Monatsarchiv für Februar 2013

Feb 24 2013

Mostrich und Maastrich

Autor: . Abgelegt unter Politik & Christentum

Macht Mostrich aus Maastrich, so lautete Ende der 1980-Jahre ein Slogan aus den Reihen der linken EU-Gegner. Sie wandten sich damals aus verschiedenen Gründen gegen den sogenannten Vertrag von Maastrich, durch den im Jahr 1992 in eben jener niederländischen Stadt die Europäische Union (EU) aus der Taufe gehoben wurde. Wie viel Mostrich in Maastrich noch produziert werden würde, das konnte damals wohl noch keiner ahnen. Oder doch. Jüngst hat jedenfalls unser Bundespräsident Joachim Gauck, der evangelische Pastor aus der untergegangen DDR, seinen ganz eigenen Senf dazugegeben:

“Wir Europäer haben bis heute keinen Gründungsmythos nach Art einer Entscheidungsschlacht, in der Europa einem Feind gegenübertreten, siegen oder verlieren, aber jedenfalls seine Identität bewahren konnte.”

Nein? War es nicht vielleicht der „Kommunismus“? Das ihm der, der seinen ganz persönlichen Mythos nicht zuletzt dem Kampf dagegen zu verdanken hat, nicht eingefallen ist, dürfte ihm der eine oder andere vielleicht dann doch verübeln. Auf alles andere hat Martin Johannes Grannenfeld hingewiesen:

„Nein, freilich, Entscheidungsschlachten gegen äußere Feinde hat Europa nie geschlagen, 732, 1571 und 1683 sind als besonders friedliche Jahre des interkulturellen Austauschs in die Geschichte eingegangen“.

Und mehr als dort gesagt wird, gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen.
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Feb 21 2013

“Liebe”

“Liebe bot mir Willkomm, doch meine Seele schrak zurück,
In Schuld des Staubes, Schuld der Sünde.
Sie aber, flinken Augs merksam, wie ich träg
Den Fuß kaum von der Stelle setzte, Drang näher an mich, zärtlich fragend,
ob mir etwas zu mangeln schien.

Ein Gast, gab ich zur Anwort, würdig dieses Orts.
Und Liebe sprach: Du sollst es sein.
Ich, der ich des Undanks, der Ungüte voll? Ach lieber Freund,
Der nicht dich anzuschauen vermag.
Liebe ergriff mich bei der Hand und sagte lächelnd:
Wer schuf die Augen, wenn nicht ich?

Zu wahr Herr, aber ich verdarb sie nur, laß meine Schande
Dort hingehen, wo sie es verdient.
Und weißt du nicht, spricht Liebe, wer den Tadel auf sich nahm?
Dann will ich, lieber Freund, dir dienen.
Du mußt, spricht Liebe, niedersitzen und mein Mahl genießen.

So setzte ich mich denn und aß.”
(Aus: Seelhöfer 2009, 84)

Georg Herbert (3. April 1593 – 1. März 1633)

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Feb 20 2013

Kosoverhandlungen in Brüssel: “Es begann mit einer Lüge”

Autor: . Abgelegt unter Politik und Alltag

Derzeit verhandeln Vertreter der serbischen Regierung mit einer Delegation aus Kosovo unter der Regie der EU in Brüssel über die Zukunft dieser ehemaligen serbischen Provinz. Dabei geht es auch um die Zukunft der verbliebenen serbischen Minderheit. Wochenlange NATO-Bombardements hatten im Jahr 1999 die erzwungene Abtrennung des Kosovo von Serbien eingeleitet. Vor fünf Jahren erklärte Kosovo seine Unabhängigkeit, die inzwischen von über 100 Staaten anerkannt worden ist. Serbien besteht darauf, dass Kosovo weiterhin ein Teil des eigenen Staates ist. Doch die derzeitige Regierung will den Balkanstaat in die Europäische Union führen. Das jedoch dürfte ohne Konzessionen in der Kosovofrage nicht zu machen sein.
Völkerrechtlich ist die gewaltsame Abtrennung des Teilgebietes eines autonomen Staates unrechtmäßig, das jedenfalls habe ich einmal im völkerrechtlichen Seminar gelernt. Doch wer jemals der Auffassung war, das Völkerrecht sei mehr als das Recht des jeweils Stärkeren, dem anderen seine ganz eigene Auffassung vom sogenannten Recht der Völker aufzuzwingen, kann, wenn er will, am Beispiel Kosovo etwas Neues erfahren.
Die Bilanz dieses Krieges: Unzählige Tote, Hunderttausende vertriebene Serben und Roma, eine Vielzahl von zerstörten serbisch-orthodoxen Kirchen, Klöstern und Heiligtümern.
War dieser Einsatz damals wirklich notwendig und gerechfertigt, trotz seiner zweifelhaften völkerrechtlichen Legitimation? Es begann mit einer Lüge. Darüber berichteten die Journalisten Mathias Werth und Jo Angerer schon in ihrer 2001 erstmals in der ARD gesendeten Dokumentation.

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=HBHefedY4fw&w=420&h=315]
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=_u016f9FJ8U&w=420&h=315]
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=O9I9Bz1MAJA&w=420&h=315]

Süddeutsche Zeitung: Als die Menschenrecht schießen lernten – hier klicken!

(Zeitschrift Ossiettzki) Hartwig Hohnsbein: Die NATO läßt Kirchen schänden – Hier klicken!

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Feb 19 2013

Mercy, Mercy Mercy!

Autor: . Abgelegt unter Klang und Alltag

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=BUMBOoZywEI&w=420&h=315]

 

Im Jahr 1966 landete das Julian Cannonball Adderley Quintet mit dem Stück Mercy, Mercy Mercy einen Hit in den US-amerikanischen Charts, für einen Jazz-Titel schon zu der damaligen Zeit ein eher ungewöhnlicher Vorgang. Mercy, Mercy Mercy wurde quasi zur Hymne des sogenannten Hardbop-Jazz, zu dessen prominentesten Vertretern der Alt-Saxofonist Adderley gehört. Der Hardbop der 1950er- und 1960er-Jahre gilt musikgeschichtlich als die schwarze Antwort auf die Anpassung des Jazz an den musikalischen Geschmack des weißen Amerikas und in diesem Zusammenhang auch als Antwort auf die Akademisierung des Jazz. Seinen Sound schöpft er aus den expressiven Klängen des Bebops eines Charlie Parker, Dizzy Gillespie und Thelonious Monk, die in den 1940er-Jahren den Jazz revolutionierten. Der Sound des Hardbops sucht seine Identität erneut in den Wurzeln der schwarzen Musik, im Blues und Gospel und eben auch in dessen Spiritualität. Keine Wunder also, dass die Tendenz zur Religiosität schon in einigen Titeln, wie beispielsweise The Preacher oder eben Mercy, Mercy Mercy anklingt.
Es gehört zu den vielen Eigenheiten der Jazz-Musik, dass der „schwarze“ Hardbop entscheidend von einigen wenigen Weißen mitgeprägt worden ist. Mercy, Mercy, Mercy etwa ist eine Komposition des aus Österreich stammenden Joe Zawinuls, der damals im Cannonball Adderley Quintet am Klavier saß. Berühmtheit erlangte das Stück vor allem durch die Liveaufnahme in einem Club in Los Angeles, in dem neben dem damals üblichen Klavier auch ein Wulitzer E-Piano auf der Bühne stand. Der Jazz-Journalist Ralf Dombrowski schreibt in seiner Basis-Diskothek Jazz: „Zawinul entschied sich spontan, das noch relativ junge Instrument statt des üblichen Klaviers einzusetzen, und formte damit nicht nur seinen ersten Hit, sondern auch einen souligen Sound, der bald von zahlreichen Pianisten übernommen und kopiert wurde.“
Für mich gehört Mercy, Mercy, Mercy zu einem der spirituellsten Stücke der Jazzmusik, in dem unsere Bedürftigkeit nach Gnade und gleichzeitig die Dankbarkeit für die Gnade Gottes in besonderer Weise aufscheint. „You know“, so hat Adderley seinerzeit das Stück seinem Publikum vorgestellt,

“sometimes we’re not prepared for adversity. When it happens sometimes we’re caught short. We don’t know exactly how to handle it when it comes up. Sometimes we don’t know just what to do when adversity takes over. And I have advice for all of us. I got it from my pianist Joe Zawinul, who wrote this tune, and it sounds like what you’re supposed to say when you have that kind of problem. It’s called ‘Mercy, Mercy, Mercy’“.

Zu deutsch: „Weißt du, manchmal sind wir nicht auf die Not vorbereitet. Wenn es uns trifft, werden wir kalt erwischt. Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen sollen, was zu tun ist, wenn die Not uns befällt. Ich habe einen Vorschlag für uns alle. Er stammt von meinem Pianisten Joe Zawinul, der diese Melodie schrieb. Sie klingt wie das, was ihr sagen solltet, wenn euch diese Art von Problem befällt: ‚Mercy, Mercy, Mercy’“.

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Feb 16 2013

Endliche kreativ

Autor: . Abgelegt unter Kirche und Alltag

Kirchliche Themen sind in den Medien aus bekannten Gründen derzeit ja wieder recht populär. Vor allem die Frage, wer der nächste Papst wird, ob er nun endliche den Pflicht-Zölibat abschafft, Frauen zum Priesteramt zulässt, die Homosexuellen-Ehe akzeptiert oder die Interkommunion mit den Protestanten einführt, ist von besonderem Interesse. Ja, die Kirche muss jetzt kreativ sein und die Menschen endlich da abholen, wo sie stehen, so wird räsoniert. Allen liegt das Wohl der katholischen Kirche eben gerade sehr am Herzen. Und so hat jetzt auch ein ökumenischer Kongress in Hannover, Motto: Kirche hoch zwei, von sich reden gemacht, auf dem „Katholiken und Protestanten gemeinsam nach Wegen (suchen), wie sie sich die Kirche der Zukunft angesichts schwindender Mitgliedzahlen präsentieren kann”(HAZ). Da gibt es etwa Sinnenparks mit Römerkostümen, Glaubensgespräche in der Kneipe, einen Preacher Poetry Slam und Bischof Nicholas Baines von der anglikanischen Kirche berichtet von tollen Erfahrungen aus dem United Kingdom. Sein Tipp: spielen, lachen, genießen.
Nicht vertreten auf dem Konkress, aber auch sehr kreativ übrigens, der Vorschlag, den Martin Johannes Grannenfeld auf seinem katholischen Blog Geistbraus aus aktuellem Anlass der Fastenzeit unterbreitet hat:

Geistbraus (hat) eine Reihe von zeitgemäßen Fastenvorsätzen zusammengestellt. So wird die Kirche wieder populär! Man muss die Leute ja dort abholen, wo sie, weeste…
Also:
Worauf möchten Sie dieses Jahr in der Fastenzeit verzichten?
aufs Arbeiten
auf gute Werke
auf den Papst
auf Schnee und Hagel
auf den Kirchgang
aufs Fasten
Stimmen Sie ab und gewinnen Sie mit etwas Glück eine Wildbret-Fastenschlemmerplatte für 2 Personen! Garantiert selbstmitleidfrei!“

Genau. Also mitmachen und gewinnen.
Wie war das übrigens noch mal mit dem Zitat des Theologen Karl Rahners: “Die Kirche der Zukunft wird mystisch sein – oder sie wird nicht mehr sein.”
Insofern sind die Aussichten gerade nicht so gut.

