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Die Geschichte wiederholt sich

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Im Nordosten Syriens werden assyrische und armenische Christen zur Zielscheibe des türkischen Angriffs auf die syrisch-kurdische Region Rojava

Türkische Attacke auf Christen

Kirchenglocken läuten in dem kleinen von Christen bewohnten Dorf im Nordosten Syriens. Sie warnen die Dorfbewohner vor einem bevorstehenden türkischen Luftangriff. Viele der hier lebenden Christen gehören der assyrischen Kirche an, eine altorientalische Ostkirche syrischer Tradition. Zum ersten Mal seit gut einem Jahrhundert, seit dem Genozid an der armenischen, aramäisch-assyrischen und griechischen Bevölkerung des osmanischen Reiches, werden Christen hier wieder zur Zielscheibe einer türkischen Attacke. Am 09. Oktober 2019 hat die türkische Armee mit dem Angriff auf die selbstverwaltete Kurden-Region Rojava im Nordosten Syriens begonnen.

Die Christen in diesem Gebiet waren bisher geteilter Meinung über die Machübernahme der Kurden, die mit Hilfe von US-Streitkräften die Terrormiliz IS vertreiben konnten. Über die Ablehnung des türkischen Angriffs sind sich jedoch alle einig. Und einig sind sich auch die meisten nichtchristlichen mit den christlichen Syrern über die Verurteilung des türkischen Angriffs.

Sie wollen es zuende bringen

„Die türkische Regierung will zu Ende bringen, was vor hundert Jahren mit dem Seyfo begonnen wurde, sagt Bassam Ishag, ein Vertreter der Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA). Ishag hat syrische Wurzeln. Seyfo, so nennen die orientalischen Christen den 1915 von türkischen Militärs begangenen Genozid an der christlichen Bevölkerung im osmanischen Reich. „Früher machten die Christen hier, in der Kurden-Region, etwa ein Drittel der Bevölkerung aus“, sagt Ishag. Viele seien jedoch in den vergangenen Jahrzehnten weggegangen. Er schätzt, dass heute nur noch etwa 50.000 assyrische Christen hier leben. Genaue Zahlen gibt es nicht.

Im Februar 2015 hat der IS das Khabour-Tal in diesem nordöstlichen Teil Syriens angegriffen. Hunderte assyrische Christen wurden als Geiseln genommen. Viele Christen sind nach dem IS-Angriff aus der Region geflohen und bis heute nicht zurückgekehrt. „Für die Assyrer wiederholt sich die Geschichte immer wieder, sagt Reine Hanna, Direktorin des Assyrian Policy Institute: „Diese Erfahrung lähmt ein Volk, das großes Unglück erlebt hat und noch immer unter den Folgen des Genozids von 1915 leidet.“

Flucht vor dem türkischen Angriff

Viele assyrische Christen fliehen jetzt vor dem türkischen Angriff in die Städte al-Hasaka und al-Qamischli, zwei Städte, die von Überlebenden des Genozids im Jahr 1915 besiedelt wurden. Berichten türkischer Medien zufolge plant die türkische Armee, in einer zweiten Phase der Militäroperationen, al-Hasaka einzunehmen. Einige Stadtteile der beiden Städte sind bereits zur Zielscheibe türkischer Luftangriffe und türkischer Artillerie geworden. Bassam Ishag ist der Meinung, dass das türkische Militär hier gezielt angreift, um die Christen zu vertreiben.

Neben Assyrern leben auch armenische Christen hier. Die Regierung Armeniens hat ihnen angeboten, nach Armenien zu kommen. Laut einem Abgeordneten des armenischen Parlaments wurden bereits 16 armenische Familien aus Gebieten evakuiert, die von den türkischen Angriffen betroffen sind.

Schwere Zeit für das orientalische Christentum

Die Assyrer haben eine solche Schutzmacht nicht. Viele von ihnen sind inzwischen nach Europa oder in die USA geflohen. Andere versuchen, in die kurdischen Autonomiegebiete im Irak zu kommen, wo sie zumindest nicht mehr an Leib und Leben bedroht sind. Es ist eine schwere Zeit für das orientalische Christentum. Wenn nichts geschieht, wird es bald keine Christen im Nahen Osten mehr geben.

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