Archiv für die Kategorie 'Kirche und Alltag'

Jul 09 2014

Was ist altkatholisch (Teil 2): Die alte Kirche und der Zeitgeist

Kirche mit Türmen und Giebeln
Die alte Kirche hat sich in einer Umgebung behaupten müssen, die geprägt war von Hedonismus, Promiskuität jeglicher Form, Sklaverei, Missbrauch, Selbstbezogenheit und Egoismus, heidnischen Götterkulten und Prostitution. Sie hat zu all dem nein gesagt, sie hat nein gesagt zu dem herrschenden Zeitgeist. Sie hat die Menschen aufgefordert umzukehren und sich dem einen, einzigen und dreifaltigen Gott zuzuwenden, der selbst Mensch geworden ist in Jesus Christus. Dadurch konnte sie neue Orientierung und Hoffnung geben. Und so ist sie zur einflussreichsten Kraft in weiten Teilen der Welt geworden.
Jetzt scheinen all die Dinge sie wieder einzuholen, gegen die sie einmal aufgestanden ist. Wenn sich die Kirche den Verwerfungen der Postmoderne und des Zeitgeistes anpasst, kann sie nur verlieren. Gewinnen kann sie, wenn sie diesen Verwerfungen widersteht und zur Hoffnungsträgerin eines neuen auf Gott hin ausgerichteten Lebens und einer besseren und gerechteren Welt wird.
Wir Christen dürfen uns Schrift und Tradition nicht so zurechtinterpretieren wie es und passt. Wir dürfen uns nicht einfach über alles hinwegsetzen, was uns schwierig erscheint, stört oder nicht mehr modern ist. Wenn wir uns dem Zeitgeist mit seinen Verwerfungen andienen, werden wir verlieren. Gewinnen können wir nur, wenn wir das verteidigen, was immer, überall und von allen geglaubt worden ist. Gewinnen können wir nur, wenn wir uns ähnlich widerständig erweisen wie die Alte Kirche. Das eigentlich ist Altkatholizismus!

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Mrz 17 2014

Wohin jetzt mit dem Lutherkeks?

Autor: . Abgelegt unter Kirche und Alltag

lutherkeks
Etliche Alt-Katholiken haben es aufgrund der alt-katholischen Diaspora-Situation bekanntlich ziemlich weit zu ihrer Kirche. Ich selbst kann von Glück sagen, dass meine nur am anderen Ende der Stadt – und nicht wie bei vielen anderen gleich am anderen Ende des Bundeslandes liegt. Wenn mir aber manchmal selbst das zu weit ist, beispielsweise weil ich gerade wenig Zeit habe aber trotzdem einen Sonntagsgottesdienst besuchen möchte, dann gehe ich auch schon mal in die evangelische Kirche hier gleich bei uns um die Ecke.
So geschah es auch an jenem Herbstsonntag im Oktober 2013. Als ich die Kirche betrat, merkte ich indes gleich, das irgend etwas anders war als sonst. Vor dem Regal mit den Gesangbüchern war beispielsweise ein Tisch aufgebaut, der den Griff zu den Büchern per se verhinderte. Stattdessen bekam ich von einer freundlich lächelnden Gemeindehelfern hinter dem Tisch ein kleines Heftchen in die Hand gedrückt. Außerdem bat man mich, doch in den ersten Bankreihen Platz zu nehmen, damit alle näher zusammen seien. Ich tat wie mir geheißen und schaute auf das Heftchen: „Jugendgottesdienst“ stand da in fetten Lettern. Au weia. Mir schwante Schlimmes. Aber um unauffällig das Weite zu suchen, war es jetzt schon zu spät. Da musste ich also durch.
Pünktlich um zehn stand eine der nicht mehr ganz so jugendlichen Kirchenbesucherinnen auf und eilte zur Kanzel. „Hallo“, begrüßte sie die Anwesenden: „meine Name ist Soundso und ich heiße Sie im Namen des Kirchenvorstandes herzlich willkommen. Echt toll, dass Sie so zahlreich zu unserem Jugendgottesdienst erschienen sind. Ich will auch gleich an unsere Jugendlichen weitergeben, die diesen Gottesdienst heute vorbereitet haben.“ Von nun an steuerten also vier smarte Teennager das Geschehen.
Als Einstand gab es statt Kyrie und Gloria erst einmal zwei mit der Gitarre begleitete Songs der Marke 80er-Jahre Kirchenpop. Bei dieser Musikgattung würde ich zuhause konsequent das Radio abdrehen. Aber eine solche Option schied hier ja aus.
Die Lesung der Epistel wurde durch einen von den Jugendlichen vorbereiteten und mit Powerpoint animierten Lichtbildervortrag ersetzt. Und da sich dieser Sonntag in zeitlicher Nähe zum Reformationstag befand, handelte der Vortrag natürlich vom großen Kirchenreformator Martin Luther. Luther, so erfuhr man, habe zum Glück den ganzen katholischen Ballast über den Haufen geworfen und das Christentum wieder auf seine Wurzeln zurück geführt. Was sonst noch so darin vorkam, weiß ich nicht mehr. Vielleicht, weil ich mich zu sehr über diese meiner Meinung nach arg verkürzte Sichtweise ärgerte. Ich gebe zu, ich musste mich an dieser Stelle innerlich schon stark zu der gebotenen ökumenischen Toleranz zwingen. Eine meiner schlechten Eigenschaften ist es, mich schnell aufzuregen.
Für das Evangelium und die Predigt hatten sich die Jugendlichen etwas richtig Schönes zum Mitmachen ausgedacht. „Wir lesen das jetzt abschnittsweise vor, und dann wollen wir mal hören, was euch dabei so einfällt“, lautete die Ansage. Gesagt, getan. Es ging an jenem Tag um die Heilung des Aussätzigen durch Jesus Christus, ich glaube nach Lukas 5: „Und es begab sich, als er in einer Stadt war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz.“ Hier unterbrach der junge Mann seinen Vortrag zum ersten Mal und schaute erwartungsvoll in die Reihen der Kirchenbesucher. „Was meint ihr denn, wie sich der Aussätzige da so gefühlt hat“, fragte er nach. Schweigen.
Hier in unserem Stadtteil gibt es eine kleine Wohneinrichtung für geistig behinderte Menschen, und einige von ihnen besuchen regelmäßig den evangelischen Sonntagsgottesdienst in dieser Kirche. Ihre einfache und unmittelbare Frömmigkeit finde ich immer wieder recht erfrischend. Nachdem auf die Frage des Jugendlichen hin einige Minuten Schweigen geherrscht hatte, rief eine der Behinderten fröhlich aus: „Guut!“. „Gut? Hmm.“ Das war wohl irgendwie die falsche Antwort, die Jugendlichen machten einen pikierten Eindruck und setzten ihren Vortrag in diesem Stil – also immer wieder mit Rückfragen garniert – fort.
Das Ganze zog sich quälend und zäh in die Länge. Die Behinderten wagten nichts mehr zu sagen. Indes kam langsam Unruhe in ihren Reihen auf. „Du bleibst jetzt hier“, herrschte einer seine Begleiterin an. „Lass mich in Ruhe“, schimpfte die zurück und machte Anstalten, sich Richtung Ausgang zu bewegen. Ein scharfes Gezischel von den Anwesenden um sie herum hielt sie jedoch davon ab. Die Jugendlichen machten einen noch pikierteren Eindruck.
Behinderte haben ein gutes Gespür für seltsame Situationen. Wie gern hätte auch ich sang und klanglos diesen Ort verlassen. Aber das war leider nicht möglich ohne Aufsehen zu erregen. Irgendwann war das Frage-Antwort-Spiel ja auch vorbei. Alle atmeten merklich auf.
Jetzt meldete sich zum ersten Mal die in der ersten Reihe sitzende Pastorin in ihrem schwarzen Talar zu Wort: „So, und nun wollen wir alle mal nach vorn kommen und einen Kreis um den Altar bilden“, gab sie bekannt. Ich wollte zwar eigentlich nicht, aber andererseits eben auch kein Aufsehen erregen. Also ging ich mit. Als sich alle versammelt hatten, gab die Pastorin den Zweck des Arrangements bekannt: „Wir verteilen hier nun einen Lutherkeks, den wir nach dem Gebet zum Zeichen der Verbundenheit alle gemeinsam essen wollen. Aber bitte alle zusammen“, ermahnte sie noch einmal eindringlich.
Die Kekse – Butterkeks mit dem Lutherwappen drauf – wurde verteilt, auch ich nahm notgedrungen einen entgegen. Aber ich konnte jetzt doch unmöglich hier mit den Anwesenden einen Lutherkeks essen. Man mag mir diesen unökumenischen Impuls verzeihen, aber ich fühlte mich in dieser Situation alles andere als verbunden. Dem, was sich in mir angesichts dieser meinem Empfinden nach unmöglichen Inszenierung einer vorgetäuschten Eucharistie abspielte, wird man vielleicht noch am ehesten mit der Begriff „Fremdschämen“ gerecht. Und überhaupt, diese katholikenfeindlichen Ausführungen vorneweg: nein, hier irgendetwas zum Zeichen der Verbundenheit zu tun, das ging rein gar nicht. Da hätte ich am nächsten Tag nicht in den Spiegel gucken können.
Die Behinderten in unserem Kreis schienen sich da weit weniger Gedanken zu machen. Sie mümmelten trotz der Ermahnung des Pastorin fröhlich ihre Kekse, noch bevor jene das Startsignal zum gemeinschaftlichen Verzehr gegeben hatte. Und ernteten dafür wieder pickierte Blicke, diesmal nicht nur von den Jugendlichen, sondern auch von der Pastorin.
Die haben irgendwie ein intuitives Gefühl dafür, ob etwas wirklich heilig ist oder ob nur so getan wird, ging mir durch den Kopf. Ich fand jedenfalls, die Behinderten machten hier von allen Anwesenden noch die beste Figur.
Im Gegensatz zu mir, denn mir bereitete die Frage, was tun mit dem Keks, nun wirklich ernsthaftes Kopfzerbrechen. Ich hielt das lutherische Gebäck in der rechten Hand, die ich auf das Zeichen zum Keksessen hin ein wenig Richtung Kopf bewegte und dann wieder sinken ließ. Dabei hielt ich den Keks so mit der Handfläche bedeckt, dass meine Verzehrverweigerung nicht groß auffallen konnte.
Bis hierhin war die Angelegenheit also einigermaßen gut gegangen. Dann allerdings brachte mich die Pastorin jäh noch tiefer in die Bredouille: „Jetzt fassen wir uns alle bei den Händen und sprechen zusammen das Vaterunser“, lautete ihre neuerliche Regieanweisung. Oh nein, bei den Händen fassen, wohin jetzt bloß mit dem Keks. Fieberhaft sann ich über einen Ausweg aus dieser völlig verfahrenen Situation nach. Dabei viel mein Blick auf das Lesepult beziehungsweise den Ambo (ich weiß nicht genau, ob diese Bezeichnung in evangelischen Kirchen noch üblich ist?), der sich ein Stück weit rechts hinter mir befand. Ich schaffte es tatsächlich noch vor dem allgemeinen Händefassen, den Keks dort einigermaßen unauffällig auf einer Ablage zu platzieren.
Jetzt sann ich allerdings darüber nach, wie ich weiter mit dem Keks verfahren sollte. Einfach liegen lassen? Das fand ich nicht so gut. In die Tasche stecken und mit nach Hause nehmen? Irgendwie entsorgen?
Ich war mir schon darüber klar, dass es sich hier einfach nur um einen Keks und um keine konsekrierte Hostie handelte. Dass hier etwas stattgefunden hatte, was nie und nimmer eine Eucharistiefeier sondern lediglich das Nachspielen einer solchen war– ich es hier also letztlich mit etwas Profanem tun hatte. Und trotzdem: Mein Ehrfurcht vor der Eucharistie war und ist so groß, dass ich nicht willentlich respektlos mit etwas umgehen kann, was auch nur im Entferntesten daran erinnert.
Nachdem das Gebet beendet war, schnappte ich mir also unauffällig den Lutherkeks und kehrte an meinen Platz zurück. Auf den Gedanken, den Keks jetzt noch, also in einem eher unverfänglichen Kontext, zu verzehren, kam ich komischerweise gar nicht. Ich legte das Liedheftchen auf die Ablage vor meiner Bank und platzierte den Keks deutlich sichtbar auf dem Heftchen. Nach dem Schlusssegen verließ ich eilends die Kirche. Draußen angekommen, atmete ich auf. Das war geschafft. Die Verantwortung für das weitere Schicksal meines Lutherkekses hatte ich jetzt also an die Urheber dieses Events zurück gegeben. Damit konnte ich einigermaßen leben.
Allerdings: in dieser Kirche war ich bisher noch nicht wieder.

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Mai 29 2013

Der Missbrauch, die katholische Kirche und die Grünen

Wenn das Stichwort Missbrauch fällt, landet man heutzutage schnell beim Thema Katholische Kirche. Und umgekehrt, kommt man auf die Katholische Kirche zu sprechen, ist man flugs beim Problem des Missbrauchs. Dass diese Assoziationskette das Ergebnis einer antikatholischen Medienkampagne ist, werden etliche vermeintlich aufgeklärte Geister wohl schnell als Verschwörungstheorie vom Tisch wischen wollen. Josef Bordat zeigt hingegen in einem eindruckvollen Beitrag auf seinen Block Jobo72’s Weblog, wie, warum und mit welchen Mitteln diese Kampagne geführt worden ist. Und er thematisiert die Doppelmoral im Umgang mit dem Thema. So macht es eben einen Unterschied, ob der Täter ein katholischer Priester, oder ein so genannter Reformpädagoge aus dem Umfeld der Alt-Achtundsechziger war. Deutschland einig Vaterland. Im Kampf gegen die Katholische Kirche hat Deutschland sich so vereint gezeigt, wie seit der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2006 nicht mehr.
Hier weiterlesen: Missbrauch. Teil 1 – Oder: So katholisch sind die Grünen.

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Feb 16 2013

Endliche kreativ

Autor: . Abgelegt unter Kirche und Alltag

Kirchliche Themen sind in den Medien aus bekannten Gründen derzeit ja wieder recht populär. Vor allem die Frage, wer der nächste Papst wird, ob er nun endliche den Pflicht-Zölibat abschafft, Frauen zum Priesteramt zulässt, die Homosexuellen-Ehe akzeptiert oder die Interkommunion mit den Protestanten einführt, ist von besonderem Interesse. Ja, die Kirche muss jetzt kreativ sein und die Menschen endlich da abholen, wo sie stehen, so wird räsoniert. Allen liegt das Wohl der katholischen Kirche eben gerade sehr am Herzen. Und so hat jetzt auch ein ökumenischer Kongress in Hannover, Motto: Kirche hoch zwei, von sich reden gemacht, auf dem „Katholiken und Protestanten gemeinsam nach Wegen (suchen), wie sie sich die Kirche der Zukunft angesichts schwindender Mitgliedzahlen präsentieren kann”(HAZ). Da gibt es etwa Sinnenparks mit Römerkostümen, Glaubensgespräche in der Kneipe, einen Preacher Poetry Slam und Bischof Nicholas Baines von der anglikanischen Kirche berichtet von tollen Erfahrungen aus dem United Kingdom. Sein Tipp: spielen, lachen, genießen.
Nicht vertreten auf dem Konkress, aber auch sehr kreativ übrigens, der Vorschlag, den Martin Johannes Grannenfeld auf seinem katholischen Blog Geistbraus aus aktuellem Anlass der Fastenzeit unterbreitet hat:

Geistbraus (hat) eine Reihe von zeitgemäßen Fastenvorsätzen zusammengestellt. So wird die Kirche wieder populär! Man muss die Leute ja dort abholen, wo sie, weeste…
Also:
Worauf möchten Sie dieses Jahr in der Fastenzeit verzichten?
aufs Arbeiten
auf gute Werke
auf den Papst
auf Schnee und Hagel
auf den Kirchgang
aufs Fasten
Stimmen Sie ab und gewinnen Sie mit etwas Glück eine Wildbret-Fastenschlemmerplatte für 2 Personen! Garantiert selbstmitleidfrei!“

Genau. Also mitmachen und gewinnen.
Wie war das übrigens noch mal mit dem Zitat des Theologen Karl Rahners: “Die Kirche der Zukunft wird mystisch sein – oder sie wird nicht mehr sein.”
Insofern sind die Aussichten gerade nicht so gut.

