Au, Weihe!

Priesterdarstellerin bei der Feier

Alt-katholische Bischofswahl 2026 und das Dilemma der „Frauenweihe”!

In der alt-katholischen Kirche Deutschland steht an diesem Wochenende um den 3. Oktober 2026 herum eine Bischofswahl an. Zwei alt-katholische Priester haben bisher ihre Bereitschaft verkündet, im Fall einer Wahl diese auch annehmen zu wollen. Eine weibliche Bewerberin ist zum Leidwesen vieler Kirchenmitglieder bisher nicht darunter.

Aber das mag sich noch ändern. Bewerbungsfristen für dieses Amt gibt es nicht, auch auf der Wahlsynode selbst kann sich immer noch eine Frau zur Kandidatur melden, und wenn dies geschieht, darf es als sicher gelten, dass diese auch gewählt wird. Denn die deutschen Alt-Katholiken sind, wie es katholisch.de schon im Juni vermeldete, sehr unzufrieden darüber, dass sich bisher keine Frau gefunden hat, die ihnen dabei hilft, sich weiter ins apostolische Abseits zu rücken.
Lange Zeit hielt auch die alt-katholische Kirche an der Überzeugung fest, dass die apostolische Tradition keine Weihe von Frauen kenne und eine solche daher sowohl gegen die Tradition als auch gegen die Überlieferung verstoße. Allerdings hat die alt-katholische Kirche schon früh das traditionelle bischöflich-synodale Prinzip gegen eine Art pseudo-synodale Kirchendemokratie getauscht, in der das Prinzip zeitgeistiger Stimmungen via Mehrheitsmeinung zur Entscheidungsfindung führt! Auf diese “Errungenschaft” sind die Alt-Katholiken besonders stolz, auch wenn es sie mittlerweile auf viele synodale Holzwege geführt hat, die mit der Zeit immer morscher werden und eines Tages, so darf prognostiziert werden, unvermeidlich zum Einsturz führen. Auf der Grundlage dieses Konzepts von Synodalität konnte sich mithin auch die Frauenweihe in der alt-katholischen Kirche den Weg bahnen.
Erinnern wir uns: Schon seit Ende der 1970er, Anfang der 1980er Jahre rumorte es in der alt-katholischen Kirche und jene Stimmen wurden immer lauter, die „Gleichberechtigung“ in der Kirche und damit auch die Zulassung von Frauen zu Weiheämtern forderten. Wenn eine stimmungsaffine und für zeitgeistige Positionen empfängliche Bewegung, die über entsprechende Durchsetzungskraft verfügt, wie es in der alt-katholischen Kirche üblich ist, Einfluss erlangt, wird sie sich irgendwann auch behaupten. Das ist fast so sicher wie das Amen in der Kirche. Hinzu kam, dass diese Bewegung durch Joachim Vobbe, der von 1994 bis 2009 als alt-katholischer Bischof amtierte, eine starke Unterstützung bekam. Obwohl die anderen alt-katholischen Kirchen der Frauenweihe noch eher ablehnend gegenüberstanden, spendete er im Jahr 1996 erstmalig zwei Frauen die „Priesterweihe“. Vobbe soll, so wird berichtet, dafür sogar das Risiko eingegangen sein, dass die alt-katholische Kirche Deutschlands aus der alt-katholischen Utrechter Union ausgeschlossen werde. Diese Befürchtung erwies sich als überfüssig. Vielmehr zogen etliche andere alt-katholische Kirchen sukzessive nach. Dennoch kam es im Altkatholizismus zu einer Spaltung. Die in den USA beheimatete Polish National Catholic Church (PNCC) akzeptierte diesen Weg, und einige andere modernistische Allüren, nicht und verließ die Utrechter Union. Die Frauenweihe hatte mithin, wie es absehbar war, den Spaltpilz in den Altkatholizismus injiziert und insbesondere die Altkatholiken in Deutschland (und Österreich) haben in den letzten Jahren alles darangesetzt, auch noch die letzten traditionsorientierten Kirchenmitglieder aus den Gemeinden zu vertreiben.