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Feb 16 2013

Rücktritt des Papstes – Fragen und Anworten

Im Zusammenhang mit dem Rücktritt Papst Benedikts XVI. von seinem Amt hat sich wohl nicht nur mir die Frage gestellt, inwieweit solch eine Position überhaupt einen Rücktritt zulässt. Oder anders formuliert: Natürlich vermag ein Papst zurückzutreten, aber bleibt er dadurch nicht trotzdem Papst. Auch Bischöfe – an deren Spitze der Papst in der (römisch-) katholischen Kirche als Pontifex Maximus, oberster Brückenbauer, steht – können zwar von der Amtsausübung zurücktreten, verlieren als geweihte Amtsträger in der Kirche aber doch nicht ihre Bischofswürde. Sie bleiben Bischöfe, die ihr Amt nicht mehr ausüben. Ebenso bleibt ein Papst doch wohl Papst, der sein Amt nicht mehr ausübt, ein emeritierter Bischof von Rom gleichsam. Bedeutet das, dass es mit der Neuwahl zwei Päpste gibt: einen, der das Amt aktiv innehat und einen anderen, der auf die dem Amt innewohnenden Rechte und Pflichten verzichtet, sie aber gleichwohl – rein theoretisch natürlich, jederzeit wieder aufnehmen könnte!? Und was könnten sich daraus, rein theoretisch, für kirchenpolitische Probleme ergeben. Ist dieser Gedanke zu abstrakt? Sehr wahrscheinlich, denn Papst Benedikt XVI. gilt als bedachter, gewissenhafter und auch analytisch denkender Mensch, der sich mit möglichen Komplikationen, die seine Entscheidung kirchenpolitisch auslösen könnte, sicher intensiv auseinandergesetzt hat.
Die Begründung dieses für ihn offenkundig notwendig gewordenen Schrittes hat der Papst am jenem Rosenmontag den 11. Januar 2013 in seiner Ansprache vor den Kardinälen erläutert, wiewohl Einiges den Nicht-Lateinern vielleicht hinter den lateinischen Sätzen verborgen geblieben ist, wie der Historiker Michael Stürmer auf welt.de erklärt.

Er hat einen sehr interessanten Satz hineingefügt, den man wohl im ursprünglichen Latein nur voll verstehen kann. Er hat gesagt, das die Welt von so viel widerstreitenden Kräften zerrissen wird, dass er nicht die Kraft hat, sie wieder zusammen zu setzen. Das ist natürlich eine Anspielung in der lateinischen und griechischen Kirchensprache auf den diabolus, den Teufel“, und Διάβολος heißt im Griechischen nichts anderes, als alles durcheinander werfen. Das heißt, hier ist die Welt des Teufels, und die Kräfte, seines, des Papstes Kräfte, reichen nicht aus, um die Welt vor den teuflischen Kräften zu bewahren.

Einige der Ultra-Aufklärer werden dabei wieder die Nase rümpfen und sich darin bestätigt sehen, dass die Kirche und ihre Würdenträger eben doch noch immer in mittelalterlichen Kategorien dächten. Aber nur ein kurzer Blick auf die derzeitige Weltsituation reicht aus, um die Sache etwas anders zu betrachten: Kriege auf allen Kontinenten, Wirtschafts- Währungs- und Kapitalkrisen im Westen, ethnische Spannungen allenthalben, ein zu äußerster Gewaltbereitschaft neigender Extremismus, Verlust ethischer Orientierungspunkte, Verunsicherung und auf der anderen Seite ein ungebremster Hedonismus der Besitzenden, Mächtigen und ihres Personals. Kein Zweifel, in dieser Welt wirken destruktive Kräfte. Sie ist verstärkt zentrifugalen Kräften ausgesetzt, zunehmende räumliche Verdichtung hier, wachsende soziale Spaltung und Verlust von Orientierungen da. Es gibt Grund genug, an der Welt zu verzweifeln. Papst Benedikt XVI. hat es wohl als Aufgabe der Kirche und mithin wesentlich auch als seine eigene angesehen, hier einen Ausgleich zu schaffen und er hat sich eingestehen müssen, dass seine Kräfte dazu nicht (mehr) ausreichen. So gesehen, war sein Rücktritt ein konsequenter Schritt.

