Monatsarchiv für Februar 2018

Feb 28 2018

“Du lästerst gern!” (15)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Lästermaul 1

Vor kurzem sagte ein Kollege von mir einen Satz, der mich etwas erschreckt hat. Die Äußerung betraf mich selbst: “Du lästerst ja ganz gern!” Er meinte das nicht im religiösen Sinn, sondern hinsichtlich meines Verhaltens am Arbeitsplatz, in Bezug auf Kolleginnen, Kollegen und Vorgesetzte.
Lästern, das Wort oszilliert zwischen den Bedeutungen, “schmähen” “sich verächtlich machen”, “sich abwertend äußern”, in einer abgemilderten Form lässt es sich vielleicht noch mit “sich negativ kritisch äußern” übersetzen. Lästern zielt also immer auf eine andere Person beziehungsweise Personen oder auf eine Situation und stellt sie in einen negativen Zusammenhang.
Und das soll auf mich zutreffen?
Ich neige dazu, mich schnell über etwas aufzuregen, wenn ich etwas falsch oder ungerecht finde. Aber allein damit verharmlose ich die Sache wahrscheinlich enorm. Denn das “Lästern” impliziert ja nicht nur die Wahrnehmung von etwas subjektiv Falschem oder Ungerechtem, sondern immer auch das Reden darüber gegenüber Dritten. Ich äußere mich Dritten gegenüber mehr oder weniger negativ über bestimmte Menschen oder das Verhalten von Menschen in speziellen Situationen. In einem Fall betraf das zum Beispiel eine Person, die durch ihre Mitgliedschaft in einer Partei und den daraus erwachsenden Beziehungen über alle Einstellungsverfahren hinweg zu ihrem Arbeitsplatz gekommen ist. Das fand ich furchtbar ungerecht und habe mich hinter vorgehaltener Hand entsprechend herablassend darüber geäußert. Aber spielt dabei nicht immer auch eine Portion Neid mit. Dem oder der anderen ist etwas zugefallen, was ich mir hart erkämpfen musste.
Ja, es stimmt, ich äußere mich häufiger mit subjektiver Wertung über das Verhalten oder die Eigenschaften anderer Menschen, gern auch mit etwas Sarkasmus dabei.
Was sagt das über mich selbst aus. Bin ich eher bei den Fehlern und Verhaltensweisen anderer als bei meinen eigenen? Versuche ich mich aufzuwerten, indem ich mich über andere offen oder subtil kritisch oder verächtlich äußere? Wie weit entferne ich mich dadurch von der Liebe Gottes? Muss ich mich erhöhen, indem ich andere – und wenn auch nur subtil – erniedrige? “Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden” (Lukas 14:11).
Ich muss meinem Kollegen dankbar sein, mich auf dieses Problem aufmerksam gemacht zu haben.

Gütiger Gott, hilf mir, zu erkennen, wenn ich mich erhöhe, indem ich andere herab setze. Hilf mir zu erkennen, was ich selbst damit bezwecke, ohne es mir selbst einzugestehen. Hilf mir, eher das Gute und Positive im anderen Menschen zu sehen. Schenke mir die Kraft zur Offenheit, wenn ich etwas im Verhalten des Anderen falsch finde. Hilf, fähig zu werden, eine Art von Kritik zu üben, woran der oder die Andere wachsen kann und ihn oder sie damit nicht klein zu machen.

