Monatsarchiv für Mai 2014

Mai 31 2014

Gottsuche

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

SonnenaufgangWeder die Nichtexistenz noch die Existenz Gottes seien beweisbar, sagt der Theologe Hans Küng. (Existiert Gott? Küng 2004: 593.)
Gegenstand der Anschauung könne nur sein, meint Küng, was in der erfahrbaren Zeit und im erfahrbaren Raum ist. Wissenschaftliche Urteile seien auf Anschauung angewiesen, ein wissenschaftlicher Gottesbeweis daher nicht möglich. Küng begründet die Existenz Gottes mit dem ethischen Prinzip, auf dem unsere Werthaltungen beruhen und das sich, so Küng, aus dem Glauben an Gott speise. Das ethische Wertesystem sei gleichsam von einer göttlichen Wahrheit durchwirkt und könne ohne diese letztlich gar nicht sein. Über andere Möglichkeiten der Gotteserfahrung spricht Küng leider nicht. Weiterlesen »

Keine Kommentare

Mai 29 2014

Die Alt-Katholiken und der Papst

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Papst Franziskus und Benedikt XVI umarmen sich

„Das hindert uns aber nicht, den historischen Primat anzuerkennen, wie denselben mehrere ökumenische Concilien und die Väter der alten Kirche dem Bischof von Rom als dem primus inter pares zugesprochen haben mit Zustimmung der ganzen Kirche des ersten Jahrtausends“
Aus der Utrechter Erklärung

Wer sich nach den Eigenheiten der alt-katholischen Kirche erkundigt, bekommt meist zu hören, dass die Alt-Katholiken gegen den Papst seien. So heißt es beispielsweise in einem Beitrag des Rundfunksenders SWR2 über „christliche Eremiten heute“, (auf den ich kürzlich in der Mediathek dieses Senders gestoßen bin): „Die meisten Alt-Katholiken lehnen den Papst ab und bezweifeln, dass ein Mensch in der Lage sein kann, unfehlbare Entscheidungen zu treffen. Für sie ist Jesus Christus das Oberhaupt aller Christen.“
Natürlich ist Jesus Christus das Oberhaupt aller Christen. Daran zweifeln auch die römisch-katholischen Christen keine Sekunde. Für sie ist der Papst indes das Oberhaupt der von Jesus Christus auf der Erde gestifteten Kirche, quasi als sein irdischer Sachwalter, so wie die anderen Bischöfe im apostolischen Amt auch, deren Ordinarius der Papst gleichsam ist.
Das gilt im Grunde genommen auch für uns Alt-Katholiken, obgleich wir über die Art und Weise, wie er dieses Leitungsamt ausführen sollte, eine andere Auffassung haben. Es kann ja sein, dass viele Alt-Katholiken „den Papst ablehnen“, aber altkatholisch im Sinne von altkirchlich ist das dann nicht mehr.

„Katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt wurde“

Richtig ist, dass die alt-katholische Kirche ein anderes Verhältnis als die römisch-katholische zum Papst hat. In der Müncher Pfingsterklärung vom 26. Mai 1871, die im Wesentlichen von Josef Ignaz von Döllinger formuliert wurde, hieß es: Wir verwerfen die vatikanischen Dekrete, bleiben aber Katholiken nach dem Grundsatz, daß nur das katholisch ist, was überall, immer und von allen geglaubt worden ist (Vinzenz von Lerin).“
Mit den „vatikanischen Dekreten“ waren die Ergebnisse des Ersten Vatikanischen Konzils im Jahre 1870 gemeint: Dort wurde beschlossen, dass der Papst in Fragen des Glaubens und der Sittenlehre aus sich selbst heraus unfehlbar für die Gesamtkirche spreche und das allgemeine Jurisdiktionsprimat, also die höchste kirchliche Lehrgewalt, inne habe. Obwohl auf dem Konzil etliche Bischöfe gegen diese Erklärung Partei ergriffen, stimmten am Ende fast alle dafür. 88 von ihnen waren zuvor abgereist, um gar nicht erst an der Abstimmung teilnehmen zu müssen. „In dem Augenblick der definitiven Abstimmung erhob sich ein Sturm. Eineinhalb Stunden lang wüteten Blitz und Donner. Eine Lampe musste zum päpstlichen Thron gebracht werden, damit Papst Pius IX. die Ergebnisse der Abstimmung und den Text des Dekrets vorlesen konnte (Quelle: http://www.kathpedia.com/index.php?title=Erstes_Vatikanisches_Konzil).“
Wer nicht an Zufälle glaubt, mag sich seinen eigenen Reim auf diesen Sturm als Begleiterscheinung bei der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas machen.

Die alt-katholische Kirche – eine Notkirche

Nachdem die verbliebenen Gegner der Konzilsbeschlüsse sich exkommuniziert sahen, gingen sie in einigen Ländern zur Gründung von katholischen „Notkirchen“, den alt- beziehungsweise christkatholischen Kirchen (in der Schweiz) über. Im Jahr 1889 vereinigten sie sich mit der römisch-katholischen Kirche von Utrecht, die schon länger mit dem Vatikan im Clinch lag, zur Utrechter Union der Altkatholischen Kirchen. Hier erhielten die Altkatholiken ihre apostolischen Weihen, die von der römisch-katholischen Kirche bis heute zwar als unrechtmäßig aber dennoch gültig anerkannt werden. In der gemeinsamen Utrechter Erklärung wurde hinsichtlich des Papstamtes formuliert: „Als mit dem Glauben der alten Kirche in Widerspruch stehend und die altkirchliche Verfassung zerstörend verwerfen wir die vatikanischen Dekrete vom 18. Juli 1870 über die Unfehlbarkeit und den Universal-Episkopat oder die kirchliche Allgewalt des römischen Papstes. Das hindert uns aber nicht, den historischen Primat anzuerkennen, wie denselben mehrere ökumenische Concilien und die Väter der alten Kirche dem Bischof von Rom als dem primus inter pares zugesprochen haben mit Zustimmung der ganzen Kirche des ersten Jahrtausends.“

Anerkennung des historischen Primats des Papstes

Das also ist nach wie vor die offizielle altkatholische Haltung gegenüber dem Papst: Er ist der „Erste unter Gleichen“, wie er es von jeher in der einen Heiligen Apostolischen und Katholischen Kirche gewesen ist. Nichts mit: „Altkatholiken lehnen den Papst ab!“
Dennoch, viele Alt-Katholiken wollen heute scheinbar nichts mehr von diesen ursprünglichen und noch immer gültigen altkatholischen Positionen wissen und definieren sich gern in Abgrenzung zum Bischof von Rom und seinem päpstlichen Amt.

Kirche und Kirchen-Gemeinschaft – die Dialogkommission

Große Mühe haben sich indes die Mitglieder der Internationalen römisch-katholischen und altkatholischen Dialogkommission gegeben, um endlich eine Annäherung zwischen der römisch-katholischen und der alt-katholischen Kirche auf den Weg zu bringen: In einem im Jahr 2009 fertig gestellten Text haben sie Vorschläge für eine Kirchengemeinschaft zwischen Altkatholiken und römischen Katholiken unterbreitet. Im Ergebnis heißt es da: Die Altkatholiken können den Papst durchaus als ersten „der Patriarchen“ anerkennen, der in der Kirche „einen universalen Primat ausübt“ (Kirche und Kirchengemeinschaft: Bericht der Internationalen Römisch-Katholischen – Altkatholischen Dialogkommission. Paderborn/Frankfurt am Main 2009. S. 25). Und die römisch-katholische Seite anerkennt „im heutigen ökumenischen Gespräch (…) die Berechtigung mancher Bedenken gegen diese Lehre (der Unfehlbarkeit und des Jurisdiktionsprimats) und macht geltend, dass der Jurisdiktionsprimat seinen Ort immer nur innerhalb der Communio-Struktur der Kirche haben darf” (S.26). Zu deutsch: Die Altkatholiken erkennen an, dass der Bischof von Rom eine herausragende Position innerhalb der Christenheit einnimmt, die ihn auch zu einer besonderen Leitungs- und Vermittlungsfunktion innerhalb der Versammlung der Bischöfe befähigt. Und die Rom-Katholiken akzeptieren die Bedenken anderer Glieder der einen katholischen Kirche gegen den Jurisdiktionsprimat und die Unfehlbarkeit. Eine Einigung auf kleinstem gemeinsamen Nenner, aber ein gangbarer Weg. Wäre es nicht fantastisch, wenn alle Katholiken in Zukunft wieder gemeinsam die Eucharistie feiern könnten.

