Monatsarchiv für März 2018

Mrz 31 2018

“Frauenrecht Abtreibung?” (40)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Collage Tod und Abtreibung

ZDF-Film: 24 Wochen

Am letzten Montag den 26.03.2018 zeigte das ZDF den Film “24 Wochen”. Es geht um eine junge Frau, von Beruf Kabarettistin, ihren Mann und deren ungeborenes Kind. Zunächst wird bei dem Ungeborenen das Down-Syndrom diagnostiziert, gemeinsam entscheidet sich das Paar für das Leben des Kindes. Als die Ärzte dann jedoch noch einen schweren Herzfehler feststellen, geht die Frau im Alleingang den Weg der Abtreibung, im sechsten Schwangerschaftsmonat.
Ein Kind im sechsten Schwangerschaftsmonat ist bereits sehr weit entwickelt und außerhalb des Mutterleibes überlebensfähig. Es muss deshalb bei einem Schwangerschaftsabbruch zunächst noch im Leib der Mutter mit einer Injektion getötet werden. Dann bringt die Frau nach einer künstlich eingeleiteten Schwangerschaft das tote Kind zur Welt.
Warum darf so etwas überhaupt sein. Wieso lassen die Gesetze das zu. Warum hat ein Mensch erst dann das Recht zu leben, wenn er bereits entbunden ist. Warum gelten nicht für ein ungeborenes Kind, dass im vorliegenden Fall sogar schon außerhalb der Mutter lebensfähig wäre, die gleichen Gesetze wie für alle anderen. Das habe ich mich gefragt. Mich hat dieser Film entsetzt.
Ich war früher einmal Angehöriger einer linksalternativen Subkultur, in der die Berechtigung der Kindestötung mit dem Selbstbestimmungsrecht der Frau begründet wurde. Und was ist mit dem Selbstbestimmungsrecht des Kindes?
Dieses Verständnis von Selbstbestimmungsrecht, dass die Tötung von ungeborenen Kinder einschließt, hat sich heute in weiten Teilen der Gesellschaft und in der Gesetzgebung durchgesetzt.
Das ungeborene Kind kann sein Lebensrecht selbst noch nicht artikulieren. Es braucht Schutz. Natürlich erst Recht ein krankes Kind. Das sogenannte Selbstbestimmungsrecht der Frau auf Abtreibung entspringt letztendlich einem entgrenzten Hedonismus. Dem vermeintlichen Recht auf Befriedigung des Sexualtriebes ohne Rücksicht auf Konsequenzen.
Meine evangelische Schwester in Christus, Helga H., hat das in einem Brief an eine Online-Petentin, die auf einer Online-Plattform das Recht auf Abtreibung für polnische Frauen fordert, treffend auf den Punkt gebracht:

Abtreibung ist weder Menschenrecht noch Frauenrecht

Sehr geehrte Frau Krzyszkowska,

Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie bei einer Abtreibung nicht nur über Ihren Körper entscheiden, sondern über werdendes menschliches Leben?

Menschliches Leben ist immer im Werden. Als Christin glaube ich, dass wir erst in der himmlischen Vollendung zu dem werden, was wir sein und werden sollen. Sein kommt eigentlich nur Gott zu. Wir als Geschöpfe sind immer Werdende. Weil wir als Menschen Geschöpfe sind, sind wir immer Werdende. In jedem Status unseres Werdens sind wir schutzwürdig, auch kurz nach unserer Empfängnis.

Was wäre gewesen, wenn Ihre Mutter ihr “Frauenrecht” in Anspruch genommen hätte und Sie abgetrieben hätte? Sie wären heute tot.

Abtreibung ist kein Menschenrecht und kein Frauenrecht. Abtreibung ist eine Tragödie. Es ist schon schlimm genug, dass wir um den Abbruch einer Schwangerschaft manchmal nicht herumkommen. Das sollten wir beklagen und den betroffenen Frauen beistehen. Abtreibung betrifft mindestens drei Menschen: Den Vater, die Mutter, das ungeborene Kind. Manchmal sind noch mehr Menschen betroffen, nämlich die lebenden Geschwister des Kindes, das abgetrieben werden soll sowie die Gesellschaft, die diesen Menschen, den wir abtreiben wollen, vielleicht dringend braucht, weil dieser Mensch besondere Gaben hat und die Menschheit weiterbringen und die Welt und viele andere Menschen glücklicher machen könnte.

Abtreibung richtet immer Schaden an, auch wenn sie manchmal nicht zu vermeiden ist. Sie beendet das Leben eines einzigartigen Menschen. Sie lässt die an der Abtreibung Beteiligten schuldig werden. Schuld belastet immer und zerstört Beziehungen: Die Beziehung zu Gott, die Beziehungen zu anderen Menschen und die Beziehung zu sich selbst. Weil das so ist, sollten wir den Schaden, der durch Abtreibung entsteht, möglichst gering halten und nicht von einem “Recht” auf Abtreibung sprechen. Abtreibung ist höchstens eine sehr zu beklagende Notordnung, die in Notlagen in Kraft tritt, aber niemals ein Recht.

Ihr Körper wurde Ihnen nicht gegeben, um menschliches Leben zu beenden, sondern um menschlisches Leben zu bergen und zu bewahren. Von daher bedeutet Sexualität eine hohe Verantwortung. Wenn ich mit meinem Sexualpartner Geschlechtsverkehr habe, muss ich mir bewusst sein, dass menschliches Leben entstehen kann, für das ich dann Verantwortung trage. Um diese Verantwortung kann und darf ich mich nicht herumdrücken, indem ich ein “Recht auf Abtreibung” postuliere. Diese Verantwortung kann bedeuten, dass ich versuche eine Empfängnis zu verhüten. Doch wenn eine Empfängnis stattgefunden hat, dann hat ein einzigartiges menschliches Leben begonnen, für das die Eltern Verantwortung übernehmen müssen. Diese Verantwortung kann auch bedeuten, dass ich dieses Kind, wenn ich es nicht versorgen und erziehen kann, zur Adoption freigebe, damit das Kind in stabile und liebevolle Verhältnisse hineinkommt, um gesund aufzuwachsen.

Um Ihrer Verantwortung als Frau gerecht zu werden, sollten Sie lieber Ihr Frauenrecht auf Bewahrung des Lebens in Anspruch nehmen statt ein “Recht auf Abtreibung” postulieren. Höchstwahrscheinlich fahren Sie damit im Endeffekt besser als mit einem “Recht auf Abtreibung”.

Mit lieben Grüßen, Ihre Helga


Keine Kommentare

Mrz 30 2018

Kreuz (39)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Kreuzigungsikone. Christus am Kreuz

Gläubige Juden sind dazu angehalten, dass Passah-Mahl so zu feiern, als wären sie selbst – persönlich – aus Ägypten herausgeführt und befreit worden. Als Christen sollen wir, so wird von vielen Theologen und Kirchenlehrern gesagt, das Passah Christi, also unser Osterfest, nicht wie etwas feiern, was vor 2000 Jahren einmal passiert ist und woran wir uns nun erinnern können, sondern als ein Ereignis, das hier und jetzt, mit uns und für uns, passiert.
Gut, mit Christus auferstehen, ja klar. Das wollen wir alle.
Aber auch mit ihm gekreuzigt werden? Der Karfreitag gehört sicher nicht zu den beliebtesten Feiertagen. Unter kirchenfernen Menschen ohnehin nicht. Es herrscht nicht soviel Partylärm wie sonst. Tanzveranstaltungen sind verboten. Frei haben wollen alle. Aber einen Tag im Jahr mal auf Party verzichten? Das finden die meisten völlig daneben.
Und wir Christen? Wie ist das mit unserem Kreuz?
Mein Eindruck ist: Wir begehen den Karfreitag und feiern die Karfreitagsliturgie wie einen Trauertag, wie ein Trauerfest. Wir betrauern Christus, sein Martyrium , sein Leiden und seinen Tod am Kreuz.
Und wo sind wir selbst dabei? Sind wir passiv Trauernde? Bleiben wir letztendlich Zuschauer bei all dem? Machen wir uns wirklich klar, warum Christus da am Kreuz leidet?
Wir sind der Grund. Ich bin der Grund. Du bist der Grund. Weil wir uns immer wieder weit von Gott entfernen, uns immer wieder von ihm trennen. Weil wir egoistisch sind. Nicht genug lieben. Nur an uns denken. Anderen Schmerz und Verletzungen zufügen. Weil wir das Göttliche in uns selbst immer wieder von uns abspalten, anstatt es zu suchen und in uns zum Leben zu erwecken. Darum stirbt Christus. Darum leidet er heute am Kreuz. Gott ist Mensch geworden, hat sich selbst erniedrigt und sich kreuzigen lassen, um uns zu ihm zurückzuführen. Nicht die anderen sind daran schuld. Nicht die Römer, nicht Judas, der ihn ausgeliefert hat, nicht der jüdische Klerus, der seinen Kreuzestod gefordert hat.
Wir sind dafür verantwortlich.
Ich! Du!
Albert Biesinger schreibt in “Christ in der Gegenwart”:

