Archiv für die Kategorie 'Altkatholizismus'

Okt 05 2016

Fatal synodal?

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

In Mainz leitete die 60. Ordentliche Synode des Katholischen Bistum der Alt-Katholiken die Abschaffung des Ehesakraments ein

Synodalabgeordnete

Die Synode hat getagt. Am letzten Sonntag dem 2. Oktober 2016 ging in Mainz die 60. Bistumssynode der Alt-Katholiken zu Ende. Obwohl ich persönlich nicht teilgenommen habe, konnte ich mich in den letzten Tagen dank der sozialen Medien einigermaßen auf dem Laufenden halten.

Synode und Demokratie

Auf unsere Synodalität sind wir Alt-Katholiken besonders stolz. Gern wird Synodalität als Beleg für die eigene Fortschrittlichkeit und Modernität gegen den rückständigen römischen Zentralismus in Stellung gebracht. Synodalität, das bedeute: nicht Papst und Kurie gebieten darüber, was in der Kirche passiert, sondern das Kirchenvolk selbst bestimme, wo es lang geht. Dabei wird oft betont, dass Synodalität keineswegs vergleichbar mit politischer Demokratie sei. Synodalität beruhe auf dem Prinzip der Konsensbildung, am Ende sollte sich jeder und jede irgendwie in dem Ergebnis wiederfinden können. Doch das ist, wie ich aus eigener leidvoller Erfahrung weiß, oft nicht mehr als ein frommer Wunsch. Wenn es drauf ankommt, wird abgestimmt. Und dann zählt, was ausgezählt wird. Wer die meisten Stimmen bekommt, setzt sich durch. Jeder, der oder die schon einmal an so einer alt-katholischen Synode teilgenommen hat, wird das bestätigen können. Und auch, dass es dort mitunter nicht viel freundlicher zugeht, als beispielsweise im deutschen Bundestag.

Synodalität in der Kirchentradition

Die synodale Kirchenverfassung der Alt-Katholiken wird unter anderem mit der Synodalität in der alten Kirche begründet. So wird etwa darauf verwiesen, dass es bereits im ersten christlichen Jahrtausend mancherorts eine direkte Mitbestimmung des einfachen Kirchenvolkes gegebenen habe.
Der emeritierte Lehrstuhlinhaber am alt-katholischen Seminar der Universität Bonn, Günter Eßer, hat in einer Diskussionsrunde nach einem seiner Vorträge über die alt-katholische Kirche bestritten, dass die alt-kirchliche Synodalität vergleichbar sei mit der heute üblichen Form der synodal-demokratischen Kirchenstruktur bei den Alt-Katholiken. Und doch hat es wohl noch im Frühmittelalter Formen beispielsweise der direkten Bischofswahl durch das Volk gegeben, die später zugunsten einer Ernennung durch Domkapitel oder Papst beseitigt wurden. Der Historiker Rainald Becker von der Universität München schreibt:

Grundsätzlich war die Bischofserhebung eine innerkirchliche, staatsfreie” Angelegenheit. Unter dem Einfluss der Gregorianischen Kirchenreform (Papst Gregor VII., reg. 1073-1085) bildete sich das Prinzip der freien kanonischen Wahl (electio canonica libera) durch die Gemeinde (“Klerus und Volk”) als maßgebliche kirchenrechtliche Norm aus. Im Hoch- und Spätmittelalter – insbesondere mit den konkordatären Vereinbarungen des 12. und 15. Jahrhunderts, aber auch in der kirchenrechtlichen Entwicklung (etwa auf dem IV. Laterankonzil von 1215) – gestaltete sich das Verfahren weiter aus. Die Domkapitel sicherten sich – bei Zurückdrängung von Klerus und Volk – das alleinige Bischofswahlrecht (eligendi potestas).

Vor dem Hintergrund der mancherorts praktizierten direkten Bischofswahl noch im Frühmittelalter lässt sich Synodalität durchaus mit einiger Berechtigung auch aus der Tradition der Kirche heraus begründen. Und schließlich, so wird von alt-katholischer Seite betont, herrsche auch in der orthodoxen Kirche das Prinzip der Synodalität.
Das ist ein gewichtiges Argument, hat sich doch in der Orthodoxie die Struktur und der Glaube der alten Kirche wahrscheinlich am ursprünglichsten erhalten. Doch die Synodalität in der orthodoxen Kirche ist eine episkopale, auch wenn bei der Ernennung der Bischöfe bestimmte plebiszitäre Berufungszeremonien noch auf die altkirchlichen Mitwirkungsrechte des Kirchenvolkes hindeuten. Allerdings würde es in der orthodoxen Kirche niemandem einfallen, einem kirchenrechtlichen Laiengremium die Abstimmung über zentrale Glaubensfragen, wie etwa die Ordination von Frauen zu “Priesterinnen” oder die Frage der Sakramentalität kirchlicher Handlungen, zu überlassen, wie es bei den Alt-Katholiken üblich (geworden) ist.

Synodenentscheidung zur Frauenordination? Null, nada, nichtig!

Die Entscheidung über Glaubensfragen durch ein Laiengremium kann niemals katholisch sein. Hat doch Christus nach katholischer Auffassung seinen Aposteln selbst den Auftrag zur Verkündigung und Bewahrung des Evangeliums und zur Spendung von Heilszeichen – wie der Sündenvergebung – gegeben. Und die haben ihn seither durch Gebete und Handauflegung an die Ältesten (bald schon Bischöfe und Priester), an speziell berufene Nachfolger mithin, weitergegeben. Nur wenn dieser spezielle Auftrag abgestritten wird, wie im Protestantismus, kann das Befinden über Glaubensfragen zur Sache der Allgemeinheit werden
Dafür gibt es möglicherweise einige Argumente (die ich allerdings nicht teile), nur katholisch ist das dann nicht mehr. Aber man zwingt ja auch niemanden, katholisch zu sein. Nur sollten nicht die Ergebnisse solcher protestantischer Gepflogenheiten als katholisch ausgegeben werden. Aus katholischer Perspektive ist beispielsweise der alt-katholische Synodenbeschluß aus den 1990er Jahre zur Frauenordination gar nicht gültig: Null, nada, nichtig!

Homosexuelle Partnerschaften und Ehesakrament

Womit wir endlich bei der am letzten Sonntag zu Ende gegangenen 60. Bistumssynode in Mainz angekommen wären Dort sollte es diesmal unter anderem um die Frage nach dem Sakrament der Ehe für homosexuelle Partnerschaften gehen. Bereits bei der vorletzten Synode stand dieses Thema zur Debatte. Bischof Matthias Ring hatte seinerzeit eine Abstimmung darüber verhindern können, das Ganze sollte auf der nächsten Synode wieder auf die Tagesordnung kommen.
Und so stand das Thema Ehesakrament für homosexuelle Paare auf dieser 60. Bistumssysnode am letzten Samstag im Mittelpunkt der Diskussion. Es mag sich ja für andere Katholiken absurd anhören – aber es gibt, nennen wir es mal: einflussreiche Kräfte bei den Alt-Katholiken, die das über kurz oder lang durchsetzen wollen. Zu ihnen gehört unter anderem der neue Lehrstuhlinhaber des Alt-Katholischen Seminars der Universität Bonn, Andreas Krebs. Für ihn sind Sakramente, wie es in einer Pressemitteilung des Bistums heißt, “ein Beziehungsgeschehen, das seinen Ausgangspunkt in der grundlegenden Beziehungshaftigkeit des Menschen hat”. Sakramente seien Beziehungsereignisse, ein Handeln der Kirche und zugleich ein dynamisches Geschehen.
Ein Beziehungsereignis!?
In meiner katholischen Vorstellung galten Sakramente bisher immer als von Christus ausgehende Gnadenzeichen, worin sich, wie die Kirche sagt, durch Worte und Handeln Jesus Christus selber ausdrückt und gegenwärtig wird. In einer von dem serbisch-orthodoxen Erzpriester Milan Pejic aus Hannover redigierten Schrift über den Glauben der orthodoxen Christen heißt es: “Als ein heiliges Mysterium oder Sakrament bezeichnet man einen sichtbaren rituellen Vorgang, durch den die unsichtbare rettende Kraft – genannt Gottes Gnade (göttliche ungeschaffene Energie) – den Gläubigen wundervolle Gnadengaben schenkt. (…) Gottes Gnade sind Gottes Gaben, die der Vater den Menschen durch den Heiligen Geist um der Verdienste des Sohnes Willen spendet”. Und das heilige Mysterium der Ehe ist “das Mysterium, durch das der Heilige Geist einen christlichen Mann und eine christliche Frau, die vor einem Priester geloben, lebenslang in wechselseitiger Liebe und Treue verbunden zu bleiben, zu einem vereint”.
Andreas Krebs definiert das Sakrament indes neu, indem er es auf ein Beziehungsgeschehen zwischen Mensch und Kirche herunter bricht, bei dem es um “göttliche Wirklichkeit” gehe, “die auf Gleichheit, Einvernehmlichkeit und Verbindlichkeit beruht”. Damit kann er im Prinzip alles, was einvernehmlich ist, zum “Sakrament” erklären. Um denen, die da noch nicht ganz mitkommen, ein kleines Zückerchen zu geben, kam zwischenzeitlich der Vorschlag auf, man könne ja das Ehesakrament so belassen und dem noch ein “Sakrament des Lebensbundes” hinzufügen. Es war wiederum der Bischof, der hier davor warnte, vorschnelle Entscheidungen zu treffen und gleichzeitig betonte, das homosexuelle Partnerschaften eben nicht das gleiche seien, wie der Ehebund. Das Ganze ist daher wieder vertagt und einer Arbeitsgruppe übergeben worden. Aber die Angelegenheit ist damit nicht vom Tisch. Es gibt bei den Alt-Katholiken eine einflussreiche Fraktion von Modernisten, die das über kurz oder lang durchbringen will – und, allen bisherigen Erfahrungen gemäß, auch wird. Dann allerdings wäre es, wie ich meine, endgültig um die Katholizität der Alt-Katholiken geschehen. Da ist leider kein (päpstliches) Ex Cathedra vor.

