Notizblaettchen: Katholisch + Altkirchlich + Recht Gläubig

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30. Juni 2018
von schorsi
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Heilige Eucharistie und die Frage nach der (Inter)Kommunion

In der römisch-katholischen Kirche wird derzeit über die Frage gestritten, ob in bestimmten Fällen auch die evangelischen Ehepartner von kirchenaffinen Katholiken an der heiligen Kommunion teilnehmen dürfen.
Es wird gestritten. Und das ist zunächst einmal gut!

“Oblate her, oder Geld zurück!”

Denn wo gestritten wird, nimmt man die Angelegenheit, um die es geht, nicht auf die leichte Schulter. Und auf die leichte Schulter sollte man die Eucharistie weiß Gott nicht nehmen. Sie ist nach unserer Auffassung, nach Auffassung der Christen in katholischer und orthodoxer Tradition, der heiligste Schatz, den die Kirche zu bewahren und als Sakrament/Mysterium ihren Gläubigen zu spenden hat: Gott selbst in Gestalt des Leibes und Blutes Jesu Christi. Wer mithin dieses heilige Sakrament profaniert, disqualifiziert sich prinzipiell selbst für dessen Empfang. Ein Beispiel dafür ist etwa der Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Hirschhausen, der mit einer Katholikin verheiratet ist, forderte sein vermeintliches Recht auf die Kommunion während einer Diskussion auf dem Katholikentag 2018 in Münster mit den Worten: “Wenn Sie die Hälfte meiner Kirchensteuer für die katholische Kirche abzwacken, geben Sie mir mit Freude eine Oblate dafür oder geben Sie mir mein Geld zurück”.
Gebt ihm von mir aus eine Oblate, aber um Himmels Willen nicht die Heilige Hostie, möchte man hier insistieren. Hirschhausen lieferte im Grunde das Argument gleich mit, warum man Protestanten die Heilige Hostie beziehungsweise die heiligen Gaben im Allgemeinen eher nicht reichen sollte. Die Eucharistie, für Hirschhausen eine Frage der Kirchensteuer. Sehr viel weiter kann man sich vom altkirchlichen Eucharistieverständnis kaum entfernen.
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1. April 2018
von schorsi
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Stefan Bandito (Ostern 2)

Es ist schon etliche Jahre her, meine Frau und ich wohnten noch in Hannovers Innenstadt. Eines späten Abends hörten wir so ein Knistern und Kruscheln unten den Holzdielen, das wir nicht zuordnen konnten. Wir vergaßen es wieder.
Einige Tage später machten wir abends Spaghetti . Nach dem Essen ging ich gleich ein Stündchen an den Schreibtisch. Danach wollte ich mich ans Abwaschen machen. Der Spaghetti-Topf stand noch, inzwischen erkaltet, auf dem Herd. Ich öffnete also die Küchentür, blickte in Richtung Herd – und wer thronte da am Rand des Spaghetti-Topfes? Weiterlesen →

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31. März 2018
von schorsi
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(Kein)”Frauenrecht Abtreibung?” (40)

ZDF-Film: 24 Wochen

Am letzten Montag den 26.03.2018 zeigte das ZDF den Film “24 Wochen”. Es geht um eine junge Frau, von Beruf Kabarettistin, ihren Mann und deren ungeborenes Kind. Zunächst wird bei dem Ungeborenen das Down-Syndrom diagnostiziert, gemeinsam entscheidet sich das Paar für das Leben des Kindes. Als die Ärzte dann jedoch noch einen schweren Herzfehler feststellen, geht die Frau im Alleingang den Weg der Abtreibung, im sechsten Schwangerschaftsmonat.
Ein Kind im sechsten Schwangerschaftsmonat ist bereits sehr weit entwickelt und außerhalb des Mutterleibes überlebensfähig. Es muss deshalb bei einem Schwangerschaftsabbruch zunächst noch im Leib der Mutter mit einer Injektion getötet werden. Dann bringt die Frau nach einer künstlich eingeleiteten Schwangerschaft das tote Kind zur Welt.
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30. März 2018
von schorsi
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Kreuz (39)

