein,
immer einer über dem anderen.
 
Darum aller Streit und alle Mühe: Dass man etwas ist,
dass man groß, reich, hoch und mächtig ist.
Ein jeder will stets etwas sein und scheinen.
Aller Jammer kommt allein davon, dass wir etwas sein wollen.
 
Das Nichts-sein,
das hätte in allen Lebensweisen, an allen Orten, an allen Leuten, völligen, wahren, wesentlichen, ewigen Frieden und es wäre das Seligste, das Sicherste und das Edelste, das diese Welt hat. Aber niemand will daran, weder reich noch arm, weder jung noch alt.

Johannes Tauler

“Aller Jammer kommt allein davon, dass wir etwas sein wollen”, sagt Johannes Tauler.
Irgendwie folgen wir mit diesem “etwas sein wollen” immer noch bestimmten Instinkten, in der Rangordnung möglichst hoch zu steigen, um sich damit gleichsam den Zugriff auf Ressourcen zu sichern: heutzutage, Geld, Macht, Sex.

Irgendwann habe ich mir mal vorgenommen, nichts mehr sein zu müssen. Und habe gleichsam festgestellt, dass dieses “etwas sein wollen” mich doch immer wieder einholt. Eine Kollegin bekommt einen Position, für die ich mich auch beworben habe. Sofort steigt in mir das Neid-Gift auf und ich finde tausend Gründe, warum ich viel besser dafür geeignet wäre, als sie. Ich habe in bestimmten Zusammenhängen plötzlich das Gefühl, das meine Stimme bei mir wichtigen Personen nicht mehr soviel gilt, wie zuvor: und schon fühle ich mich ausgebootet, beneide diejenigen, die im Mittelpunkt stehen und finde natürlich zig Kritikpunkte an ihnen.
Wirklich nichts sein zu wollen, fällt mir unglaublich schwer. Ich weiß nicht, ob ich diesen Zustand der geistigen Reife jemals erreiche.
Einstweilen kann ich nur versuchen, etwas Distanz zu gewinnen, wenn mal wieder ein Gefühl des Neides in mir aufsteigt oder ich beginne, mich anderen gegenüber zu erhöhen. Cool down, könnte man auch sagen. Wenn es gelingt, kann es so etwas wie eine geistige Entgiftungskur werden.

Gütiger Gott, hilf mir, wesentlich zu werden. Hilf mir zu erkennen, wenn ich mich selbst erhöhe und mich damit vor Dir erniedrige. Gib mir die Kraft, Neid, Mißgunst und Machtstreben zu besiegen.

2. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Achtsamkeit (17)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Achtsamkeit, das bedeutet:

  • Meinen Freunden rechtzeitig zum Geburtstag zu gratulieren;
  • Kontakte pflegen;
  • Stärker in der Gegenwart leben;
  • Ziele konzentrierter verfolgen;
  • Konzentrierter zu arbeiten;
  • und (Fortsetzung folgt).

Gütiger Gott, stärke mich in meinem Bemühen, achtsamer zu werden!

1. März 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Zwischen Umkehr und Selbstoptimierung (16)

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Beim Blick in meinen Fastenkalender, aber auch auf verschiedene katholische Websites, bekomme ich manchmal den Eindruck, als ginge es in der Fastenzeit hauptsächlich darum, ein irgendwie besserer Mensch zu werden: weniger Fertigmahlzeiten, mehr Bewegung, mehr Aufmerksamkeit gegenüber dem Partner, der Partnerin. All das könnten wahrscheinlich auch Nicht-Gläubige, oder sagen wir lieber, nicht religiöse Menschen, sinnvoll finden. Kurz gesagt, es geht mir da manchmal zu wenig um das Eigentliche, unsere Beziehung zu Gott. Oder ist das eine zu eng gefasst. Wahrscheinlich, denn wo wir uns mehr der Schönheit von Gottes Schöpfung oder der Liebe zu unseren Nächsten zuwenden, da nähern wir uns doch auch dem Ursprung von allem, Gott.
Mir scheint aber doch, dass der Grad zwischen Selbstoptimierung einerseits und persönlicher Veränderung und Umkehr hin zu Gott andererseits, manchmal recht schmal ist.

Herr Jesus Christus, lass uns erkennen, wenn wir uns nur noch um uns selbst drehen und das mit der Suche nach Dir verwechseln.

