Mrz 21 2013

Beten

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

Josef Bordat hat sich auf JoBo72’s Weblog einige interessante Gedanken zum Beten gemacht.

Beten ist ein zentraler Akt der Gottesbegegnung. Beten ist der Draht zu Gott, jedes einzelnen Christen und der Gemeinde der Christen, die sich Kirche nennt. Und die christliche Spiritualität ist reich in ihrem Bemühen, diesen Draht glühend zu halten.

Das nehme ich einmal zum Anlass, dieses Thema hier um einen (beeindruckenden) Text von Angelus Silesius zu ergänzen.

Wann du dich willst in Gott
und seinen Abgrund senken,
so mußt du nicht an ihn,
auch nicht an dich gedenken.

Die Gottheit ist ein Brunn,
aus ihr kommt alles her,
und Iäuft auch wieder hin.
Drum ist sie auch ein Meer.

Gott wohnt in einem Licht,
zu dem die Bahn gebricht.
Wer es nicht selber wird,
der sieht ihn ewig nicht,

Wenn ich in Gott vergeh,
so komm ich wieder hin,
wo ich in Ewigkeit
vor mir gewesen bin.

Was man von Gott gesagt,
das g’nüget mir noch nicht:
Die Übergottheit ist
mein Leben und mein Licht,

Gott ist lauter Nichts,
ihn rührt kein Nun noch Hier,
je mehr du nach ihm greifst,
je mehr entwird er dir,

Die Gottheit ist mein Saft:
Was aus mir grünt und blüht,
das ist sein heiliger Geist,
durch den der Trieb geschieht.

Der Weis’ ist nie allein:
Geht er gleich ohne dich,
so hat er doch den Herrn
der Dinge (Gott) mit sich.

Gott kann sich nicht entziehn,
er wirket für und für,
fühlst du nicht seine Kraft,
so gib die Schuld nur dir.

Du darfst zu Gott nicht schrein,
der Brunnquell ist in dir:
Stopfst du den Ausgang nicht,
er flösse für und für.

Halt an, wo läufst du hin?
Der Himmel ist in dir:
Suchst du Gott anderswo,
du fehlst ihn für und für.

Mensch, so du wissen willst,
was redlich beten heißt,
so geh in dich hinein
und frage Gottes Geist.

Wer in sich über sich
in Gott verreisen kann,
der betet Gott lm Geist
und in der Wahrheit an.

Gott ist so über all’s,
daß man nichts sprechen kann,
drum betest du ihn auch
mit Schweigen besser an.

Angelus Silesius

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