Archiv für die Kategorie 'Prekariat und Alltag'

Jun 05 2013

Wolfsrudel und Neoliberalismus

(Adam) Smith wäre es aber nie eingefallen, dem blinden Egoismus das Wort zu reden. Soll der Mensch auch kein Haustier sein, plädiert er doch nicht für die Gesellschaft als Wolfsrudel (…),

schreibt Morgenländer. Na ja!? Spätestens seit den Chicago Boys wissen wir, dass es in so manchem Wolfsrudel sozialer zugeht als in neoliberal orientierten Gesellschaften.

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Mai 25 2013

Der Preis der Freiheit I. Hungerlöhne in El Salvador bei der deutschen Firma Dümmen

Autor: . Abgelegt unter Prekariat und Alltag

Das Unternehmen Dümmen aus Rheinberg in Nordrhein Westfalen produziert Weihnachtssterne. Das heißt, es lässt Weihnachtssterne produzieren, und zwar in dem mittelamerikanischen Staat El Salvador. Dort betreibt das Unternehmen eine Plantage. Der größte Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen erhält hier 105 US-Dollar im Monat. Dieser Betrag liegt unter den Mindestlöhnen des Landes, die im Bereich Handel, Dienstleistungen und Industrie cirka 180 US-Doller – US-Dollar ist seit 2001 die Landeswährung – betragen. 105 US-Dollar reichen in El Salvador nicht einmal für eine Einzelperson zum Leben. Der Grundbedarf für eine vierköpfige Familie beträgt nach Einschätzung der Regierung des Landes rund 700 US-Dollar pro Monat. Kann die Firma Dümmen nicht mehr zahlen, oder macht sie sich die desolate soziale Situation im dem mittelamerikanischen Land zunutze. Die Unterbeschäftigung liegt bei rund 45 Prozent, billige Arbeitskräfte gibt es also genug.
Auf mehrere Versuche der in Lateinamerika engagierten Nicht-Regierungsorganisation Christliche Initiative Romero (CIR), die Firma zu einem Kurswechsel zu bewegen, hat Dümmen bisher nicht reagiert. CIR setzt sich vor Ort für die Verbesserungs der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung ein.
Dümmen hält es wahrscheinlich mit John Stuart Mill: „Ein Staat, der seine Menschen verzwergt, um sie zu gefügigeren Werkzeugen in seinen Händen zu machen – und sei es für wohltätige Zwecke -, wird erkennen müssen, dass mit kleinen Menschen keine großen Dinge zu erreichen sind“. In diesem Fall ist es allerdings nicht der Staat, der seine Bürger verzwergt. Vielmehr ist es die deutsche Firma Dümmen, die ihren Arbeitern und Arbeiterinnen in El Salvador Hungerlöhne zahlt und deren Nachkommen damit dem Risiko der Verzwergung aussetzt. Und so sind in El Salvador wohl auch künftig “keine großen Dinge zu erreichen”. Es sei denn, in Zukunft kommen doch noch einmal ein paar mutige Sozialreformer zum Zuge, um etwas gegen die Freiheit zur Ausbeutung abhängiger und unterprivilegierter Menschen zu unternehmen.

Hier Weiterlesen: Blühende Ausbeutung (PDF)

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Apr 26 2013

Haarige Thesen zu haarigen Fragen!

Mein Lieblingsrechtsliberaler unter den Bloggern, der Morgenländer, hat sich einmal wieder für die freie Markwirtschaft stark gemacht. Diesmal, um sie vor den Angriffen der Sozialisten aller Parteien und den von ihnen verfochtenen Mindestlöhnen in Schutz zu nehmen. Im Speziellen geht es um das Friseursgewerbe. Wenn jetzt ab August 2015 mindesten 8,50 Euro gezahlt werden, sieht Morgenländer zahlreiche Pleiten voraus, die Niedrigpreiskonkurrenz „werde dann ihre Dienstleistungen im unversteuerten Heimbetrieb – vulgo: Schwarzarbeit“, anbieten müssen. Und „Kunden, die die höheren Preise nicht zahlen können oder wollen, werden entweder darauf verzichten, diese Dienstleistung nachzufragen, oder sie werden die nette arbeitslose Friseurin aus der Nachbarschaft bemühen“.
Nun ja!? Man muss eigentlich nicht so viele Haare auf dem Kopf haben, um zu erkennen, dass von 3,14 Euro die Stunde – soviel wird zumindest im Osten im Friseursgewerbe als Einstiegslohn vielerorts gezahlt – kein auskömmlicher Lebensunterhalt zu bestreiten ist. So einen Job kann man sich nur leisten,