28. Februar 2018
von schorsi
Keine Kommentare

“Du lästerst gern!” (15)

Lästermaul 1

Vor kurzem sagte ein Kollege von mir einen Satz, der mich etwas erschreckt hat. Die Äußerung betraf mich selbst: “Du lästerst ja ganz gern!” Er meinte das nicht im religiösen Sinn, sondern hinsichtlich meines Verhaltens am Arbeitsplatz, in Bezug auf Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte.
Lästern, das Wort oszilliert zwischen den Bedeutungen, “schmähen” “sich verächtlich machen”, “sich abwertend äußern”, in einer abgemilderten Form lässt es sich vielleicht noch mit “sich negativ kritisch äußern” übersetzen. Lästern zielt also immer auf eine andere Person beziehungsweise Personen oder auf eine Situation und stellt sie in einen negativen Zusammenhang.
Und das soll auf mich zutreffen?
Ich neige dazu, mich schnell über etwas aufzuregen, wenn ich etwas falsch oder ungerecht finde. Aber allein damit verharmlose ich die Sache wahrscheinlich enorm. Denn das “Lästern” impliziert ja nicht nur die Wahrnehmung von etwas subjektiv Falschem oder Ungerechtem, sondern immer auch das Reden darüber gegenüber Dritten. Ich äußere mich Dritten gegenüber mehr oder weniger negativ über bestimmte Menschen oder das Verhalten von Menschen in speziellen Situationen. In einem Fall betraf das zum Beispiel eine Person, die durch ihre Mitgliedschaft in einer Partei und den daraus erwachsenden Beziehungen über alle Einstellungsverfahren hinweg zu ihrem Arbeitsplatz gekommen ist. Das fand ich furchtbar ungerecht und habe mich hinter vorgehaltener Hand entsprechend herablassend darüber geäußert. Aber spielt dabei nicht immer auch eine Portion Neid mit. Dem oder der anderen ist etwas zugefallen, was ich mir hart erkämpfen musste.
Ja, es stimmt, ich äußere mich häufiger mit subjektiver Wertung über das Verhalten oder die Eigenschaften anderer Menschen, gern auch mit etwas Sarkasmus dabei.
Was sagt das über mich selbst aus. Bin ich eher bei den Fehlern und Verhaltensweisen anderer als bei meinen eigenen? Versuche ich mich aufzuwerten, indem ich mich über andere offen oder subtil kritisch oder verächtlich äußere? Wie weit entferne ich mich dadurch von der Liebe Gottes? Muss ich mich erhöhen, indem ich andere – und wenn auch nur subtil – erniedrige? “Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden” (Lukas 14:11).
Ich muss meinem Kollegen dankbar sein, mich auf dieses Problem aufmerksam gemacht zu haben.

Gütiger Gott, hilf mir, zu erkennen, wenn ich mich erhöhe, indem ich andere herab setze. Hilf mir zu erkennen, was ich selbst damit bezwecke, ohne es mir selbst einzugestehen. Hilf mir, eher das Gute und Positive im anderen Menschen zu sehen. Schenke mir die Kraft zur Offenheit, wenn ich etwas im Verhalten des Anderen falsch finde. Hilf, fähig zu werden, eine Art von Kritik zu üben, woran der oder die Andere wachsen kann und ihn oder sie damit nicht klein zu machen.

27. Februar 2018
von schorsi
Keine Kommentare

Heiliges Leben (14)

Ein heiliges Leben. Was bedeutet das eigentlich, konkret?
Der Begriff heilig bezeichnet etwas Verehrungswürdiges und leitet sich von dem Substantiv Heil ab. Heil, also ganz werden, ganz unser Selbst entfaltend, gewissermaßen, können wir letztendlich nur durch unsere Beziehung zum Göttlichen, zum Urgrund allen Seins und allen Lebens, zu dem Erde, Himmel und Kosmos transzendierenden Geist, der über allem und in allem, also auch in uns selbst, wirkt. Heiligkeit geht von Gott aus und kann nur durch die Nähe zu Gott entstehen. Wer in den Bannkreis von Gottes Heiligkeit gerät, wird durch Seine Nähe selbst geheiligt. Ganz in Gott und mit Gott im eigenen Selbst zu leben, ist das Ziel des Mönchtums, dass wahrscheinlich im orthodoxen Mönchstum am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Die Orthodoxie spricht von der Vergöttlichung des Menschen.
Die Sehnsucht, die wir in uns spüren, und leider oft gar nicht genau definieren können, ist gewissermaßen die Gravitationskraft Gottes Heiligkeit. So können und müssen auch wir, die in der Welt und nicht in monastischer Abgeschiedenheit lebenden Menschen, die Nähe Gottes suchen, um uns immer mehr von seiner Heiligkeit anziehen zu lassen, um immer mehr zu einem Zustand zu gelangen, in dem das Göttliche in uns selbst sich entfalten kann.
Das ist in der Welt mit ihren falschen Versprechungen und oberflächlichen Ablenkungen schwieriger als im Mönchtum. Aber wenn wir heil werden wollen, dann müssen wir diesen Weg gehen.
Die Fastenzeit ist also nicht zuletzt auch eine Zeit der intensiven Prüfung. Wir stellen unser Leben auf den Prüfstand, um das zu entdecken und zu ändern, was uns von Gott trennt, was uns hindert, seiner Heiligkeit teilhaftig zu werden; zu erkennen, was uns vom Göttlichen in uns selbst trennt.

Gütiger Gott, lass mich immer mehr Deines Heils teilhaftig werden. Lass mich erkennen, was mich von Dir trennt. Schenke mir die Kraft zur Veränderung. Zieh mich in den Bann Deiner Heiligkeit!