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Feb 27 2018

Heiliges Leben (14)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein

Ein heiliges Leben. Was bedeutet das eigentlich, konkret?
Der Begriff heilig bezeichnet etwas Verehrungswürdiges und leitet sich von dem Substantiv Heil ab. Heil, also ganz werden, ganz unser Selbst entfaltend, gewissermaßen, können wir letztendlich nur durch unsere Beziehung zum Göttlichen, zum Urgrund allen Seins und allen Lebens, zu dem Erde, Himmel und Kosmos transzendierenden Geist, der über allem und in allem, also auch in uns selbst, wirkt. Heiligkeit geht von Gott aus und kann nur durch die Nähe zu Gott entstehen. Wer in den Bannkreis von Gottes Heiligkeit gerät, wird durch Seine Nähe selbst geheiligt. Ganz in Gott und mit Gott im eigenen Selbst zu leben, ist das Ziel des Mönchtums, dass wahrscheinlich im orthodoxen Mönchstum am deutlichsten zum Ausdruck kommt. Die Orthodoxie spricht von der Vergöttlichung des Menschen.
Die Sehnsucht, die wir in uns spüren, und leider oft gar nicht genau definieren können, ist gewissermaßen die Gravitationskraft Gottes Heiligkeit. So können und müssen auch wir, die in der Welt und nicht in monastischer Abgeschiedenheit lebenden Menschen, die Nähe Gottes suchen, um uns immer mehr von seiner Heiligkeit anziehen zu lassen, um immer mehr zu einem Zustand zu gelangen, in dem das Göttliche in uns selbst sich entfalten kann.
Das ist in der Welt mit ihren falschen Versprechungen und oberflächlichen Ablenkungen schwieriger als im Mönchtum. Aber wenn wir heil werden wollen, dann müssen wir diesen Weg gehen.
Die Fastenzeit ist also nicht zuletzt auch eine Zeit der intensiven Prüfung. Wir stellen unser Leben auf den Prüfstand, um das zu entdecken und zu ändern, was uns von Gott trennt, was uns hindert, seiner Heiligkeit teilhaftig zu werden; zu erkennen, was uns vom Göttlichen in uns selbst trennt.

Gütiger Gott, lass mich immer mehr Deines Heils teilhaftig werden. Lass mich erkennen, was mich von Dir trennt. Schenke mir die Kraft zur Veränderung. Zieh mich in den Bann Deiner Heiligkeit!

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Feb 26 2018

Erbarme Dich meiner! (13)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Erbarme Dich

Herr Jesus Christus, Du Sohn Gottes, erbarme Dich meiner,

beten wir repitativ im Herzensgebet. Und wenn wir Glück haben, kann es passieren, dass der Name Jesus Christus in unseren Herzen aufgeht wie eine Blüte und wir ergriffen werden von Freude und der liebenden Sehnsucht nach dem Heiligen. Zu oft aber blockieren wir uns selbst, indem wir uns von unseren Ängsten, Wünschen und Süchten zu sehr gefangen nehmen lassen.

Jesus Christus, lass Deinen heiligen Namen in meinem Herzen erblühen. Halte alles von mir fern, was mich ablenkt und von Dir trennt.

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Feb 25 2018

Suche (12)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Ich hatte Dich durch eigene Schuld verloren.
Dann habe ich gesucht, doch ich wusste nicht mehr wen oder was. Bis Du Dich hast wiederfinden lassen.

Herr Jesus Christus, führe mich auf den Weg, auf dem ich zu Dir ins Licht gelange.

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Feb 24 2018

Entsagung: Frei werden für Gott ! (11)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Gestern Abend habe ich, wie oft am Samstag, an der Vesper in unserem Stadtkloster teilgenommen. Später abends wollte ich noch mit dem Jesusgebet meditieren.
Zunächst aber habe ich mir erst einmal etwas zu Essen gemacht. Im Kühlschrank fand ich noch eine große Packung Bulgur, die kurz vor dem Verfallsdatum stand. Also: entweder essen oder in den Abfall damit. Lebensmittel wegzuschmeißen, versuche ich zu vermeiden. Mit dem ganzen Bulgur und verschiedenem Gemüse bereitete ich mir daher eine Schüssel Salat zu, die ich mit Appetit verspeiste. Ich setzte mich dann an den Schreibtisch um noch etwas zu arbeiten und merkte plötzlich, dass ich viel zu viel gegessen hatten. Ich fühlte mich matt, schläfrig und “vollgefressen”.
In diesem Zustand konnte ich nicht mehr beten. Wahrscheinlich wäre ich eingeschlafen oder hätte mich in irgendwelchen Tagträumen verloren.
“Viele meinen heute”, schreibt Anselm Grün in seinem Fastenbuch, “das Beten sei als Zwiegespräch mit Gott ein rein geistiger Akt. Doch die Alten verstanden das Beten immer schon als Beten mit Leib und Seele. (…) Das Fasten stärkt das Beten, weil es den Beter wacher macht. Essen macht satt und schläfrig. Im Fasten wird man wach und offen für das Geistige, offen für Gott, durchlässiger für Gottes Geist (Anselm Grün, Fasten, Münsterschwarzach 2001, 47f)”
Anselm Grün bringts (mal wieder) auf den Punkt. Je mehr ich mich mit Nahrung oder auch immateriellen Einflüssen und Eindrücken, dem abendlichen TV-Programm etwa, vollstopfe, desto mehr verschließe ich mich vor Gott. Ich bin dann so voll von stofflichen und nicht-stofflichen Einflüssen der Welt, dass für das Göttliche kein Platz mehr ist. Ich bin dann nicht durchlässig für Gottes Geist, sondern wegen Überfüllung geschlossen, gewissermaßen. Das ist der eigentliche Sinn des Fastens und der Entsagung, leer zu werden, damit das Göttliche Einzug halten kann in mir.