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Feb 13 2013

Aschermittwoch: „Bedenke Mensch, dass du Staub bist“

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

Wir Menschen sind autonome Individuen innerhalb der Grenzen, die Gott uns gesetzt hat. Wir haben daher bedingt die Möglichkeit, Gottes Gesetze und seinen Willen zu erkennen und sie für uns anzunehmen und uns zu bemühen, nach ihnen zu handeln. Dabei sind und bleiben wir unvollkommen und sündig. Gott aber hat uns durch Jesus Christus seine Vergebung, seine umfassende Gnade versprochen, die wir erlangen können, wenn wir seine Botschaft annehmen und versuchen, uns ihr entsprechend auszurichten. Durch die Unvollkommenheit, Sündhaftigkeit des Menschen, ist der Sündenfall letztlich etwas, das sich immer wieder aufs Neue ereignet. Indem der Mensch sündig gegen Gott und seine Mitmenschen handelt, vertreibt er sich quasi selbst immer wieder aus dem Paradies, das Gott ihm durch seine vollkommene Schöpfung anvertraut hat. Daher bedürfen wir immer wieder neu der Buße, Umkehr und der Gnade Gottes, die uns durch Jesus Christus und sein Opfer am Kreuz zugesagt wurde. In der katholischen Welt hat es Tradition, dass Menschen am heutigen Tag, dem Aschermittwoch, ihre Bereitschaft zur Umkehr und Buße zeigen und dazu das Aschekreuz empfangen „Der Priester besprengt die Asche, die aus verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen wurde, mit Weihwasser und zeichnet den Gläubigen ein Aschekreuz auf die Stirn. Dazu spricht der Priester die Worte: ‚Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst’ oder ‚Bekehrt euch und glaubt an das Evangelium’.”

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Feb 12 2013

taz-Kommentar zum Rücktritt von Papst Benedikt: „Noch schlimmer als erwartet“

Autor: . Abgelegt unter Neben- und Hauptsächliches

Gestern hat Papst Benedikts XVI. seinen Rückzug vom Dienst als Oberhaupt der (römisch-) katholischen Kirche bekanntgegeben. „Noch schlimmer als erwartet“ sei sein Pontifikak gewesen, lautet der Kommentar in der heutigen Ausgabe der taz.die tageszeitung. Noch schlimmer als erwartet, das allerdings kann man getrost an die Kommentatorin Ines Pohl zurückgeben, die es fertigbringt, alle kirchen- und katholizismusfeindlichen Allgemeinplätze, die derzeit so durch die Medienlandschaft wabern, in ihrem kurzen gut 2000 Zeichen langen Schmäh unterzubringen. Von der Feststellung des Papstes, die Verteilung von Kondomen sei nicht die Lösung im Kampf gegen die Immunschwäche AIDs über die vermeintliche Nichtaufarbeitung des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen in den eigenen Reihen bis hin zur vorgeblich unterlassenen und ihrer Meinung nach „längst überfälligen Annäherung“ an die protestantischen Kirchen, in allem hat der Papst in den Augen der Kommentatorin versagt. Dass die Ausbreitung von Aids gerade auch in jenen Weltregionen voranschreitet, in denen sehr wohl massenhaft Kondome verteilt werden, dass gerade unter dem Pontifikat von Benedikt XVI. die bisher umfangreichste Auseinandersetzung mit sexueller Gewalt, begangen durch römisch-katholische Amtsträger, stattgefunden hat, und das nicht zuletzt auch das strikte Beharren vieler protestantischer Glaubensgemeinschaften auf den eigenen Auffasungen einem stärkeren Aufeinanderzugehen der Konfessionen im Wege steht, für die taz.-Schreiberin alles kein Thema. Aber um eine Würdigung – und sei es einer kritischen – des Pontifikats Benedikts XVI. geht es ihr auch gar nicht. Vielmehr muss sie einmal mehr die antikatholischen Stimmungen ihrer langsam in die Jahre kommenden grün-alternativen Leserschaft bedienen, die sich ihr Herz an eben solcherart Allgemeinplätzen wärmen und nicht zuletzt deshalb monatlich ihr Abo bezahlen. „Es wäre gut, wenn Papst Benedikt XVI. der letzte seiner Art wäre“, meint die taz-Kommentatorin. Wir indes dürfen sicher sein, dass es das Papst-Amt auch dann noch gibt, wenn die Berliner taz längst im Müllhaufen der Postmoderne versunken ist. Warum ich das überhaupt erwähne? Vielleicht, weil ich, a. selbst aus der Generation und dem Umfeld dieses grün-alternativen Dünkels stamme, b. meine Reaktionen auf Derartiges daher immer irgendwie zwischen Scham und gesteigertem Ärger schwanken und c. ich nur hoffe, dass es der katholischen Kirche gelingt, die Menschheit vor dem geistigen Erbe solcherart postmoderner Verirrungen zu bewahren. Gott schenke mir Gelassenheit.

