Mai 25 2013

Der Preis der Freiheit I. Hungerlöhne in El Salvador bei der deutschen Firma Dümmen

Autor: . Abgelegt unter Prekariat und Alltag

Das Unternehmen Dümmen aus Rheinberg in Nordrhein Westfalen produziert Weihnachtssterne. Das heißt, es lässt Weihnachtssterne produzieren, und zwar in dem mittelamerikanischen Staat El Salvador. Dort betreibt das Unternehmen eine Plantage. Der größte Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen erhält hier 105 US-Dollar im Monat. Dieser Betrag liegt unter den Mindestlöhnen des Landes, die im Bereich Handel, Dienstleistungen und Industrie cirka 180 US-Doller – US-Dollar ist seit 2001 die Landeswährung – betragen. 105 US-Dollar reichen in El Salvador nicht einmal für eine Einzelperson zum Leben. Der Grundbedarf für eine vierköpfige Familie beträgt nach Einschätzung der Regierung des Landes rund 700 US-Dollar pro Monat. Kann die Firma Dümmen nicht mehr zahlen, oder macht sie sich die desolate soziale Situation im dem mittelamerikanischen Land zunutze. Die Unterbeschäftigung liegt bei rund 45 Prozent, billige Arbeitskräfte gibt es also genug.
Auf mehrere Versuche der in Lateinamerika engagierten Nicht-Regierungsorganisation Christliche Initiative Romero (CIR), die Firma zu einem Kurswechsel zu bewegen, hat Dümmen bisher nicht reagiert. CIR setzt sich vor Ort für die Verbesserungs der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung ein.
Dümmen hält es wahrscheinlich mit John Stuart Mill: „Ein Staat, der seine Menschen verzwergt, um sie zu gefügigeren Werkzeugen in seinen Händen zu machen – und sei es für wohltätige Zwecke -, wird erkennen müssen, dass mit kleinen Menschen keine großen Dinge zu erreichen sind“. In diesem Fall ist es allerdings nicht der Staat, der seine Bürger verzwergt. Vielmehr ist es die deutsche Firma Dümmen, die ihren Arbeitern und Arbeiterinnen in El Salvador Hungerlöhne zahlt und deren Nachkommen damit dem Risiko der Verzwergung aussetzt. Und so sind in El Salvador wohl auch künftig “keine großen Dinge zu erreichen”. Es sei denn, in Zukunft kommen doch noch einmal ein paar mutige Sozialreformer zum Zuge, um etwas gegen die Freiheit zur Ausbeutung abhängiger und unterprivilegierter Menschen zu unternehmen.

Hier Weiterlesen: Blühende Ausbeutung (PDF)

5 Kommentare

5 Kommentare zu “Der Preis der Freiheit I. Hungerlöhne in El Salvador bei der deutschen Firma Dümmen”

  1. Molotam 29. Mai 2013 um 7:58 1

    “Der größte Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen erhält hier 105 US-Dollar im Monat. Dieser Betrag liegt unter den Mindestlöhnen des Landes…..”

    Und wer treibt denen jeden Morgen die Arbeiter auf das Feld? Ich meine von selbst werden die ja nicht kommen und sich ausbeueten lassen?

  2. Schorsiam 29. Mai 2013 um 10:56 2

    Warum geht eine Friseurin für 2,50 Euro Haare schneiden? Warum stellt sich jemand für 8 Euro ans Fließband? Warum gehen über 1000 Menschen in eine einsturzgefährdete Fabrik, um Bekleidung zu nähen?
    Aus Not!

  3. Molotam 30. Mai 2013 um 8:17 3

    Wollen Sie damit etwa sagen, daß die Arbeit in einer
    – einsturzgefährdeten- Fabrik, geeignet ist, besagte Not zu lindern?
    Oder das Haare schneiden für 2,5 Euro?

  4. Schorsiam 30. Mai 2013 um 11:14 4

    Ich will damit sagen, dass die Menschen in der Not Dinge tun, die sie ohne Not nicht tun würden und auch nicht tun müssten. Sie handeln so, weil sie unter bestimmten Bedingungen keine andere Möglichkeit erkennen.

  5. Molotam 2. Juni 2013 um 12:52 5

    @Schorsi

    “Ich will damit sagen, dass die Menschen in der Not Dinge tun, die sie ohne Not nicht tun würden und auch nicht tun müssten.”

    Und Leute wie Sie und die christlichen Romero´s sind sicherlich neugierig darauf, was die Arbeiter in El Salvador noch so alles tun würden – aus Not.
    Wenn sich die Firma Dümmen Ihre Kritik zu Herzen nimmt beispielsweise. Wenn sie ihre Plantage verkauft oder stilllegt und aufhört, die Menschen in dem Land “auszubeuten”, gehen die dann für 100,-$ arbeiten oder für 80,- oder 50,-?
    Interessante Frage aber vielleicht finden Sie es ja heraus, gemeinsam mit “CIR”.

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