Es hat eine innere Logik, dass der Retter der Welt eben nicht an Altersschwäche stirbt, sondern als Opfer, getötet am Kreuz: Denn wenn er all das lösen, erlösen soll, was die Menschheit sich gegenseitig angetan hat und auch derzeit antut, wenn er die riesigen Gebirge an Schuld, die die Menschheit aufgehäuft hat, auflösen will, dann geht dies ganz offensichtlich nur so. Und es ist und bleibt doch ein Gottesgeheimnis.

Und unser eigenes Kreuz? Der Weg zur Befreiung ist nicht der bequemste Weg, das zeigt das jüdische Passahfest und das Passah Christi: das zeigt uns die Befreiung der Welt durch das Sterben Christi am Kreuz.
Welches Kreuz sollst du tragen? Finde es heraus!

Herr Jesus Christus, auch ich gehörte zu denen, die unter Deinem Kreuz standen und dich verspottet haben. Erbarme Dich meiner!

Keine Kommentare

Mrz 29 2018

Verzählt: Vierzig Tage. Ohne Sonntage. (Also zurück auf 38)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Um das mal klarzustellen: Von Aschermittwoch bis Karsamstag sind es 40 Fastentage. Ohne Sonntage. Die Sonntage der Fastenzeit sind zumindest in der Westkirche keine Fastentage. Irgendwie auch seltsam. Die 40 Tage beziehen sich doch auf das 40-tägige Fasten Jesu in der Wüste. Und dass Jesus am Sabbat zwischendurch mal die Wüste verlassen hat, um mit seinen Jüngern zu speisen, davon habe ich jedenfalls noch nichts gehört.
In der Ostkirche ist die Fastenzeit denn auch anders geregelt:

Die heilige und große vierzigtägige Fastenzeit beginnt sieben Wochen vor Ostern; sie zählt auch die Sonntage mit und dauert somit bis zum Freitag vor dem Lazarus-Samstag an. Davor liegt eine dreiwöchige Vorfastenzeit, deren letzte Woche „Milchwoche“ heißt, in der kein Fleisch mehr, aber ausgiebig Milch, Milchprodukte und Eier verzehrt werden und regional verschiedene karnevalistische Gebräuche gepflegt werden. An die große Fastenzeit schließt unmittelbar das Fasten des Lazarus-Samstages, des Palmsonntages und der Karwoche an.(Wikipedia)

Eigentlich ist mir ja bekannt, dass für die Sonntage in unserer westlichen Kirche Sonderregeln gelten.Trotzdem habe ich in meinem Fastentagebuch die Sonntage mitgezählt. Und bin deswegen aus dem Tritt gekommen. Heute ist offiziell der 38igste Fastentag. Nach meiner Zählweise wäre ich aber heute schon bei Nummer 41. Zunächst hatte ich gemutmaßt, dass die drei heiligen Tage von Gründonnerstag bis Karsamstag schon nicht mehr zur regulären Fastenzeit gehören. Tun sie irgendwie auch nicht, denn nach der Liturgie vom Letzten Abendmahl am Gründonnesrtag ist die Fastenzeit eingentlich beendet und es beginnt das Osterfasten. Andererseits sind aber Karfreitag und Karsamstag in den 40 Tagen enthalten. Als ich unserem Pfarrer von meiner Fastentagezähl-Verwirrung berichtet habe, entgegnete der nur trocken: Vielleicht hast du ja soviel gefastet, dss du nicht mehr klar denken konntest.
Das wirds sein!


Eine Einführung in den Gründonnerstag aus der Cella Sankt Benedikt (Hannover)

Keine Kommentare

Mrz 27 2018

Entertainment (39)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Mein Drucker ist hinüber, deshalb war ich gestern im hiesigen MediaMarkt und habe mich über die aktuellen Angebote informiert. Auf dem Weg zu den Druckern kam ich durch die Entertainment-Abteilung. Präsentiert werden großflächig Spielkonsolen, riesige und für meine Verhältnisse unglaublich teure Fernsehgeräte, HiFi-Anlagen und dazugehörige Sound-Systeme. Das Entertainment nimmt den größten Platz iim Markt ein. Ablenkung ist angesagt. Warum?
Diese Frage stellt auch ein Nutzer der Online-Plattform gutefrage.net:

Warum lenken sich die meisten Menschen mit Entertainment ab?

