Monatsarchiv für Juni 2014

Jun 29 2014

Königstum und Gottesherrschaft

Autor: . Abgelegt unter Wir Christen

König der ganzen Erde ist Gott. Jauchzt ihm zu mit lautem Jubel!

Gottesherrschaft und Königtum ist insbesondere im Alten Testament und in den Psalmen ein immer wiederkehrendes Thema. „Der Gedanke der Gottesherrschaft scheint in der Regel in Analogie zu menschlichen Herrschaftsformen“ – und hier eben in erster Linie zum Königtum – gebildet zu sein (Müller 2004, 1) Hieraus wird von einigen konservativen Katholiken der Schluss gezogen, dass die Monarchie gewissermaßen die natürliche Regierungsform christlicher Gesellschaften – und der Monarch quasi das diesseitige Symbol Gottes sei.
Die Abschaffung der Monarchie komme daher der Abkehr von Gott und der natürlichen göttlichen Ordnung gleich.
Einer der beharrlichsten Vertreter dieser Position ist der mit spitzer Feder bewehrte und vielleicht populärste Blogger der katholischen Blogoezese, der Geistbraus-Blogger Martin Johannes Grannenfeld. (Doch so sehr ich seinen Stil und seine Texte schätze, hier kann ich ihm als „linkskatholischer Traditionalist“ auf keinen Fall zustimmen.)

Martin Johannes Grannenfeld schreibt: „Und die ewige Wahrheit lautet nunmal: ‚MIR ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden’. ’MIR’ – dem Einen und Einzigen. Nicht dem Volk. Basta“.
Das lässt sich allerdings auch anders interpretieren: Ihm also ist alle Macht gegeben, Ihm, dem EINEN und EINZIGEN GOTT. Nicht den Fürsten, Kaisern und Königen.
Deutet irgend etwas darauf hin, dass es der Wille des Einen und Einzigen Gottes ist, dass ein Monarch – oder reden wir besser von den Monarchen – dass also die Monarchen hier auf der Erde, Seine, Gottes, Gewalt wahren, ausüben und repräsentieren?
Wäre Christus dann nicht als ein weltlicher Herrscher auf der Erde erschienen, anstatt als armer Wanderprediger, der den Kontakt zu den Armen, Ausgestoßenen und Sündern sucht – und eben nicht zu den Königen, Kaisern und Fürsten? Christus hat nicht mit dem Kaiser um die Herrschaft auf der Erde gestritten, sondern all denen, die ihm folgen und nach seinen Weisungen handeln, dass himmlische Königreich versprochen. Er hat die Sphäre weltlicher Herrschaft von der Sphäre des Göttlichen geschieden: „So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist.“
Christus hat eine äußerst herrschaftskritische Position gegenüber den Königen, Fürsten und Kaisern seiner Zeit eingenommen, die ihm nicht zuletzt deshalb von Anfang an nach dem Leben trachteten. Und letztlich hat er aus ihrem scheinbaren Sieg, durch seinen Tod, die endgültige Niederlage der Fürsten der Welt besiegelt und den Menschen die Türen zu seinem Himmelreich aufgestoßen.
Er hat die Mächtigen vom Thron gestoßen und die Niedrigen erhöht. Er hat die Hungrigen mit seinen Gaben beschenkt und die Reichen leer ausgehen lassen. Das ist gleichsam die Fülle, mit der Gott die Menschen beschenkt. Die Menschheit als Ganzes ist dazu aufgerufen, sich die Erde untertan zu machen und allein dem einen Gott zu dienen.
Und wenn es denn schon einen geben sollte, der die Gottesherrschaft auf der Erde symbolisiert und dazu berufen ist, das jenseitige Reich Gottes in der diesseitigen Welt zu repräsentieren, dann ist es der von Christus berufene Erste unter den Aposteln, Petrus und seine Nachfolger, beziehungsweise, aus altkirchlicher Perspektive, die in seiner Nachfolge stehenden fünf Patriarchate: 1. das Patriarchat Jerusalem, 2. das Patriarchat Antiochia 3. das Patriarchat Alexandria, 4. das Patriarchat Konstantinopel und 5. das Patriarchat Rom.
Für die westliche Kirche symbolisiert daher kein weltlicher König das Königreich Gottes, sondern allein der Bischof von Rom, also der Papst.
Und das sage ich besten Gewissens als traditionsorientierter Altkatholik.

(Lit. Reinhard Müller: Königtum und Gottesherrschaft. Tübingen 2004)

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Jun 28 2014

Brot vom Himmel

Autor: . Abgelegt unter Denkzettel,Texte zur Kontemplation

Die Psalmen sind in der Wüste unseres Exodus unser Brot vom Himmel. Thomas Merton

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Jun 24 2014

Geschützt: Der Islam im Westen

Autor: . Abgelegt unter Politik und Alltag

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Jun 09 2014

Pfingsten (2)

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Jun 08 2014

Pfingsten

Darstellung der Ausgießung des heiligen Geistes im Rabbula-Evangeliar (586)
Darstellung der Ausgießung des Heiligen Geistes im Rabbula-Evangeliar (586)

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Jun 06 2014

Was ist altkatholisch?

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Altkatholisch – älter als Sie vielleicht vermuten!

Ikone Kirchenväter

Achtung! Dieser Text beinhaltet mein persönliches Verständnis von Altkatholizismus. Es muss daher nicht in allen Fragen mit dem Verständnis des Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland übereinstimmen. In einen Punkten weicht es sogar deutlich von den offiziellen Positionen ab!

