Mai 02 2013

Verrückter Neoliberalismus

Autor: . Abgelegt unter Arbeit, Soziales & Kapital

Wie logisch ist die neoliberale Logik?

These 1
“Wenn der Produzent die Arbeit an seinem Produkt beendet hat, ist er höchst bestrebt es sofort zu verkaufen, damit der Produktwert nicht sinkt. Nicht weniger bestrebt ist er, das daraus eingesetzte Geld zu verwenden, denn dessen Wert sinkt möglicherweise ebenfalls.
Da die einzige Einsatzmöglichkeit für das Geld der Kauf anderer Produkte ist, öffnen die Umstände der Erschaffung eines Produktes einen Weg für andere Produkte.” (Traité d’economie politique)
Jean-Baptiste Say (1767 – 1832)

Und wozu braucht man Produkte? Um sie zu konsumieren. Aber irgendwie auch wieder nicht.

These 2
Der Unternehmer ist kein privater Konsument, sondern ein Makler von Gütern und Dienstleistungen. Der Inhaber einer Reinigungsfirma beschäftigt die Reinigungskräfte nicht in seinem Haushalt, sondern bietet anderen Haushalten Dienstleistungen an.
Morgenländer am 30. April 2013

Also wie nun?

Wir gestehen ein, dass der Unternehmer, oder wenn man so will, der Kapitalist, versucht, sich von einem übersättigten Markt zurückzuziehen und sich auf einem anderen zu präsentieren, um Produkte, hier: Produktionsmittel, mit seinem verdienten Geld zu kaufen und die eigenen Produkte wieder zu verkaufen. Denn soviel war ja bereits klar: Der Unternehmer will das Geld, ob er es mit Bauklötzen oder Brötchen verdient, ist ihm völlig schnuppe. Nur funktioniert diese Neuorientiertung meist nicht ohne Friktionen. Wir haben also zunächst den gesättigten Markt, vulgo: die Überproduktionskrise. Die Wirtschaft läuft nicht mehr rund. Bis die Neuorientierung gelungen ist, dauert es eben ein Weilchen. Und dann kann das Spiel von neuem losgehen, um dem Jean-Baptiste Say zu seinem Recht zu verhelfen.

Ein Kommentar

Ein Kommentar zu “Verrückter Neoliberalismus”

  1. Morgenländeram 4. Mai 2013 um 6:11 1

    Guten Morgen,
    meine Formulierung über den Unternehmer, der kein privater Konsument sei, war etwas missverständlich: Als Nachfrager von Kpaital und Arbeit ist er dies nicht; selbstverständlich wird er aber einen Teil des Produktionsertrages privat konsumieren.

    Ihr Hinweis auf ‘Friktionen’ ist selbstverständlich richtig, berührt aber nicht mein Ausgangsargument. Mir ging es darum, dass es keine allgemeine Überproduktion geben kann; dass einzelne Unternehmen am Markt vorbei produzieren können, bestreite ich nicht.

    Die These, dass es keine allgemeine Überproduktion geben könne, ist mehr als eine Spitzfindigkeit: Häufig werden Exportsubventionen (ja, sogar imperialistische Kriege) mit der angeblichen Notwendigkeit begründet, neue Märkte zu erschließen. Eine solche Notwendigkeit gibt es aber nicht:

    Wer exportiert, importiert (es sei denn, das Zielland hat auf Pump gekauft und begleicht seine Schulden nicht – dann hat der Exporteur seine Waren sozusagen verschenkt). Das heißt: die Kaufkraft war in der Exportnation bereits vorhanden. Letztlich profitiert ein Land in erster Linie von seinen Importen, indem es durch sie nämlich Güter erwirbt, die es selsbt nicht (oder nur ungleich teurer) herstellen könnte.

    Dies, und nicht die angebliche Tendenz des Kapitalismus zur ‘Überproduktion’, macht Freihandel und Globalisierung sinnvoll.

    Viele Grüße
    Morgenländer

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