No, never, Nein und Amen!

Es gibt in der Schrift mehrere recht eindeutige Textstellen, in der homosexuelle Handlungen verurteilt werden. Man kann jetzt darüber streiten, wie das gemeint ist: ob diese Schriftstellen allein eine zeitgenössische Bedeutung hatten, ob sie lediglich auf ein Verbot homosexueller Promiskuität oder auf den in der griechischen Antike praktizierten Sex mit “Lustknaben” zielten. Am Ende muss das jeder für sich allein entscheiden und seinem Gewissen folgen. Und selbstverständlich ist jede Herabsetzung von Menschen mit homosexuellen Neigungen zu verurteilen. Nur eins geht absolut nicht: Aus von der Schrift verurteilten homosexuellen Verbindungen eine sakramentale Gnadengabe zu machen. No! Never! Nein und Amen! Damit würde sich die alt-katholische Kirche endgültig ihrer Katholizität begeben. Wird es soweit kommen? Derzeit sieht es danach aus. Aber vielleicht geschieht ja noch ein Wunder.

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Dez 19 2015

Sakramentale Notgemeinschaft

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Blick aus Gewölbe
Anfang des Jahres 2012 veröffentlichten der alt-katholische Theologe Andreas Krebs und der Trierer Psychologe Dirk Kranz die sogenannte relAK-Studie zur Religiosität in der alt-katholischen Kirche. In dieser Studie hatten die beiden Wissenschaftler auch die Mitgliederstruktur ihres kirchlichen Untersuchungsgegenstandes unter die Lupe genommen. Aus methodischen Gründen erreichten sie mit ihrer Untersuchung in erster Linie die regelmäßigen Gottesdienstbesucher unter den Alt-Katholiken. 79 Prozent der Befragten, so das Ergebnis der Studie, waren Konvertiten. Von ihnen kamen 83 Prozent aus der römisch-katholischen Kirche und nur 12 Prozent aus protestantischen Glaubensgemeinschaften. Die alt-katholische Kirche sei eindeutig eine “Entscheidungskirche”, folgerten die Wissenschaftler.
Nun ja, eine recht euphemistische Sichtweise. Anders ausgedrückt: Alt-Katholiken sind Fleisch vom Fleisch der römischen Kirche und können sich aus sich selbst heraus kirchlich nicht reproduzieren. Alt-Katholiken gibt es überhaupt nur deshalb, weil immer wieder römisch-katholische Christen ihre Kirche verlassen und zu den Alt-Katholiken übertreten. Hier werden solche Übertritte in der Regel ohne Wenn und Aber begrüßt.

Fortgesetzte Kirchenspaltung

Ich kann diese Freude indes nicht uneingeschränkt teilen. Okay, einerseits bin ich froh, dass es die alt-katholische Kirche und insbesondere meine alt-katholische Gemeinde in Hannover gibt. Aber: An anderer Stelle habe ich geschrieben: „Jesus Christus hat eine Kirche gestiftet. Wenn es richtig ist, dass alle Christen durch und in der Kirche den mystischen Leib Christi bilden, dann ist alles zu tun, um die Einheit der Kirche (in Vielfalt) herbeizuführen. Oder andersherum: alles, was die Kirche weiter spaltet, ist zu unterlassen.“
Die alt-katholische Konfession aber ist im Prinzip ein Ausdruck fortgesetzter Kirchenspaltung. Das kann kein Grund zu uneingeschränkter Freude sein. Im Gegenteil. An der Spaltung der Christenheit gibt es meiner Meinung nach wenig zu feiern. Darum auch löst beispielsweise die Aufforderung unserer protestantischen Mitchristen, alle Konfessionen sollten gemeinsam die Reformation “feiern”, immer ein wenig Befremden in mir aus.
Aber zurück zu den Alt-Katholiken. Weil jeder Übertritt aus der römisch-katholischen Kirche immer auch ein Ausdruck der Kirchenspaltung ist, sehe ich einen solchen Schritt immer auch skeptisch. So wie man nicht ohne Not einfach eine „neue Kirche gründen“ kann, sollte man auch der römisch-katholischen Kirche nicht ohne Not den Rücken kehren, meine ich. Sie ist und bleibt Referenzpunkt der westlichen Christenheit, sie ist das bedeutendste und größte Glied Seiner Kirche – mit dem Petrusamt an der Spitze.

Ein Ort der Barmherzigkeit

Gibt es vor diesem Hintergrund überhaupt eine Legitimation für den Wechsel von der römisch-katholischen zur alt-katholischen Konfession? Und schließlich: gibt es vor dem Hintergrund dieses Kirchenverständnisses überhaupt eine Legitimation für den Alt-Katholizismus?
Ich glaube ja.
Als sich am Ende des 19. Jahrhunderts die ersten alt-katholischen Christen versammelten, kam es ihnen erst einmal gar nicht in den Sinn, eine andere Kirche zu schaffen. Aber sie konnten zu den neuen Dogmen in der Kirche, insbesondere zu der nach dem I. Vatikainischen Konzil veränderten Rolle des Papstes, aus Gewissensgründen und aufgrund ihres Festhaltens an der alten katholischen Tradition, nicht ja sagen. Und deshalb mussten sie sich zwangsläufig als exkommuniziert betrachten, denn so hatte es das Konzil ja beschlossen: „Wer also sagt, der römische Bischof habe nur das Amt einer Aufsicht oder Leitung und nicht die volle und oberste Gewalt der Rechtsbefugnis über die ganze Kirche – und zwar nicht nur in Sachen des Glaubens und der Sitten, sondern auch in dem, was zur Ordnung und Regierung der über den ganzen Erdkreis verbreiteten Kirche gehört –; oder wer sagt, er habe nur einen größeren Anteil, nicht aber die ganze Fülle dieser höchsten Gewalt, oder diese seine Gewalt sei nicht ordentlich und unmittelbar, ebenso über die gesamten und die einzelnen Kirchen wie über die gesamten und einzelnen Hirten und Gläubigen, der sei ausgeschlossen.“
Schließlich ergab sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Möglichkeit, die apostolische Sukzession durch die Weihen der römisch-katholischen Kirche von Utrecht fortzusetzen. Diese Chance nutzten die Altkatholiken, um eine sakramentale Notgemeinschaft zu schaffen. Nur daraus bezog dieser Zusammenschluss von Katholiken seine Legitimation, eine sakramentale Notgemeinschaft zu sein: weil ein römisch-katholisches Gremien Beschlüsse gegen die Tradition und gegen die Positionen der Gesamtkirche – zu der auch die großen Ostkirchen gehören – gefasst und damit einen Teil der Katholiken der faktischen Exkommunikation überantwortet hatte.
Meiner Meinung nach ist das bis heute so geblieben: die Alt-Katholiken bilden eine sakramentale Notgemeinschaft mit kirchlichen Strukturen und der Vollmacht zur Bischofsweihe durch die in ihr wirkende apostolische Sukzession. Die alt-katholische Kirche ist eine sakramentale Notgemeinschaft, nicht mehr und nicht weniger. Hier finden die Merkwürdigen, Zweifler und Sünder Zuflucht, jene, die an der Ehe gescheitert und daher von der Kommunion in der (römisch-katholischen) Kirche ausgeschlossen sind, Priester, die ihr geistliches Amt lieben ­– aber eben auch eine Frau; jene Sünder auch, die an der Moral- und Sittenlehre der Kirche scheitern aber dennoch die Nähe zu Jesus Christus suchen. Es ist gut, das es so einen Ort gibt, weil es – wie ich glaube – dem christlichen Gebot der Barmherzigkeit entspricht.

Keine bessere katholische Kirche!

Was die Alt-Katholiken aber bestimmt nicht sind: eine bessere katholische Kirche. Im Gegenteil: die alt-katholischen Institutionen haben sich mittlerweile in so wesentlichen Aspekten wie der Frauenweihe, dem Eheverständnis und anderen Fragen des katholischen Glaubens gegen die katholischen Traditionen gestellt, das die Papstdogmen zumindest in ihrer praktischen Relevanz heute fast schon wie Peanuts erscheinen.
In vielen Fällen würde ich Übertrittswilligen daher am liebsten sagen: kommt zu uns, feiert mit uns die Eucharistie, betet mit uns – aber bleibt in der römisch-katholischen Kirche, solange euch nicht die schiere Not treibt. Natürlich sehe ich das Dilemma: damit es einen altkatholischen Zufluchtsort gibt, braucht die alt-katholische Kirche kirchensteuerzahlende Mitglieder. Nur so können Kirchen gebaut und unterhalten und Priester bezahlt werden.
Aber grade weil der alt-katholischen Kirche das Dilemma innewohnt, Ausdruck fortgesetzter Kirchenspaltung zu sein, müssen wir alles dafür tun, zu einer Einheit mit unserer großen römisch-katholischen Schwesterkirche zu kommen. Wir müssten im Grunde sofort alles das umsetzen, was die römisch-katholische – alt-katholische Dialogkommission beschlossen hat, jedenfalls sofern es in unserer Macht steht. Wir müssten den Ehrenprimat des Papstes ernst nehmen und ihn in die Intercessiones des Hochgebetes aufnehmen, wir müssten aufhören, der römischen Kirche mit dem erhobenen Zeigefinger Ratschläge zu erteilen, wir müssten uns gegen antirömische Reflexe im alt-katholischen Umfeld wenden – und wo es geht die Einheit stärken.
Weil ich die Spaltung der Kirche für ein Problem halte und weil die Einheit der Christen meiner Meinung nach eines der obersten Gebote unserer Zeit ist, deshalb kann ich nicht vorbehaltlos jedem Übertritt zustimmen. Ich wünsche mir indes, dass alle Katholiken eines nicht so fernen Tages in gegenseitigem Einverständnis – ganz offiziell – wieder gemeinsam an Seinen Tisch treten können. Und das die Frage eines Übertritts dann einfach nicht mehr wichtig ist.

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Jul 04 2015

GEHORSAM

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus,Katholisches

Christus

Vor einigen Wochen ist hier im Notizblättchen ein Beitrag über die alt-katholische Konfession als sakramentale Notgemeinschaft erschienen und einige Zeit später war der Text dann plötzlich wieder futsch! Was ist passiert?

Kurz nach Veröffentlichung hatte ich von unserem Pfarrer eine Mitteilung erhalten, in der er deutlich seine Missbilligung zum Ausdruck brachte und mich sehr nachdrücklich darum bat, den Beitrag zu entfernen oder doch erheblich zu verändern. Im Kern zielte seine Kritik darauf, dass hier eine ganz bestimmte Person zu identifizieren gewesen – und die oder der Betreffende möglicherweise erheblich verletzt worden wäre. Ich musste unserem Pfarrer recht geben. Es war für mich also überhaupt kein Problem, den Beitrag zu löschen und dadurch möglicherweise Schlimmeres zu verhindern. Die Crux dabei:
Ich hätte den Text auch dann entfernen müssen, wenn ich mich der Auffassung unseres Pfarrers nicht hätte anschließen können.

Warum?

Unser Pfarrer hatte mich hier nicht als Privatperson sondern als ein Mitglied der Kirche (mit kirchlichen Funktionen) angesprochen und auch der Pfarrer selbst hatte nicht als Privatperson sondern als ein in der apostolischen Sukzession stehender Repräsentant der Kirche und – unserer katholischen Überzeugung nach (hoffe ich doch) – daher quasi als Sachwalter Christi in der Gemeinde gesprochen. Wir Christen aber sind seiner Kirche gegenüber, die wir Katholiken ja als Seinen Leib und uns als dessen Glieder betrachten, zu Gehorsam verpflichtet, denn die Kirche ist Seine Repräsentanz und die Repräsentation seiner Herrlichkeit in der Welt.

Ich sehe jetzt schon wieder manchen Alt-Katholiken die Stirn runzeln: „Das ist doch altmodisch“. Ja genau: die Kirche ist altmodisch, sie entzieht sich den flüchtigen Moden und Marotten des Zeitgeistes – und genauso muss es auch sein, denn sie stellt etwas viel Größeres und alle Zeiten und Moden Überspannendes dar.

Als Spät-Achtundsechziger hat es mich selbst bei dem Wort „Gehorsam“ vor einigen Jahren noch geschüttelt. Im Diskurs der Achtundsechzigerbewegung wurde der Begriff „Gehorsam“ gleichgesetzt mit Kadavergehorsam gegenüber selbsternannten Autoritäten, als moralischer Imperativ zur Unterordnung und Akzeptanz der Repressionsagenturen: Staatsapparat, Institutionen, wirtschaftliche Machtinstanzen und Ausbeutung. Gehorsam als moralischer Imperativ war und ist in diesem Diskurs zuvorderst die innere Repräsentanz der äußerlichen Unterdrückungsapparate und damit das Gegenteil von Freiheit. Dem Gehorsam wurde die Aufforderung zur Rebellion entgegengesetzt.

Auch wenn außer einigen Soziologieprofessoren und Alt-Achtundsechzigern kaum noch jemand etwas von der Genealogie der Gehorsamskritik weiß, so ist der Begriff heute doch umfassend negativ konnotiert. Die Achtundsechziger waren erfolgreich: Gehorsam ist heute völlig old-fashioned und uncool. Allerdings hat das mit Emanzipation, wie es viele Achtundsechziger anstrebten, auch kaum noch etwas zu tun. Denn das, was sie dem Gehorsam entgegensetzten, die Rebellion, ist schnell zu einer Ware, zu einem Label, zu einem Konsumtionsverhalten verkommen. Mit der Demontage des Gehorsambegriffes ist die angestrebte Freiheit selbst zur inhaltsentleerten Warenform herunter gebrochen worden. So wäre es meiner Meinung nach an der Zeit, den Freiheitsbegriff selbst neu zu artikulieren und damit auch den Begriff des Gehorsams als ein Element der Freiheit neu zu bestimmen, beziehungsweise ihn aus christlicher Perspektive in seiner ursprünglichen Bedeutung zu rekonstruieren.

Okay, ich will hier jetzt mal auf dem Teppich bleiben und nur kurz noch einige Hinweise geben.

Wo Freiheit als Freiheit verstanden wurde und wird, sich alles zu nehmen beziehungsweise anzueignen, wonach einem aktuell der Sinn steht, Sex, Naturressourcen, Geld, Einfluss, den Rausch flüchtiger Genüsse, Macht, da führt das zu Leid und menschlichen Katastrophen. Unsere Gesellschaft krankt an einem Zuviel an hedonistischer Freiheit und an einem Zuwenig an Mitgefühl, Verantwortung und auch Gehorsam. Die Rebellion hat mittlerweile ihre eignen Kinder gefressen.