Der Papst muss entscheiden – aber synodal!

Matthias Ring, derzeitiger Bischof des Katholischen Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland, hebt indes hervor, das mit der Annerkennung des päpstlichen Primats „keine päpstliche Jurisdiktion über eine Ortskirche (..) und kein Letztentscheidungsrecht des Papstes“ verbunden sein könne: „Vielleicht könnte man diese Funktion des Papstes also mit dem modernen Begriff ‚Moderator’ umschreiben.“ Aber es gäbe Altkatholiken, denen schon das zuviel Papst sei. „Denn sie werden fragen, ob nicht am Ende einer entscheiden muss, damit die Einheit gewahrt bleibt.“
Ja, das ist wohl so, dass am Ende einer entscheiden muss, und ich weiß auch nicht, was dagegen spräche, wenn der Entscheidungsträger sich vorher der Meinung der Mehrheit der Bischöfe versichert hätte. Das wäre dann quasi eine päpstlich-synodale Entscheidung. Was könnten wir Altkatholiken, die wir uns doch immer soviel auf unsere Synodalität einbilden, denn dagegen haben?

Ein Vorschlag aus Taizé!

Frère Alois, Prior der Prior der ökumenischen Bruderschaft von Taizé und Nachfolger des Gründers Roger Schutz hat vor kurzem in einem Beitrag der Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ von den Christen und Kirchen der Welt gefordert: „Tun wir von jetzt an mit den Christen der anderen Konfessionen alles gemeinsam, was gemeinsam getan werden kann, und unternehmen wir nichts mehr, ohne auf die anderen Rücksicht zu nehmen! (Diese forderung sollte uns nicht zuletzt im Hinblick auf die Weihe von Frauen zu Priesterinnen in der alt-katholischen Kirche zu denken geben.) Und zum Thema Papst regt Frère Alois an:

„Könnten nicht alle Christen die Berufung des Bischofs von Rom anerkennen, Verantwortung für die Gemeinschaft unter allen zu tragen, einer Gemeinschaft in Christus, in der auf manchen Gebieten Unterschiede im theologischen Ausdruck weiterbestehen können? Gibt Papst Franziskus nicht uns allen dadurch die Richtung vor, dass er der Verkündigung der Barmherzigkeit Gottes die höchste Priorität einräumt? Versäumen wir diesen uns geschenkten Moment nicht! Ich bin mir dessen bewusst, dass ich damit ein heißes Eisen anfasse und mich vielleicht auch unbeholfen ausdrücke. Dennoch sehe ich keinen anderen Weg, um in Richtung einer versöhnten Verschiedenheit weiterzugehen.“

Wohlgemerkt: Die Berufung des Bischofs von Rom, „Verantwortung für die Gemeinschaft unter allen zu tragen“. Hier ist von Verantwortung, nicht von Leitung die Rede. Atmet dieser Vorschlag nicht geradezu altkatholischen Geist im besten Sinne. Müssten wir diese Anregung nicht, wenn uns wirklich an einer echten Ökumene gelegen ist, aufgreifen und alles dafür tun, ihn mit Leben zu füllen. Ja sind wir um der Einheit der Kirche (des Leibes Christi) Willen nicht geradezu verpflichtet, darauf zu reagieren? Wie könnte das aussehen? Wir könnten etwa den Papst mit in die Intercessiones des Hochgebetes aufnehmen, beispielsweise in der Form:

“Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde und vollende dein Volk in der Liebe, vereint mit unserm Bischof N., dem Bischof vorn Rom, Papst N. und allen Männern und Frauen im priesterlichen und diakonalen Dienst“.