Kreuzigungsikone. Christus am Kreuz

Gläubige Juden sind dazu angehalten, dass Passah-Mahl so zu feiern, als wären sie selbst – persönlich – aus Ägypten herausgeführt und befreit worden. Als Christen sollen wir, so wird von vielen Theologen und Kirchenlehrern gesagt, das Passah Christi, also unser Osterfest, nicht wie etwas feiern, was vor 2000 Jahren einmal passiert ist und woran wir uns nun erinnern können, sondern als ein Ereignis, das hier und jetzt, mit uns und für uns, passiert.
Gut, mit Christus auferstehen, ja klar. Das wollen wir alle.
Aber auch mit ihm gekreuzigt werden? Der Karfreitag gehört sicher nicht zu den beliebtesten Feiertagen. Unter kirchenfernen Menschen ohnehin nicht. Es herrscht nicht soviel Partylärm wie sonst. Tanzveranstaltungen sind verboten. Frei haben wollen alle. Aber einen Tag im Jahr mal auf Party verzichten? Das finden die meisten völlig daneben.
Und wir Christen? Wie ist das mit unserem Kreuz?
Mein Eindruck ist: Wir begehen den Karfreitag und feiern die Karfreitagsliturgie wie einen Trauertag, wie ein Trauerfest. Wir betrauern Christus, sein Martyrium , sein Leiden und seinen Tod am Kreuz.
Und wo sind wir selbst dabei? Sind wir passiv Trauernde? Bleiben wir letztendlich Zuschauer bei all dem? Machen wir uns wirklich klar, warum Christus da am Kreuz leidet?
Wir sind der Grund. Ich bin der Grund. Du bist der Grund. Weil wir uns immer wieder weit von Gott entfernen, uns immer wieder von ihm trennen. Weil wir egoistisch sind. Nicht genug lieben. Nur an uns denken. Anderen Schmerz und Verletzungen zufügen. Weil wir das Göttliche in uns selbst immer wieder von uns abspalten, anstatt es zu suchen und in uns zum Leben zu erwecken. Darum stirbt Christus. Darum leidet er heute am Kreuz. Gott ist Mensch geworden, hat sich selbst erniedrigt und sich kreuzigen lassen, um uns zu ihm zurückzuführen. Nicht die anderen sind daran schuld. Nicht die Römer, nicht Judas, der ihn ausgeliefert hat, nicht der jüdische Klerus, der seinen Kreuzestod gefordert hat.
Wir sind dafür verantwortlich.
Ich! Du!
Albert Biesinger schreibt in “Christ in der Gegenwart”:

Es hat eine innere Logik, dass der Retter der Welt eben nicht an Altersschwäche stirbt, sondern als Opfer, getötet am Kreuz: Denn wenn er all das lösen, erlösen soll, was die Menschheit sich gegenseitig angetan hat und auch derzeit antut, wenn er die riesigen Gebirge an Schuld, die die Menschheit aufgehäuft hat, auflösen will, dann geht dies ganz offensichtlich nur so. Und es ist und bleibt doch ein Gottesgeheimnis.

Und unser eigenes Kreuz? Der Weg zur Befreiung ist nicht der bequemste Weg, das zeigt das jüdische Passahfest und das Passah Christi: das zeigt uns die Befreiung der Welt durch das Sterben Christi am Kreuz.
Welches Kreuz sollst du tragen? Finde es heraus!

Herr Jesus Christus, auch ich gehörte zu denen, die unter Deinem Kreuz standen und dich verspottet haben. Erbarme Dich meiner!

29. März 2018
von schorsi
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Verzählt: Vierzig Tage. Ohne Sonntage. (Also zurück auf 38)

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Um das mal klarzustellen: Von Aschermittwoch bis Karsamstag sind es 40 Fastentage. Ohne Sonntage. Die Sonntage der Fastenzeit sind zumindest in der Westkirche keine Fastentage. Irgendwie auch seltsam. Die 40 Tage beziehen sich doch auf das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste. Und dass Jesus am Sabbat zwischendurch mal die Wüste verlassen hat, um mit seinen Jüngern zu speisen, davon habe ich jedenfalls noch nichts gehört.
In der Ostkirche ist die Fastenzeit denn auch anders geregelt:

