Monatsarchiv für Mai 2013

Mai 29 2013

Der Missbrauch, die katholische Kirche und die Grünen

Wenn das Stichwort Missbrauch fällt, landet man heutzutage schnell beim Thema Katholische Kirche. Und umgekehrt, kommt man auf die Katholische Kirche zu sprechen, ist man flugs beim Problem des Missbrauchs. Dass diese Assoziationskette das Ergebnis einer antikatholischen Medienkampagne ist, werden etliche vermeintlich aufgeklärte Geister wohl schnell als Verschwörungstheorie vom Tisch wischen wollen. Josef Bordat zeigt hingegen in einem eindruckvollen Beitrag auf seinen Block Jobo72’s Weblog, wie, warum und mit welchen Mitteln diese Kampagne geführt worden ist. Und er thematisiert die Doppelmoral im Umgang mit dem Thema. So macht es eben einen Unterschied, ob der Täter ein katholischer Priester, oder ein so genannter Reformpädagoge aus dem Umfeld der Alt-Achtundsechziger war. Deutschland einig Vaterland. Im Kampf gegen die Katholische Kirche hat Deutschland sich so vereint gezeigt, wie seit der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2006 nicht mehr.
Hier weiterlesen: Missbrauch. Teil 1 – Oder: So katholisch sind die Grünen.

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Mai 29 2013

Gebet und Kontemplation im Gotteshaus

Gebet
Die erste Vorbedingung ist die Bereitung der Atmosphäre. Die vielen Regeln, die man in dieser Hinsicht für die Synagoge hat, sind dazu bestimmt, die Synagoge zu einem Ort mit einer gottesdienstlichen, meditativen Atmosphäre zu machen. In die Synagoge zu gehen, sollte eine Erfahrung sein, die einen Menschen darauf vorbereitet, mit seinem Schöpfer in Verbindung zu treten. Schon das bloße Dortsein sollte ausreichen, alle äußerlichen Gedanken aus dem Denken zu entfernen. Man tut gut daran, es den Sepharden gleichzutun, die von dem Moment an, da sie die Synagoge betreten, bis sie sie verlassen, kein einziges unwichtiges Wort sprechen. Die Synagogengespräche auf einem Minimum [zu halten], ist absolut notwendig, wenn man erleben möchte wie sich Kawwana entwickelt. (…) Das Wort ist verschiedentlich auch mit „Empfinden“, „Emotion“, „Konzentration“ oder Andacht übersetzt worden. Seine Wurzel jedoch ist „kiven“, was zielen bedeutet; das ist „gerichtetes Bewusstsein“ als die vielleicht genaueste Übersetzung von kawwana erscheinen. Kawwana besteht jedenfalls darin, alle seine Gedanken auf ein einziges Ziel zu richten.

Aryeh Kaplan (* 23. Oktober 1934 in New York City; † 28. Januar 1983) war ein orthodoxer US-amerikanischer Rabbiner und Schriftsteller. Er wird als ungewöhnlich produktiver und origineller Lehrer anerkannt. Sein Werk reicht von Studien über die Tora und den Talmud zu Arbeiten über Mystik und Philosophie. Er veröffentlichte über 50 Bücher zu Themen der jüdischen Mystik und Religion.

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Mai 26 2013

Brief des Apostels Paulus an die Römer 5, 1-5

Zweite Lesung des Tages

Gerecht gemacht aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn.
Durch ihn haben wir auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen, und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.
Mehr noch, wir rühmen uns ebenso unserer Bedrängnis; denn wir wissen: Bedrängnis bewirkt Geduld,
Geduld aber Bewährung, Bewährung Hoffnung.
Die Hoffnung aber läßt nicht zugrunde gehen; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.