Ein solcher Schritt, ohne Vorbedingungen, wäre eine Geste, welche die Bezeichnung ökumenisch wirklich einmal verdient hätte! Aber leider gibt es auch hier schon wieder Gegenreaktionen, eine fast reflexartige Abgrenzung, wie so oft, wenn es um unser Verhältnis zur römisch-katholischen Kirche und ihrer Ekklesiologie geht. Bleibt die Anregung von Frère Alois also nur ein schöner Traum?

War Petrus der erste Papst?

Der päpstliche Primat steht auch bei uns Alt-Katholiken zwar noch auf dem Papier, aber hier scheint eher das Prinzip zu gelten: Was scheren mich meine Erklärungen von gestern. Dies mag auch daran liegen, dass die Alt-Katholiken (wie auch die orthodoxen Kirchen) die römisch-katholische Herleitung des Petrusdienstes schon seit langem nicht mehr teilen. Matthias Ring schreibt: „Der Bischof von Rom hat für die alt-katholische Kirche eine Vorrangstellung in der Universalkirche, ohne dass sie die biblische Begründung übernimmt, wie sie in der römisch-katholischen Kirche üblich ist. Stattdessen betont die alt-katholische Kirche, dass diese Funktion dem Bischof von Rom zugesprochen wurde oder ihm im Laufe der Zeit zugewachsen ist. Pointiert bedeutet dies: Petrus war nicht der erste Papst.“
Alt-katholische Theologen widersprechen mithin der Auffassung, dass die Vorrangstellung, die Jesus Christus dem Apostel Petrus – dokumentiert an etlichen Stellen in der Heiligen Schrift – einräumt, zur Begründung des Petrusamtes des Bischofs von Rom herangezogen werden könne. Es konnte mir aber trotz häufigem Insistieren noch niemand erklären, wie diese Schriftpassagen denn sonst zu interpretieren seien, beispielsweise Mt 16,18-19: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. 19Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.“
Wenn dem späteren Apostel Petrus von Christus eine besondere Leitungs- oder Vorbildfunktion innerhalb der Schar seiner Jünger eingeräumt wurde, und Petrus dann die Leitung der christlichen Gemeinden in Rom innehatte, so mag man ihn damals zwar noch nicht Papst genannt haben, aber nichtsdestoweniger hatte er ein besonderes Leitungsamt – eben das Petrusamt – inne, dessen Amtsinhaber als Petri Nachfolger, die Bischöfe von Rom, heute als Päpste bezeichnet werden.
Die letztlich entscheidende Frage ist also: Hat Petrus der ersten Christengemeinde in Rom vorgestanden oder nicht. Darüber streiten die Gelehrten bis heute. Dennoch: Der Primat des Bischofs von Rom und mit ihm der Vorstoß von Frère Alois steht auf der Tagesordnung!

Keine Kommentare

Mai 25 2014

Nachtrag zum 1. Mai

Autor: . Abgelegt unter Kultur und Alltag

Armbinde. Aufschrift: Ordner. Daneben rote Plastiknelke.

Der erste Mai – der ist doch schon lange vorbei!

Ich bin spät dran. Der erste Mai ist seit 24 Tagen vorbei! Aber neben meinem Schreibtisch liegt noch ein ganzer Stapel an Zettelchen, Broschüren und Zeitungen, die mir bei der hannoverschen DGB Kundgebung in die Hand gedrückt wurden. Selbige fand in diesem Jahr übrigens das erste Mal auf dem Trammplatz vor dem neuen Rathaus und nicht wie die Jahrzehnte zuvor auf dem Klagesmarkt statt.
Das ganze Konvolut kommt jetzt jedenfalls ins Altpapier. Zuvor soll aber noch festgehalten werden, was für Sprüche und Parolen zum ersten Mai 2014 in Hannover die Runde machten:

