Apr 30 2013

Verrückter Kapitalismus: Marktrisiken der ehrlichen Makler

Autor: . Abgelegt unter Arbeit, Soziales & Kapital

„Das eigentliche Unternehmereinkommen aber ist eine Prämie für unversicherbare Marktrisiken “, meint der Morgenländer, und: „Der Unternehmer ist kein privater Konsument, sondern ein Makler von Gütern und Dienstleistungen”.
Genau, daher sind die Vorstände der gegen die Wand gefahrenen Banken auch mit Boni im Millionenhöhe bestraft worden. Die einzigen, die hier etwas riskiert haben, waren die kleinen Sparer.
Unter den kleinen und mittleren Selbstständigen mag es ja noch etliche Leute mit Berufsethos geben, denen es darum geht, ihre Kunden mit guten Waren, leckeren Brötchen zum Beispiel, und Dienstleistungen zu versorgen. Den Managern der Großkonzerne indes ist es völlig schnuppe, ob sie mit Autos, Hamburgern oder Bauklötzen makeln. Ihr primäres Interesse ist es, Kapital zu vermehren, also Geld einem Wirtschaftkreislauf zuzuführen, um es durch Warenproduktion oder Finanzspekulation zu mehr Geld zu machen. In der Tat: So verrückt ist der Kapitalismus.

Allerdings muss ich hinzufügen, und hier werden Morgenländer und ich wohl wieder halbswegs zusammen kommen: Auch wenn ich mir eine Alternative zum Kapitalismus wünsche, so fällt mir doch keine ein. Eine halbwegs funktionierende soziale Markwirtschaft scheint mir wirklich heute die einizige Alternative zu sein. Dissens gibt es sicher hinsichtlich der Art und Weise. Ich bin für ein Einhegen dieser Wirtschaftordung, das heißt auch, für einen Primat der Politik.

4 Kommentare

4 Kommentare zu “Verrückter Kapitalismus: Marktrisiken der ehrlichen Makler”

  1. Morgenländeram 30. April 2013 um 12:29 1

    Guten Tag,

    erst einmal vielen Dank für die anregende Diskussion!

    Was die Aufhebung geschäftlicher Risiken durch staatliche ‘Rettungsschirme’ betrifft – nun, das ist ja genau der staatliche Interventionismus, gegen den sich Liberale (und damit meine ich nicht Parteibich-Liberale) wenden.

    Die Bedeutung großer Unternehmen wird übrigens häufig überschätzt. In Deutschland waren im Jahre 2010 99,3 Prozent aller Unternehmen kleine oder mittelständische Firmen. Diese beschäftigten mehr als sechzig Prozent aller in der Privatwirtschaft tätigen Arbeitnehmer.

    Gewiss haben Großunternehmen eine bedeutende Marktmacht; sie sind aber auch unbeweglicher als kleinere Betriebe; in einer funktionierenden Marktwirtschaft können sie deshalb keine dauerhafte monopolistische Stellung erlangen.

    Die Verzerrung des Marktgeschehens durch staatlichen Interventionismus und eingeschränkte Konkurrenz ist deshalb ein Argument für m e hr, nicht weniger Marktwirtschaft.

    Viele Grüße
    Morgenlämder

  2. Schorsiam 30. April 2013 um 12:52 2

    Hallo, ich schließe mich an: diese Diskussion ist in der Tat anregend und zwingt auch mich, wieder einmal etwas grundlegender über die Dinge nachzudenken.
    Was die Zahlen an betrifft, müsste man wahrscheinlich noch einmal schauen, wie groß die Anteile am Bruttosozialprodukt der Großunternehmen einerseits, und die der kleinen und mittleren Betriebe andererseits sind. Die Zahlen habe ich derzeit auf die Schnelle leider nicht zur Hand.
    Viele Grüße v. Schorsi von Beck

  3. Morgenländeram 30. April 2013 um 13:05 3

    Einer Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts aus dem Jahre 2010 zufolge lag der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen an der Bruttowertschöpfung bei 47 Prozent, gewiss keine zu vernachlässigende Größe.

    Viele Grüße
    Morgenländer

  4. Molotam 2. Mai 2013 um 9:59 4

    @

    “Unter den kleinen und mittleren Selbstständigen mag es ja noch etliche Leute mit Berufsethos geben, denen es darum geht, ihre Kunden mit guten Waren, leckeren Brötchen zum Beispiel, und Dienstleistungen zu versorgen.”

    Unsinn, niemand geht es darum, andere mit irgend Etwas zu versorgen. Alles was diese “Leute” wollen ist Geld zu verdienen. Sie wollen das Geld ihrer Kunden, welches ihnen diese aber nur im Tausch gegen “leckere Brötchen zum Beispiel” überlassen. Deshalb bleibt ihnen nichts anderes übrig, als solche anzubieten. Würden die Kunden ihr Geld auch für pappige oder harte Brötchen ausgeben(z.b. weil der Staat sie per Gesetz dazu zwingt), dann würden eben solche hergestellt. Und das ist völlig unabhängig von der Größe des Ladens. Auch die Aktionäre von BMW werden nur solange Geld verdienen wie die Kundschaft die Autos dieser Marke toll findet und bereit ist dafür zu zahlen.
    @

    “Die einzigen, die hier etwas riskiert haben, waren die kleinen Sparer.”

    Die Einzigen die hier etwas verloren haben sind die Steuerzahler, die von heute und die von morgen.

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