Die umfassendste und beglückendste Erfahrung, von der uns etwa mystisch inspirierte Menschen berichten, ist der Erfahrung der Ganzheit, des Einssein mit der ganzen Schöpfung. Die umfassendste Freiheit ist daher wohl ein Leben in spiritueller Hingabe an das Göttliche, die Suche nach der Nähe Gottes, der in allem, durch alles und über allem ist. Die umfassendste Freiheit ist also in Leben in Hingabe und Liebe, so wie Christus es gelehrt hat. Dahin gelange ich nicht, wenn ich nur oberflächlichen Genüssen hinterher jage, Sex, Rausch und ständig neuen Kicks. Dahin gelange ich wahrscheinlich nur durch Disziplin, Übung und wohl auch Gehorsam. Ich denke, dass ist einer der wesentlichen Gründe für die große Bedeutung des Gehorsams in der monastischen Tradition.

Noch einmal zurück zum Ausgangspunkt: Vor diesem Hintergrund fühle ich mich gegenüber der Kirche Christi zu Gehorsam verpflichtet Ich meine damit die apostolische und katholische Kirche als Ganzes und nicht lediglich die altkatholische Konfession, der ich angehöre. Aber wenn der Priester, als Repräsentant der Kirche in der Gemeinde, für die Kirche spricht, dann handelt er meiner katholischen Überzeugung nach ähnlich wie in der Liturgie und bei der Spendung der Sakramente in persona Christi. Und das verpflichtet mich ihm gegenüber zu Gehorsam. Nicht ihm gegenüber als Privatperson, seinen privaten Meinungen kann ich mich anschließen oder es lassen, darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, was er als Repräsentant der Kirche tut. Und als solcher hat er in der skizzierten Situation von mir verlangt, die Veröffentlichung eines Beitrages zum Thema Konfessionswechsel zu entfernen. Also habe ich das selbstverständlich getan!

Nachtrag: Gilt diese Gehorsamspflicht immer?
Nein. Sie gilt dann nicht, wenn der Geistliche beziehungsweise die Geistlichen offensichtlich gegen die Tradition, Schrift und Lehre der Kirche oder gegen das Prinzip der Humanität sprechen oder handeln. Dann müssen wir davon ausgehen, dass sie nicht für die Kirche sprechen. Dann sind wir quasi einem übergeordneten Gehorsam gegenüber der Kirche verpflichtet, die dann den Ungehorsam in einem speziellen Fall einschließt. Auf dieses Prinzip haben sich im 19. Jahrhundert die Altkatholiken berufen und damit die Entstehung der altkatholischen Konfession begründet. Das hatte etwas für sich.

Nicht darauf berufen können sich die Altkatholiken jedoch meiner Meinung nach, wenn es um Frauenordination oder Homoehe geht. Denn hier sind sie es, die sich nach Auffassung der Kirche gegen Schrift und Tradition wenden. Die Lehre der Kirche in ihrer großen Mehrheit – also in der römisch-katholischen sowie den ostkirchlichen Konfessionen – ist hier eindeutig. Daher könnten solche Fragen meiner Meinung nach auch nur gesamtkirchlich neu beantwortet werden. Für so etwas müsste es ein gesamtkirchliches Konzil geben.
Wie? Das ist unrealistisch? Ich erinnere mich da an einen linken Spruch aus meiner Jugend: „Let’s be realistic, try the impossible!“

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Nov 23 2014

„Mystische Tiefe einer aus dem Herzen kommenden Spiritualität!“ Was ist altkatholisch? 4

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

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Modern, jung, dynamisch, aufgeklärt – so wird die alt-katholische Kirche von vielen Ihrer Protagonisten beschrieben. Das Präfix „alt“ in der Konfessionsbezeichnung ist inzwischen vielen eher peinlich: Für einen großen Teil der Alt-Katholiken ist der Name zu einem Problem geworden. „Alt-katholisch? Das klingt doch echt verstaubt und unzeitgemäß.“
Bei diesem Streben nach Modernität bleibt Katholizität und Spiritualität immer mehr auf der Strecke. Die alt-katholische Kirche ist längst auf dem Weg zum Neo-Protestantismus, und vielerorts ist sie da wahrscheinlich schon angekommen.

An vielen Orten – aber nicht überall. Auf der Website der Altkatholiken in Klagenfurt findet man eine Beschreibung und Definition des Altkatholizismus, wie ich sie mir wünsche. Die Seite ist in Design und Aufmachung völlig old-fashioned. Echt alt eben. Und daher wird, wie ich befürchte, dem in nicht allzu ferner Zeit bevorstehenden Relaunch der Seite wohl auch ihr Inhalt zum Opfer fallen und der Zeitgeist Einzug halten.
Daher wird die Seite im Folgenden ausführlich dokumentiert. Was hier aufscheint, ist ein Altkatholizismus, der ausdrücklich Bezug nimmt auf seine altkirchlichen Quellen.

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Okt 19 2014

Was ist altkatholisch 3

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Vinzenz von Lerins
Ich bin vor einigen Jahren Katholik in der alt-katholischen Kirche in Deutschland geworden. Katholisch zu sein, das bedeutet für mich das Bekenntnis zu den katholischen Traditionen in Liturgie und Spiritualität, zur apostolischen Sukzession, zum dreifachen Amt in der Kirche und zu den Kirchenvätern, Heiligen und Märtyrern, die vor uns in der einen katholischen und apostolischen Kirche gewirkt und uns ein Vorbild gegeben haben. Mein Verständnis von Altkatholizismus gründet sich insbesondere auf das Prinzip des Heiligen Vinzenz von Lérins, dass nichts eingeführt werde, „was nicht überall, immer, von allen geglaubt worden ist.“
Wie die Väter der alt-katholischen Bewegung meine ich, dass es der fundamentale Auftrag des Petrusdienstes ist, „dem Heil der übrigen Diener Gottes zu dienen, die Herde Gottes auf gute Weide zu führen“ und als Pontifex Maximus der (katholischen) Christen zu wirken. Insofern bekenne ich mich zum Primat des Bischofs von Rom in der Gemeinschaft der Bischöfe, wie er der gemeinsamen Tradition der Kirche des Ostens und des Westens entspricht. Meinem altkirchlichen Verständnis nach steht der Bischof von Rom nicht über, sondern in der Tradition der Kirche. Grundsätzlich teile ich also die altkatholische Position zu den Problemen des Jurisdiktionsprimats, des Lehramts und der päpstlichen Unfehlbarkeit in Fragen der Glaubens- und der Sittenlehre.
Ich habe indes das Gefühl, dass sich die alt-katholische Kirche entgegen ihrer altkirchlichen Verantwortung, die sie selbst am Ende des 19. Jahrhunderts für sich beansprucht hat, zu oft die Zustimmung von der falschen Seite sucht. Vielleicht liegt der Grund in der geringen Mitgliederzahl und dem Bedürfnis nach mehr Bedeutung
Die alt-katholisch Kirche neigt nicht erst heute dazu, sich dem jeweils herrschenden Zeitgeist anzupassen. Zur Zeit ist Liberalität und Toleranz en vogue. Jene in der Kirche, für die erkannte Wahrheiten und als richtig erachtete Prinzipien etwas auch gegen den Strom Verteidigungswertes sind, haben es schwer, gelten als konservativ, dogmatisch, „römisch“, als wäre das etwas Verwerfliches.
Die alt-katholische Kirche misst sich selbst inzwischen mehr und mehr an einer fragwürdigen Modernität: „Kirche für Menschen heute“, lautet ihr Slogan. Gibt es auch eine Kirche für die Menschen von gestern? Können wir uns aussuchen, was wir am Evangelium noch für zeitgemäß halten und was nicht? Christsein bedeutet manchmal auch Anstrengung und Schmerz. Das dürfen wir nicht vergessen
Die Aufgabe der Kirche ist es doch, dass Evangelium zu verkünden, im Sinne des Evangeliums zu wirken, die Heiligen Sakramente zu spenden, die in 2000 Jahren Kirchengeschichte gewachsenen katholischen Traditionen als Schatz zu bewahren und einen Raum zu öffnen, in dem die Menschen sich zu dem ganz Anderen, dem Dreieinigen Gott in Beziehung setzen können. Die Kirche darf sich jedenfalls nicht an irgendwelchen Moden orientieren, sie hat die Moderne vielmehr kritisch zu begleiten und als ihr Korrektiv zu wirken.
Alt-Katholiken sollten darauf hinwirken, die schmerzlichen Trennungen und Spaltungen in den Gliedern der Einen Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche zu überwinden. Das geht nur, wenn wir mit unseren Brüdern und Schwestern in der römisch-katholischen Kirche und in anderen Gliedern der Kirche in apostolischer Tradition, insbesondere in den orthodoxen Kirchen, über einzelne unterschiedliche Auffassungen hinweg auch als Teil der einen Heiligen Katholischen und Apostolischen Kirche in Erscheinung treten.
Die Frauenordination ist vor diesem Hintergrund meines Erachtens nach sehr kritisch zu sehen. Frauenordination spaltet die katholischen Kirchen. Das gemeinsame Band der apostolischen Sukzession ist ein hohes Gut, das im Selbstverständnis der katholischen Kirchen verbleibende gemeinsame Element, durch das in der Zukunft vielleicht wieder eine gemeinsamer Eucharistiefeier möglich werden kann. Darf dies durch einseitige Neuerungen aufs Spiel gesetzt werden?. Über so grundsätzliche Veränderungen wie die Weihe von Frauen zu Priesterinnen kann eigentlich nur ein gesamtkirchliches Konzil entscheiden. Die alt-katholische Kirche sollte daher zunächst ein Moratorium verhängen, dass die Frauenordination solange aussetzt, bis mit den anderen katholischen Kirchengliedern, insbesondere mit der römisch-katholischen Kirche und mit den orthodoxen Kirchen, hierüber ein Verständigungsprozess herbeigeführt worden ist. Mir ist schon klar, dass ich damit derzeit auf recht einsamen Posten stehe. Aber nichts Menschengemachtes ist für immer. In einigen traditionell orientierten lutherischen Kirchen hat es hier übrigens bereits eine Kehrtwende gegeben.
Grundsätzlich ist es gut, dass dem fundamentalen christlichen Prinzip der Barmherzigkeit in der alt-katholischen Kirche eine große Bedeutung eingeräumt wird, das wir offen sind und nicht ausgrenzen wollen, und auch, das wir die eucharistische Gastfreundschaft gegenüber Christen anderer Konfessionen pflegen. Das darf aber nicht zu Beliebigkeit in den katholischen Traditionen und Überzeugungen führen.
Insofern halte ich es auch für richtig, evangelische und andere getaufte Christen, die an die wirkliche Anwesenheit von Jesus Christus unter den Gestalten von Brot und Wein in der Eucharistie glauben, zur Teilnehme an der Eucharistie einzuladen. Aber, die evangelisch-alt-katholische Konzelebration ist im Grunde solange unmöglich, wie die evangelische Kirche sich in ihrer speziellen und kompromisslosen Auslegung des Laienpriestertums nicht bewegen will.
Wenn wir alles um einer vermeintlichen Toleranz und Liberalität willen hinnehmen, stellen wir uns und unsere Katholizität letztlich selbst infrage. Wir machen uns unglaubwürdig vor uns selbst und anderen und geben am Ende unseren Kritikern recht. Ich vermute mal, dass das nicht wenige Altkatholiken in Gewissenkonflikte stürzt. Es darf nicht alles, was sich dem offiziellen Toleranzedikt entzieht von vorn herein mit einem allgemein internalisiertem Sprechverbot belegt und vom Diskurs ausgeschlossen sein.
Die Kirche und die in ihr Wirkenden sind einzig ihrem Auftrag und der Wahrheit verpflichtet. Anstatt den römisch-katholischen Christen und ihrer Kirche, wie es manchmal geschieht, mangelnde Reformfähigkeit zu attestieren und gute Ratschläge zu erteilen, sollten sich die Alt-Katholiken bewusst machen, das ihre, respektive unsere Kirche, selbst einer Reform bedarf, einer erneuerten Ausrichtung an den christlichen Mysterien, „an der radikalen Unbegreiflichkeit, Tiefe, Absolutheit des Daseins auf Gott hin in Freiheit“, wie Karl Rahner es formuliert hat.
Zu diesen Fragen werde ich mich sicher auch zukünftig an dieser Stelle noch äußern. Dabei bitte ich Gott um Demut, um die Gabe, anderen gegenüber auch im Streit immer barmherzig und liebend zu sein, um die Gnade, die Wahrheit zu erkennen und um die Kraft, sie auch überzeugend zu vertreten.
Übrigens: Sollten sich andere Altkatholiken finden, die meine Positionen teilen, so würde ich mich über eine Kontaktaufnahme sehr freuen: schorsi.vonbeck(at)web.de

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Jul 09 2014

Was ist altkatholisch (Teil 2): Die alte Kirche und der Zeitgeist

Kirche mit Türmen und Giebeln
Die alte Kirche hat sich in einer Umgebung behaupten müssen, die geprägt war von Hedonismus, Promiskuität jeglicher Form, Sklaverei, Missbrauch, Selbstbezogenheit und Egoismus, heidnischen Götterkulten und Prostitution. Sie hat zu all dem nein gesagt, sie hat nein gesagt zu dem herrschenden Zeitgeist. Sie hat die Menschen aufgefordert umzukehren und sich dem einen, einzigen und dreifaltigen Gott zuzuwenden, der selbst Mensch geworden ist in Jesus Christus. Dadurch konnte sie neue Orientierung und Hoffnung geben. Und so ist sie zur einflussreichsten Kraft in weiten Teilen der Welt geworden.
Jetzt scheinen all die Dinge sie wieder einzuholen, gegen die sie einmal aufgestanden ist. Wenn sich die Kirche den Verwerfungen der Postmoderne und des Zeitgeistes anpasst, kann sie nur verlieren. Gewinnen kann sie, wenn sie diesen Verwerfungen widersteht und zur Hoffnungsträgerin eines neuen auf Gott hin ausgerichteten Lebens und einer besseren und gerechteren Welt wird.
Wir Christen dürfen uns Schrift und Tradition nicht so zurechtinterpretieren wie es und passt. Wir dürfen uns nicht einfach über alles hinwegsetzen, was uns schwierig erscheint, stört oder nicht mehr modern ist. Wenn wir uns dem Zeitgeist mit seinen Verwerfungen andienen, werden wir verlieren. Gewinnen können wir nur, wenn wir das verteidigen, was immer, überall und von allen geglaubt worden ist. Gewinnen können wir nur, wenn wir uns ähnlich widerständig erweisen wie die Alte Kirche. Das eigentlich ist Altkatholizismus!

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Jun 06 2014

Was ist altkatholisch?

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Altkatholisch – älter als Sie vielleicht vermuten!

Ikone Kirchenväter

Achtung! Dieser Text beinhaltet mein persönliches Verständnis von Altkatholizismus. Es muss daher nicht in allen Fragen mit dem Verständnis des Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland übereinstimmen. In einen Punkten weicht es sogar deutlich von den offiziellen Positionen ab!

 