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Feb 10 2013

Das Ich und das Eigentliche

Autor: . Abgelegt unter Transzendenz und Alltag

Suchst du Gott, so suche vor allem in dir, sagt der Mystiker Angelus Silesius: „Halt an, wo läufst du hin? / Der Himmel ist in dir: / Suchst du Gott anderswo, / du fehlst ihn für und für“ (…). Du darfst zu Gott nicht schrein, / der Brunnquell ist in dir: / Stopfst du den Ausgang nicht, / er flösse für und für“. Das ist für den Normalmenschen, ja für den „Normalchristen, manchmal schwer zu verstehen, insbesondere, wenn wir Phasen der Krisen, der inneren Bedrängnis, des Zweifels und des Selbstzweifels erleben.
Bei Johannes heißt es: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst.“ Lassen sich Erfahrungen des Mystikers Angelus Silesius und diese Verse des Evangelisten Johannes auf unserer/meiner eigenen Gottsuche irgendwie zusammenbringen
Als ein allen Dingen gemeinsames Prinzip allen Seins erkennbar sind Gesetzmäßigkeiten in der von Menschen beeinflussten und in der unbeeinflussten Natur, denen gleichsam auch der Mensch als Teil der Natur unterworfen ist. Sie erscheinen als physikalische, biologische und soziale Entwicklungsbedingungen, die der Regel von Ursache und Wirkung, wahrscheinlich auch der Dialektik von These und Antithese unterworfen sind. Es ist, soweit erkennbar, ein Strukturprinzip, dem eine bis an bestimmte Grenzen mathematisch ergründbare Logik innewohnt. Das Universum unterliegt – um hier Hegel zu bemühen – einem ordnendem Prinzip: es ist objektiv vernünftig. Das die Welt durchwaltende und ordnende Prinzip, wird in der klassischen griechischen Philosophie teilweise als Logos bezeichnet. Hegel nahm dies auf und sprach von dem Weltgeist, dem Ursprung einer geistigen Tätigkeit, das sich im und am Menschen im Verlauf der Geschichte selbst verwirklicht. Der Logos indes ist die sich in Sinn und Wort darstellende Artikulation der Vernunft. Dann also ist das Wort ein Kontinuum, das nicht zuletzt diese universelle Vernunft verkörpert. Vielleicht ist gerade sie wesentlicher Ausdruck der schöpferischen Kraft Gottes. In diesem Prinzip ist gleichzeitig etwas, das nach Verbesserung, nach Vervollkommnung, nach Erlösung strebt. Der christliche Erlösungsgedanke ist vernünftig, die Vernunft ist in dem Licht, das in der Finsternis leuchtet, aufgehoben. Lassen sich Materialismus und Spiritualität hierin versöhnen? Ist die Vernunftbegabung, die Fähigkeit, „Ich“ zu sagen, sich als Ego zu erkennen, sich zur eigenen Existenz und zu seiner sozialen Umwelt bewusst und reziprok zu verhalten, dann nicht gerade wesentliches Element der menschlichen Gottesebenbildlichkeit?

„Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen. Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen. Allen Tieren des Feldes, allen Vögeln des Himmels und allem, was sich auf der Erde regt, was Lebensatem in sich hat, gebe ich alle grünen Pflanzen zur Nahrung. So geschah es. Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war sehr gut. Es wurde Abend und es wurde Morgen: der sechste Tag (Gen 1, 26-31)

Nach dem Buch Genesis hat Gott dem Menschen die Erde übergeben, damit er sie schöpferisch gestaltet, sie nach seinen Bedürfnissen formt, sie sich ihm anpasst. Das schöpferische Element, die Fähigkeit, sich selbst in den Produkten seiner Tätigkeit planerisch zu vergegenständlichen, ist dies das fundamentale Merkmal einer Gottesebenbildlichkeit? Ist das sogar der Kern der menschlichen Existenz als solcher. Lassen sich Materialismus und Spiritualität auch hierin versöhnen? Wonach aber suchen wir dann im Gebet, in der Meditation? Möglicherweise ist das, was den Menschen ausmacht, sein Ego, das biblische „Gift“ der Erkenntnis mithin, gerade das, worunter er leidet, weil es ihn vom universellen Ganzen trennt, ihn vereinzelt. Was wir suchen, wäre dann das wieder Heil-Werden im Ganzen. Der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan hat so etwas angedeutet, indem er die freudsche Libido, den Sexualtrieb, in einen alles beherrschenden Todestrieb uminterpretierte. Hat er möglicherweise hier etwas Richtiges wahrgenommen, jedoch falsch gedeutet. Denn als Christen suchen wir nicht den Tod sondern das Leben, ein Leben das wieder vereint und versöhnt ist mit allem, und aufgehoben in der Liebe Gottes.