  • wenn man entweder einen Ehemann respektive eine Ehefrau hat, die einigermaßen gut verdient,
  • sein Gehalt zusätzlich mit Sozialleistungen aufstockt,
  • oder man sich eben noch etwas dazu verdient.

Die nette Friseurin aus der Nachbarschaft mit 3,14 Euro Stundenlohn wird also ohnehin schon aufstocken müssen, und das sehr wahrscheinlich mit ein paar Euro schwarz auf die Kralle. So funktioniert Marktwirtschaft.
Armut schafft Schwarzmärkte. Und, um bei der Ökonomie im Allgemeinen zu bleiben: „Ein Unternehmer wird die Löhne zahlen, die zu zahlen gerade noch profitabel ist.
Zahlt er weniger, muss er fürchten, dass seine Beschäftigten zu anderen Firmen abwandern; zahlt er mehr, muss er entweder seine Preise erhöhen – wenn er dies am Markt durchsetzen kann – oder mit Verlust arbeiten
“.
Da ist was Wahres dran. Voraussetzung ist natürlich, dass ein Mangel an Arbeitskräften besteht und der Beschäftigte überhaupt zu einem Konkurrenten abwandern kann. Das ist in der Regel aber nicht der Fall. Damit das so bleibt, haben Unternehmen ein Interesse daran, dass immer ein gewisses Maß an Unterbeschäftigung herrscht. Arbeitslosigkeit ist systemimmanent. Richtig, das haben wir doch immer schon gesagt. Marx bezeichnete die Gruppe der Arbeitslosen als „industrielle Reservearmee“. Eine Jongliermasse der Unternehmen, vulgo Kapitalisten, um die Gehälter möglichst gering zu halten und Produktionsschwankungen schnell und billig mit dienstbaren Lohnabhängigen auszugleichen. Um sich im Spiel der Kräfte mit hohen Profiten auf den Märkten halten und behaupten zu können. So funktioniert Kapitalismus. Lieber Morgenländer: Nicht immer nur Adam Smith und Johann Heinrich Thünen, sondern ruhig auch mal Karl Marx lesen.

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Jan 15 2013

Der 15. Januar

Ich gerate mit den Texten für Zeitschrift A in Verzug. Überhaupt. Das scheint mir heute mal wieder so ein von vorn herein vermasselter Tag zu sein, Null-Bock-Stimmung quasi, etwas elaborierter ausgedrückt, starke Antriebschwäche. Das ist ein Gefühl von müden Gliedern und einem in den Schraubstock geklemmten Thorax. Dabei weiß ich nicht einmal, weshalb. Eigentlich müsste ich heute Abend in der CSB wegen einer geplanten Fortbildungsveranstaltung anfragen, doch das scheint mir schon wieder zuviel des Guten an Initiative abzuverlangen. Solche Dinge sind mir oft, zu oft, ein großes Angehen, für andere wohl eher eine Lappalie.

Liebknecht und Luxemburg

Und sonst so? Heute vor 94 Jahren wurden die Kommunisten Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht von Freikorps-Soldaten in Berlin ermordet.

„Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gehörten am 30. Dezember 1918 in Berlin zu den Gründern der Kommunistischen Partei. Liebknecht und Luxemburg Nur zwei Wochen später wurden die beiden von Freikorps-Soldaten festgenommen und ermordet.
Während Luxemburg nach einem Verhör im Hotel Eden erst bewusstlos geschlagen und dann mit einem aufgesetzten Schläfenschuss getötet wurde, erschossen die Soldaten Liebknecht am Ufer des Neuen Sees im Tiergarten aus nächster Nähe von hinten. Am Nordufer des Sees erinnert heute eine Stehle an ihn. An Rosa Luxemburg erinnert eine Fußgängerbrücke am Katharina-Heinroth-Ufer.“

Die bürgerliche Mitte und Rechte hat diesen gewaltsamen Tod zwar niemals frenetisch gefeiert, aber wohl doch immer als so etwas wie einen politischen Kollateralschaden im Zuge der Verhinderung eines kommunistischen Deutschlands verbucht. Der Autor der Weblogs Morgenländers Notizbuch kann deshalb diesen Doppelmord zwar nicht gutheißen, aber irgendwie zeigt er sich doch erleichtert, dass die politische Betätigung Liebknechts und Luxemburgs an jenem 15. Januar vor 94 Jahren ein so jähes Ende fand:

„Wäre der Spartakusaufstand im Winter 1918/19 nicht niedergeschlagen worden, wäre Deutschland den Weg des bolschewistischen Russlands gegangen – ein Weg, der Millionen Menschen das Leben gekostet hat.
Dies verhindern zu wollen, rechtfertigte gewiss keinen Mord, aber zu Heldenverehrung geben die Toten des 15. Januar 1919 auch keinen Anlass.“

Ich gehe jetzt einmal nicht weiter darauf ein. Nur soviel: Der Weg, den Deutschand nach dem Tod dieser beiden Kommunisten eingeschlagen hat, kostete rund 80 Millionen Menschen das Leben. Antikommunismus kann doch manchmal ziemlich faktenresistent sein.

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Jan 05 2013

Hallo 2013: Prekäres, Defizitäres & Elitäres!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Prekariat und Alltag

Hallo 2013. Ich versuche mich also an einem Blog. Schorsi von Beck: Notizblättchen. Ehrlich gesagt ist das Ganze zunächst einmal das Resultat eines Ablenkungsmanövers. Ich lenke mich nämlich selbst von der Arbeit ab. Eigentlich müsste ich Zeitschriftenartikel redigieren. Statt dessen daddele ich an dieser Website herum. So profan kann das Leben sein.

Apropos: So wie in meinem digitalen Leben, so mäandere ich irgendwie auch durchs richtige. Hier ein Projekt angefangen, dort ein anderes. Schließlich fällt mir wieder etwas Neues ein, Angefangenes bleibt auf der Strecke.

Okay, jetzt lösche ich erst einmal einige Altlasten im Web. Lohnt es sich, etwas aufzuheben? Vielleicht meine Klage über das prekäre Dasein als selbstständiger Journalist und Redakteur:

Als prekär arbeitender Mensch hast du oft keine Wahl: du musst dich mit den Arbeitsbedingungen, Zumutungen und Erniedrigungen arrangieren. Klar, du kannst Tätigkeiten ablehnen, aber wer weiß, wann dir der nächste Job angeboten wird. Das Risiko trägst du immer selbst. Du kannst nicht zu einem Betriebsrat gehen und dich beschweren, wenn dir etwas gar nicht passt oder etwas wirklich schräg läuft. Du kannst nicht zum Arzt gehen und dich mal eine Woche krank schreiben lassen, wenn es gar nicht mehr geht. Ja, du darfst nicht einmal wirklich krank sein, weil dir dann das Einkommen wegbricht.