Jesus Christus, stärke mich in der Entsagung und in meinem Bemühen, frei zu werden für Dich, damit mich Deine Gegenwart erfüllen und Dein Licht leuchten kann in mir. Amen

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Feb 23 2018

Ethik (10)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Rapsfeld mit Text: Der Ursprung der christlichen Ethik ist nicht die Wirklichkeit des eigenen Ich, nicht die Wirklichkeit der Welt, aber auch nicht die Wirklichkeit der Normen und Werte, sondern die Wirklichkeit Gottes in seiner Offenbarung in Jesus Christus.
Als ich noch Marxist und damit auch Materialist war (oder meinte, einer zu sein), war ich fest davon überzeugt, dass sowohl jeder Moralkodex als auch jede Ethik gesellschaftlich bedingt sind. “Das Sein bestimmt das Bewußtsein.”
Das es in der höheren physikalischen Ordnung des Universums auch eine höhere ethische Ordnung geben könnte, erschien mit völlig abwegig. Wenn Ethik immer gesellschaftlich determiniert ist, dann ist sie auch veränderbar. Und wer die Gesellschaft verändern will, kann dann auch schon einmal damit anfangen, sich über die vorherrschenden ethischen Maßstäbe hinwegzusetzen, dachte ich. Das habe ich dann auch getan. Dabei fühlte ich mich zwar oft nicht gut, aber egal, es war schließlich “revolutionär”.
Inzwischen ist mir klar, dass es ein ethisches Prinzip gibt, dass unabhängig von verschiedenen Gesellschaftsformen existiert und in allen Gesellschaften verstanden wird. Es ist die Ethik des Evangeliums, die einer höheren universellen Ordnung folgt und uns durch die Propheten des Alten Testaments, vor allem aber durch Jesus Christus, offenbart worden ist.

Gott, vergibt mir, dass ich mir selbst ehtische Maßstäbe zurechtgebastelt habe, die mich auf den falschen Weg und in die Sünde führten. Nimm mich, Deinen einst verlorenen Sohn, wieder auf in die Gemeinschaft Deiner Kirche und vergib mir meine Sünden. Amen

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Feb 22 2018

Ebenbild (9)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Fasten-Tagebuch

Wald mit Text: Gott will nicht, daß ich den Anderen nach dem Bilde Forme, das mir gut erscheint, also nach meinem eigenen Bilde, sondern in seiner Freiheit von mir hat Gott den Anderen zu seinem Ebenbilde gemacht.

Gott will nicht, daß ich den Anderen nach dem Bilde Forme, das mir gut erscheint, also nach meinem eigenen Bilde, sondern in seiner Freiheit von mir hat Gott den Anderen zu seinem Ebenbilde gemacht.
Dietrich Bonhoeffer

Jesus Christus, vergib mir meinen Hochmut, andere Menschen so hinbiegen zu wollen, wie sie aus meiner Perspektive sein sollten. Hilf mir, meinen Nächsten so anzunehmen und zu lieben, wie Du ihn geschaffen und gewollt hast. Schärfe meinen Blick für meine eigenen Schwächen und Fehler und schenke mir die Kraft zur Veränderung.

