Monatsarchiv für Februar 2018

Feb 18 2018

Schweigen (5)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Fasten-Tagebuch

scheigen
Reden ist Silber, schweigen ist Gold, lautet ein bekanntes Sprichwort.
Nun ja, Reden ist ein wichtiges Medium der menschlichen Kommunikation, Sprache eng mit der Fähigkeit des abstrakten Denkens verbunden. Die differenzierte Sprache ist also etwas, was den Menschen ganz wesentlich ausmacht.
Aber Sprache kann auch negative Wirkungen entfalten, sie kann verletzten, verschleiern, verführen, täuschen. Sie kann vom Wesentlichen ablenken, kann zur sinnentleerten Plapperei ausarten, kann dazu verführen, oberflächlich zu bleiben.
Wenn wir Gott begegnen wollen, müssen wir schweigen und still werden, anfangen, mehr zu hören als zu reden.
In der Stille können wir – vielleicht – Gottes Gegenwart erspüren. In der Stille können wir – vielleicht – zu den geistigen Resonanzkörpern von Gottes Gegenwart werden.
Daher sollten wir die Fastenzeit auch dazu nutzen, stiller zu werden, weniger zu reden, vor allem, Schluß zu machen mit der oberflächlichen Plapperei, mit der wir uns ablenken und aufplustern. Schluß, mit dem sinnlosen Gerede. Nach Möglichkeit.

Gott, hilf mir, wesentlicher zu werden!

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Feb 17 2018

Mut, die eigenen Fehler einzugestehen (4)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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“Schuld” ist ein Wort, dass heute nicht sehr hoch im Kurs steht. Und die eigene Schuld zu bekennen, schon gar nicht. Wahrscheinlich stand das noch nie hoch sehr hoch im Kurs. Aber gerade heute passt vielen das Christentum auch deswegen nicht mehr, weil es da immer irgendwie um Schuld geht. Ich wollte davon früher auch nichts wissen.
Schuld kann entstehen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Aber wer gesteht schon gern die eigenen Fehler ein? Der spontane Reflex, wenn irgendetwas schief gelaufen ist, bei der Arbeit zum Beispiel, besteht eher darin, erstmal jede Schuld von sich zu weisen. Schuld sind immer die anderen. Das ist auch verständlich, denn Fehler zu machen und sich dazu zu bekennen, wird in der Regel wenig goutiert. Im Arbeitsleben – oder auch in anderen sozialen Zusammenhängen – kann man damit schnell auf die Abschußliste geraten. Wer zu viele Fehler macht, gefährdet seine berufliche Existenz. Und damit ist im Kapitalismus meistens auch die Angst verbunden, seine bürgerliche Existenz – zumindest seinen sozialen Status – zu gefährden. Manchmal bedarf es auch gar keiner Fehler, um Probleme zu kriegen, da reicht es schon, wenn man etwas in der Leistung nachlässt.
Kein Wunder also, dass niemand gern einen Fehler zugibt. Mir geht es da nicht anders. Wenn etwas daneben gegangen ist, schiebe ich es gern anderen in die Schuhe, um selbst gut da zu stehen. Diese Angst vor Fehlern, die sich uns bürgerlichen Subjekten so tief in die Psyche gesenkt hat, wirkt sich natürlich auch in anderen Lebensbereichen aus. Viele Ehen kranken daran, oder scheitern gar, weil man die Fehler immer beim Partner sucht und die eigenen gern unter den Teppich kehrt. Ich bin da leider keine Ausnahme.
Die Crux bei der Sache ist: kein Mensch ist ohne Fehler, kein Mensch ist ohne Schuld. Auch wenn wir es gar nicht beabsichtigen, laden wir Schuld auf uns. Manchmal beispielsweise verletzen wir andere Menschen, weil wir ihnen zu wenig Beachtung schenken oder sie nicht ernst genug nehmen, uns nicht genug um jene kümmern, die uns gerade brauchen.
Wie auch immer. Niemand ist ohne Schuld. Und solange wir die nicht irgendwie loswerden, tragen wir sie mit uns herum, und die Packung wird im Laufe des Lebens eher größer. Um sie loszuwerden, muss man sie sich erstmal eingestehen.
Der Grund, warum das Christentum heute (scheinbar) nicht nur an Einfluß verliert, sondern geradezu angefeindet wird, besteht unter anderem darin, dass es sich der kapitalistischen Logik, Fehler von sich weg und anderen in die Schuhe zu schieben, diametral entgegen stellt. Damit wir. die von Fehlern (und Schuld) gebeugten Menschen aufrecht, aufrecht vor Gott, stehen können, hat Christus alle Schuld auf sich genommen. Dieser Zusammenhang kommt insbesondere in der orthodoxen Liturgie zum Ausdruck. “Man steht aufrecht vor Gott, geistig und körperlich. Deshalb gibt es im Tempel keine Stühle”, heißt es etwa auf der Website des Heiligen Deutschen Orthodoxen Dreifaltigkeitskloster Buchhagen. Wir können unsere Schuld loswerden, wenn wir uns – vor Christus – zu ihr und zu unseren Fehlern bekennen. Dann haben wir teil an seinem Befreiungswerk, das uns durch seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung gegeben ist. Das hört sich einfach an, ist es im wirklichen Leben aber nicht. Wie wir wissen. Wir haben uns angewöhnt, Schuld und Fehler zu verleugnen, zu vertuschen und zu verschleiern. Das ist uns bürgerlichen Subjekten quasi in Fleisch und Blut über gegangen. Und jetzt sollen wir uns dazu bekennen. Das empfinden viele als Zumutung. Einfacher sind Umkehr und Neuanfang aber leider nicht zu haben!