 

  • An verschiedenen Stellen wird behauptet, die alt-katholische Kirche sei „jünger als Sie vielleicht denken“. Im Grunde stimmt eher das Gegenteil. Altkatholisch – im hier gebrauchten Sinne von altkirchlich – ist nämlich viel älter, als Sie vielleicht vermuten.
  • Alt-Katholiken sind keine Piusbrüder. Die Piusbrüder sind eine Priesterbruderschaft, die sich weigert, die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er-Jahren anzuerkennen. Altkatholiken sind hingegen noch viel, viel älter. Sie beziehen sich auf die eine ungeteilte Kirche des ersten Jahrtausends nach Christus.
  • Daher sind Altkatholiken auch der Überzeugung, dass das – wie der Heilige Vinzenz von Lérins gesagt hat – wirklich katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist.
  • Altkatholiken sind vor allem katholisch. Sie sind daher der Auffassung, dass ein Geistlicher die Heiligen Sakramente nur dann vollgültig spenden kann, wenn er von einem Bischof in apostolischer Sukzession zum Priester geweiht wurde. Apostolische Sukzession ist die ununterbrochene Weitergabe des apostolischen Auftrags (der apostolischen Aufgabe) seit den Aposteln an speziell berufene Menschen, in der Urkirche an die sogenannten Ältesten, heute an die Bischöfe. Dieser Auftrag wird seither speziell durch Handauflegung und besondere Gebete weitergegeben. In einem gemeinsamen Text der beiden altkirchlichen Kirchenglieder, der orthodoxen Kirche und der altkatholischen Kirche, heißt es dazu: „Die Notwendigkeit der ungebrochen Bewahrung der apostolischen Sukzession sowohl als Kontinuität der apostolischen Lehre als auch als Weitergabe des geistlichen Amtes und der Sendungsgnade durch die rechtmäßige Handauflegung ist allgemeine Lehre der Kirche.“ Eine Konfession kann daher auch nur dann vollgültig Kirche im altkirchlichen und altkatholischen Sinn sein, sofern sie die apostolische Sukzession bewahrt hat.
  • Aus diesem Grund können Altkatholiken zumindest hinsichtlich der Kirchenlehre nicht „modern“ sein, auch wenn an verschiedenen Stellen gern etwas anderes behauptet wird. In der alt-katholischen Kirche kursierte zeitweilig die Losung, alt-katholisch sei etwas „für Christen von heute“. Hier hat unser derzeitiger Bischof Matthias Ring erfreulicherweise in aller Deutlichkeit erklärt, was er davon hält: nämlich gar nichts.
    Dieser Satz impliziert, dass es auch eine Kirche für „Menschen von gestern“ gäbe. Die Kirche aber ist unteilbar, gestern – heute – und morgen. Insofern gibt es auch nur die eine von Jesus Christus gestiftete Kirche für die Menschen aller Zeiten.
  • Altkatholiken erkennen den Bischof von Rom als Papst und Primus inter pares an, wie ihn die eine ungeteilte Kirche des ersten Jahrstausends anerkannt hat.
  • Weil sich Altkatholiken auf die eine ungeteilte Kirche des ersten Jahrtausends beziehen, lehnen sie aber jene Dogmen und Neuerungen ab, die nicht von der ganzen Kirche getragen werden. Dazu gehören insbesondere die neuen Dogmen aus dem 19. Jahrhundert von der Unfehlbarkeit in Angelegenheiten der Kirchenlehre und des Jurisdiktionsprimats, also der „vollen, höchsten und universalen Gewalt“ des Bischofs von Rom. Dazu gehören außerdem die von der westlichen Kirche im 19. Jahrhundert ohne Zustimmung der ganzen Kirche beschlossenen Mariendogmen.
  • Aus diesem Grund ist auch die Weihe von Frauen zu Priesterinnen nicht altkatholisch , obwohl die Frauenweihe in den meisten alt-katholischen Kirchen inzwischen praktiziert wird. Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen hat sich in der einen alten ungeteilten Kirche niemals durchgesetzt. Ob es sie in Einzelfällen gegeben hat, ist umstritten und sehr fraglich. Es hat zweitweise Frauen im Diakonatsamt gegeben. Sie haben in der frühen Kirche, als die meist erwachsenen Täuflinge noch nackt getauft wurden, insbesondere bei der Taufe von Frauen geholfen. Frauenweihe widerspricht dem altkatholischen Prinzip, dass das wirklich katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist. Frauenweihe verstößt daher auch gegen das ökumenische Prinzip, wonach Entscheidungen, die im Prinzip alle Glieder der (katholischen) Kirche betreffen, nur von der einen ungeteilten Kirche – das heißt von allen Gliedern gemeinsam – beschlossen werden kann.
  • Sofern die Gesamtkirche irgendwann zu der Auffassung gelangt, dass die Kirche dazu berufen ist, auch Frauen für das Priesteramt zu weihen, stände der allgemeinen Weihe von Frauen zu Priesterinnen auch nichts mehr im Wege.
  • Jesus Christus hat eine Kirche gestiftet. Wenn es richtig ist, dass alle Christen durch und in der Kirche den mystischen Leib Christi bilden, dann ist alles zu tun, um die Einheit der Kirche (in Vielfalt) herbeizuführen. Oder andersherum: alles, was die Kirche weiter spaltet, ist zu unterlassen.

Voilà!’ „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir“ (und wenn ich mich irre, vergebe mir Gott!).

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