Warum lenken wir uns permanent mit Medien ab, wie z.B. Filme, Fernsehen, Musik, Bücher, Videospiele, Veranstaltungen… Was ist der Grund dafür und vor was flüchten wir uns in diese Parallelwelten? Gibt es Leute die daran interessiert sind uns permanent abzulenken? Und wenn ja, warum? Was haben andere Menschen davon, wenn wir uns ablenken lassen, was treiben diese Gestalten im Hintergrund? Vielen Dank, LG.

Es gibt etliche Antworten. Mit dem großen Unterhaltungsangebot wolle uns der Staat gefügig machen, unterdrücken, mutmaßt jemand. Ein anderer meint, es ginge doch in erster Linie um Entspannung, darum, mal etwas der Wirklichkeit zu entfliehen, träumen können. Wieder ein anderer schreibt, das Ganze diene auch der Bildung, wenn man Fernsehen schaue, sei man immer auf “dem neusten Stand”.
Unterdrückung? Ablenkung? Entspannung?
Gestern bin ich selbst mal wieder viel zu lange vor dem Fernseher hängen geblieben. In solchen Situationen überlassen ich mich oft auch meiner Trägheit, obwohl ich weiß, dass mir das letztlich nicht gut tut. Mir geht es besser, wenn ich etwas geschaffen, etwas geschrieben, gelesen, gelernt – und nicht zuletzt – wenn ich gebetet habe. Ist unsere / meine Lebenszeit nicht eigentlich viel zu kurz, um uns/mich ständig abzulenken.

“Mensch, werde wesentlich: / denn wann die Welt vergeht, / so fällt der Zufall weg, / das Wesen das besteht. / Du reisest vielerlei / zu sehn und auszuspähn. / Hast du nicht Gott erblickt, / so hast du nichts gesehn (..)

schrieb der Mystiker Angelus Silesius.
Wir lenken uns auch ab von Gott, von unserem Ursprung, Urgrund, unserer Quelle. Wir verspüren eine Sehnsucht in uns, die uns quält, wenn wir ihr Ziel nicht finden. Dann suchen wir Zerstreuung, anstatt diese Quelle zu suchen. Und so entfernen wir uns von ihr.

Gütiger Gott, hilf mir, wesentlich zu werden.

Keine Kommentare

Mrz 25 2018

Palmsonntag (37): “Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen”

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

palmsonntag

Mit dem heutigen Palmsonntag beginnt die Passion Christi. Die Menge, die ihm heute noch jubelnd den Einzug bereit, wird schon fünf Tage später rufen: “kreuzige ihn”. Wie schnell lassen sich die Menschen doch aufwiegeln, wie schnell kann ein Hype umschlagen in sein Gegenteil. Das erleben wir oft genug.

“Mein Gott, warum hast Du mich verlassen”, ruft Christus aus, als er unter schrecklichen Qualen den Kreuzestod stirbt.
Die Fastenzeit, die Zeit, in der wir uns besonders prüfen sollten, versuchen sollten, uns neu auf Gott hin auszurichten, geht zu Ende. Begreifen wir diese Zeit nicht als etwas Vergangenes, sondern als die Vergegenwärtigung des Heilsgeschehen , worin uns die Gnade Gottes und die Auferstehung zugesagt wird.
Vor diesem Hintergrund muss ich mich fragen: wo habe ich selbst Christus, der für mich diesen Kreuzestod gestorben ist, verlassen. Viele Jahre lang habe ich mich weit von ihm entfernt. Er hat mich wieder zu sich zurück gerufen. Christus ist an meiner Seite geblieben und war in vielen sehr schwierigen Situationen da. Und trotzdem verlasse ich ihn auch heute immer wieder, ungewollt, unabsichtlich, und muss mich immer wieder von ihm zurückrufen lassen: Etwa, wenn ich nur an mich selbst denke, mich mein alter Egoismus wieder einholt, ich nicht genug von jener Liebe aufbringe, die nötig wäre, zu anderen mir nahen Menschen so zu stehen, wie Christus zu mir stand.

Herr Jesus Christus, erbarme Dich meiner. Ich danke Dir, das Du mich bewahrt hast, als ich selbst verschuldet in Gefahr für Leib, Leben und Seele geraten bin.
Hilf mir, zu der Kraft der Liebe zu finden, damit ich dir nachfolgen kann. Ich bin ein verwirrter und sündiger Mensch. Ich kann nur mit Deiner Hilfe bestehen.