Gütiger Gott, es fällt mir nicht leicht, meine Fehler einzugestehen und meine Schuld zu bekennen. Zu oft sehe ich den Splitter im Auge meines Nächsten, aber den Balken in meinem eigenen erkenne ich nicht. Manchmal erhöhe ich mich selbst, indem ich andere erniedrige. Schenke mir den Mut und die Kraft, mit der Veränderung, die ich mir von anderen wünsche, bei mir selbst anzufangen und mich zu meinen Fehlern, Schwächen und meiner Schuld zu stellen.

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Feb 16 2018

Mut zur Askese! (3)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Mut zur Askese
Warum fasten wir, die katholischen und orthodoxen Christen, eigentlich? Von unserer kirchenfernen Umwelt wird man, wie mir scheint, in der Regel dafür eher bemitleidet. Der Ärmste, jetzt darf er schon wieder kein Fleisch und keine Süßigkeiten essen und nicht mal ein Gläschen Bier oder Wein trinken.
Irgendwie sind wir an dieser Sichtweise auch selber schuld: Manche/r Katholik/in, der oder die aus Kirchendisziplin fastet, mag sich vielleicht manchmal selbst etwas bemitleiden. “Okay, verzichten wir halt ein paar Wochen mal auf das eine oder andere, wenn es Vorschrift ist und Gott es so will”. Im Mittelalter hat man gern auch mal zu faulen Tricks gegriffen, damit man um das Fasten herum kommt: Biberfleisch gegessen, zum Beispiel, weil Biber kommen aus dem Wasser und was Wasser aus dem Wasser kommt, Fisch, ist erlaubt. Zu Recht haben die Reformatoren dieses Spektakel dann schließlich als Farce angeprangert. So eine Art Fasten machte und macht wirklich keinen Sinn.
Man sollte das Ganze mal aus einer anderen Perspektive betrachten: Jetzt beginnt die schönste und optimistischte Zeit des Jahres, pflegt unser Pfarrer anläßlich der Eucharistiefeier zu Aschermittwoch sinngemäß immer zu sagen: denn in dieser Zeit soll uns bewusst werden, dass Gott uns für fähig hält, umzukehren, uns neu zu finden und wieder aufs Neue seine, Gottes Gnade zu erfahren.
Ja, wir fasten nicht, weil wir uns irgendetwas verbieten sollen, sondern um uns neu auf Seine Gegenwart hin ausrichten, uns zu fragen, wie es um unsere Beziehung zu Gott denn aktuell steht und wenn nötig, auch etwas in unserem Leben zu verändern. Gott traut uns das zu: wir können das!
Der orthodoxe Priester und Leiter eines geistlichen Zentrums im Elsaß, Alphonse Goettmann, sagt: Das Fasten “macht reinen Tisch, und stellt uns plötzlich unsere Neigungen vor Augen. Indem wir sie nicht länger von außen ernähren, erfahren wir die alten Offenbarungen im Innern: All unsere Wünsche sind nichts als Lärm und Lügen; in Wirklichkeit hungern wir nicht nach Brot, sondern nach Gott. In all unserem Sehnen steckt das einzige Sehen nach Gott. (…) Durch das Fasten öffnen wir uns zum Leben im Geist, zur immerwährenden Danksagung, denn alles ist ein Geschenk von Gott.”
Wir sollten das Fasten daher weniger als Verzicht und vielmehr als Chance begreifen. Nur dann macht das Fasten wirklich Sinn, wenn es uns hilft, unsere Beziehung zu Gott zu stärken und uns auch auf die Kraft Gottes in uns selbst zu konzentrieren.