Die menschliche Vernunft, die Fähigkeit, sich reziprok und bewusst zu sich selbst zu verhalten, universelle Zusammenhänge zu erkennen, sich als geschichtliches Wesen mit eigener Geschichte und darin wurzelnden biographischen Besonderheiten und Bedingungen zu begreifen, durch die wir das geworden sind, was wir sind, sich schöpferisch in den Produkten einer Tätigkeit zu vergegenwärtigen, nach dem Lebenssinn und nach Gott zu fragen und in ethischen Kategorien zu denken und zu handeln, das Ego also, seien mutmaßlich Elemente der im alten Testament postulierten Gottesebenbildlichkeit des Menschen, wurde oben angedeutet. Andererseits sei das von der Vernunft hervorgebrachte Bewusstsein seiner selbst, das Selbstbewusst respektive Ego, gerade ein Phänomen, dass den Menschen tendenziell vereinzele, weil es ihn aus der Natur und dem universellen Ganzen heraushebe. Der Mensch ist fähig, sich als ein von seiner belebten und unbelebten Umwelt getrenntes Individuum begreifen. Leidet der Mensch also unter seiner Gottesebenbildlichkeit? Dies scheint in der Tat ein Widerspruch zu sein. Trennt sein Wesen den Menschen von Gott, oder muss der Mensch unter Überwindung seines Egos erst zu Gott finden, um ganz Mensch sein und sein eigentliches Wesen entfalten zu können? Vielleicht stimmt in dialektischem Sinn beides. Vernunft und Antizipationsfähigkeit sind die wichtigsten menschlichen Eigenschaften. Dies ist die Grundlage, auf der der Mensch sich als in einem ganz bestimmten sozialen und gesellschaftlichen Kontext als zu einer Person mit einer einzigartigen Geschichte und einzigartigen Eigenschaften entwickelt. Es ist nicht zu vermuten, dass dies nur eine Erscheinungsform des Menschen ist, hinter der sich quasi sein wirklicher Kern verbirgt. Was den Menschen ausmacht, schneidet ihn jedoch auch bis zu einem gewissen Grad ab von der göttlichen Dimension des Ganzen, des Universellen. Das ist vielleicht das der menschlichen Existenz inhärente Leid und damit ein Aspekt, der die Dynamik seiner Suche nach Wahrheit ausmacht. Darin steckt nicht zuletzt immer auch eine Sehnsucht nach dem wieder Ganz-Werden. Gebet und Kontemplation sind vielleicht Möglichkeiten, diese Dimension des Göttlich-Universellen zu spüren. Durch die Vernunft, durch die durch die Fähigkeit, sich bewusst zu sich selbst zu verhalten, sind wir fähig, und um die tendenzielle Überwindung unseres Egos zu bemühen, uns zu Gott hin zu öffnen. Wahrscheinlich ist es diese Erfahrung, von der uns die Mystiker berichten. Und dann ist es auch nur folgerichtig, dass dazu etwas vom Ego aufgegeben werden muss, wie es etwa in anderen Worten Meister Eckhardt formuliert:

Wenn ein Meister ein Bild macht aus Holz oder Stein, so trägt er das Bild nicht in das Holz hinein, sondern er schnitzt die Späne ab, die das Bild verborgen und verdeckt hatten; er gibt dem Holze nichts, sondern er benimmt und gräbt ihm die Decke ab und nimmt den Rost weg, und dann erglänzt, was darunter verborgen lag. Dies ist der Schatz, der verborgen lag im Acker, wie der Herr im Evangelium spricht.

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Feb 05 2013

Pepper Adams: A Child Was Born

Autor: . Abgelegt unter Klang und Alltag

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