  • An verschiedenen Stellen wird behauptet, die alt-katholische Kirche sei „jünger als Sie vielleicht denken“. Im Grunde stimmt eher das Gegenteil. Altkatholisch – im hier gebrauchten Sinne von altkirchlich – ist nämlich viel älter, als Sie vielleicht vermuten.
  • Alt-Katholiken sind keine Piusbrüder. Die Piusbrüder sind eine Priesterbruderschaft, die sich weigert, die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er-Jahren anzuerkennen. Altkatholiken sind hingegen noch viel, viel älter. Sie beziehen sich auf die eine ungeteilte Kirche des ersten Jahrtausends nach Christus.
  • Daher sind Altkatholiken auch der Überzeugung, dass das – wie der Heilige Vinzenz von Lérins gesagt hat – wirklich katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist.
  • Altkatholiken sind vor allem katholisch. Sie sind daher der Auffassung, dass ein Geistlicher die Heiligen Sakramente nur dann vollgültig spenden kann, wenn er von einem Bischof in apostolischer Sukzession zum Priester geweiht wurde. Apostolische Sukzession ist die ununterbrochene Weitergabe des apostolischen Auftrags (der apostolischen Aufgabe) seit den Aposteln an speziell berufene Menschen, in der Urkirche an die sogenannten Ältesten, heute an die Bischöfe. Dieser Auftrag wird seither speziell durch Handauflegung und besondere Gebete weitergegeben. In einem gemeinsamen Text der beiden altkirchlichen Kirchenglieder, der orthodoxen Kirche und der altkatholischen Kirche, heißt es dazu: „Die Notwendigkeit der ungebrochen Bewahrung der apostolischen Sukzession sowohl als Kontinuität der apostolischen Lehre als auch als Weitergabe des geistlichen Amtes und der Sendungsgnade durch die rechtmäßige Handauflegung ist allgemeine Lehre der Kirche.“ Eine Konfession kann daher auch nur dann vollgültig Kirche im altkirchlichen und altkatholischen Sinn sein, sofern sie die apostolische Sukzession bewahrt hat.
  • Aus diesem Grund können Altkatholiken zumindest hinsichtlich der Kirchenlehre nicht „modern“ sein, auch wenn an verschiedenen Stellen gern etwas anderes behauptet wird. In der alt-katholischen Kirche kursierte zeitweilig die Losung, alt-katholisch sei etwas „für Christen von heute“. Hier hat unser derzeitiger Bischof Matthias Ring erfreulicherweise in aller Deutlichkeit erklärt, was er davon hält: nämlich gar nichts.
    Dieser Satz impliziert, dass es auch eine Kirche für „Menschen von gestern“ gäbe. Die Kirche aber ist unteilbar, gestern – heute – und morgen. Insofern gibt es auch nur die eine von Jesus Christus gestiftete Kirche für die Menschen aller Zeiten.
  • Altkatholiken erkennen den Bischof von Rom als Papst und Primus inter pares an, wie ihn die eine ungeteilte Kirche des ersten Jahrstausends anerkannt hat.
  • Weil sich Altkatholiken auf die eine ungeteilte Kirche des ersten Jahrtausends beziehen, lehnen sie aber jene Dogmen und Neuerungen ab, die nicht von der ganzen Kirche getragen werden. Dazu gehören insbesondere die neuen Dogmen aus dem 19. Jahrhundert von der Unfehlbarkeit in Angelegenheiten der Kirchenlehre und des Jurisdiktionsprimats, also der „vollen, höchsten und universalen Gewalt“ des Bischofs von Rom. Dazu gehören außerdem die von der westlichen Kirche im 19. Jahrhundert ohne Zustimmung der ganzen Kirche beschlossenen Mariendogmen.
  • Aus diesem Grund ist auch die Weihe von Frauen zu Priesterinnen nicht altkatholisch , obwohl die Frauenweihe in den meisten alt-katholischen Kirchen inzwischen praktiziert wird. Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen hat sich in der einen alten ungeteilten Kirche niemals durchgesetzt. Ob es sie in Einzelfällen gegeben hat, ist umstritten und sehr fraglich. Es hat zweitweise Frauen im Diakonatsamt gegeben. Sie haben in der frühen Kirche, als die meist erwachsenen Täuflinge noch nackt getauft wurden, insbesondere bei der Taufe von Frauen geholfen. Frauenweihe widerspricht dem altkatholischen Prinzip, dass das wirklich katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist. Frauenweihe verstößt daher auch gegen das ökumenische Prinzip, wonach Entscheidungen, die im Prinzip alle Glieder der (katholischen) Kirche betreffen, nur von der einen ungeteilten Kirche – das heißt von allen Gliedern gemeinsam – beschlossen werden kann.
  • Sofern die Gesamtkirche irgendwann zu der Auffassung gelangt, dass die Kirche dazu berufen ist, auch Frauen für das Priesteramt zu weihen, stände der allgemeinen Weihe von Frauen zu Priesterinnen auch nichts mehr im Wege.
  • Jesus Christus hat eine Kirche gestiftet. Wenn es richtig ist, dass alle Christen durch und in der Kirche den mystischen Leib Christi bilden, dann ist alles zu tun, um die Einheit der Kirche (in Vielfalt) herbeizuführen. Oder andersherum: alles, was die Kirche weiter spaltet, ist zu unterlassen.

Voilà!’ „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir“ (und wenn ich mich irre, vergebe mir Gott!).

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Mai 29 2014

Die Alt-Katholiken und der Papst

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Papst Franziskus und Benedikt XVI umarmen sich

„Das hindert uns aber nicht, den historischen Primat anzuerkennen, wie denselben mehrere ökumenische Concilien und die Väter der alten Kirche dem Bischof von Rom als dem primus inter pares zugesprochen haben mit Zustimmung der ganzen Kirche des ersten Jahrtausends“
Aus der Utrechter Erklärung

Wer sich nach den Eigenheiten der alt-katholischen Kirche erkundigt, bekommt meist zu hören, dass die Alt-Katholiken gegen den Papst seien. So heißt es beispielsweise in einem Beitrag des Rundfunksenders SWR2 über „christliche Eremiten heute“, (auf den ich kürzlich in der Mediathek dieses Senders gestoßen bin): „Die meisten Alt-Katholiken lehnen den Papst ab und bezweifeln, dass ein Mensch in der Lage sein kann, unfehlbare Entscheidungen zu treffen. Für sie ist Jesus Christus das Oberhaupt aller Christen.“
Natürlich ist Jesus Christus das Oberhaupt aller Christen. Daran zweifeln auch die römisch-katholischen Christen keine Sekunde. Für sie ist der Papst indes das Oberhaupt der von Jesus Christus auf der Erde gestifteten Kirche, quasi als sein irdischer Sachwalter, so wie die anderen Bischöfe im apostolischen Amt auch, deren Ordinarius der Papst gleichsam ist.
Das gilt im Grunde genommen auch für uns Alt-Katholiken, obgleich wir über die Art und Weise, wie er dieses Leitungsamt ausführen sollte, eine andere Auffassung haben. Es kann ja sein, dass viele Alt-Katholiken „den Papst ablehnen“, aber altkatholisch im Sinne von altkirchlich ist das dann nicht mehr.

„Katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt wurde“

Richtig ist, dass die alt-katholische Kirche ein anderes Verhältnis als die römisch-katholische zum Papst hat. In der Müncher Pfingsterklärung vom 26. Mai 1871, die im Wesentlichen von Josef Ignaz von Döllinger formuliert wurde, hieß es: Wir verwerfen die vatikanischen Dekrete, bleiben aber Katholiken nach dem Grundsatz, daß nur das katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist (Vinzenz von Lerin).“
Mit den „vatikanischen Dekreten“ waren die Ergebnisse des Ersten Vatikanischen Konzils im Jahre 1870 gemeint: Dort wurde beschlossen, dass der Papst in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre aus sich selbst heraus unfehlbar für die Gesamtkirche spreche und das allgemeine Jurisdiktionsprimat, also die höchste kirchliche Lehrgewalt, inne habe. Obwohl auf dem Konzil etliche Bischöfe gegen diese Erklärung Partei ergriffen, stimmten am Ende fast alle dafür. 88 von ihnen waren zuvor abgereist, um gar nicht erst an der Abstimmung teilnehmen zu müssen. „In dem Augenblick der definitiven Abstimmung erhob sich ein Sturm. Eineinhalb Stunden lang wüteten Blitz und Donner. Eine Lampe musste zum päpstlichen Thron gebracht werden, damit Papst Pius IX. die Ergebnisse der Abstimmung und den Text des Dekrets vorlesen konnte (Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Erstes_Vatikanisches_Konzil).“
Wer nicht an Zufälle glaubt, mag sich seinen eigenen Reim auf diesen Sturm als Begleiterscheinung bei der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas machen.