  • „Mindestlohn: Falscher Schritt in die richtige Richtung“ titelt die DKP in ihrem Hannoverschen Volksblatt. Oder vielleicht doch: Richtiger Schritt in die falsche Richtung? Schon klar: Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf.
  • „Klartext: Die MLPD* nimmt Stellung: Kampf der Ausbeutung von Mensch und Natur – echter Sozialismus!“ Leute, geht in Deckung. “Echten Sozialismus” gab es für die von 1918 bis 1952 in Russland beziehungsweise der Sowjetunion. (*Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands)
  • Ein Jugendbündnis ruft auf: „Internationale Solidarität statt Festung Europa“. Solidarität ist ja nicht schlecht. Fragt sich jetzt, welche Internationale?
  • „Grenzenlos Solidarisch – Für eine Demokratie von unten!“ Fordert das Bündnis Blockupy. Ich weiß ja nicht: Eine „Demokratie“ von ganz unten ging hierzulande schon mal ganz nach hinten los.
  • Hier und in Europa. Die Verhältnisse ändern (…)“ fordert Die Linke. Soweit d’accord . Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.
  • „Marx is muss 2014“ meint ein Bündnis, unterstützt von Taz, Junge Welt und Neues Deutschland. Marx? Opium für Atheisten!
  • „Rebellion gegen die EU ist Gerechtigkeit.“ Oh weia, schon wieder die MLPD. Gerechtigkeit? Tod oder Sibirien!
  • Die MLPD lässt nicht locker: „Gegen das Europa der Banken und Konzerne“. Für das Europa der Zentralkomitees und Politbüros? Och nee!
  • Und noch mal die MLPD: „Wie ‚humanitär’ ist die Flüchtlingspolitik wirklich? Lager machen krank“. Stimmt. Hinzuzufügen bleibt: Auch der Archipel Gulag war alles andere als gesundheitsfördernd.
  • Last not least: „Säkular? Na klar“ meint der Internationale Bund der Konfessionslosen und Atheisten. Na, die werden dereinst Augen machen.

Keine Kommentare

Mai 17 2014

Erleuchtung

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

Sonnenlicht zwischen dunklen Wolken

“(…) du hast es gut: du kannst den HERRN um erleuchtung bitten, aber ich …?;-)”

Diesen Satz mit leicht ironischem Unterton schrieb mir vor Kurzem ein Freund, bei dem ein Projekt gerade nicht so rund läuft, wie er sich das wünscht. Der Betreffende war in seiner Jugend Messdiener und hat der Kirche dann irgendwann den Rücken gekehrt.
“Erleuchtung” ist meistens ein Weg und kein einfach vorfindlicher Zustand, schrieb ich ganz unironisch zurück: Und dieser Weg verweist uns darauf, an die Verbundenheit von allem und von uns allen mit Gott und der ganzen Schöpfung nicht nur zu glauben, sondern sie auch zu erfahren, und wenn auch nur partiell. Das ist es, wonach ausnahmslos jeder Mensch im Grunde sucht, nur, dass viele ein Leben lang suchen, ohne das Ziel ihrer Suche benennen zu können (an dieser Stelle ist vielleicht eine Relativierung angebracht: möglicherweise gibt es welche, die sich bewusst für die Gegenseite, für das Böse, entschieden haben. Die gehören wohl nicht mehr zu den Suchenden). Jede Suche nach Wahrheit ist letztlich immer die Suche nach Gott, denn in ihm ist die ganze Wahrheit aufgehoben. Je näher wir der Wahrheit kommen, desto näher kommen wir Gott und damit der sogenannten “Erleuchtung”. Und letztlich gilt das auch für jeden Akt der Solidarität, den wir anderen Menschen (wahrscheinlich auch Tieren) erweisen. Denn damit machen wir die Verbundenheit mit allen und allem zum Maß unseres Handelns. Das kann immer auch schon ein kleiner Schritt in Richtung Erleuchtung sein, glaube ich.