Die heilige und große vierzigtägige Fastenzeit beginnt sieben Wochen vor Ostern; sie zählt auch die Sonntage mit und dauert somit bis zum Freitag vor dem Lazarus-Samstag an. Davor liegt eine dreiwöchige Vorfastenzeit, deren letzte Woche „Milchwoche“ heißt, in der kein Fleisch mehr, aber ausgiebig Milch, Milchprodukte und Eier verzehrt werden und regional verschiedene karnevalistische Gebräuche gepflegt werden. An die große Fastenzeit schließt unmittelbar das Fasten des Lazarus-Samstages, des Palmsonntages und der Karwoche an.(Wikipedia)

Eigentlich ist mir ja bekannt, dass für die Sonntage in unserer westlichen Kirche Sonderregeln gelten.Trotzdem habe ich in meinem Fastentagebuch die Sonntage mitgezählt. Und bin deswegen aus dem Tritt gekommen. Heute ist offiziell der 38igste Fastentag. Nach meiner Zählweise wäre ich aber heute schon bei Nummer 41. Zunächst hatte ich gemutmaßt, dass die drei heiligen Tage von Gründonnerstag bis Karsamstag schon nicht mehr zur regulären Fastenzeit gehören. Tun sie irgendwie auch nicht, denn nach der Liturgie vom Letzten Abendmahl am Gründonnesrtag ist die Fastenzeit eingentlich beendet und es beginnt das Osterfasten. Andererseits sind aber Karfreitag und Karsamstag in den 40 Tagen enthalten. Als ich unserem Pfarrer von meiner Fastentagezähl-Verwirrung berichtet habe, entgegnete der nur trocken: Vielleicht hast du ja soviel gefastet, dss du nicht mehr klar denken konntest.
Das wirds sein!

Eine Einführung in den Gründonnerstag aus der Cella Sankt Benedikt (Hannover)

27. März 2018
von schorsi
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Entertainment (39)

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Mein Drucker ist hinüber, deshalb war ich gestern im hiesigen MediaMarkt und habe mich über die aktuellen Angebote informiert. Auf dem Weg zu den Druckern kam ich durch die Entertainment-Abteilung. Präsentiert werden großflächig Spielkonsolen, riesige und für meine Verhältnisse unglaublich teure Fernsehgeräte, HiFi-Anlagen und dazugehörige Sound-Systeme. Das Entertainment nimmt den größten Platz iim Markt ein. Ablenkung ist angesagt. Warum?
Diese Frage stellt auch ein Nutzer der Online-Plattform gutefrage.net:

Warum lenken sich die meisten Menschen mit Entertainment ab?

Warum lenken wir uns permanent mit Medien ab, wie z.B. Filme, Fernsehen, Musik, Bücher, Videospiele, Veranstaltungen… Was ist der Grund dafür und vor was flüchten wir uns in diese Parallelwelten? Gibt es Leute die daran interessiert sind uns permanent abzulenken? Und wenn ja, warum? Was haben andere Menschen davon, wenn wir uns ablenken lassen, was treiben diese Gestalten im Hintergrund? Vielen Dank, LG.

Es gibt etliche Antworten. Mit dem großen Unterhaltungsangebot wolle uns der Staat gefügig machen, unterdrücken, mutmaßt jemand. Ein anderer meint, es ginge doch in erster Linie um Entspannung, darum, mal etwas der Wirklichkeit zu entfliehen, träumen können. Wieder ein anderer schreibt, das Ganze diene auch der Bildung, wenn man Fernsehen schaue, sei man immer auf “dem neusten Stand”.
Unterdrückung? Ablenkung? Entspannung?
Gestern bin ich selbst mal wieder viel zu lange vor dem Fernseher hängen geblieben. In solchen Situationen überlassen ich mich oft auch meiner Trägheit, obwohl ich weiß, dass mir das letztlich nicht gut tut. Mir geht es besser, wenn ich etwas geschaffen, etwas geschrieben, gelesen, gelernt – und nicht zuletzt – wenn ich gebetet habe. Ist unsere / meine Lebenszeit nicht eigentlich viel zu kurz, um uns/mich ständig abzulenken.

