Jan 05 2013

Hallo 2013: Prekäres, Defizitäres & Elitäres!

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Prekariat und Alltag

Hallo 2013. Ich versuche mich also an einem Blog. Schorsi von Beck: Notizblättchen. Ehrlich gesagt ist das Ganze zunächst einmal das Resultat eines Ablenkungsmanövers. Ich lenke mich nämlich selbst von der Arbeit ab. Eigentlich müsste ich Zeitschriftenartikel redigieren. Statt dessen daddele ich an dieser Website herum. So profan kann das Leben sein.

Apropos: So wie in meinem digitalen Leben, so mäandere ich irgendwie auch durchs richtige. Hier ein Projekt angefangen, dort ein anderes. Schließlich fällt mir wieder etwas Neues ein, Angefangenes bleibt auf der Strecke.

Okay, jetzt lösche ich erst einmal einige Altlasten im Web. Lohnt es sich, etwas aufzuheben? Vielleicht meine Klage über das prekäre Dasein als selbstständiger Journalist und Redakteur:

Als prekär arbeitender Mensch hast du oft keine Wahl: du musst dich mit den Arbeitsbedingungen, Zumutungen und Erniedrigungen arrangieren. Klar, du kannst Tätigkeiten ablehnen, aber wer weiß, wann dir der nächste Job angeboten wird. Das Risiko trägst du immer selbst. Du kannst nicht zu einem Betriebsrat gehen und dich beschweren, wenn dir etwas gar nicht passt oder etwas wirklich schräg läuft. Du kannst nicht zum Arzt gehen und dich mal eine Woche krank schreiben lassen, wenn es gar nicht mehr geht. Ja, du darfst nicht einmal wirklich krank sein, weil dir dann das Einkommen wegbricht.

Weblink: Von der Boheme zur Unterschicht

Oder meinen Ärger über unsere geistigen Eliten:

Blasiert: Das waren noch Zeiten, als den Universitätsprofessoren nebst Gefolgschaft die Verunsicherung der akademischen Amtswürde ins Gesicht geschrieben stand. „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren“ rief ihnen das rebellische Stundentenvolk achtundsechzig hinterher; einige aus der respektlosen Truppe von damals befinden sich als Universitätsprofessoren heute selbst kurz vor der Pensionierung. Als diese das Ross bestiegen, vom dem ihre Lehrer kurz zuvor noch zu stürzen schienen, waren sie voll der libertären und egalitären Gesinnung. Insbesondere an den geisteswissenschaftlichen Fakultäten galt das Du zwischen Studis und Profs bis weit in die achtziger Jahre hinein als Usus, wer es anders hielt, war als Spießer verschrien. Seither hat sich einiges verändert. Die Position der habilitierten Hochschullehrer und ihre Autorität ist unangetastet. Und wer das Hauen und Stechen um Assistentenstellen, Promotions- sowie Habilitationsmöglichkeiten und schließlich um die Lehrstühle an den Universitäten kennt, der weiß: hier kommen nur wenige durch, und um das zu schaffen braucht man oft viel Ellenbogen und wenig Rücksichtnahme. Dementsprechend angenehm ist bisweilen der Umgang mit ihnen.
Wer es innerhalb der universitären Wissenschaftler-Zunft zu Ansehen bringen will, muss mit reichlich akademischem Imponiergehabe ausgestattet sein. Und dazu gehört nicht zuletzt die Fähigkeit, Texte in einem für Außenstehende möglichst unverständlichen Fach-Code zu verfassen. Wird das einmal richtig beherrscht, ist es kaum wieder loszuwerden, das ist dann chronisch wie die unleserliche Unterschrift von Hausärzten. Würden die Betreffenden dies als Mangel erkennen, so wäre ihnen zu helfen. Aber Lehrstuhlinhaber und das Eingeständnis von Defiziten, das schließt sich in der Mehrzahl der Fälle aus. Die Leute sind unbelehrbar, und wer sie nicht versteht, gehört aus ihrer Perspektive ohnehin einer anderen Sphäre an. Und mit der möchte man möglichst nicht in Berührung kommen. Fast scheint es so, als ängstigten sich die Betreffenden davor, mit Banalem beschutzt zu werden.
Man hat sich in der universitären Hierarchie nach oben gekämpft, und die Hierarchien sind eindeutig: Leute, die von den Lehrstuhlinhabern abhängig sind, weil sie promovieren wollen beziehungsweise ihrerseits eine Universitätskarriere anstreben, haben zu dienen. Von bösen Zungen auch als Kofferträger bezeichnet, sind die Angehörigen des akademischen Nachwuchses trotz ihrer Dienstfertigkeit vielen Professoren irgendwie lästig. Halten sie den Meister doch davon ab, ungestört die wirklich wichtigen Dinge zu tun. Und dazu gehört vor allem die eigene Profilpflege.

Mit den Dienenden kommuniziert man also nur notgedrungen und auch nur in einer kürzelhaften, abgespeckten Form. E-Mails eignen sich besonders gut für jenen herablassenden und respektlosen Ton, womit den Adressaten gefahrlos verdeutlicht werden kann, welchen sozialen Rang sie einnehmen.
Abhängige außerhalb des Hochschulgefüges werden vergleichbar behandelt, vielleicht noch etwas abfälliger. Denn hier ist die Möglichkeit ohnehin so gut wie ausgeschlossen, dass sie einem irgendwann einmal auf gleicher Augenhöhe begegnen könnten.
Die Kommunikation mit Hochschullehrern kann somit für all jene, die nicht selbst Hochschullehrer sind oder mit einem anderen dicken Pfund zu wuchern haben, eine echte Herausforderung werden, die ein ziemlich dickes Fell erfordert.
Ausnahmen bestätigen die Regel!

Weblink: Wer ist hier der Prof?

Und was hat das jetzt alles mit mir zu tun? Nun, wahrscheinlich würde ich lieber zu den Letztgenannten als zu den Erstgenannten gehören. Aber es ist anders gekommen. Ob das auch gut so ist, weiß ich nicht. Immerhin, der aufmerksame Leser weiß jetzt: „Der Typ hadert mit seinem Lebenslauf.“ Na ja. Manchmal vielleicht. Ein bisschen.

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