Monatsarchiv für März 2018

Mrz 17 2018

Osten Westen Westen Osten (29)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Gestern habe ich über das Verhältnis von Westkirche und Kirche des Ostens nachgedacht. Mein Gedanke dazu: Obwohl der katholischen Kirche, der Westkirche mithin, seit der Aufklärung immer wieder Wissenschaftsfeindlichkeit vorgeworfen wurde, verkörpert sie doch letztlich in einer historischen Perspektive den Vernunftaspekt des Christentums. In der Kirche des Ostens hingegen hat sich das mystische Christentum bewahrt.
Ich sollte mich damit demnächst einmal etwas intensiver befassen.

In mir selbst möchte ich gern beides bewahren, Westliches wie Östliches in mir lebendig halten.

Gütiger Gott, hilf mir, das, was in Deiner Kirche gegensätzlich sich ausdrückt, in mir selbst im Kleinen zu versöhnen.

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Mrz 16 2018

Der Weg zu dir selbst (28)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Collage mit Text: Der Weg, der dir gezeigt wird, ist nicht weit. Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegen gehen.

Cella Sankt Benedikt, Logion März 2018: Der Weg, der dir gezeigt wird, ist nicht weit. Du musst deinem Gott nur bis zu dir selbst entgegen gehen.

Ich fürchte, der Weg zum eigenen Selbst ist manchmal der längste und steinigste, den man sich vorstellen kann. Mir selbst kommt es jedenfalls so vor, wenn ich auf mein Leben blicke. Aber vielleicht ist er für andere Menschen ja auch kürzer.

Gütiger Gott, führe mich auf den Weg zu Dir in mir selbst.

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Mrz 15 2018

Gier (27)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Collage: Gier

Sehnsucht kann sich in Gier verwandeln, wenn sie sich mit dem Gift der Angst mischt. Hat die Gier erst einmal Macht, kann sie alle ethischen Maßstäbe sprengen.

Die Gier wird nur geheilt, wenn sie in Sehnsucht verwandelt wird. Es ist letztlich ein spiritueller Weg, der mich von meiner Gier befreien kann. Nicht indem ich sie mir verbiete, wird sie sich wandeln, sondern indem ich sie zu Ende denke und sie wieder in Sehnsucht verwandle.

Danke, das Du mir die Kraft und die Einsicht gibst, die Gier zurückzuverwandeln in Sehnsucht.

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Mrz 14 2018

Trägheit (Akedia) (26)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Schwer. Leicht. Bewegung. Starre. Aus der Haut fahren. Ist unmöglich.


Schwer.
Leicht.
Bewegung.
Starre.
Aus der Haut fahren.
Ist unmöglich.

Der Mönch Evagrius Ponticus (4. Jahrhundert) schildert die Akedia recht humorvoll. Da ist ein Mönch in seiner Zelle und liest Bibel. Dann schimpft er, dass das Licht nicht hell genug ist. Außerdem ist er schläfrig. Er nimmt die Bibel als Kissen. Aber er schläft nicht gut darauf, weil es hart ist. Er steht auf, schaut zum Fenster heraus, ob nicht ein Mitbruder kommt, um ihn zu besuchen. Dann beschwert er sich über die hartherzigen Mitbrüder.

Er geht wieder in seine Zelle, doch dann regt er sich auf, dass sie überall feucht ist. Schließlich juckt ihn sein Mönchskleid, das er anhat. Er möchte am liebsten aus der Haut fahren. Schuld sind immer die andern.
(…)

Akedia ist die Unfähigkeit, im Augenblick zu sein. Immer möchte man woanders sein. Man hat weder Lust zum Beten noch zum Arbeiten, ja nicht einmal zum Nichtstun. Das, was gerade ist, ist immer schlecht. Aber wenn man etwas anderes tut, ist man auch nicht zufrieden.

Die Mönche sagen, dass der Dämon der Akedia die Seele des Menschen auseinanderreißt. Er hat keine Mitte mehr. Er ist nicht bei sich. Die Mönche nennen diesen Dämon auch den Mittagsdämon, weil er gerade um die Essenszeit auftaucht. Quelle: Erzdiözese Wien. 7 Todsünden. Trägheit

Gütiger Gott, schenke mir die Kraft und den Willen, meine Trägheit zu überwinden. Lass mich immer mehr zu Deiner Nähe in meiner Mitte finden!

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Mrz 13 2018

Glaubens-Bild (25)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Wir scheinen einen Hang dazu zu haben, das Göttliche von uns abzutrennen (..)

schreibt Stefan, der Seelengrund-Blogger. Ja, wir veräußerlichen Christus im Glauben. Wir schaffen ein Glaubenskonstrukt, indem wir das Göttliche in ein Glaubens-Bild von Gott verlagern. An dieses Glaubensbild kann man eben glauben oder nicht glauben. Seine deutlichste Ausprägung hat diese Form der Glaubenskonstruktion im lutherischen Protestantismus gefunden. Sola Fide.
Aber in diesem Fastentagebuch soll es um mich gehen. Wo schaffe ich mir ein von mir abgespaltenes Glaubensbild. Oder brauche ich vielleicht sogar ein solches Bild? Brauche ich einen Ort, an dem ich dieses Bild platziere, die Kirche/den Tempel, den Himmel, das Jenseits? Damit ich es von dort aus wieder in mich hineinholen kann?