“Mensch, werde wesentlich: / denn wann die Welt vergeht, / so fällt der Zufall weg, / das Wesen das besteht. / Du reisest vielerlei / zu sehn und auszuspähn. / Hast du nicht Gott erblickt, / so hast du nichts gesehn (..)

schrieb der Mystiker Angelus Silesius.
Wir lenken uns auch ab von Gott, von unserem Ursprung, Urgrund, unserer Quelle. Wir verspüren eine Sehnsucht in uns, die uns quält, wenn wir ihr Ziel nicht finden. Dann suchen wir Zerstreuung, anstatt diese Quelle zu suchen. Und so entfernen wir uns von ihr.

Gütiger Gott, hilf mir, wesentlich zu werden.

25. März 2018
von schorsi
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Palmsonntag (37): “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen”

palmsonntag

Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Passion Christi. Die Menge, die ihm heute noch jubelnd den Einzug bereit, wird schon fünf Tage später rufen: “kreuzige ihn”. Wie schnell lassen sich die Menschen doch aufwiegeln, wie schnell kann ein Hype umschlagen in sein Gegenteil. Das erleben wir oft genug.

“Mein Gott, warum hast Du mich verlassen”, ruft Christus aus, als er unter schrecklichen Qualen den Kreuzestod stirbt.
Die Fastenzeit, die Zeit, in der wir uns besonders prüfen sollten, versuchen sollten, uns neu auf Gott hin auszurichten, geht zu Ende. Begreifen wir diese Zeit nicht als etwas Vergangenes, sondern als die Vergegenwärtigung des Heilsgeschehen , worin uns die Gnade Gottes und die Auferstehung zugesagt wird.
Vor diesem Hintergrund muss ich mich fragen: wo habe ich selbst Christus, der für mich diesen Kreuzestod gestorben ist, verlassen. Viele Jahre lang habe ich mich weit von ihm entfernt. Er hat mich wieder zu sich zurück gerufen. Christus ist an meiner Seite geblieben und war in vielen sehr schwierigen Situationen da. Und trotzdem verlasse ich ihn auch heute immer wieder, ungewollt, unabsichtlich, und muss mich immer wieder von ihm zurückrufen lassen: Etwa, wenn ich nur an mich selbst denke, mich mein alter Egoismus wieder einholt, ich nicht genug von jener Liebe aufbringe, die nötig wäre, zu anderen mir nahen Menschen so zu stehen, wie Christus zu mir stand.

Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner. Ich danke Dir, das Du mich bewahrt hast, als ich selbst verschuldet in Gefahr für Leib, Leben und Seele geraten bin.
Hilf mir, zu der Kraft der Liebe zu finden, damit ich dir nachfolgen kann. Ich bin ein verwirrter und sündiger Mensch. Ich kann nur mit Deiner Hilfe bestehen.

22. März 2018
von schorsi
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Gottvertrauen (34)

Cella-St-Benedikt-Hannover-01
Gestern Abend in unserem Stadtkloster. Ich setze mich auf eine der Steinbänke, die rechts und links die Kapelle bis zum Altarraum säumen. An mehreren Stellen trennen kleine, kaum auffallende Spalten die Bänke voneinander.
Meistens gehen ich abends gleich von der Arbeit zur Vesper. Meine Schlüssel zum Aufschließen von Diensträumen trage ich an einer Schlüsselkette, die ich an einer Schlaufe an der Hose befestige. Gestern hat sich diese Kette von mir unbemerkt in der Spalte zwischen den Bänken verklemmt. Als ich zum Eröffnungsruf, “O Gott komm mir zur Hilfe”, aufstehen will, reißt es mich zurück. Vor Schreck weiß ich erstmal nicht, was ich machen soll und muss auch zum Nomini Patris auf der Bank sitzen bleiben. Peinlich. Meine Nachbarin linst irritiert auf mich herab.
Nachdem sich alle gesetzt haben, gewinne ich erstmal wieder etwas Zeit, um darüber nachzudenken, was ich jetzt tue, denn zum Hymnus wird ja wieder aufgestanden. Auf die Vesper kann ich mich wenig konzentrieren, obwohl ich natürlich die Psalmen mitsinge, die Psalmodie hat sich nach rund 10 Jahren schon ziemlich verselbständigt.
Es ist ja irgendwie eher eine skurrile Situation, trotzdem wird mir heiß und kalt. Ich möchte mich vor Scham fast selbst in diese kleine Spalte verkriechen, in der meine Schlüsselkette festgeklemmt ist.
Nach einer gewissen Zeit komme ich immerhin auf die Idee, die Kette möglichst beiläufig von der Hose zu lösen und den Schlüssel aus der Tasche zu ziehen. So kann ich zum Hymnus auch wieder aufstehen.
Am Schluß warte ich, bis alle gegangen sind, ziehe einmal kräftig an der Kette, und siehe da, sie ist wieder frei, wenn nun auch in zwei Teile gerissen. Sei’s drum. Wo war eigentlich das Problem?