Die alt-katholische Kirche – eine Notkirche

Nachdem die verbliebenen Gegner der Konzilsbeschlüsse sich exkommuniziert sahen, gingen sie in einigen Ländern zur Gründung von katholischen „Notkirchen“, den alt- beziehungsweise christkatholischen Kirchen (in der Schweiz) über. Im Jahr 1889 vereinigten sie sich mit der römisch-katholischen Kirche von Utrecht, die schon länger mit dem Vatikan im Clinch lag, zur Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Hier erhielten die Altkatholiken ihre apostolischen Weihen, die von der römisch-katholischen Kirche bis heute zwar als unrechtmäßig aber dennoch gültig anerkannt werden. In der gemeinsamen Utrechter Erklärung wurde hinsichtlich des Papstamtes formuliert: „Als mit dem Glauben der alten Kirche in Widerspruch stehend und die altkirchliche Verfassung zerstörend verwerfen wir die vatikanischen Dekrete vom 18. Juli 1870 über die Unfehlbarkeit und den Universal-Episkopat oder die kirchliche Allgewalt des römischen Papstes. Das hindert uns aber nicht, den historischen Primat anzuerkennen, wie denselben mehrere ökumenische Concilien und die Väter der alten Kirche dem Bischof von Rom als dem primus inter pares zugesprochen haben mit Zustimmung der ganzen Kirche des ersten Jahrtausends.“

Anerkennung des historischen Primats des Papstes

Das also ist nach wie vor die offizielle altkatholische Haltung gegenüber dem Papst: Er ist der „Erste unter Gleichen“, wie er es von jeher in der einen Heiligen Apostolischen und Katholischen Kirche gewesen ist. Nichts mit: „Altkatholiken lehnen den Papst ab!“
Dennoch, viele Alt-Katholiken wollen heute scheinbar nichts mehr von diesen ursprünglichen und noch immer gültigen altkatholischen Positionen wissen und definieren sich gern in Abgrenzung zum Bischof von Rom und seinem päpstlichen Amt.

Kirche und Kirchen-Gemeinschaft – die Dialogkommission

Große Mühe haben sich indes die Mitglieder der Internationalen römisch-katholischen und altkatholischen Dialogkommission gegeben, um endlich eine Annäherung zwischen der römisch-katholischen und der alt-katholischen Kirche auf den Weg zu bringen: In einem im Jahr 2009 fertig gestellten Text haben sie Vorschläge für eine Kirchengemeinschaft zwischen Altkatholiken und römischen Katholiken unterbreitet. Im Ergebnis heißt es da: Die Altkatholiken können den Papst durchaus als ersten „der Patriarchen“ anerkennen, der in der Kirche „einen universalen Primat ausübt“ (Kirche und Kirchengemeinschaft: Bericht der Internationalen Römisch-Katholischen – Altkatholischen Dialogkommission. Paderborn/Frankfurt am Main 2009. S. 25). Und die römisch-katholische Seite anerkennt „im heutigen ökumenischen Gespräch (…) die Berechtigung mancher Bedenken gegen diese Lehre (der Unfehlbarkeit und des Jurisdiktionsprimats) und macht geltend, dass der Jurisdiktionsprimat seinen Ort immer nur innerhalb der Communio-Struktur der Kirche haben darf” (S.26). Zu deutsch: Die Altkatholiken erkennen an, dass der Bischof von Rom eine herausragende Position innerhalb der Christenheit einnimmt, die ihn auch zu einer besonderen Leitungs- und Vermittlungsfunktion innerhalb der Versammlung der Bischöfe befähigt. Und die Rom-Katholiken akzeptieren die Bedenken anderer Glieder der einen katholischen Kirche gegen den Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit. Eine Einigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner, aber ein gangbarer Weg. Wäre es nicht fantastisch, wenn alle Katholiken in Zukunft wieder gemeinsam die Eucharistie feiern könnten.

Der Papst muss entscheiden – aber synodal!

Matthias Ring, derzeitiger Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland, hebt indes hervor, das mit der Annerkennung des päpstlichen Primats „keine päpstliche Jurisdiktion über eine Ortskirche (..) und kein Letztentscheidungsrecht des Papstes“ verbunden sein könne: „Vielleicht könnte man diese Funktion des Papstes also mit dem modernen Begriff ‚Moderator’ umschreiben.“ Aber es gäbe Altkatholiken, denen schon das zuviel Papst sei. „Denn sie werden fragen, ob nicht am Ende einer entscheiden muss, damit die Einheit gewahrt bleibt.“
Ja, das ist wohl so, dass am Ende einer entscheiden muss, und ich weiß auch nicht, was dagegen spräche, wenn der Entscheidungsträger sich vorher der Meinung der Mehrheit der Bischöfe versichert hätte. Das wäre dann quasi eine päpstlich-synodale Entscheidung. Was könnten wir Altkatholiken, die wir uns doch immer soviel auf unsere Synodalität einbilden, denn dagegen haben?

Ein Vorschlag aus Taizé!

Frère Alois, Prior der Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé und Nachfolger des Gründers Roger Schutz hat vor kurzem in einem Beitrag der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ von den Christen und Kirchen der Welt gefordert: „Tun wir von jetzt an mit den Christen der anderen Konfessionen alles gemeinsam, was gemeinsam getan werden kann, und unternehmen wir nichts mehr, ohne auf die anderen Rücksicht zu nehmen! (Diese forderung sollte uns nicht zuletzt im Hinblick auf die Weihe von Frauen zu Priesterinnen in der alt-katholischen Kirche zu denken geben.) Und zum Thema Papst regt Frère Alois an:

„Könnten nicht alle Christen die Berufung des Bischofs von Rom anerkennen, Verantwortung für die Gemeinschaft unter allen zu tragen, einer Gemeinschaft in Christus, in der auf manchen Gebieten Unterschiede im theologischen Ausdruck weiterbestehen können? Gibt Papst Franziskus nicht uns allen dadurch die Richtung vor, dass er der Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes die höchste Priorität einräumt? Versäumen wir diesen uns geschenkten Moment nicht! Ich bin mir dessen bewusst, dass ich damit ein heißes Eisen anfasse und mich vielleicht auch unbeholfen ausdrücke. Dennoch sehe ich keinen anderen Weg, um in Richtung einer versöhnten Verschiedenheit weiterzugehen.“

Wohlgemerkt: Die Berufung des Bischofs von Rom, „Verantwortung für die Gemeinschaft unter allen zu tragen“. Hier ist von Verantwortung, nicht von Leitung die Rede. Atmet dieser Vorschlag nicht geradezu altkatholischen Geist im besten Sinne. Müssten wir diese Anregung nicht, wenn uns wirklich an einer echten Ökumene gelegen ist, aufgreifen und alles dafür tun, ihn mit Leben zu füllen. Ja sind wir um der Einheit der Kirche (des Leibes Christi) Willen nicht geradezu verpflichtet, darauf zu reagieren? Wie könnte das aussehen? Wir könnten etwa den Papst mit in die Intercessiones des Hochgebetes aufnehmen, beispielsweise in der Form:

“Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde und vollende dein Volk in der Liebe, vereint mit unserm Bischof N., dem Bischof vorn Rom, Papst N. und allen Männern und Frauen im priesterlichen und diakonalen Dienst“.

Ein solcher Schritt, ohne Vorbedingungen, wäre eine Geste, welche die Bezeichnung ökumenisch wirklich einmal verdient hätte! Aber leider gibt es auch hier schon wieder Gegenreaktionen, eine fast reflexartige Abgrenzung, wie so oft, wenn es um unser Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche und ihrer Ekklesiologie geht. Bleibt die Anregung von Frère Alois also nur ein schöner Traum?

War Petrus der erste Papst?

Der päpstliche Primat steht auch bei uns Alt-Katholiken zwar noch auf dem Papier, aber hier scheint eher das Prinzip zu gelten: Was scheren mich meine Erklärungen von gestern. Dies mag auch daran liegen, dass die Alt-Katholiken (wie auch die orthodoxen Kirchen) die römisch-katholische Herleitung des Petrusdienstes schon seit langem nicht mehr teilen. Matthias Ring schreibt: „Der Bischof von Rom hat für die alt-katholische Kirche eine Vorrangstellung in der Universalkirche, ohne dass sie die biblische Begründung übernimmt, wie sie in der römisch-katholischen Kirche üblich ist. Stattdessen betont die alt-katholische Kirche, dass diese Funktion dem Bischof von Rom zugesprochen wurde oder ihm im Laufe der Zeit zugewachsen ist. Pointiert bedeutet dies: Petrus war nicht der erste Papst.“
Alt-katholische Theologen widersprechen mithin der Auffassung, dass die Vorrangstellung, die Jesus Christus dem Apostel Petrus – dokumentiert an etlichen Stellen in der Heiligen Schrift – einräumt, zur Begründung des Petrusamtes des Bischofs von Rom herangezogen werden könne. Es konnte mir aber trotz häufigem Insistieren noch niemand erklären, wie diese Schriftpassagen denn sonst zu interpretieren seien, beispielsweise Mt 16,18-19: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“
Wenn dem späteren Apostel Petrus von Christus eine besondere Leitungs- oder Vorbildfunktion innerhalb der Schar seiner Jünger eingeräumt wurde, und Petrus dann die Leitung der christlichen Gemeinden in Rom innehatte, so mag man ihn damals zwar noch nicht Papst genannt haben, aber nichtsdestoweniger hatte er ein besonderes Leitungsamt – eben das Petrusamt – inne, dessen Amtsinhaber als Petri Nachfolger, die Bischöfe von Rom, heute als Päpste bezeichnet werden.
Die letztlich entscheidende Frage ist also: Hat Petrus der ersten Christengemeinde in Rom vorgestanden oder nicht. Darüber streiten die Gelehrten bis heute. Dennoch: Der Primat des Bischofs von Rom und mit ihm der Vorstoß von Frère Alois steht auf der Tagesordnung!