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Mai 25 2013

Der Preis der Freiheit I. Hungerlöhne in El Salvador bei der deutschen Firma Dümmen

Autor: . Abgelegt unter Prekariat und Alltag

Das Unternehmen Dümmen aus Rheinberg in Nordrhein Westfalen produziert Weihnachtssterne. Das heißt, es lässt Weihnachtssterne produzieren, und zwar in dem mittelamerikanischen Staat El Salvador. Dort betreibt das Unternehmen eine Plantage. Der größte Teil der Arbeiter und Arbeiterinnen erhält hier 105 US-Dollar im Monat. Dieser Betrag liegt unter den Mindestlöhnen des Landes, die im Bereich Handel, Dienstleistungen und Industrie cirka 180 US-Doller – US-Dollar ist seit 2001 die Landeswährung – betragen. 105 US-Dollar reichen in El Salvador nicht einmal für eine Einzelperson zum Leben. Der Grundbedarf für eine vierköpfige Familie beträgt nach Einschätzung der Regierung des Landes rund 700 US-Dollar pro Monat. Kann die Firma Dümmen nicht mehr zahlen, oder macht sie sich die desolate soziale Situation im dem mittelamerikanischen Land zunutze. Die Unterbeschäftigung liegt bei rund 45 Prozent, billige Arbeitskräfte gibt es also genug.
Auf mehrere Versuche der in Lateinamerika engagierten Nicht-Regierungsorganisation Christliche Initiative Romero (CIR), die Firma zu einem Kurswechsel zu bewegen, hat Dümmen bisher nicht reagiert. CIR setzt sich vor Ort für die Verbesserungs der Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung ein.
Dümmen hält es wahrscheinlich mit John Stuart Mill: „Ein Staat, der seine Menschen verzwergt, um sie zu gefügigeren Werkzeugen in seinen Händen zu machen – und sei es für wohltätige Zwecke -, wird erkennen müssen, dass mit kleinen Menschen keine großen Dinge zu erreichen sind“. In diesem Fall ist es allerdings nicht der Staat, der seine Bürger verzwergt. Vielmehr ist es die deutsche Firma Dümmen, die ihren Arbeitern und Arbeiterinnen in El Salvador Hungerlöhne zahlt und deren Nachkommen damit dem Risiko der Verzwergung aussetzt. Und so sind in El Salvador wohl auch künftig “keine großen Dinge zu erreichen”. Es sei denn, in Zukunft kommen doch noch einmal ein paar mutige Sozialreformer zum Zuge, um etwas gegen die Freiheit zur Ausbeutung abhängiger und unterprivilegierter Menschen zu unternehmen.

Hier Weiterlesen: Blühende Ausbeutung (PDF)

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Mai 25 2013

“Albert, isses schon richtig?”

Autor: . Abgelegt unter Kultur und Alltag

Irgendwo in einem kleinen Jazzclub in Deutschland. Albert Mangelsdorff kommt auf die Bühne und beginnt mit einem Solostück. Dabei verfällt er sofort in seine berühmte mehrstimmige Spieltechnik, mit der er so etwas wie multiphonetische Obertöne erzeugen kann. Hinter der Bühne befindet sich das Tonstudio, in dem jedes Konzert in diesem Club mitgeschnitten wird. „Albert, übste noch, oder isses schon richtig“, ertönt eine Stimme aus dem Studio. Allgemeine Belustigung. Albert Mangelsdorff findet das erst einmal gar nicht lustig. Aber dann siegt der Humor. Es wird ein wunderbares Konzert.
Vor kurzem habe ich in einem Plattenladen eine alte Vinyl-Scheibe aufgetrieben, auf der Mangelsdorff zusammen mit Musikern der Klaus Lage Band zu hören ist. Popsongs, Stücke von Jimmy Hendrix, den Beatles, Stones, aber auch Eigenkompositionen von Albert Mangelsdorff finden sich auf diesem Album. Der Sound ist größtenteils ziemlich smoothy, entspannter Mainstreamjazz eben, einige Stücke kommen eher rockig daher. Und Mangelsdorff wäre nicht Mangelsdorff, wenn er nicht auch hier zwischendurch immer mal wieder seine typischen mehrstimmigen Soundakzente setzten würde.
Erinnern wir uns an diesen großartigen Jazzmusiker, der am 25.Juli 2005 gestorben ist!

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Mai 23 2013

Lasst nur das Kapital walten und alles wird gut!