Weblink: Von der Boheme zur Unterschicht

Oder meinen Ärger über unsere geistigen Eliten:

Blasiert: Das waren noch Zeiten, als den Universitätsprofessoren nebst Gefolgschaft die Verunsicherung der akademischen Amtswürde ins Gesicht geschrieben stand. „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“ rief ihnen das rebellische Stundentenvolk achtundsechzig hinterher; einige aus der respektlosen Truppe von damals befinden sich als Universitätsprofessoren heute selbst kurz vor der Pensionierung. Als diese das Ross bestiegen, vom dem ihre Lehrer kurz zuvor noch zu stürzen schienen, waren sie voll der libertären und egalitären Gesinnung. Insbesondere an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten galt das Du zwischen Studis und Profs bis weit in die achtziger Jahre hinein als Usus, wer es anders hielt, war als Spießer verschrien. Seither hat sich einiges verändert. Die Position der habilitierten Hochschullehrer und ihre Autorität ist unangetastet. Und wer das Hauen und Stechen um Assistentenstellen, Promotions- sowie Habilitationsmöglichkeiten und schließlich um die Lehrstühle an den Universitäten kennt, der weiß: hier kommen nur wenige durch, und um das zu schaffen braucht man oft viel Ellenbogen und wenig Rücksichtnahme. Dementsprechend angenehm ist bisweilen der Umgang mit ihnen.
Wer es innerhalb der universitären Wissenschaftler-Zunft zu Ansehen bringen will, muss mit reichlich akademischem Imponiergehabe ausgestattet sein. Und dazu gehört nicht zuletzt die Fähigkeit, Texte in einem für Außenstehende möglichst unverständlichen Fach-Code zu verfassen. Wird das einmal richtig beherrscht, ist es kaum wieder loszuwerden, das ist dann chronisch wie die unleserliche Unterschrift von Hausärzten. Würden die Betreffenden dies als Mangel erkennen, so wäre ihnen zu helfen. Aber Lehrstuhlinhaber und das Eingeständnis von Defiziten, das schließt sich in der Mehrzahl der Fälle aus. Die Leute sind unbelehrbar, und wer sie nicht versteht, gehört aus ihrer Perspektive ohnehin einer anderen Sphäre an. Und mit der möchte man möglichst nicht in Berührung kommen. Fast scheint es so, als ängstigten sich die Betreffenden davor, mit Banalem beschutzt zu werden.
Man hat sich in der universitären Hierarchie nach oben gekämpft, und die Hierarchien sind eindeutig: Leute, die von den Lehrstuhlinhabern abhängig sind, weil sie promovieren wollen beziehungsweise ihrerseits eine Universitätskarriere anstreben, haben zu dienen. Von bösen Zungen auch als Kofferträger bezeichnet, sind die Angehörigen des akademischen Nachwuchses trotz ihrer Dienstfertigkeit vielen Professoren irgendwie lästig. Halten sie den Meister doch davon ab, ungestört die wirklich wichtigen Dinge zu tun. Und dazu gehört vor allem die eigene Profilpflege.

Mit den Dienenden kommuniziert man also nur notgedrungen und auch nur in einer kürzelhaften, abgespeckten Form. E-Mails eignen sich besonders gut für jenen herablassenden und respektlosen Ton, womit den Adressaten gefahrlos verdeutlicht werden kann, welchen sozialen Rang sie einnehmen.
Abhängige außerhalb des Hochschulgefüges werden vergleichbar behandelt, vielleicht noch etwas abfälliger. Denn hier ist die Möglichkeit ohnehin so gut wie ausgeschlossen, dass sie einem irgendwann einmal auf gleicher Augenhöhe begegnen könnten.
Die Kommunikation mit Hochschullehrern kann somit für all jene, die nicht selbst Hochschullehrer sind oder mit einem anderen dicken Pfund zu wuchern haben, eine echte Herausforderung werden, die ein ziemlich dickes Fell erfordert.
Ausnahmen bestätigen die Regel!

Weblink: Wer ist hier der Prof?

Und was hat das jetzt alles mit mir zu tun? Nun, wahrscheinlich würde ich lieber zu den Letztgenannten als zu den Erstgenannten gehören. Aber es ist anders gekommen. Ob das auch gut so ist, weiß ich nicht. Immerhin, der aufmerksame Leser weiß jetzt: „Der Typ hadert mit seinem Lebenslauf.“ Na ja. Manchmal vielleicht. Ein bisschen.

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