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Mai 04 2014

Altkatholizismus reloaded

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Angélique Arnauld Port Royal
Als unsere katholischen Altvorderen sich am Ende des 19. Jahrhunderts gezwungen sahen, so etwas wie eine Notkirche ins Leben zu rufen, weil sie sich von ihrer Kirche verstoßen fühlten, da fügten sie der Bezeichnung „katholisch“ ganz bewusst das Adjektiv „alt“ hinzu. In der Utrechter Erklärung aus dem Jahr 1889 hieß es:

„Wir halten fest an dem altkirchlichen Grundsatze, welchen Vincentius von Lerinum in dem Satze ausgesprochen hat: Id teneamus, quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est; hoc est etenim vere proprieque catholicum. (Wir halten fest an dem, was immer, überall und von allen geglaubt worden ist; das ist nämlich wahrhaft katholisch). Wir halten darum fest an dem Glauben der alten Kirche, wie er in den ökumenischen Symbolen und in den allgemein anerkannten dogmatischen Entscheidungen der ökumenischen Synoden der ungetheilten Kirche des ersten Jahrtausends ausgesprochen ist.”

Die altkatholischen Väter waren stolz auf das „alt“ vor dem „katholisch“, für sie bedeutete es Traditionsverbundenheit und Standhaftigkeit. Heute hingegen ist dieser Begriff vielen Alt-Katholiken irgendwie peinlich. Etliche Alt-Katholiken sind scheinbar wie die TAZ der Auffassung, der Name sei ein echtes Problem. Alt-katholisch, das dürfe auf keinen Fall falsch verstanden werden, heißt es. Und: Wir sind „jünger, als sie denken“, keinesfalls „verknöchert und verstaubt“, sondern im Gegenteil weltoffen und modern.
„Jung“, „jünger“ „modern“, „weltoffen“, das sind mithin einige der am häufigsten verwendeten Schlagworte alt-katholischer Medienpräsenz. Damit werben ansonsten gern Städte oder auch Privatunternehmen für ihre Vorzüge. Alt-katholische Texte versprühen nicht selten den Charme von Slogans aus den Sprücheschmieden der Werbeagenturen. Katholizität und Spiritualität bleiben dabei leider auf der Strecke.

Proselyten in Tüten

Mancherorts wird den Katholiken unserer römisch-katholischen Schwesterkirche in diesem Zusammenhang die „katholische Alternative“ angetragen. Alt(ernativ)katholisch: Proselytenmacherei stand schon immer zu Recht in schlechtem Ruf. Und solche Strategien sind in der Regel (und man muss wohl sagen: zum Glück!) wenig erfolgreich, eher schon werfen sie ein schlechtes Licht auf ihre Urheber. Wir sollten daher aufpassen, dass wir es uns auf diese Art und Weise in der Ökumene, die uns so am Herzen liegt, nicht auf absehbare Zeit ernsthaft verscherzen.
Wir Alt-Katholiken wollen nicht ausgrenzen, aber wir grenzen uns permanent ab. Einer „Alternative“ ist es wesenseigen, dass sie sich zu etwas anderem different verhält. Müssen wir uns auf diese Art und Weise ständig aufs Neue der eigenen Identität versichern?

Mehr Demut jetzt!

Ich denke, mehr Demut, mehr Bezug auf Spiritualität, Kontemplation und Gebet, das würde uns Alt-Katholiken sehr gut zu Gesicht stehen, und das wäre beziehungsweise ist wirklich katholisch, altkatholisch.
Der Trend scheint indes in eine andere Richtung zu gehen: Da gibt es zum Beispiel diese peinliche Jutetasche mit dem Aufdruck: „Verheiratete katholische Priesterin feiert ökumenisches Abendmahl. Fiktion? Realität!“ Eine alt-katholische Geistliche meinte einmal reüssieren zu können, indem sie auf Nachfrage, was den alt-katholisch sei, kurzerhand diese Jutetasche in die Höhe hielt. Und sie bekam Beifall dafür. Der anwesende römisch-katholische Geistliche fühlte sich brüskiert, vielleicht verletzt, und gab seinem Gefühl mit den Worten Ausdruck, dass in diesem Saal ja eine sehr evangelische Stimmung herrsche. Die Ironie dieser Geschichte: Inzwischen ist die Betreffende evangelische Pastorin.

Fischen in fremden Gewässern

Seit Jahrzehnten versucht die alt-katholische Kirche immer einmal wieder in fremden Gewässern zu fischen, indem sie sich dem jeweils herrschenden Zeitgeist andient. Aber weder sind früher die Deutsch-, noch heute die Reformkatholiken in Massen zur alt-katholischen Kirche gestürmt.

Worauf es wirklich ankommt!

Das sollte uns zu denken geben. Meiner Auffassung nach gilt es, sich ganz auf das Gebet, die Kontemplation, die Liturgie zu konzentrieren. Wo wir die Kraft dazu haben, sollten wir uns diakonischen und karitativen Anliegen widmen. Und uns gegen die neoliberalen Zumutungen in der heutigen Gesellschaft wenden, gegen die Verdinglichung und Warenförmigkeit menschlicher Beziehungen. Und damit gegen den Zeit(un)geist.
Darum: Immer schön katholisch bleiben. Evangelische Grüppchen und Gemeinschaften gibt es genug.

Reload

Die alt-katholische Kirche braucht im Prinzip einen spirituellen Reload. Deswegen haben wir in Hannover unsere Kirche übrigens auch auf den Namen St. Maria Angelica geweiht. Wir haben Bezug genommen auf Angélique Arnauld, weil sie aus dem Zisterzienserkloster Port Royal, das im 17. Jahrhundert quasi zu einem besseren Höhere-Töchter-Internat verkommen war, wieder eine geistige Klostergemeinschaft gemacht hat. (Wir haben sie trotz ihrer Nähe zum Jansenismus zur Namensgeberin gewählt, nicht wegen )
Die alt-katholische Kirche Deutschlands in ihrer derzeitigen Verfassung hat streckenweise nur noch bedingt etwas mit der einen ungeteilten Kirche des erstens Jahrtausends gemein, auf die sie sich so gern beruft. Sie muss ihren Weg erst wieder dorthin finden, so wie die Schwestern von Port Royal ihren Weg zurück zur Klostergemeinschaft gefunden haben (aber diesmal bitte ohne Jansenismus).

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Apr 26 2014

Erfolg der Frauenordination? Welcher Erfolg?

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

frauenordination
In der alt-katholischen Kirche wird immer mal wieder etwas nebulös der „große Erfolg der Frauenordination“ beschworen. Worin könnten die Erfolge der Frauenordination liegen, sieht man einmal davon ab, das einige Befürworter die Frauenordination als solche bereits als Erfolg feiern?
Etliche Freunde und Mitglieder, ja ganze Teilkirchen, haben der Utrechter Union der alt-katholischen Kirchen nach Einführung der Frauenordination den Rücken gekehrt.
Die alt-katholische Kirche hat sich gespalten. In Deutschland haben einige altkatholische Kritiker der Frauenordination eine „neue Kirche“, die sogenannte „Christ-Katholische Kirche Deutschlands“, gegründet.
Die Verhandlungen mit den orthodoxen Kirchen über eine Kirchenunion liegen seit Einführung der Frauenordination quasi auf Eis. Zwar hat es zwischendurch noch einmal Gespräche gegeben, die führten aber zu keinerlei Ergebnis.
Die Gräben zwischen den katholischen Kirchen in apostolischer Sukzession sind durch die Einführung der Frauenordination größer geworden.
Eine stolze Bilanz. Es ist eindeutig: Frauenordination spaltet die Kirche ist ein voller Erfolg.

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