Archiv für die Kategorie 'Texte zur Kontemplation'

Jun 28 2014

Brot vom Himmel

Autor: . Abgelegt unter Denkzettel,Texte zur Kontemplation

Die Psalmen sind in der Wüste unseres Exodus unser Brot vom Himmel. Thomas Merton

Keine Kommentare

Feb 21 2013

“Liebe”

“Liebe bot mir Willkomm, doch meine Seele schrak zurück,
In Schuld des Staubes, Schuld der Sünde.
Sie aber, flinken Augs merksam, wie ich träg
Den Fuß kaum von der Stelle setzte, Drang näher an mich, zärtlich fragend,
ob mir etwas zu mangeln schien.

Ein Gast, gab ich zur Anwort, würdig dieses Orts.
Und Liebe sprach: Du sollst es sein.
Ich, der ich des Undanks, der Ungüte voll? Ach lieber Freund,
Der nicht dich anzuschauen vermag.
Liebe ergriff mich bei der Hand und sagte lächelnd:
Wer schuf die Augen, wenn nicht ich?

Zu wahr Herr, aber ich verdarb sie nur, laß meine Schande
Dort hingehen, wo sie es verdient.
Und weißt du nicht, spricht Liebe, wer den Tadel auf sich nahm?
Dann will ich, lieber Freund, dir dienen.
Du mußt, spricht Liebe, niedersitzen und mein Mahl genießen.

So setzte ich mich denn und aß.”
(Aus: Seelhöfer 2009, 84)

Georg Herbert (3. April 1593 – 1. März 1633)

Keine Kommentare

Jan 26 2013

Gebet

Autor: . Abgelegt unter Texte zur Kontemplation

Flamender Sonnenuntergang

“Die erste Vorbedingung ist die Bereitung der Atmosphäre. Die vielen Regeln, die man in dieser Hinsicht für die Synagoge hat, sind dazu bestimmt, die Synagoge zu einem Ort mit einer gottesdienstlichen, meditativen Atmosphäre zu machen. In die Synagoge zu gehen, sollte eine Erfahrung sein, die einen Menschen darauf vorbereitet, mit seinem Schöpfer in Verbindung zu treten. Schon das bloße Dortsein sollte ausreichen, alle äußerlichen Gedanken aus dem Denken zu entfernen. Man tut gut daran, es den Sepharden gleichzutun, die von dem Moment an, da sie die Synagoge betreten, bis sie sie verlassen, kein einziges unwichtiges Wort sprechen. Die Synagogengespräche auf einem Minimum [zu halten], ist absolut notwendig, wenn man erleben möchte wie sich Kawwana entwickelt. (…) Das Wort ist verschiedentlich auch mit „Empfinden“, „Emotion“, „Konzentration“ oder Andacht übersetzt worden. Seine Wurzel jedoch ist „kiven“, was zielen bedeutet; das ist „gerichtetes Bewusstsein“ als die vielleicht genaueste Übersetzung von kawwana erscheinen. Kawwana besteht jedenfalls darin, alle seine Gedanken auf ein einziges Ziel zu richten.”

Aryeh Kaplan (*23. Oktober 1934 in New York City; †28. Januar 1983. Orthodoxer US-amerikanischer Rabbiner und Schriftsteller.)

Keine Kommentare

Jan 24 2013

Der Weg nach Hause

Autor: . Abgelegt unter Texte zur Kontemplation

Sunset

Ich trat ein und wußt’ nicht wo,
und blieb auch ohne Wissen,
alles Wissen übersteigend.

Wo ich eintrat, wußt’ ich nicht,
Doch als ich mich dort gewahrte,
ohne Kenntnis meiner Bleibe,
hörte ich von großen Dingen.
Was ich hörte, sag’ ich nicht.
Blieb ich doch ganz ohne Wissen,
alles Wissen übersteigend.

Frieden war’s mit Gott und der Welt,
wovon ich zutiefst erfuhr
ganz allein in meinem Herzen.
Klar ward mir der rechte Weg.
Alles war so voll Geheimnis,
dass ich nur noch stammeln konnte,
alles Wissen übersteigend.

Trunken war ich, wie von Sinnen,
hingerissen, außer mir.
Blieb dabei doch mein Empfinden
jeglicher Empfindung bar.
Und der Geist sah sich beschenket
mit Verstehn, das nicht verstand,
alles Wissen übersteigend.

Jeder, der dorthin gelangt,
wird ganz irre an sich selbst.
Alles, was er vorher wusste,
scheint ihm jetzt verschwindend klein.
Und sein Wissen wächst so sehr,
dass er ohne Wissen bleibt,
alles Wissen übersteigend.

Doch je höher man dort steigt,
desto weniger versteht man,
dass die dunkle Wolke kommt,
um die Nacht uns zu erhellen.
Wer sie kennt, die dunkle Wolke,
der bleibt immer ohne Wissen,
alles Wissen übersteigend.

Dieses Wissen, das nicht weiß,
ist von großer Mächtigkeit,
und die Weisen können nie,
denkend sich’s zu eigen machen.
All ihr Wissen reicht nicht hin,
nicht verstehend zu verstehen,
alles Wissen übersteigend.

Jenes allerhöchste Wissen
ist so überhoch erhaben,
dass kein Können und kein Wissen
jemals es begreifen kann;
nur wer selber sich besiegte
durch ein Wissen, das nicht weiß,
wird’s für immer übersteigen.

Doch wer hören will, der höre:
Dieses allerhöchste Wissen
ist Empfinden hoch erhaben
Gottes eig’ner Wesenheit;
dieses wirkt in ihrer Güte
und lässt nicht verstehend bleiben,
alles Wissen übersteigend.

Johannes vom Kreuz

Keine Kommentare

Jan 23 2013

Ich will dich lieben, meine Stärke

sunrise

Ich will dich lieben, meine Stärke, / ich will dich lieben, meine Zier, / ich will dich lieben mit dem Werke / und immerwährender Begier; / ich will dich lieben, schönstes Licht, / bis mir das Herze bricht.

Ich will dich lieben, o mein Leben, / als meinen allerbesten Freund; / ich will dich lieben und erheben, / solange mich dein Glanz bescheint; / ich will dich lieben, Gottes Lamm, / das starb am Kreuzesstamm.

Ach, dass ich dich so spät erkannte, / du hochgelobte Schönheit du, / dass ich nicht eher mein dich nannte, / du höchstes Gut, du wahre Ruh; / es ist mir leid, ich bin betrübt, / dass ich so spät geliebt.

Ich lief verirrt und war verblendet, / ich suchte dich und fand dich nicht, / ich hatte mich von dir gewendet / und liebte das geschaffne Licht. / Nun aber ist’s durch dich geschehn, / dass ich dich hab ersehn.

Ich danke dir, du wahre Sonne, / dass mir dein Glanz hat Licht gebracht; / ich danke dir, du Himmelswonne, / dass du mich froh und frei gemacht; / ich danke dir, du güldner Mund, / dass du mich machst gesund.

Erhalte mich auf deinen Stegen / und lass mich nicht mehr irre-gehn; / lass meinen Fuß auf deinen Wegen / nicht straucheln oder stillestehn; / erleucht mir Leib und Seele ganz, / du starker Himmelsglanz.

Ich will dich lieben, meine Krone, / ich will dich lieben, meinen Gott, / ich will dich lieben sonder Lohne / auch in der allergrößten Not; / ich will dich lieben, schönstes Licht, / bis mir das Herze bricht.

Angelus Silesius

Keine Kommentare