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Feb 21 2018

Gottvertrauen (8)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Gottvertrauen

Sich über etwas Sorgen zu machen, was noch gar nicht eingetreten ist, ist in etwa das gleiche, als würde man einen Kredit abbezahlen, den man noch gar nicht aufgenommen hat,

sagte vor kurzem eine gute Bekannte zu mir.
Damit traf sie ins Schwarze. Denn gerade in letzter Zeit, in vielerlei Hinsicht für mich eine Zeit des Umbruchs, war ich häufig in Sorgen um die Zukunft gefangen.
Ich bekenne: ich neige zu Pessimismus. Wenn Probleme auftauchen, male ich mir gern das Schlimmste aus, tendiere zu Worst-Case-Szenarien. Gerade zur Jahreswende und in den ersten Wochen dieses Jahres, vor dem Hintergrund eines schmerzlichen Verlustes, haben mich solche Worst-Case-Szenarien immer wieder eingeholt, ob es um Dissonanzen im familiären Umfeld, um finanzielle Angelegenheiten oder persönliche Dinge ging.
Die Aussage meiner Bekannten hat mir gut getan. Und kürzlich wurde zum Abschluss einer von mir besuchten Eucharistiefeier das Lied “Wer nur den lieben Gott läßt walten” gesungen wurde. Es fordert uns auf, uns nicht nicht in Pessismus und Alltagssorgen zu verlieren, sondern unser Leben ganz in Gottes Hand zu legen.
Ich verstehe diese beiden Begebenheiten als einen Wink, mehr Vertrauen, Gottvertrauen zu haben – und mich nicht so sehr von meinen Ängsten fesseln zu lassen.

Herr Jesus Christus, stärke mich im Glauben und im Vertrauen auf Dich. Lass nicht zu, dass Dunkles von mir Besitz ergreift, sondern erfülle mich mit Deiner Gegenwart und lass Dein Licht leuchten in mir. Amen

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Feb 20 2018

Entsagung: Durch Demeut erhöht! (7)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

Entsagung

Die Gnade entsprang Deinem Mund wie Feuerglanz und machte das Weltall licht.
Sie ließ die Welt den Reichtum der Entsagung erkennen; uns machte sie deutlich, wie Demut erhöht wird.
Lehre uns durch Dein Wort, Johannes Chrysostomos, unser Vater, und bitte das Wort, Christus unseren Gott, um das Heil unserer Seelen. Amen

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Feb 19 2018

Reinigung (6)

Autor: . Abgelegt unter Fasten-Tagebuch

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Vor einigen Jahren habe ich mir einen Fastenkalender gekauft. Der lag lange Zeit im Regal, heute habe ich ihn mal wieder hervor geholt. Der Grund: Ich habe mir vorgenommen, während der Fastenzeit an jedem Fastentag an dieser Stelle einen Eintrag vorzunehmen. Eine sportliche Herausforderung, bei all dem, was sonst noch so täglich anliegt. Ich bin also etwas ins Hintertreffen geraten und habe mir gedacht: schau mal nach, was der Kalender so für den 6. Tag auf Lager hat. Und siehe da: es wird geraten, mal wieder in die Sauna zu gehen.
Gute Idee. Früher habe ich das einmal wöchentlich gemacht, dann ab und zu in unregelmäßigen Abständen von mehreren Wochen, und inzwischen weiß ich schon gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal dort war. In dem Fastenkalender wird der Saunagang assoziiert mit physischem und seelischem Entgiften, damit, loszuwerden und herauszulassen, was belastet.
Gestern habe ich hier etwas über Reden und Schweigen gesagt. Zuviel belanglose Worte, aber auch zuviel Ablenkung, zuviel Berieselung vor dem Fernsehgerät oder in Kinofilmen und zuviel sinnloses Herumsurfen im Internet, das alles kann Geist und Seele vergiften. So, wie zuviel Süßigkeiten, zuviel Nahrungsmittel, Alkohol oder Zigaretten-, respektive Zigarrenrauch, unseren Körper vergiftet. Auch ich lasse mich manchmal davon gefangen nehmen.
Die Fastenzeit ist, wenn es gut läuft, eine Zeit der Reflektion, der Veränderung und des Neuanfangs, eine Entschlackungskur für Körper, Geist und Seele.

Gütiger Gott, hilf mir, die Fastenzeit zu einer Zeit der Reinigung werden zu lassen, in der ich mich von allem Ballast und von allem, was mich von Dir wegführt, befreie.

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