Autor: . Abgelegt unter Politik und Alltag

Unsere Regierenden werden die Nation voranbringen, indem sie sich strikt auf ihre rechtmäßigen Pflichten beschränken, indem sie es dem Kapital überlassen, die lukrativsten Anlagemöglichkeiten zu finden und Waren ihren fairen Preis; Mühe und Intelligenz sollen ihren natürlichen Lohn, Trägheit und Dummheit ihre natürliche Strafe finden; dem Staat obliegt es, den Frieden zu wahren, das Eigentum zu verteidigen, die Kosten des Rechts zu senken und überall strikte Sparsamkeit walten zu lassen.
Thomas Babington Macaulay, zitiert nach Morgenländers Notizbuch

Lässt man allerdings dem Kapital zu viel Freiheit, muss dann doch wieder der Staat ran, wie sich erst jüngst erneut erwiesen hat. Ein gewisser Marx hat das schon im 19. Jahrhundert recht treffend formuliert:

“Kapital flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen Horror vor Abwesenheit von Profit, oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.”
Karl Marx, Das Kapital, Band 1, Kapitel 24

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Mai 22 2013

Die Postachtundsechziger und ihre Pädophilen

Autor: . Abgelegt unter Kultur und Alltag

Daniel Cohn-Bendit, grüner Europaabgeordneter und früherer Kampfgefährte Joschka Fischers aus Frankfurter Zeiten, ist wegen des Pädophilievorwurfs in die Schusslinie der medialen Öffentlichkeit geraten. In einem Buch aus dem Jahr 1975 hatte Cohn-Bendit sexuelle Handlungen mit Kindern in einem Kinderladen geschildert, in dem er einige Zeit zuvor als Kinderbetreuer arbeitete. Das, womit der „rote Dany“ sich seinerzeit vor fast 40 Jahren brüstete, ist ihm heute unsäglich peinlich, wie er gestand. Der Zeitgeist unterliegt halt wechselnden Diskursen und was im Denken und Handeln heute potenziell als asozial und kriminell gilt, war vor etwa 40 Jahren noch linksalternativer Mainstream. Sex mit Kindern, das firmierte damals unter dem Etikett des kindlichen Rechts auf Sexualität, jedenfalls, solange es nicht gar zu offensichtlich als Zwangs- beziehungsweise Gewaltakt erkenntlich war.
Die vermeintliche sexuelle Zwangsmoral galt seinerzeit in bestimmten Kreisen als eine der Hauptursachen für die Ausbreitung des Faschismus. Hier bezog man sich hauptsächlich auf Schriften des Freud-Schülers, Psychoanalytikers und Kommunisten Wilhelm Reich. Teilweise spielten auch die Antisemitismus-Studien, die von Angehörigen der Frankfurter Schule während der Zeit des deutschen Nationalsozialismus im US-amerikanischen Exil durchgeführt worden waren, eine Rolle. Von der sexuellen Zwangsmoral müsse man sich mithin befreien, dies war ein wesentlicher Aspekt im Diskurs der linksalternativen Postachtundsechziger. Und unter Freiheit verstand man nicht zuletzt die individuelle Freiheit zur Realisierung der eigenen Ansprüche, Wünsche und Bedürfnisse. „Wir wollen alles, und zwar sofort“, hieß dementsprechend eine der Spontiparolen in der Szene um den späteren Bundesaußenminister Joschka Fischer, schon damals übrigens ein Spezi von Daniel Cohn-Bendit. Soziale Normen wurden in erster Linie als moralische Restriktionen begriffen, die der abgelehnten bürgerlichen Ordnung entstammten. Wo der individualistische und nihilistische Freiheitsanspruch des postachtundsechziger Spontis mit der Freiheit des anderen Individuums kollidierte, konnte die Verantwortung für die psychische und körperliche Unversehrheit des Gegenübers leicht mit dem Verweis auf die bürgerliche Konvention vom Tisch gewischt werden. Denn die bürgerliche Konvention war es ja aus dieser Perspektive, die den Menschen einengte und ihm einen autoritären Zwangscharakter aufprägte. Alles, was das Ausleben der sexuellen Bedürfnisse behinderte, galt zeitweise eher als spießig und reaktionär. Wer sich durch die sexuelle Freizügigkeit, wie etwa den häufigen Wechsel des Sexualpartners oder den bindungslosen Sex, verletzt fühlte, hatte sich eben noch nicht von den bürgerlichen und patriarchalen Zwängen befreit und war daher selber schuld.
Also war alles gut, was diese bürgerliche Konvention sprengte. Alles, was den persönlichen Anspruch auf Freiheit und „Selbstverwirklichung“ einschränkte, erschien als reaktionär. Die von der bürgerlichen Rechtsordnung unter Strafe gestelte Pädophilie galt insofern im Großen und Ganzen als ethisch unproblematisch. Handelte es sich hier doch um ein weiteres Verbot, so dachte man, dass der autoritären und restriktiven bürgerlichen Zwangsmoral entspränge. Der Sex mit Kindern konnte also geradezu als Widerstandsakt, antiautoritäre Praxis und letztlich sogar als emanzipatorisch angesehen werden. So tickte in den 1970er und 1980er-Jahren ein großer Teil der Links- und Grünalternativen. Kein Wunder also, dass sich in ihren Reihen etliche Pädophile tummelten.