Christus, hilf mir, zu Deinem Tempel zu werden.

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Mrz 12 2018

“Jesustum” (24)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Zu den Websites, die mich interessieren, gehört der Blog Seeelengrund. Der Autor ist ein Mensch, der wohl, wenn ich es an meinem Erfahrungshorizont messe, tiefergehende mystische Erfahrungen macht. In einem seiner letzten Beiträge schreibt er: ”

In den vergangenen zweitausend Jahren Kirchengeschichte hat man kein Christentum entwickelt, sondern ein Jesustum erschaffen. Man hat einen Menschen vergottet, statt Gott im Menschen zu erkennen.
Wir scheinen einen Hang dazu zu haben, das Göttliche von uns abzutrennen. Verstehen wir wirklich nicht, was es bedeutet, „mit dem heiligen Geist getauft“ zu sein (Mk 1,8; Apg 19,2 ff.)?

Meine erste Reaktion, als jemand, dem Kirche etwas bedeutet und der im Dogma ein Gerüst sieht, an dem die eigene Beziehung zu Gott wachsen kann, ist Abwehr. Aber das ist schlecht.
Etwas abwehren muss ich, wenn ich mich bedroht sehe. Was ist an diesem Text für mich bedrohlich. Vielleicht die Infragestellung des eigenen Erfahrungs- und Reflexionshorizonts? Trenne ich das Göttliche von mir ab, obwohl ich der Meinung bin, nach diesem Göttlichen zu suchen. Bedeutet es schon eine Abtrennung, wenn ich Christus – auch – als ein Gegenüber sehe, weil ich noch weit weit von der Vergöttlichung entfernt bin, nach der ich mich sehne.
Vielleicht fühle ich mich auch ein bisschen klein gemacht, durch diese Sätze des Seelengrund-Bloggers. Aber wichtig ist, dass sie überhaupt eine Wirkung in mir entfalten. Das ist weit mehr, als ich von Vielem, was sich sonst so findet im weltweiten Netz, sagen kann. Und vielleicht gelingt es mir ja, diese und ähnliche Texte nicht mehr als Bedrohung sondern als Herausforderungen zu sehen. An denen ich mich abarbeiten (vielleicht wachsen?) kann. Nicht auszuschließen, dass mich das dem Göttlichen auch ein Stück näher bringt.

Her Jesus Christus,
Du Licht vom Lichte.
Lass Dein Licht leuchten in mir.
Erfülle mich mit Deiner Gegenwart,
Nimm alles weg, was mich von Dir trennt.
Stille Du, Christus, mein Verlangen.
Und vergib mir meine Sünden.

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Mrz 09 2018

Jesus-Gebet (21)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Christus, erbarme Dich meiner

Herr Jesus Christus, Du Sohn Gottes, erbarme Dich meiner .


Könnte mein Leben doch ein immerwährendes Gebet werden.

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Mrz 08 2018

Zwanzigster Fastentag: Halbzeit (20)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Fasten-Tagebuch

Wurzeln schlagen

Heute ist der zwanzigste Tag der Fastenzeit, das heißt gewissermaßen: Halbzeit bis zur Karwoche. Am Palmsonntag beginnen dann die Osterfeierlichkeiten und die Liturgie vom Gründonnerstag markiert den Anfang der eigentlichen Osterfeier mit den drei heiligen Tagen, dem Triduum Sacrum.
Gestern wurde hier mit dem orthodoxen Hymnus “Komm Wahres Licht” (nach dem ostkirchlichen Theologen Vladimir Losskij) bereits Ausschau auf das heilige Osterfest gehalten. Für viele Fastende – na ja, so viele sind es insgesamt heutzutage wohl nicht mehr – bedeutet das Ende der Fastenzeit: jetzt darf man sich endlich wieder seinen kleinen Genüssen, dem Bierchen oder dem Gläschen Wein, den Süßigkeiten und den (nicht nur) kulinarischen fleischlichen Genüssen hingeben.
Aber sollte das dann schon alles gewesen sein? Ich finde nicht. Ich möchte etwas mitnehmen aus dieser Zeit des Fastens. Ich hoffe, dass all das, worum ich mich in dieser Zeit aus eigener Kraft bemühe und worum ich Gott bitte, Wurzeln schlägt in meinem Leben.