Aus apostolischer Sicht lässt sich die Weihe von Frauen weder aus der Schrift noch aus der Tradition heraus begründen. In der Westkirche wurde zuletzt im Jahr 1994 von Papst Johannes Paul im Apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis noch einmal hervorgehoben, dass der Kirche die Vollmacht fehlt, Frauen diese Weihe zu spenden. Die orthodoxen Kirchen vertreten eine vergleichbare Position. Christus hat Frauen zwar in besonderer Weise in seinen Jüngerkreis einbezogen und Maria Magdalena zur Zeugin der Auferstehung gemacht, die zwölf Apostel jedoch bewusst aus Männern ausgewählt und ihnen den apostolischen Auftrag übertragen. Dies war keine Anpassung an damalige gesellschaftliche Verhältnisse, wie in modernistischen Kreisen häufig argumentiert wird, sondern eine beabsichtigte Entscheidung für die Gestalt des kirchlichen Amtes. Das Priestertum steht in der apostolischen Tradition und umfasst den Auftrag, zu lehren, zu heiligen, und die Gemeinde zu leiten. Dies ist die von Christus gestiftete Grundordnung der Kirche, und daher kann die Kirche selbst nicht in diese Grundordnung eingreifen, ohne sich selbst zu beschädigen.
Diese Beschädigung sehen wir realiter überall dort, wo Menschen das aus einer vermeidlichen „Gleichberechtigung“ abgeleitete Recht auf ein kirchliches Amt beanspruchen. Im synodalen Weg der römischen Kirche geht es nicht um eine erneuerte Spiritualität, um einen erneuerten geistigen Aufbruch, um neue Impulse für den Glauben. Es geht um Macht, Einfluss und Dekonstruktion der überlieferten Tradition. In der alt-katholischen Kirche sieht man nicht nur dort, wo Frauen amtieren, aber insbesondere dort, einen Einbruch des kirchlichen und sakramentalen Lebens und die Zerstörung dessen, was von der westlichen Liturgie und dem westlichen Ritus noch übergeblieben ist. Stattdessen Beliebigkeit, Eventkultur, Aktionismus. Die alt-katholische Kirchenpraxis kann daher vielerorts als abschreckendes Beispiel dienen, und hier bestätigt sich, dass es bei der Frage der „Frauenweihe“ nicht um eine größere Würde oder Eignung des Mannes, sondern um die Substanz des Sakraments und die Grenzen der kirchlichen Verfügungsgewalt geht. Auch ein Mann hat im Übrigen kein „Recht“ auf ein Weiheamt. Er benötigt zuvorderst die geistliche Berufung und deren Bestätigung durch das kirchliche Sakrament der Priesterweihe. Ein Mensch, der für sich das Recht auf ein Weiheamt einfordert, hat sich dafür im Prinzip bereits im Vorfeld disqualifiziert.
Der Priester steht, sofern er sakramental handelt, in persona Christi der versammelten Gemeinde gegenüber, um an ihr das Erlösungswerk des gekreuzigten Christus zu vergegenwärtigen. Besonders in der Eucharistie repräsentiert der Priester Christus, der in der biblischen und liturgischen Bildsprache als Bräutigam seiner Kirche erscheint. Die männliche Gestalt des Priesters ist hier nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein Bestandteil der sakramentalen Zeichenhaftigkeit. Auch in der Ostkirche wird der Priester als sakramentales Abbild Christi verstanden. Er steht der eucharistischen Versammlung als Ikone Christi vor, während die Kirche als Braut Christi erscheint. Die Geschlechtlichkeit des Priesters ist deshalb keine austauschbare persönliche Eigenschaft, sondern ein Bestandteil der bräutlichen und ikonischen Symbolik. In den Ostkirchen wird in der Argumentation gegen eine Weihe von Frauen zu Priestern noch stärker als im Westen auf die Heiligen Traditionen und dem durchgehenden liturgischen Lebensvollzug der Kirche verwiesen. Schrift, Kirchenväter, Konzilien, Gottesdienst, Ikonographie, Kirchenrecht und geistliche Erfahrung bilden eine lebendige Einheit. Und da die Kirche in der Überlieferung niemals Frauen zum Priester- oder Bischofsamt berufen hat, gilt die männliche Gestalt des Amtes nicht als zufällige historische Praxis, sondern als Teil der empfangenen kirchlichen Ordnung. Ein grundlegender Wandel kann deshalb nicht aufgrund gesellschaftlichen Drucks oder durch Mehrheitsbeschluss erfolgen, sondern allenfalls aus einem gesamtorthodoxen Konsens, der mit Schrift und Tradition übereinstimmt. Ein solcher Konsens besteht jedoch nicht, und auch der Alt-Katholizismus hätte gut daran getan, diesen mangelnden (gesamt)kirchlichen Konsens als Warnung vor der Frauenweihe zu verstehen.
Das Priestertum ist kein persönliches Recht, keine Karriere und kein Instrument kirchlicher Macht. Auch ein Mann hat, wie betont, keinen Anspruch auf die Weihe, sie ist eine Berufung und Gabe Gottes zum Dienst an der Gemeinde. Die gleiche Würde von Frauen und Männern bedarf daher nicht der Gleichheit aller kirchlichen Funktionen, im Gegenteil. Die Gottesmutter Maria wird höher als alle anderen Heiligen verehrt, ohne je ein priesterliches Amt ausgeübt zu haben. Maria gilt daher als wichtiges Beispiel dafür, dass höchste Heiligkeit und kirchliche Würde nicht mit dem Empfang des Weiheamtes gleichgesetzt werden können.