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Feb 16 2013

Rücktritt des Papstes – Fragen und Anworten

Im Zusammenhang mit dem Rücktritt Papst Benedikts XVI. von seinem Amt hat sich wohl nicht nur mir die Frage gestellt, inwieweit solch eine Position überhaupt einen Rücktritt zulässt. Oder anders formuliert: Natürlich vermag ein Papst zurückzutreten, aber bleibt er dadurch nicht trotzdem Papst. Auch Bischöfe – an deren Spitze der Papst in der (römisch-) katholischen Kirche als Pontifex Maximus, oberster Brückenbauer, steht – können zwar von der Amtsausübung zurücktreten, verlieren als geweihte Amtsträger in der Kirche aber doch nicht ihre Bischofswürde. Sie bleiben Bischöfe, die ihr Amt nicht mehr ausüben. Ebenso bleibt ein Papst doch wohl Papst, der sein Amt nicht mehr ausübt, ein emeritierter Bischof von Rom gleichsam. Bedeutet das, dass es mit der Neuwahl zwei Päpste gibt: einen, der das Amt aktiv innehat und einen anderen, der auf die dem Amt innewohnenden Rechte und Pflichten verzichtet, sie aber gleichwohl – rein theoretisch natürlich, jederzeit wieder aufnehmen könnte!? Und was könnten sich daraus, rein theoretisch, für kirchenpolitische Probleme ergeben. Ist dieser Gedanke zu abstrakt? Sehr wahrscheinlich, denn Papst Benedikt XVI. gilt als bedachter, gewissenhafter und auch analytisch denkender Mensch, der sich mit möglichen Komplikationen, die seine Entscheidung kirchenpolitisch auslösen könnte, sicher intensiv auseinandergesetzt hat.
Die Begründung dieses für ihn offenkundig notwendig gewordenen Schrittes hat der Papst am jenem Rosenmontag den 11. Januar 2013 in seiner Ansprache vor den Kardinälen erläutert, wiewohl Einiges den Nicht-Lateinern vielleicht hinter den lateinischen Sätzen verborgen geblieben ist, wie der Historiker Michael Stürmer auf welt.de erklärt.

Er hat einen sehr interessanten Satz hineingefügt, den man wohl im ursprünglichen Latein nur voll verstehen kann. Er hat gesagt, das die Welt von so viel widerstreitenden Kräften zerrissen wird, dass er nicht die Kraft hat, sie wieder zusammen zu setzen. Das ist natürlich eine Anspielung in der lateinischen und griechischen Kirchensprache auf den diabolus, den Teufel“, und Διάβολος heißt im Griechischen nichts anderes, als alles durcheinander werfen. Das heißt, hier ist die Welt des Teufels, und die Kräfte, seines, des Papstes Kräfte, reichen nicht aus, um die Welt vor den teuflischen Kräften zu bewahren.

Einige der Ultra-Aufklärer werden dabei wieder die Nase rümpfen und sich darin bestätigt sehen, dass die Kirche und ihre Würdenträger eben doch noch immer in mittelalterlichen Kategorien dächten. Aber nur ein kurzer Blick auf die derzeitige Weltsituation reicht aus, um die Sache etwas anders zu betrachten: Kriege auf allen Kontinenten, Wirtschafts- Währungs- und Kapitalkrisen im Westen, ethnische Spannungen allenthalben, ein zu äußerster Gewaltbereitschaft neigender Extremismus, Verlust ethischer Orientierungspunkte, Verunsicherung und auf der anderen Seite ein ungebremster Hedonismus der Besitzenden, Mächtigen und ihres Personals. Kein Zweifel, in dieser Welt wirken destruktive Kräfte. Sie ist verstärkt zentrifugalen Kräften ausgesetzt, zunehmende räumliche Verdichtung hier, wachsende soziale Spaltung und Verlust von Orientierungen da. Es gibt Grund genug, an der Welt zu verzweifeln. Papst Benedikt XVI. hat es wohl als Aufgabe der Kirche und mithin wesentlich auch als seine eigene angesehen, hier einen Ausgleich zu schaffen und er hat sich eingestehen müssen, dass seine Kräfte dazu nicht (mehr) ausreichen. So gesehen, war sein Rücktritt ein konsequenter Schritt.

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