Herr Jesus Christus, hilf mir, mich in der dieser Zeit des Fastens zu erneuern und laß alles das, was ich von Dir erbeten und worum ich mich aus eigener Kraft bemüht habe, Wurzeln schlagen in meinem weiteren Leben.
Amen.

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Mrz 07 2018

Vorausschau mit dem Hymnus (orthodox): Komm wahres Licht ( 19)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Komm wahres Licht; komm, ewiges Leben;
Komm verborgenes Mysterium,
komm Du Schatz sonder Namen;
komm Du unerkennbare Person,
komm Du unendliche Freude!
Komm, Licht, das keine Dämmerung kennt;
komm Hoffnung, die alle retten will.
Komm Auferstehung der Toten;
komm, o Gewaltiger, der Du alles durch Dein bloßes Wollen vollendest,
umgestaltest und verwandelst;
komm Unsichtbarer, Du ganz Unberührbarer un Unfassbarer.
Komm Du allzeit Unveränderlicher, der Du Dich dennoch in jeder Stunde bewegst und zu uns kommst, die wir in der Unterwelt liegen.
Du wohnst höher als die Himmel.
Wie Dein so ersehnter und allzeit verkündeter Name lautet,
keiner vermag es zu sagen.
Keiner vermag zu wissen, wie Du bist, von welcher Art oder Gattung,
denn dies ist unmöglich.
Komm unverwelklichge Krone.
Komm, Du, den meine elende Seele geliebt hat und liebt!
Komm allein zu mir, dem Einsamen.
Komm, der Du mich von allem getrennt und zum Fremdling in dieser Welt gemacht hast und in mir zum Verlangen wurdest;
Du wolltest ja, dass ich -Dich will, Du völlig Unerreichbarer.
Komm mein Atem und mein Leben, Trost meines armen Herzens.

(Thomas Carich. Über die mystische Theologie der Ostkirche nach Vladimir Losskij.100)

Sehnsüchtig blicken wir voraus auf Ostern und warten auf die Vergegenwärtigung der Aufserstehung unseres Heilands Jesus Christus, damit auch wir mit ihm auferstehen!

Gütiger Gott, laß uns den Übergang bestehen und schenke uns die Gnade der Auferstehung in und mit unserem Heiland, Jesus Christus. Amen.

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Mrz 06 2018

Sein wollen (18)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

sein wollen

Wahrlich, wir sind und wollen und wollten stets etwas sein,
immer einer über dem anderen.
 
Darum aller Streit und alle Mühe: Dass man etwas ist,
dass man groß, reich, hoch und mächtig ist.
Ein jeder will stets etwas sein und scheinen.
Aller Jammer kommt allein davon, dass wir etwas sein wollen.
 
Das Nichts-sein,
das hätte in allen Lebensweisen, an allen Orten, an allen Leuten, völligen, wahren, wesentlichen, ewigen Frieden und es wäre das Seligste, das Sicherste und das Edelste, das diese Welt hat. Aber niemand will daran, weder reich noch arm, weder jung noch alt.

Johannes Tauler

“Aller Jammer kommt allein davon, dass wir etwas sein wollen”, sagt Johannes Tauler.
Irgendwie folgen wir mit diesem “etwas sein wollen” immer noch bestimmten Instinkten, in der Rangordnung möglichst hoch zu steigen, um sich damit gleichsam den Zugriff auf Ressourcen zu sichern: heutzutage, Geld, Macht, Sex.

Irgendwann habe ich mir mal vorgenommen, nichts mehr sein zu müssen. Und habe gleichsam festgestellt, dass dieses “etwas sein wollen” mich doch immer wieder einholt. Eine Kollegin bekommt einen Position, für die ich mich auch beworben habe. Sofort steigt in mir das Neid-Gift auf und ich finde tausend Gründe, warum ich viel besser dafür geeignet wäre, als sie. Ich habe in bestimmten Zusammenhängen plötzlich das Gefühl, das meine Stimme bei mir wichtigen Personen nicht mehr soviel gilt, wie zuvor: und schon fühle ich mich ausgebootet, beneide diejenigen, die im Mittelpunkt stehen und finde natürlich zig Kritikpunkte an ihnen.
Wirklich nichts sein zu wollen, fällt mir unglaublich schwer. Ich weiß nicht, ob ich diesen Zustand der geistigen Reife jemals erreiche.
Einstweilen kann ich nur versuchen, etwas Distanz zu gewinnen, wenn mal wieder ein Gefühl des Neides in mir aufsteigt oder ich beginne, mich anderen gegenüber zu erhöhen. Cool down, könnte man auch sagen. Wenn es gelingt, kann es so etwas wie eine geistige Entgiftungskur werden.

Gütiger Gott, hilf mir, wesentlich zu werden. Hilf mir zu erkennen, wenn ich mich selbst erhöhe und mich damit vor Dir erniedrige. Gib mir die Kraft, Neid, Mißgunst und Machtstreben zu besiegen.

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