Herr Jesus Christus, stärke mich im Glauben und in meinem Gottvertrauen, auch in schwierigen Situationen!

21. März 2018
von schorsi
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Fasten. Ein orthodoxer Beitrag. (33)

Hören: die grundlegende Haltung des Schülers: Im Herzen seines vierzigtägigen Fastens enthüllt Christus uns das Geheimnis seiner Umkehr: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ (Matt. 4:4) Das ist die fundamentale Haltung des Schülers. Sein ganzes Sein ist Gehör, so wie es Gehorsam ist. (obeissance, aus dem Lateinischen ob audire = zuhören). „Höre, Israel“ ist das zugrunde liegende Gerüst der ganzen Bibel, durch die Gott sich selbst hingibt und uns gleichzeitig mit einer Weise ausstattet, sich diesem Geschenk zu öffnen. Tatsächlich erkennt derjenige, der gelernt hat zuzuhören, in welchem Ausmaß er in diesem Augenblick von allem Schädlichen befreit wird, denn alles ist gestillt, selbst Ablenkungen und die vielen Gedanken.
Zu gleicher Zeit ist er eingetaucht in das abgrundtiefe Schweigen, das ihn in Berührung bringt mit dem Geheimnis einer Gegenwart. Darum ist das Gehör der am häufigsten geübte Sinn auf dem Weg zur Verwandlung (Transformation).
Wir sollen permanent lauschen, denn Gott spricht in jedem Augenblick zu uns durch Erfahrungen, Begegnungen und allem, was wir äußerlich oder innerlich erleben. Aber um Seine Stimme im Draußen zu hören, müssen wir erst lernen, sie im Innern wahrzunehmen: Dies geschieht durch das Hören auf die Worte der Bibel. Hier ist Er verkündet durch die Worte der Propheten und Fleisch geworden in Jesus Christus. Indem wir Christus betrachten, uns von seiner Gegenwart und seinem Wort durchdringen lassen, werden wir gleichzeitig von dem Wesen Gottes durchdrungen.
Die ganze Bibel ist die wirkliche Gegenwart Jesu Christi. Sie ist kein alter Text, der nur mit dem Verstand gelesen werden will, sondern das Wort will als Kommunion empfangen werden. Das Wort nimmt uns auf, während wir es aufnehmen. Wie Origenes (2. Jhdt.) bemerkt, ist das Lesen der Bibel keine beliebige Zutat zum Leben, sondern es verändert das tägliche Leben, so dass es ein Ort wird, wo das Wort unaufhörlich spricht. Hören ist deshalb eine Übung in ständiger Aufmerksamkeit, die rechte Haltung, um mit dem gegenwärtigen Augenblick zu kommunizieren, eins zu werden mit dem, was hier und jetzt ist, weil darin der Wille Gottes ausgedrückt wird. Und was Gott will, ist immer das Beste für uns. Da „alles Gnade ist“, selbst das Gegenteil zu unseren Wünschen, können wir „zu allen Zeiten und an allen Orten danksagen“. Das immerwährende Hören auf das Leben innen und außen schafft in uns eine wunderbare Stille, einen Hintergrund von Frieden, Freude und Liebe. Eine unaufhörliche Offenbarung Gottes, die Freude von Verliebten. (Aus: WEISHEIT und WEGE
der CHRISTENHEIT von Alphonse und Rachel Goettmann

Zuhören, das scheint einfach zu sein, gehört aber wahrscheinlich zu den Fähigkeiten, die wir immer mehr verlernen.
Einem eineinhalbstündigen Vortrag eines orthodoxen Mönchs über das Fasten zuzuhören? Viele viele mögen es sein, die das durchhalten?

Gütiger Gott, schenke mir Geduld, zuzuhören und lenke meinen Blick auf das Wesentliche. Stärke mich in der Mäßigung.