Keine Kommentare

Mrz 22 2018

Gottvertrauen (34)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Cella-St-Benedikt-Hannover-01
Gestern Abend in unserem Stadtkloster. Ich setze mich auf eine der Steinbänke, die rechts und links die Kapelle bis zum Altarraum säumen. An mehreren Stellen trennen kleine, kaum auffallende Spalten die Bänke voneinander.
Meistens gehen ich abends gleich von der Arbeit zur Vesper. Meine Schlüssel zum Aufschließen von Diensträumen trage ich an einer Schlüsselkette, die ich an einer Schlaufe an der Hose befestige. Gestern hat sich diese Kette von mir unbemerkt in der Spalte zwischen den Bänken verklemmt. Als ich zum Eröffnungsruf, “O Gott komm mir zur Hilfe”, aufstehen will, reißt es mich zurück. Vor Schreck weiß ich erstmal nicht, was ich machen soll und muss auch zum Nomini Patris auf der Bank sitzen bleiben. Peinlich. Meine Nachbarin linst irritiert auf mich herab.
Nachdem sich alle gesetzt haben, gewinne ich erstmal wieder etwas Zeit, um darüber nachzudenken, was ich jetzt tue, denn zum Hymnus wird ja wieder aufgestanden. Auf die Vesper kann ich mich wenig konzentrieren, obwohl ich natürlich die Psalmen mitsinge, die Psalmodie hat sich nach rund 10 Jahren schon ziemlich verselbständigt.
Es ist ja irgendwie eher eine skurrile Situation, trotzdem wird mir heiß und kalt. Ich möchte mich vor Scham fast selbst in diese kleine Spalte verkriechen, in der meine Schlüsselkette festgeklemmt ist.
Nach einer gewissen Zeit komme ich immerhin auf die Idee, die Kette möglichst beiläufig von der Hose zu lösen und den Schlüssel aus der Tasche zu ziehen. So kann ich zum Hymnus auch wieder aufstehen.
Am Schluß warte ich, bis alle gegangen sind, ziehe einmal kräftig an der Kette, und siehe da, sie ist wieder frei, wenn nun auch in zwei Teile gerissen. Sei’s drum. Wo war eigentlich das Problem?

Herr Jesus Christus, stärke mich im Glauben und in meinem Gottvertrauen, auch in schwierigen Situationen!

Keine Kommentare

Mrz 21 2018

Fasten. Ein orthodoxer Beitrag. (33)

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Hören: die grundlegende Haltung des Schülers: Im Herzen seines vierzigtägigen Fastens enthüllt Christus uns das Geheimnis seiner Umkehr: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.“ (Matt. 4:4) Das ist die fundamentale Haltung des Schülers. Sein ganzes Sein ist Gehör, so wie es Gehorsam ist. (obeissance, aus dem Lateinischen ob audire = zuhören). „Höre, Israel“ ist das zugrunde liegende Gerüst der ganzen Bibel, durch die Gott sich selbst hingibt und uns gleichzeitig mit einer Weise ausstattet, sich diesem Geschenk zu öffnen. Tatsächlich erkennt derjenige, der gelernt hat zuzuhören, in welchem Ausmaß er in diesem Augenblick von allem Schädlichen befreit wird, denn alles ist gestillt, selbst Ablenkungen und die vielen Gedanken.
Zu gleicher Zeit ist er eingetaucht in das abgrundtiefe Schweigen, das ihn in Berührung bringt mit dem Geheimnis einer Gegenwart. Darum ist das Gehör der am häufigsten geübte Sinn auf dem Weg zur Verwandlung (Transformation).
Wir sollen permanent lauschen, denn Gott spricht in jedem Augenblick zu uns durch Erfahrungen, Begegnungen und allem, was wir äußerlich oder innerlich erleben. Aber um Seine Stimme im Draußen zu hören, müssen wir erst lernen, sie im Innern wahrzunehmen: Dies geschieht durch das Hören auf die Worte der Bibel. Hier ist Er verkündet durch die Worte der Propheten und Fleisch geworden in Jesus Christus. Indem wir Christus betrachten, uns von seiner Gegenwart und seinem Wort durchdringen lassen, werden wir gleichzeitig von dem Wesen Gottes durchdrungen.
Die ganze Bibel ist die wirkliche Gegenwart Jesu Christi. Sie ist kein alter Text, der nur mit dem Verstand gelesen werden will, sondern das Wort will als Kommunion empfangen werden. Das Wort nimmt uns auf, während wir es aufnehmen. Wie Origenes (2. Jhdt.) bemerkt, ist das Lesen der Bibel keine beliebige Zutat zum Leben, sondern es verändert das tägliche Leben, so dass es ein Ort wird, wo das Wort unaufhörlich spricht. Hören ist deshalb eine Übung in ständiger Aufmerksamkeit, die rechte Haltung, um mit dem gegenwärtigen Augenblick zu kommunizieren, eins zu werden mit dem, was hier und jetzt ist, weil darin der Wille Gottes ausgedrückt wird. Und was Gott will, ist immer das Beste für uns. Da „alles Gnade ist“, selbst das Gegenteil zu unseren Wünschen, können wir „zu allen Zeiten und an allen Orten danksagen“. Das immerwährende Hören auf das Leben innen und außen schafft in uns eine wunderbare Stille, einen Hintergrund von Frieden, Freude und Liebe. Eine unaufhörliche Offenbarung Gottes, die Freude von Verliebten. (Aus: WEISHEIT und WEGE
der CHRISTENHEIT von Alphonse und Rachel Goettmann