Etwas anders als die Priesterweihe ist die Weihe von Frauen zu Diakonissinnen zu betrachten, mit der ich persönlich kein großes Problem habe, sofern sie nicht als Eintrittskarte ins Priestertum missverstanden wird. In der Orthodoxie wird die Existenz von Diakonissen in der Tradition anerkannt und teilweise neu überdacht. Frauen zeigen häufig die Gabe einer besonderen Emphase in der Glaubenspraxis, die zu dem seelsorgerischen, in besonderer Weise dienenden und karitativen Charakter des Diakonats passt. Aber auch hier kommt es nicht auf eine Privatmeinung oder auf ein vermeintliches Recht auf die Weihe an, sondern wie sich die Kirche in der Abwägung des Für und Wider und in apostolischer Tradition dazu stellt. Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat von Alexandria und ganz Afrika hat im November 2016 die Wiedereinführung des frühchristlichen Amtes der Diakonin beschlossen und in den letzten Jahren einige Diakoninnen geweiht. Dies war jedoch in der Orthodoxie nicht unumstritten.
Festzuhalten bleibt, dass die Priesterweihe kein frei umgestaltbares kirchliches Amt, sondern ein Sakrament mit einer von Christus vorgegebenen und in apostolischer Tradition überlieferten Gestalt ist. Ihre Beschränkung ist keine Aussage über den Wert oder die Fähigkeiten von Frauen, sondern die Bindung der Kirche an eine Ordnung, über die sie nicht selbst verfügen kann.
Die Verteidiger und Verteidigerinnen der Frauenweihe bohren eher dünne Bretter. Immanent wird hier beständig der Vorwurf erhoben, die Kirche sei männlich dominiert, monopolisiere männliche Macht und diskriminiere Frauen. Gegen die kirchliche Position, die eine Weihe von Frauen zu Priestern ausschließt, werden verschiedene Argumente bemüht, die zum Teil der sogenannten kritischen Bibelexegese entlehnt sind und unterstellen, der Ausschluss der Frauenweihe in der Tradition verdanke sich der patriarchalischen gesellschaftlichen Verhältnisse in der Antike. Allerdings gab es zur Zeit der Entstehung der Kirche durchaus eine Vielzahl heidnischer Kulte, in denen Frauen als Priesterinnen wirkten. Gerade davon hat sich die Kirche abgegrenzt und das Frauenpriestertum ausgeschlossen.
Darüber hinaus berufen sich die Befürworter der Frauenweihe auf Galater 3,27–28, wonach die Taufe allen Menschen dieselbe Würde in Christus verleiht und kirchliche Ämter daher unabhängig vom Geschlecht zugänglich sein müssten. Unbestritten ist, dass allen Menschen die gleiche Würde zukommt und Frauen häufig sehr eine sehr exponierte Stellung in der Schrift einnehmen. Zum engeren Kreis der Apostel wurden sie jedoch nicht berufen. Schließlich wird gegen die Sichtweise, Christus könne im Priesteramt ausschließlich durch einen Mann repräsentiert werden, sehr unspezifisch auf weibliche sowie mütterliche Gottesbilder in der christlichen Tradition verwiesen. Doch auch dies wirkt eher bemüht und kaum in der Lage, die vorangegangenen Argumente zu entkräften.
Wenn auf der altkatholischen Bischofssynode am bevorstehenden Wochenende eine Frau zur Nachfolgerin von Bischof Matthias Ring gewählt wird, wird sich die alt-katholische Kirche endgültig protestantisiert haben. Die deutschen Altkatholiken verlieren dann die apostolische Sukzession. Alle kommenden Priesterweihen in der altkatholischen Kirche Deutschlands können dann nicht mehr gültig gespendet werden. Damit muss dann auch die letzte Hoffnung begraben werden, es könne doch noch einmal zu irgendeiner Art von Gemeinschaft mit der römischen oder den orthodoxen Kirchen kommen. In solch einer „Kirche“ kann ich, als traditionsorientierter Christ, dann wohl wirklich nicht mehr bleiben!

Visited 1 times, 1 visit(s) today

Keine Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Fastentexte 26

In der Fastenzeit 2026 möchte von Zeit zu Zeit das Neue Testament der Bibel an einer zufällig gewählten Stelle aufschlagen und ein wenig über den gefundenen Text reflektieren. Falls mir zwischendurch ein anderes spezielles Thema unter den Nägeln brennt, soll auch das an dieser Stelle Platz finden!

Hier gehts zu den Texten: FASTENTEXTE 26

“Die katholische Kirche ist erst dann wirklich komplett am Ende, wenn sie sich vollständig protestantisiert hat.”

Horst G. Herrmann

Katholiken für Israel
Katholisch und orthodox, das bedeutet:
Vinzenz_von_Lerins Kopie
"In eben jener katholischen Kirche selbst ist mit größter Sorgfalt dafür zu sorgen, dass wir halten, was überall, was immer, was von allen geglaubt wurde. Denn das ist wirklich und wahrhaft katholisch, was, wie der Name und Grund der Sache erklären, alle insgesamt umfasst."
Vinzenz von Lérins
Orthodoxer Westritus – Heilige Messe (Göttliche Liturgie)
BLOGS & WEB

Weihrauch