Keine Kommentare

Mai 04 2014

Altkatholizismus reloaded

Autor: . Abgelegt unter Altkatholizismus

Angélique Arnauld Port Royal
Als unsere katholischen Altvorderen sich am Ende des 19. Jahrhunderts gezwungen sahen, so etwas wie eine Notkirche ins Leben zu rufen, weil sie sich von ihrer Kirche verstoßen fühlten, da fügten sie der Bezeichnung „katholisch“ ganz bewusst das Adjektiv „alt“ hinzu. In der Utrechter Erklärung aus dem Jahr 1889 hieß es:

„Wir halten fest an dem altkirchlichen Grundsatze, welchen Vincentius von Lerinum in dem Satze ausgesprochen hat: Id teneamus, quod ubique, quod semper, quod ab omnibus creditum est; hoc est etenim vere proprieque catholicum. (Wir halten fest an dem, was immer, überall und von allen geglaubt worden ist; das ist nämlich wahrhaft katholisch). Wir halten darum fest an dem Glauben der alten Kirche, wie er in den ökumenischen Symbolen und in den allgemein anerkannten dogmatischen Entscheidungen der ökumenischen Synoden der ungetheilten Kirche des ersten Jahrtausends ausgesprochen ist.”

Die altkatholischen Väter waren stolz auf das „alt“ vor dem „katholisch“, für sie bedeutete es Traditionsverbundenheit und Standhaftigkeit. Heute hingegen ist dieser Begriff vielen Alt-Katholiken irgendwie peinlich. Etliche Alt-Katholiken sind scheinbar wie die TAZ der Auffassung, der Name sei ein echtes Problem. Alt-katholisch, das dürfe auf keinen Fall falsch verstanden werden, heißt es. Und: Wir sind „jünger, als sie denken“, keinesfalls „verknöchert und verstaubt“, sondern im Gegenteil weltoffen und modern.
„Jung“, „jünger“ „modern“, „weltoffen“, das sind mithin einige der am häufigsten verwendeten Schlagworte alt-katholischer Medienpräsenz. Damit werben ansonsten gern Städte oder auch Privatunternehmen für ihre Vorzüge. Alt-katholische Texte versprühen nicht selten den Charme von Slogans aus den Sprücheschmieden der Werbeagenturen. Katholizität und Spiritualität bleiben dabei leider auf der Strecke.

Proselyten in Tüten

Mancherorts wird den Katholiken unserer römisch-katholischen Schwesterkirche in diesem Zusammenhang die „katholische Alternative“ angetragen. Alt(ernativ)katholisch: Proselytenmacherei stand schon immer zu Recht in schlechtem Ruf. Und solche Strategien sind in der Regel (und man muss wohl sagen: zum Glück!) wenig erfolgreich, eher schon werfen sie ein schlechtes Licht auf ihre Urheber. Wir sollten daher aufpassen, dass wir es uns auf diese Art und Weise in der Ökumene, die uns so am Herzen liegt, nicht auf absehbare Zeit ernsthaft verscherzen.
Wir Alt-Katholiken wollen nicht ausgrenzen, aber wir grenzen uns permanent ab. Einer „Alternative“ ist es wesenseigen, dass sie sich zu etwas anderem different verhält. Müssen wir uns auf diese Art und Weise ständig aufs Neue der eigenen Identität versichern?

Mehr Demut jetzt!

Ich denke, mehr Demut, mehr Bezug auf Spiritualität, Kontemplation und Gebet, das würde uns Alt-Katholiken sehr gut zu Gesicht stehen, und das wäre beziehungsweise ist wirklich katholisch, altkatholisch.
Der Trend scheint indes in eine andere Richtung zu gehen: Da gibt es zum Beispiel diese peinliche Jutetasche mit dem Aufdruck: „Verheiratete katholische Priesterin feiert ökumenisches Abendmahl. Fiktion? Realität!“ Eine alt-katholische Geistliche meinte einmal reüssieren zu können, indem sie auf Nachfrage, was den alt-katholisch sei, kurzerhand diese Jutetasche in die Höhe hielt. Und sie bekam Beifall dafür. Der anwesende römisch-katholische Geistliche fühlte sich brüskiert, vielleicht verletzt, und gab seinem Gefühl mit den Worten Ausdruck, dass in diesem Saal ja eine sehr evangelische Stimmung herrsche. Die Ironie dieser Geschichte: Inzwischen ist die Betreffende evangelische Pastorin.