Zuhören, das scheint einfach zu sein, gehört aber wahrscheinlich zu den Fähigkeiten, die wir immer mehr verlernen.
Einem eineinhalbstündigen Vortrag eines orthodoxen Mönchs über das Fasten zuzuhören? Viele viele mögen es sein, die das durchhalten?

Gütiger Gott, schenke mir Geduld, zuzuhören und lenke meinen Blick auf das Wesentliche. Stärke mich in der Mäßigung.

Keine Kommentare

Mrz 20 2018

Das Pascha-Licht der Liebe (32)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Frühling

Die Tage werden länger. Die Welt wird lichter. In einigen Tagen, von Samstag auf Palmsonntag, werden die Uhren auf Sommerzeit gestellt.

In zwei Wochen feiern wir das Licht, das die Welt erleuchtet. Jenes Licht, das Weihnachten in die Welt kam, wird nun zum strahlenden Glanz. Ostern. Pascha.

Gütiger Gott, entzünde in uns das Pascha-Licht der Liebe.

Keine Kommentare

Mrz 19 2018

Dienen (31)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

liturgie

In der Feier der heiligen Eucharistie geht es nicht um ausgefallene Inszenierungen, nicht um Show und nicht um irgendwelche Attraktionen. Es geht darum, mit jener Wirklichkeit in Beziehung zu treten, die wir Gott nennen. Es geht um die Vergegenwärtigung des Heilsgeschehens, das uns mit Christus, seiner Verkündigung, seinem Leben, seinem Tod und seiner Auferstehung geschenkt wurde. Und gerade darum geht es in der Liturgie um die Wiederholung des Immergleichen (…),

schreibt die katholishe Jouranistin Christina Rietz. Ich sehe das auch so.

In unserer Gemeinde gibt es indes immer mal wieder Initiativen, um die Liturgie (um)zugestalten. Diesmal für das Pfingstfest.
Ich wurde gebeten, dort mitzuwirken. In der Regel pflege ich auf so ein Ansinnen zu sagen: “Wozu Liturgie-AG(?), wir haben doch ein Messbuch.” Diesmal war die Bitte jedoch eindringlicher – und ich fühlte mich auch ein bißchen geschmeichelt. Aber: je näher dieses Treffen rückt, umso mehr merke ich, dass mir das nicht passt.
Ich werde also immer unleidlicher und gebe meinem Mißmut auch in Wort und Schrift Ausdruck.
Ich wünsche mir bei so etwas mehr Gleichmut, mehr Duldsamkeit.

Gütiger Gott, schenke mir mir Gleichmut und Duldsamkeit. Laß mich lieben und verstehen, dass andere Menschen Dir auf auf eine andere Art und Weise dienen wollen, als es mir persönlich gefällt.

Keine Kommentare

Mrz 18 2018

Heiliger Gott (30)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein

Erhalte in mir die Sehnsucht nach Dir, heiliger Gott. Führe mich auf den Weg, auf dem ich zu Dir ins Licht gelange. Lass mich mit gereinigtem Herzen das Pascha Christi feiern, damit in mir erstirbt, was mich von Deiner Gnade trennt und ich mit und in Christus auferstehen kann. AMEN

Keine Kommentare

Ältere Einträge »