Großer Gott, wir sind zu oft gefangen in unseren falschen Leidenschaften, die uns von Dir trennen. Hilf uns, sie zu überwinden und in der Fastenzeit einen neuen Anfang in Dir und mit Dir zu finden. Gib uns die Kraft, die Fastenzeit zu einer wirklichen Zeit der Erneuerung werden zu lassen. Hilf uns, zu den Menschen zu werden, die wir nach Deinem Willen sein sollen. Lass uns die Fastenzeit nicht als eine Zeit der Versagung , sondern als eine Zeit der Freude erfahren, in der wir uns Dir und Du Dich uns neu schenkst.

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Feb 15 2018

Die Welt retten (2)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Fasten-Tagebuch

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Wir können doch nicht immer die ganze Welt retten, sondern müssen auch mal an uns denken, sagte vor einiger Zeit ein Familienmitglied zu mir, als es um das Engagement für die Betreuung meiner schwer kranken und pflegebedürftigen Mutter ging.
Nein, wir können nicht die Welt retten, weil wir zu kleinmütig, selbstbezogen und bequem sind. Christus hat die Welt gerettet, er hat sich hingegeben und schweres Leid auf sich genommen. Wenn wir ihm nachfolgen wollen, dann müssen wir wenigstens versuchen, die kleine Welt um uns herum zu retten, so gut wir es eben können. Meine Mutter ist im letzten Dezember gestorben. Mir fallen ganz viele Dinge und Situationen ein, in denen ich mehr für sie hätte tun müssen. Vieles ist unterblieben, manchmal aus Angst, manchmal auch aus Bequemlichkeit.

Wir möchten gern so leben, wie du es uns gesagt und vorgelebt hast, Jesus Christus. Doch aus eigener Kraft gelingt uns das nicht. Unser guter Wille ist zu wenig. Stärke Du uns auf dem Weg in Deiner Nachfolge. Gib uns die Mut und die Kraft, mit Dir die Welt zu retten, und wenn auch nur im Kleinen um uns herum.

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Feb 14 2018

Aschermittwoch (1)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Denkzettel,Fasten-Tagebuch

Aschermittwoch

Mittwochs ist ein Tag, an dem wir in unserer Dienststelle Liegengebliebenes aufarbeiten können, weil das Haus für Besucher geschlossen ist. Es sei denn, wir haben mit unseren Klienten – beziehungsweise Kunden, wie es mittlerweile auch in Behörden heißt – Termine vereinbart. Ich hatte mich heute Morgen trotz schwerer Erkältung zur Arbeit gequält, weil noch einiges aus den letzten Tagen nachzuarbeiten war und ich heute Abend ohnehin zur Aschermittwochs-Eucharistiefeier gehen wollte. Ich saß also am späten Vormittag in meine Akten vertieft am Schreibtisch, als plötzlich ein Kunde den Kopf zur Tür hereinsteckte und mir einen Zettel entgegen hielt. Ich schreckte auf und fühlte mich genervt. Auf dem Zettel war der Name eines Kollegen notiert, mit dem der Kunde verabredet war. Brüsk gab ich ihm einen Wink, mir zu folgen und öffnete jäh die Bürotür des Kollegen. “Hast du heute Leute einbestellt (?)”, fragte ich kurz angebunden und grußlos. Später kam der Kollege in mein Büro und erkundigte sich, was denn mit mir los sei. Ich brachte es nicht einmal fertig, mich zu entschuldigen.

Ich bekenne: Ich war kalt, hart und selbstsüchtig. Ich habe den Frieden gestört und mich um die Not und Befindlichkeit anderer nicht gekümmert.
Gott, allmächtiger Vater, schenke mir Dein Erbarmen, Vergebung und die Kraft zu einem neuen Anfang. Gib mir den Mut, auch meine Mitmenschen und Kollegen um Vergebung zu bitten und einzugestehen, das ich ungerecht war. Amen

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