Fischen in fremden Gewässern

Seit Jahrzehnten versucht die alt-katholische Kirche immer einmal wieder in fremden Gewässern zu fischen, indem sie sich dem jeweils herrschenden Zeitgeist andient. Aber weder sind früher die Deutsch-, noch heute die Reformkatholiken in Massen zur alt-katholischen Kirche gestürmt.

Worauf es wirklich ankommt!

Das sollte uns zu denken geben. Meiner Auffassung nach gilt es, sich ganz auf das Gebet, die Kontemplation, die Liturgie zu konzentrieren. Wo wir die Kraft dazu haben, sollten wir uns diakonischen und karitativen Anliegen widmen. Und uns gegen die neoliberalen Zumutungen in der heutigen Gesellschaft wenden, gegen die Verdinglichung und Warenförmigkeit menschlicher Beziehungen. Und damit gegen den Zeit(un)geist.
Darum: Immer schön katholisch bleiben. Evangelische Grüppchen und Gemeinschaften gibt es genug.

Reload

Die alt-katholische Kirche braucht im Prinzip einen spirituellen Reload. Deswegen haben wir in Hannover unsere Kirche übrigens auch auf den Namen St. Maria Angelica geweiht. Wir haben Bezug genommen auf Angélique Arnauld, weil sie aus dem Zisterzienserkloster Port Royal, das im 17. Jahrhundert quasi zu einem besseren Höhere-Töchter-Internat verkommen war, wieder eine geistige Klostergemeinschaft gemacht hat. (Wir haben sie trotz ihrer Nähe zum Jansenismus zur Namensgeberin gewählt, nicht wegen )
Die alt-katholische Kirche Deutschlands in ihrer derzeitigen Verfassung hat streckenweise nur noch bedingt etwas mit der einen ungeteilten Kirche des erstens Jahrtausends gemein, auf die sie sich so gern beruft. Sie muss ihren Weg erst wieder dorthin finden, so wie die Schwestern von Port Royal ihren Weg zurück zur Klostergemeinschaft gefunden haben (aber diesmal bitte ohne Jansenismus).

Keine Kommentare

Mai 02 2014

Jesus rettet (2)

Autor: . Abgelegt unter Allgemein,Transzendenz und Alltag

Hutkrempe
Erster Mai 2014. Hannover, Trammplatz. „Guck mal, der da” sagt Hanno, (Hanno der Straßenmusiker, Entertainer, „Bunter Hund“,) und weist auf den Mann, der jetzt am Rand der Kundgebung steht und sein Schild mit der Aufschrift „Jesus rettet“ in die Höhe hält. „Muss sich hier eigentlich jeder produzieren?“ fügt Hanno mißmutig fragend hinzu.
Mann mit Schild in einer Menschenmenge. Aufschrift: Jesus rettet!
„Ich finde, das ist eigentlich eine ganz witzige Idee“, lautet meine Antwort. Hanno abfällig: “Jesus rettet. Wen soll der denn retten?“
„Na dich – zum Beispiel!“
Hanno schweigt, in seinem Gesicht gefriert ein sarkastisches Grinsen.
Ich hätt’s ihm erklären müssen, denke ich später!

Zum Weiterlesen: “Jahrzehnte lang hat sie das Bild von Dortmund geprägt: Maria Schmidt, die grauhaarige Dame mit dem „Jesus rettet“-Schild”.

Und hier, noch mehr zum Thema. Für uns Katholiken vielleicht etwas zu sola fide, aber ich finde, im Großen und Ganzen kann man es so stehen lassen.

Keine Kommentare

Mai 01 2014

Jesus rettet (1)

Autor: . Abgelegt unter Kultur und Alltag

GOTT WILL, DASS ALLE MENSCHEN GERETTET WERDEN
UND ZUR ERKENNTNIS DER WAHRHEIT GELANGEN.
– Timotheus 1:2,3&4

Plakat 1. Mai Tag der Solidarität. Davor Schild: Jesus rettet.

2 Kommentare