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Mai 19 2013

Pfingsten

Pfingsten Maronitische Pfingstikone
(Maronitische Pfingstikone)

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Mai 18 2013

Die Agenda Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel, seines Zeichens SPD-Parteivorsitzender, fordert eine neue Agenda für Deutschland. Weil die letzte so schön war. Auf die Agenda 2010, so bekundet der SPD-Vorsitzende, sei er nach wie vor stolz. Lediglich die Einrichtung eines Billiglohnsektors findet Sigmar Gabriel im Nachhinein nicht mehr ganz richtig. Vier Dinge müssten bei der neuen Agenda im Vordergrund stehen, sagt er: „Bildung, damit wir genug Fachkräfte haben. Faire Löhne, damit sich Anstrengung und Leistung lohnen. Die Bändigung der Finanzmärkte, damit das marktwirtschaftliche Prinzip wieder gilt, nach dem Haftung und Risiko in einer Hand liegen. Und ein funktionsfähiges Energiesystem, weil es das Herz-Kreislauf-System der deutschen Volkswirtschaft ist”.
Köstlich, der Sigmar Gabriel, immer für einen kleinen Scherz zu haben: War es doch Sigmar Gabriels sozialdemokratische Partei, die den Finanzmärkten in Deutschland den letzten Schliff für ungestörten und vor dem Fiskus geschützten Kapitalhandel gegeben hat.
Sigmar Gabriel möchte die Folgen der letzten Agenda, auf die er stolz ist, nun mit einer neuen aus der Welt schaffen. Denn die Schaffung eines Niedriglohnsektors stand ja von Anfang an im Mittelpunkt der Agenda 2010 und dieser Niedriglohnsektor ist überdies das einzige, was nachhaltig von der Reform übrig geblieben ist. Erinnert sich überhaupt noch jemand daran, was die Agenda 2010 so alles im Gepäck hatte: Ich-AG, Personal-Service-Agenturen zur besseren Integration von Langzeitarbeitslosen, JobFloater und, und, und.
Alles Schall und Rauch. Lediglich die Deregulierung des Zeitarbeitsektors, die Schaffung von Arbeitslosengeld 2 mit deiner deutlichen Absenkung der Sozialleistungen und weitere Maßnahmen zur Deregulierung des Arbeitsmarktes sind übrig geblieben. Das hat in vielen Fällen zur größerer Armut, insbesondere aber zu Armut trotz Arbeit geführt.
Sigmar Gabriels Agenda-Kapriolen sind also wirklich ganz amüsant. Ob das aber noch lustig ist, wenn eine möglicherweise wieder gewählte SPD erneut mit einer wirtschaftlichen Agenda aufwartet, darf zu bezweileln sein.

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Mai 08 2013

Händler und Räuber oder: der Kampf gegen den inneren Rassismus

Der Morgenländer: „Sozialdemokraten und Grüne, die mit derlei Forderungen (hohe progressive Einkommensteuern und Vermögensabgaben) in den Wahlkampf gehen, täten gut daran, einmal über die innere Verwandtschaft ihrer Parolen mit dem ‘deutschen Sozialismus’ unseligen Angedenkens nachzudenken.
Der ‘Kampf gegen rechts’ würde dann vielleicht zum Kampf gegen die eigenen Neidgefühle.“

Rechts- und Neoliberale täten gut daran, einmal darüber nachzudenken, welche Rolle die Banken und das Großkapital bei der Machtübernahme Adolf Hitlers und der Nationalsozialisten in Deutschland gespielt, und wie viel etliche Konzerne an den Mordprogrammen der Nazis verdient haben. Der Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit würde dann vielleicht zum Kampf wider den eigenen sozialen rassistischen Impulsen gegenüber der Unterschicht und den Verlieren der kapitalistischen Gesellschaftordung!

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