Mai 08 2013

Händler und Räuber oder: der Kampf gegen den inneren Rassismus

Der Morgenländer: „Sozialdemokraten und Grüne, die mit derlei Forderungen (hohe progressive Einkommensteuern und Vermögensabgaben) in den Wahlkampf gehen, täten gut daran, einmal über die innere Verwandtschaft ihrer Parolen mit dem ‘deutschen Sozialismus’ unseligen Angedenkens nachzudenken.
Der ‘Kampf gegen rechts’ würde dann vielleicht zum Kampf gegen die eigenen Neidgefühle.“

Rechts- und Neoliberale täten gut daran, einmal darüber nachzudenken, welche Rolle die Banken und das Großkapital bei der Machtübernahme Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten in Deutschland gespielt, und wie viel etliche Konzerne an den Mordprogrammen der Nazis verdient haben. Der Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit würde dann vielleicht zum Kampf wider den eigenen sozialen rassistischen Impulsen gegenüber der Unterschicht und den Verlieren der kapitalistischen Gesellschaftordung!

2 Kommentare

2 Kommentare zu “Händler und Räuber oder: der Kampf gegen den inneren Rassismus”

  1. Morgenländeram 8. Mai 2013 um 18:01 1

    Guten Abend,
    dass es nicht wenige Industrielle und Bankiers gab, die die Nationalsozialisten als das – im Vergleich zum Bolschewismus – vermeintlich kleinere Übel unterstützten, ist wahr; und wahr ist auch, dass es beschämend viele Firmen gab, die Arisierungsgewinne nicht verschmähten.

    Nicht weniger wahr ist allerdings, dass die Nazis die ‘Brechung der Zinsknechtschaft’ propagierten, eine Ideologie der ‘Volksgemeinschaft’ (in Abgrenzung von der bürgerlichen Klassenherrschaft) vertraten und den Sozialneid schürten – als dessen Objekt man das jüdische (Groß-)bürgertum auserkor.

    Der Nationalsozialismus ist in meinen Augen eine Spielart des Sozialismus, der schon lange vor dem Auftreten der Nazis oft antisemitische Züge trug.

    Das setzt sich heute fort: man denke nur an die Polemik gegen das ‘internationale Kapital’ und die ‘Wallstreet’

    Und wo ist der Unterschied zwischen Goebbels, der im November 1939 in seinem Tagebuch über polnische Juden schreibt: “Das sind keine Menschen mehr. Das sind Tiere.” und einem Heiner Müller, der Geschäftsleute “Tierlaute” ausstoßen lässt?

    Viele Grüße
    Morgenländer

  2. Schorsiam 8. Mai 2013 um 23:19 2

    Guten Abend und vielen Dank für den Kommentar. Dadurch, dass Sie recht haben, wird mein Einwurf nicht falsch. Will sagen: Es stimmt leider in der Tendenz, was Sie schreiben. Dieser regressive Antikapitalismus ist und war ein großes Problem in der politischen Linken.
    (http://bak-shalom.de/index.php/bildung/begriffserklarung-regressiver-antikapitalismus/)
    Ich denke auch, dass sich die politische Linke unter anderem aus diesem Grund in großem Maße politisch diskreditiert hat. Dadurch wird allerdings die Kritik an den Dissoziationerscheinungen der kapitalistischen Marktwirtschaft und deren Folgen nicht weniger richtig. Und: gesehen werden sollte auch, dass das von Ihnen benannte Problem seit mehreren Jahren Gegenstand einer sehr heftig geführten innerlinken Debatte ist. (http://jungle-world.com/artikel/2010/17/40819.html)
    Was die Unterstützung des Industriekapitals für die Nationalsozialisten an betrifft, so war es nun ja auch nicht einfach so, dass man hier quasi die Nazis unterstützt hat, um den Bolschewismus abzuwehren. Viele Großunternehmen haben durch Arisierung und Zwangsarbeit ganz unmittelbar etwa an der NS-Vernichtungspolitik verdient.
    Organisatorische Kontinuitäten zwischen Linken und Nazis hat es in Deutschland, soweit man weiß, nicht gegeben. Anders als etwa in Italien und Frankreich, wo sich teilweise sehr direkte Zusammenhange zwischen Anarchisten und Sozialisten einerseits, und dem Faschismus andererseits lokalisieren lassen. Dokumentiert ist dies sehr ausführlich bei Zeev Sternhell, „Die Entstehung der faschistischen Ideologie“.
    Viele Grüße von Schorsi von Beck

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben